Learner’s Journey – Lernpfade in der Weiterbildung

Wir entwickeln uns in der Weiterbildung auch als Lernbegleitung stetig weiter. Die Methoden und Formate werden digitaler, vielfältiger und interaktiver.

Unter anderem haben wir aber auch erkannt, dass wir Lernprozesse weniger isoliert gestalten müssen.

Denn einzelne kleine Lernerlebnisse haben für sich gesehen nur einen bedingten Effekt – ordnet man diese Einzelschritte in einen geplanten Prozess ein, ergeben sie ein stimmiges Gesamtbild.

Ein Ansatz dafür ist auch die sogenannte „Learner’s Journey“, also die (metaphorische) Reise des Lernenden an das Lernziel. Der Begriff beschreibt im Prinzip die Vorgehensweise, bei der wir Lernpfade gezielt freimachen.

„Learners first“!

Das Konzept der Learner’s Journey ist ähnlich zu einem Prinzip, das es beispielsweise auch im Marketing gibt. Hier nennt sich das „Customer Journey“, also der vorgezeichnete Weg, den Kund:innen vor einem Kauf durchlaufen.

Lernpfade funktionieren ganz ähnlich und leiten die Teilnehmer:innen auf dem Weg bis hin zu einem Lernziel. Dabei stehen die Lernenden selbst immer im Zentrum – vom Onboarding bis zum langfristigen Transfer des Wissens in den Berufsalltag.

Sie sind zudem aber auch selbst immer aktiv in den Prozess eingebunden und sich über ihre Lernziele, sowie die Motivation dahinter, bewusst.

So zeichnen wir Lernpfade

Wie schicken wir also unsere Lernenden auf eine zielführende Reise? Zunächst gilt es, zwei wichtige Fragen zu klären:

1. Wer ist meine Zielgruppe?

Die Lernenden stehen also immer im Mittelpunkt. Daher müssen wir natürlich genau wissen, um wen es sich hier eigentlich handelt und was ihre Bedürfnisse sind. Wir entwickeln eine sogenannte „Learner Persona“, also gewissermaßen einen Archetyp. Das ist in diesem Moment keine konkrete Person, sondern praktisch der größte gemeinsame Nenner.

Zu diesem Zweck gibt es – abgeleitet vom ähnlichen Prinzip im Marketing – ein Modell, das Dir dabei helfen kann:

Basiert auf: Quelle

Schritt 1 & 2:

Wissen ist Macht und daher brauchst Du so viele Informationen über Deine Zielgruppe wie möglich. Dazu zählen demografische Gemeinsamkeiten, ihre Lebens- und Berufsumstände und ihre davon abgeleiteten Lernbedürfnisse.

Diese Daten analysierst Du und erschaffst die „Persona“, also den/die Lernende/n, für den/die die entsprechenden Lernpfade erstellt werden.

Schritt 3 & 4:

Diese Faktoren können beispielsweise in eine Persona einfließen:

  • Verhaltensmuster/Lebensgestaltung
  • Bedürfnisse
  • Kurz- und langfristige Ziele
  • Haltungen, Glaubenssätze und Meinungen
  • Fähigkeiten

All diese Informationen können Dir dann dabei helfen, Deine Weiterbildung so gut wie möglich auf diese Person zuzuschneiden und an die Bedürfnisse anzupassen.

Natürlich ist das immer nur der erste Schritt zur Erfassung eines Lernbedarfs und gerade heterogene Gruppen bringen viele individuelle Faktoren mit. Aber die Analyse einer Zielgruppe kann Dir trotzdem bereits bei der Planung wichtige Hinweise geben, wie Du die besten Lernpfade anlegen kannst.

2. Was ist das Lernziel?

Wir wissen also, für wen wir die Lernpfade zeichnen. Jetzt müssen wir natürlich noch das Ziel kennen. Diese drei Leitfragen können Dir dabei helfen:

  • Welches konkrete Wissen müssen die Lernenden erwerben?
  • Welches Vorwissen haben sie bereits?
  • Welches Wissen muss ich auf dieser Basis dann noch vermitteln?

Beispiel:

Du schulst erfahrene Vertriebler:innen für den Verkauf eines neuen Produktes, das eine Erweiterung einer bestehenden Reihe darstellt. Sie haben schon viel Basiswissen über die Produktreihe, aber nicht über das konkrete Produkt – genau dieses Wissen benötigen sie also, sie brauchen nicht alle grundlegenden Details, wie etwa bei der Schulung neuer Mitarbeiter:innen.

Die 3 Phasen der Learner’s Journey

Wenn wir die grundlegenden Fragen nach der Zielgruppe und den Lernzielen beantwortet haben, können wir Lernpfade anlegen.

Jeder Lernpfad umfasst drei Phasen, die mehrere, individuell anpassbare Schritte einbeziehen können:

  1. Vorbereitung (Pre-Learning)
  2. Lernphase (Learning)
  3. Transferphase (Post-Learning)

Phase 1: Vorbereitung

Diese Phase beginnt ab dem Zeitpunkt, zu dem die Lernenden erfahren, dass sie etwas lernen werden. Die Grundeinstellung zum Lernprozess kann bereits hier eingeleitet werden – diese Phase sollte also keinesfalls unterschätzt werden. Folgende Schritte sind in dieser Phase denkbar:

  • Die Lernenden erhalten die ersten Informationen über Ziele und Inhalte der Weiterbildung
  • Die emotionale Einstimmung auf das Thema
  • Der gesamte Onboarding-Prozess, inklusive vorbereitenden Materialien
  • Die Prüfung des aktuellen Lernstandes der Gruppe

Phase 2: Lernphase

In dieser Phase stehen die Inhalte und die Wissensvermittlung im Zentrum. Daher ist diese Phase besonders individuell zu gestalten, abhängig von Thema und Zielgruppe.

  • Welche Inhalte will ich vermitteln und welche Kompetenzen aufbauen?
  • Welche Methoden will ich einsetzen: Digital/analog oder ein Mix aus beidem?
  • Gibt es Online- und/oder Präsenz-Phasen und wie sind sie getaktet?

Phase 3: Transfer

Diese Phase ist auf die Übertragung des Gelernten in den Berufsalltag fokussiert – häufig ein großer Knackpunkt (oder eine Schwachstelle) in der Weiterbildung. Mögliche Leitfragen sind hier:

  • Wie können die Inhalte langfristig angewendet werden und wie verbessern sie den Berufsalltag der Lernenden?
  • Wie kann ich auch dauerhaft beim Transfer unterstützen und das Wissen festigen? (Transferaufgaben, regelmäßige Auffrischung, >>Online-Begleitung)

So kann eine Learner’s Journey aussehen

Da die Inhalte und Lernziele so individuell sind, ist es schwierig, konkrete Lernpfade vorzugeben. Wir möchten Dir dennoch einmal ein kurzes Beispiel zeigen, wie Du die Planung gestalten kannst.

Natürlich müssen dann die einzelnen Schritte noch mit Leben und Inhalten gefüllt werden, aber es empfiehlt sich meistens eine visuelle Darstellung – so kannst Du Dich bei der Gestaltung daran orientieren und vergisst auch die wichtigen Phasen 1 und 3 auf keinen Fall.

Dieses Beispiel zeigt den möglichen Ablauf einer Veranstaltung, die als >>Blended Learning Konzept angelegt ist:

Eine andere Darstellung kannst Du Dir zum Beispiel >>hier bei der Business Performance Academy anschauen; hier liegt der Fokus stärker auf dem zeitlichen Ablauf.

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