7 Tipps für aktivere Teilnehmende!

Egal ob Online oder in Präsenz – manchmal kommt eine Lerngruppe einfach nicht so richtig aus dem Quark.

Lernende beteiligen sich nicht aktiv genug am Lernprozess und wir müssen sie etwas zu viel bitten.

Woran kann das liegen? Nun ja, die Gründe können vielfältig und teilweise sogar sehr individuell und situationsabhängig sein.

Da wir den Teilnehmenden aber zunächst auch immer nur bis vor den Kopf gucken können, sollten wir uns auf die Faktoren konzentrieren, die wir tatsächlich beeinflussen können.

Denn wenn wir eine Veranstaltung und ihr Konzept von Beginn an auf Teilnehmeraktivierung auslegen, können sich einige Probleme von selbst erledigen.

Welche Tipps können dafür sorgen, dass Teilnehmende und damit die gesamte Gruppe während des Seminars aktiv bleiben?

1. Pausengestaltung

Der erste Punkt wirkt im ersten Moment vielleicht kontraproduktiv zu den Inhalten.

Dabei sind Pausen unheimlich wichtig – das gilt sogar noch verstärkt für Online, Hybrid & Co.

Tatsächlich wissen wir dank der Wissenschaft mittlerweile sogar ganz genau, wie wichtig sie sind. Unser Gehirn bekommt hier nämlich erst wirklich die Gelegenheit, das Gelernte zu reflektieren.

Daher kann die Lösung für zu wenig Aktivität in der Tat oftmals sein, die Aktivität weiter zu reduzieren. Dann können die Teilnehmenden durchatmen und einen Teil des neuen Wissens verarbeiten.

Pausen können natürlich in vielen Fällen auch einfach angebracht sein, wenn die (digitale) Müdigkeit die Oberhand gewinnt. Denn dann ist die Aufnahmefähigkeit ohnehin eingeschränkt.

Es empfiehlt sich, hier durchaus flexibel zu bleiben. Denn diese Kurven sind nicht immer voraussehbar. Achte daher eher auf die konkreten Situationen und reagiere entsprechend. Lieber eine Pause zu viel, als unter Zeitdruck Inhalte durchziehen müssen.

Viele Lerneffekte stellen sich durch eine kluge Verzahnung von Übung und Pausen ein. In >>diesem Artikel zum Thema erklären wir im Detail, wie Pausengestaltung kognitiv funktioniert.

2. Interaktivität

Dieser Punkt sollte hoffentlich in das Konzept eingebacken sein. Trotzdem kann es ratsam sein, hin und wieder eine Veranstaltung zu überprüfen.

Werden die Teilnehmenden tatsächlich genügend eingebunden? Denn Teilnehmeraktivierung funktioniert schließlich nur über eigene Aktivität.

Es sollten für ein hohes Maß an Aktivierung auf keinen Fall zu lange Input-Phasen entstehen, in denen Lernende ohne Unterbrechung aufnehmen müssen.

Gerade in eher theorielastigen Phasen kommt es aber trotzdem oft dazu – aber das muss überhaupt nicht so sein. Auch theoretische Konzepte lassen sich handlungsorientiert vermitteln oder zumindest regelmäßig mit praktischen Übungen aufbrechen.

Dazu gehören auch >>Handlungsaufforderungen, die die Gruppe regelmäßig ganz konkret zum Mitmachen einladen.

3. Mix it up

Dieser Punkt leitet ideal in das nächste offene Geheimnis für aktive Teilnehmer:innen über. Denn wohl nichts ist weniger aktivierend als Langeweile.

Wie im vorherigen Punkt angerissen, werden Lernende vor allem durch zu lange Input-Phasen eingelullt – doch auch bei an sich guten Methoden kann zu viel Gleichförmigkeit aufkommen.

Deshalb sollten wir auf einen gesunden Methodenmix Wert legen und auch bei den Lerninhalten kreativer werden. Denn so wird das Gehirn regelmäßig aufgeweckt, muss sich auf neue Impulse einstellen und kann erst gar nicht in einen schläfrigen Zustand verfallen.

Etwas Inspiration für Lernimpulse kannst Du Dir beispielsweise >>hier holen.

4. Mehrwert

Teilnehmende werden am besten intrinsisch motiviert, wenn sie im Lernprozess einen Mehrwert sehen.

Denn wieso sollten sie nicht etwas lernen wollen, dass ihnen eine Erleichterung im (Arbeits)Leben verspricht?

Wenn wir unseren Lernenden diese Belohnung versprechen können, werden sie wesentlich aktiver am Prozess teilnehmen wollen.

Das kann gerade bei Pflichtveranstaltungen keine leichte Aufgabe sein, manchmal müssen die Teilnehmenden erst einmal vom Nutzen überzeugt werden. Das geht am einfachsten mit besonders viel Praxisbezug und sehr konkreten Anwendungsgebieten.

Wenn Du ihnen aufzeigen kannst, aus welchen Gründen sich die aktive Teilnahme für sie auszahlt, haben sie beinahe keine Wahl mehr 😉

5. Positive Verstärkung

Zuckerbrot und Peitsche sind im Lernprozess fehl am Platz. Mittlerweile belegen sogar >>Studien, dass negative Gefühle eine echte Lernblockade sein können.

Darüber hinaus sind „Fehler“ ohnehin je nach Thema schwierig zu bewerten, gerade in der Erwachsenenbildung. Wir lernen erwiesenermaßen besser, wenn wir positiv verstärkt werden.

Lob und motivierendes Feedback bauen Lernängste ab und ermutigen Teilnehmende zum Weiterlernen. Denn positive Gefühle wollen wir uns schließlich gerne abholen.

Ansätze wie die >>Gamification können zusätzliche Anreize schaffen, die organisch motivieren.

6. Dialog

Teilnehmende – und Menschen allgemein – fühlen sich gerne gehört.

Dafür musst Du natürlich regelmäßig in den aktiven Dialog mit ihnen treten und auch das Feedback aktiv fördern. Menschen äußern nämlich auch sehr gerne ihre Meinung und werden meistens aktiv, wenn es darum geht.

Natürlich gibt es sogar Bonuspunkte, wenn das konstruktive Feedback direkt spürbar umgesetzt wird. Das senkt insgesamt die Hemmschwelle für Rückmeldungen und macht Lernende grundsätzlich aktiver.

7. Reminder

Oftmals reicht in der Praxis eine einzige Handlungsaufforderung nicht aus.

Vor allem in der Erwachsenenbildung wollen wir aber oftmals den Lernenden nicht zu sehr „hinterher räumen“ und fordern viel Eigenständigkeit ein.

Das ist grundsätzlich auch richtig so, trotzdem schaden kleine Reminder und erneute Handlungsaufforderungen der Sache nicht.

Im Gegenteil, sie erinnern in vielen Fällen tatsächlich und schaffen freundliche Verbindlichkeit. Gerade für längerfristige Aufgaben und Projekte kannst Du mit Impulsen zwischendurch für mehr Aktivität sorgen.

Gleichzeitig kommt es so weniger häufig vor, dass Teilnehmende in den Sitzungen keine Fortschritte vorzuweisen haben und mit Erinnerungen gibt es auch weniger Ausreden für die Vergesslichkeit 😉

Haben unsere Teilnehmenden sich verändert?

Die anhaltende Covid-Krise hat uns alle auf viele verschiedene Arten beeinträchtigt. Wechselnde Bestimmungen, Sorgen und für viele Menschen auch das Gefühl der Isolation.

Bei einem unserer letzten Live Coachings berichtete eine erfahrene Trainerin, dass ihr bei einem ihrer ersten Präsenz-Termine nach einer Weile auch eine deutliche Veränderung unter ihren Teilnehmer*innen aufgefallen sei.

Auch wenn sie als Trainerin happy war, dass es endlich wieder Präsenz gab, hatte sie das Gefühl, dass die Stimmung in den Lerngruppen insgesamt trotzdem gedrückt war. Einzelne seien sogar deutlich sichtbar von negativen Gefühlen geplagt worden.

Natürlich kannst Du sagen, dass Du als Trainer*in nicht Therapeut*in bist, aber: Teilnehmer*innen, die mit solchen Gefühlen beschäftigt sind, sind natürlich nicht offen für ein echtes Lernerlebnis. Auch die Gruppendynamik leidet darunter. Es ist daher durchaus in Deinem Interesse, dass die Grundstimmung positiv ist.

Haben die letzten 2 Jahre uns und unsere Lernenden also vielleicht so nachhaltig beeinflusst, dass wir auf die psychische Verfassung unserer Gruppen noch mehr eingehen müssen?

Wie kannst Du als Trainer*in dafür sorgen, dass Du die Grundstimmung anhebst und mehr auf diese Faktoren eingehst? Denn nur negative Entwicklungen festzustellen, reicht uns natürlich nicht, wir suchen nach konkreten Lösungen:

Lösungsansatz 1: Isolation

Menschen, die allein leben, waren in letzter Zeit besonders viel allein. Und selbst Menschen, die zusammenleben, wollten sich wohl nach Lockdown X irgendwann nur noch aus dem Weg gehen. Außerdem fehlen vielen natürlich die freundschaftlichen Kontakte außerhalb des häuslichen Umfelds.

Daher hast Du in Deinen Seminaren vermutlich viele Teilnehmer*innen sitzen, die sich dringend austauschen müssen. Dabei musst Du keine wertvolle Lernzeit abziehen, sondern eher während der Pausen und zwischendurch die Interaktion bewusst anschubsen.

Dafür gibt es einige Wege:

1. Austausch-Plattform bereitstellen oder anregen

Die Zeit während des Seminars ist schön und gut, aber der informelle Austausch kann sich natürlich erst außerhalb der Arbeitsphasen wirklich entfalten. Erstelle für Deine Teilnehmer*innen direkt eine Austausch-Gruppe oder gib Ihnen die Aufgabe, eine zu bilden. Da musst Du auch nicht unbedingt dabei sein, sie können gerne ihre eigene Whatsapp-oder Telegram-Gruppe aufmachen.

2. Gemeinsame Aktivitäten und Gruppenarbeit

Es kann die Gruppendynamik besonders stärken, wenn gemeinsame Übungen durchgeführt werden, auch gerne während der Pausen. Da viele Lernende vermutlich relativ gestresst sind, bieten sich auch Entspannungs- oder Meditationseinheiten an.

Kollaboratives und soziales Lernen ist Online ohnehin wichtig, aber insbesondere bei bedrückten Lerngruppen kann es sehr wirksam sein.

Anstatt alle in den Pausen ihrer Wege gehen zu lassen, kannst Du auch einen (virtuellen) Pausenraum öffnen, in dem sich die Gruppe locker austauschen kann. Eventuell am besten ganz ohne Deine Anwesenheit 😉 Du kannst sie dafür zum Beispiel auch auf eine andere Plattform (z.B. wonder.me) schicken.

Lösungsansatz 2: Zu wenig individuelle Betreuung

In Lerngruppen ist natürlich nicht immer Zeit, auf jedes Mitglied individuell einzugehen. Dabei brauchen das aktuell viele Lernende wahrscheinlich besonders. Wie kannst Du für mehr Individualität sorgen?

1. Kleinere Gruppen

Wenn Du auf diesen Faktor Einfluss hast, kann es sich lohnen, die Lerngruppe überschaubar zu halten. So kannst Du die Bedürfnisse der einzelnen Lernenden wesentlich besser im Blick behalten und Dir auch die Zeit nehmen, auf diese einzugehen.

Falls Du die Gesamtgruppengröße nicht festlegen kannst, achte auf die Gruppengrößen bei den Arbeitsphasen. In Kleingruppen können die Gruppenmitglieder besser aufeinander eingehen und auch zurückhaltende Teilnehmer*innen beteiligen sich eher.

2. Offener Dialog

Vielleicht merkst Du wie unsere Trainerin letztens, dass einzelne Teilnehmer*innen besonders abwesend oder bedrückt erscheinen. Dies offen (und im Einzelgespräch!) anzusprechen, kann hilfreich sein.

Selbstverständlich respektierst Du dann aber auch die persönlichen Grenzen, wenn jemand nicht über seine privaten Gefühle sprechen möchte. Aber Du wirst vielleicht überrascht sein, wie viele Menschen sich öffnen, wenn sie einfach mal ehrlich gefragt werden, wie es ihnen geht.

Lösungsansatz 3: Grundstimmung anheben

Viele von uns können einen Serotonin-Schub gut gebrauchen. Zum Glück gibt es einige Wege, wie wir unser Gehirn mit positiven Impulsen versorgen können:

1. Bewegung

Hier gibt es einige Möglichkeiten: Gemeinsame Stretching-Übungen während der Pausen oder Energizer, die ein Aufstehen erfordern. Das Thema Energizer ist insgesamt bei schlappen Lerngruppen besonders wichtig. Regelmäßige Energizer geben dem Gehirn einen Reset und nehmen den Fokus kurz von vielleicht ernsteren Lerninhalten.

Es muss aber nicht unbedingt sportliche Betätigung sein: Du kannst Deine Teilnehmer*innen auch einfach zu einem kleinen Spaziergang nach draußen schicken. Das kannst Du sogar auch noch mit einer Walk&Talk Einheit verbinden und so gleich zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen. So bekommen die Lernenden eine Dosis frische Luft und können sich gleichzeitig noch ein wenig austauschen.

2. Lernraum angenehmer gestalten

Über die Lernumgebung hast Du bei Online-Formaten oft wenig Kontrolle. Und leider haben viele Lernende tatsächlich viele Ablenkungen in Form von Mitbewohner*innen, Kindern oder Lautstärke.

Dennoch kannst Du hier Hilfestellung geben: Du kannst das Thema direkt zu Beginn ansprechen und Tipps für einen besseren Lernraum geben. Falls möglich kannst Du sogar im Vorfeld Päckchen schicken, die kleine Aufmerksamkeiten enthalten.

Denn im Übrigen können auch alleine haptische Impulse bei langen Online-Einheiten die Stimmung heben!

Hast Du einen Lösungsansatz, wie Du mit bedrückten Teilnehmer*innen oder Lerngruppen umgehst? Wir freuen uns, von Deine Erfahrungen und Tipps zu hören!

Gruppengefühl in hybriden Settings

Zunächst einmal klären wir: Was verstehen wir unter einem hybriden Seminar? Der Begriff wird nämlich in verschiedenen Kontexten durchaus mit unterschiedlichen Bedeutungen verwendet.

Ein hybrides Meeting oder Seminar liegt vor, wenn Du gleichzeitig virtuell und physisch anwesende Teilnehmer*innen betreust. Es ist also eine synchrone Verbindung der beiden Seiten.

Die Verzahnung von abwechselnden Online- und Präsenzphasen verstehen wir mittlerweile eher als Blended Learning. Auch dazu haben wir bereits einen Artikel veröffentlicht.

Die Herausforderung einer hybriden Veranstaltung ist, dass es sowohl ein vollwertiges Präsenz-Meeting als auch ein vollwertiges Online-Meeting umfassen muss. Beide Seiten müssen betreut und eingebunden werden, ohne eine zu vernachlässigen.

Bei der Planung ist es also wichtig, dass Du ein hybrides Format immer vollständig aus der Sicht eines Präsenz-Lernenden und eines Online-Lernenden nachvollziehst.

Eins sei vorweg gesagt: Die Moderation eines hybriden Seminars kann sehr anspruchsvoll sein und Du tust Dir immer einen Gefallen, wenn Du einen Co-Moderator für den technischen Support einsetzt oder direkt designierte Rollen an einzelne Teilnehmende verteilst.

Wieso überhaupt Hybrid?

Vielleicht fragst Du Dich gerade, wieso ein hybrides Format überhaupt den ganzen Aufwand wert sein sollte oder man nicht einfach direkt mit der ganzen Gruppe auf Online umsteigt.

So sehr wir hier auch digitale Lösungen befürworten, so lässt sich nicht abstreiten, dass Präsenz-Formate ein besonderes Feeling und natürlichen Austausch mit sich bringen. Wenn Du die Möglichkeit hast, diesen Modus anzubieten, öffnest Du auch die Meeting-Tür für digital weniger kompetente Teilnehmer*innen.

Natürlich müssen sie auch in einem hybriden Seminar mit Tools und Technik umgehen, aber sie fühlen sich durch die tatsächliche Anwesenheit einer Gruppe im Raum weniger allein gelassen und die Hürde nach Hilfe zu fragen ist geringer.

Ein weiterer Vorteil für Dich und Deine Zielgruppen: Hybrid ist durch die Online-Komponente flexibel und örtlich unabhängiger. Teilnehmer*innen, die nicht vor Ort sein können, nehmen trotzdem aktiv teil und für Dich als Trainer*in kann es Deine Angebote weiter öffnen.

Arbeitest Du vielleicht öfter Inhouse oder schulst Mitarbeiter*innen (inter)nationaler Unternehmen? Dann kann eine hybride Veranstaltung eine tolle Lösung sein, um Lernende aus verschiedenen Standorten zusammenzubringen. Es ist gewissermaßen eine Variante, bei der sich alle in der Mitte aus Online und Präsenz treffen können.

Auch wenn in der Praxis die technische Komponente doch meist sehr stark ausgeprägt sein wird, denn eine reguläre Präsenz-Veranstaltung an den virtuellen Teilnehmer*innen vorbei zu halten, ist schließlich alles andere als Interaktion.

Wenn Du wirklich nur einen Präsenz-Vortrag an virtuelle Teilnehmer*innen übertragen möchtest, bietet sich ein reines Live Streaming mehr an.

Die Grenzen aufheben

Die wahrscheinlich größte Sorge bei hybriden Veranstaltungen ist, dass sich zwei isolierte Gruppen entwickeln. Denn oftmals haben Trainer*innen so das Gefühl, dass sie sich besser auf die einzelnen Seiten konzentrieren können.

Für einmalige Veranstaltungen mag das sogar noch funktionieren, aber in längerfristigen Lerngruppen kann diese Vorgehensweise schnell der Gruppendynamik im Wege stehen. Und selbst in Tagesseminaren ist eine Durchmischung bei kollaborativen Arbeiten eine gute Alternative.

Das gilt im Übrigen auch für die Pausengestaltung. Über Plattformen wie wonder.me kannst Du beispielsweise den informellen Austausch zwischen beiden Gruppen anregen. Weitere allgemeine Tipps zur Planung und Durchführung von hybriden Meetings findest Du beispielsweise in unserem Artikel hier.

Denn hier wollen wir heute konkret einige Ansätze vorstellen, mit denen hybride Lerngruppen über Online-Tools kollaborativ arbeiten und kommunizieren können. Denn ohne digitale Unterstützung wirst Du nicht erfolgreich hybrid arbeiten können.

Grundsätzlich eignen sich alle Methoden für Online-Seminare auch für hybride Settings. Niedrigschwellige digitale Tools sorgen dafür, dass die Veranstaltung nicht zu virtuell wird und sich alle mehr auf die Inhalte konzentrieren können.

1. Der Chat verbindet

Wenn es dir technisch möglich ist, ist es eben immer von Vorteil, wenn alle Teilnehmer*innen an einem virtuellen Meeting teilnehmen. Das bedeutet, dass auch die anwesenden Teilnehmer*innen mit Geräten ausgestattet sein sollten und an etwa einem Zoom-Meeting teilnehmen.

Auf diese Weise kannst Du gleichzeitig an die gesamte Gruppe Links über den Chat verteilen. Die anwesenden Lernenden müssen also nicht unbedingt ständig über die Geräte arbeiten, aber grundsätzlich auf das Meeting Zugriff haben.

Der Chat eignet sich auch immer für Kommunikation und methodischen Einsatz. Der Chat bietet sich immer dann an, wenn es um eine Sammlung von Antworten oder einfach eine Beteiligung aller geht.

So kannst Du beispielsweise zu Beginn oder zum Abschluss mit einem „Emoji-Gewitter“ die Stimmung in der Gruppe visualisieren. Das Chat-Gewitter kann gut für einführende Fragen oder zum Beispiel abschließendes Feedback genutzt werden. Als Variante gibt es auch das sogenannte #TIL-Gewitter (TIL steht für Today I Learned, dt. Heute habe ich gelernt), bei dem alle Lernenden ihre wichtigste Erkenntnis des Tages in den Chat schreiben.

Der Chat kann auch für Energizer wie etwa einen Wortpuzzle verwendet werden, bei dem die Teilnehmer*innen ihre gefundenen Antworten in den Chat schreiben.

2. Kennenlernen nicht vergessen

Wir empfehlen auch für reine Online-Seminare immer, dass die Einführungsphase nicht gestrichen wird. Insbesondere, wenn Du längerfristige Lerngruppen bilden möchtest. Denn in digitalen und hybriden Settings braucht die Gruppendynamik eben manchmal einen kleinen Anschubs.

Es beginnt damit, dass die Online-Lernenden kurz eine Seminarraum-Tour bekommen, denn so fühlen sie sich weniger auf Distanz gehalten und können ein Raumgefühl entwickeln. Während der Kennenlern-Phase oder in Pausen-Einheiten kannst Du die Teilnehmer*innen immer auch „auf Reisen“ schicken, damit sie sich die gegenseitigen Umgebungen zeigen können.

So lässt sich das entfremdete Bildschirm-Gefühl etwas abmildern und die anderen Lernenden bekommen etwas Dreidimensionalität. Denn das Ziel ist, dass sich die Lerngruppe für beide Seiten realer anfühlt und übergreifender informeller Austausch angeregt wird.

Wenn Du eine überschaubare Gruppengröße und die technische Ausstattung dafür hast, kannst Du sogar jeden/jede virtuellen Teilnehmer*in im Raum über ein designiertes Gerät an einem Platz visualisieren. Aber das ist wirklich schon sehr fortgeschritten 😉

3. Mobile Geräte nutzen

Selbst wenn Du auf der Präsenz-Seite nicht mit vielen technischen Lösungen ausgestattet bist, kannst Du auf eines meistens zählen: Die Teilnehmer*innen auf beiden Seiten haben normalerweise Zugriff auf ein Smartphone.

Das heißt das Handy ist das ideale Verbindungsstück für viele Übungen, wenn Du Apps einsetzt, die sich gut über ein mobiles Gerät verwenden lassen.

Ein Beispiel kann etwa das Tool Mentimeter sein, mit dem Du Quizzes, interaktive Präsentationen oder Votings umsetzen kannst.

Über Links oder QR-Codes kannst Du Deinen anwesenden und virtuellen Teilnehmer*innen schnell Zugang zu Deinen Inhalten geben und es können sich alle gleichermaßen beteiligen. Es empfiehlt sich, die Aufgabenstellungen deutlich und eher einfach zu halten.

4. Whiteboards visualisieren für alle

Virtuelle Whiteboards eignen sich für hybride Veranstaltungen besonders gut. Denn Du kannst sie gleichermaßen von beiden Gruppen nutzen lassen, indem Du das Whiteboard im virtuellen Meeting teilst und auch im Seminarraum zeigst.

Das funktioniert natürlich besonders gut, wenn Dein Raum vorne einen großen Bildschirm hat über den Du Inhalte (oder auch die virtuellen Teilnehmer*innen) zeigen kannst. Ein solches Setup ist für hybride Seminare sehr zu empfehlen.

Die anwesenden Teilnehmer*innen können dann je nach Aufgabenstellung selbst an ihren Geräten etwas eintragen oder – wenn Du den Anwesenden eine Geräte-Pause geben möchtest – sammelst Du Wortmeldungen von allen und trägst stellvertretend ein. Auf diese Weise entsteht besonders im physischen Raum fast schon wieder ein nostalgisches Tafel-Feeling.

4 Energizer gegen digitale Müdigkeit

Oftmals fühlt sich in Online-Seminaren die Zeit doppelt so lange an. Das hat verschiedene Hintergründe:

Die Reduktion körpersprachlicher Signale, fehlende Interaktion oder einfach der Bildschirm an sich.

Digitale Ermüdung ist ein echtes Problem für jede/n Online-Trainer/in, aber Du kannst gezielte Maßnahmen ergreifen, um diese Effekte abzumildern.

Das beginnt schon dabei, dass Du in Online-Formaten immer mehr Pausen und kürzere Einheiten einkalkulieren solltest.

Aber selbst, wenn Du das beachtest, kann die Konzentrationsfähigkeit Deiner Teilnehmer*innen immer mal wieder ein natürliches Tief erreichen.

Und wenn die Konzentration schwindet, werden wir weniger produktiv und fehleranfälliger.

Daher gibt es zwei methodische Kniffe, die Du in Deinem Repertoire haben solltest: Energizer und Aufmerksamkeitsbooster.

Wie setzt Du Energizer am besten ein?

Energizer sind kurze Einheiten, die Deine Teilnehmer*innen mit neuer Energie versorgen. Oftmals in Form eines Spiels oder (vor allem Online!) gerne auch in Verbindung mit etwas körperlicher Bewegung.

Wie „verspielt“ Du Deine Energizer angehen möchtest, hängt von Dir und Deinen Teilnehmergruppen ab.

Es muss sich auch nicht unbedingt um vollkommen losgelöste Spiele handeln, sondern Du kannst die Rahmenbedingungen auch in Deinen inhaltlichen Kontext einordnen.

Grundsätzlich eignen sich Energizer-Spiele auch ideal zum Aufbau einer positiven Gruppendynamik. Also kannst Du hier zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen, wenn Du Energizer Varianten wählst, die in Teams gespielt werden.

Zeitlich ist es oft besonders effektiv, wenn Du Energizer zu Anfang einer neuen Einheit und nach Pausen einsetzt.

Online-Seminare erfordern jedoch gerne mal ein wenig mehr Flexibilität als die Präsenz-Variante.

Wann Du Deine Energizer also konkret einsetzt, kann manchmal nur schwierig nach der Uhr geplant werden. Manchmal wirst Du einfach spüren, wie die Aufmerksamkeit zu verschiedenen Zeiten spürbar nachlässt.

Dann solltest Du auch flexibel reagieren können und mit einigen effektiven Energizern im Trainer-Koffer ist das auch kein Problem.

Achte darauf, dass Du vor Beginn das Spiel immer verständlich anmoderierst, damit alle wissen, wie gespielt wird. Eventuell solltest Du auch die technische Seite abdecken, beispielsweise ob die Mikros für den Energizer angeschaltet werden oder die Galerie-Ansicht gewählt werden sollte.

Du kannst solche Energizer-Spiele auch immer mit kleinen (nicht-materiellen) Belohnungen verbinden, um gleich auch noch einen stärkeren Gamification-Effekt einzubauen.

1. Mach schnell!

Hier kommt einer der Klassiker, den wir auch gerne in unseren Veranstaltungen nutzen. Denn das Spiel lässt sich schnell aufbauen und bei Bedarf auch gut inhaltlich steuern.

„Mach schnell“ lässt sich als Energizer besonders gut mit Online-Tools wie Flinga oder Jamboard umsetzen.

Und so geht’s:

  1. Du suchst einige Bilder heraus oder lässt alternativ jede*n Teilnehmer*in ein Bild aussuchen und an Dich schicken (Je nach Zeitkontingent oder ob Du Spiele lieber vorbereitest. Du kannst beispielsweise aber auch live jedem Lernenden ein relevantes Thema geben und sie dazu ein Bild suchen lassen, das dann verwendet wird)
  2. Setze die Bilder auf ein Whiteboard und erstellst für alle Teilnehmer*innen eine Figur (daher ist hier Flinga sehr schön!) oder ähnliches
  3. Du sagst ein Bild an und alle müssen so schnell wie möglich ihre Figur auf das richtige Bild setzen
  4. Jede Runde scheidet der/die Langsamste aus bis ein/e Sieger/in übrig ist

2. Show me around

Es tut in Online-Seminaren sehr gut, immer mal wieder aufzustehen und die Beine zu strecken.

Die Methode „Show me around“ (Führ‘ mich herum) verbindet dabei ein wenig Bewegung mit Teambuilding.

Dazu sei gesagt, dass sie sich eher anbietet, wenn sich Gruppen schon ein wenig aneinander gewöhnt und Vertrauen gefasst haben.

Denn das Prinzip ist, dass sich die Teilnehmer*innen in Kleingruppen gegenseitig ein paar Gegenstände oder Orte im direkten Umfeld zeigen, zu denen sie eine kurze Geschichte erzählen können.

Dabei ist es natürlich jedem Einzelnen überlassen, wie persönlich die kleine Führung sein soll. Indem Du diesen Energizer rechtzeitig ankündigst, können sich die Gruppenmitglieder ihre Gegenstände herauslegen und werden nicht in ihrem privaten Bereich überrumpelt.

So lernen sich die Teilnehmer*innen ganz persönlich kennen und es kommen garantiert viele interessante Geschichten dabei heraus.

Dieser Energizer ist besonders schön, wenn er mit mobilen Geräten verbunden wird, denn so lädt ein solches Intermezzo noch mehr zu Bewegung im Raum ein.

3. Finde den Gegenstand!

Ein weiterer Energizer, der für ordentlich Bewegung in der Gruppe sorgt, ist „Finde den Gegenstand“, denn hier heißt es:

Schnelligkeit gewinnt!

Du sagst nacheinander verschiedene übliche oder auch nicht so übliche Haushaltsgegenstände an, die die Teilnehmer*innen finden und für den Rundengewinn als Erste*r in die Kamera halten müssen.

Bei einem solchen Spiel darfst Du durchaus auch ein bisschen Humor reinbringen und kreative Gegenstände suchen lassen, die vielleicht nicht gerade auf dem Schreibtisch stehen würden.

Wie wäre es zum Beispiel mit Glühbirnen, Sonnenbrillen oder einer Kartoffel? Ein paar Runden reichen aus, um alle Teilnehmer*innen wieder mental und körperlich wachzurütteln.

4. Sound-Quiz

Eine schöne Energizer-Methode, die die Sinne einbindet und Kreativität von den Teilnehmer*innen fordert, ist das Sound-Quiz.

Die Lernenden schalten ihre Kameras aus und am besten auch die Mikros, wenn sie nicht gerade dran sind.

Dann macht jeder reihum ein Geräusch und die Gruppe muss raten, womit der Sound erzeugt wurde. Dabei kann das Geräusch mit dem Mund, einem Gegenstand oder auch über eine digitale Sound-Quelle erzeugt werden.

Falls es sich bei Deinem Thema anbietet, lässt sich das Spiel auch inhaltlich anreichern, indem Geräusche aus einer passenden Kategorie gewählt und identifiziert werden müssen.

Zögerlich mit Spielen?

Du entscheidest, welche Art von Energizer am besten für Deine Lerngruppen geeignet sind. Manchmal haben Trainer*innen Sorge, dass kleine Spiele ihrem Seminar die nötige Ernsthaftigkeit nehmen.

Vielleicht musst Du hier also einfach etwas experimentieren und mit Hilfe von aktiv eingefordertem Feedback von Deinen Gruppen das richtige Maß finden.

Dabei wissen die allermeisten Teilnehmer*innen aus Erfahrung insbesondere etwas Bewegung in Online-Seminaren zu schätzen.

Falls Dein Thema tatsächlich zu ernst für Energizer-Spiele sein sollte, dann halte Dich an gemeinsame Atem- oder kleine Yoga-Übungen.

Mit den richtigen Energizern förderst Du immer wertvolle Konzentration, Achtsamkeit und Offenheit innerhalb der Gruppe – also unterschätze nicht ihre Wichtigkeit in Online-Seminaren!

Dozenten und Schauspieler – mehr Gemeinsamkeiten als vermutet

An den meisten Tagen lieben Vollblut-Pädagogen ihren Job und verkörpern den Lernbegleiter mit ehrlichem Enthusiasmus.

Aber Trainer und Dozenten sind auch nur Menschen – manchmal haben sie schlechte Laune oder sogar einfach mal keine Lust. Vielleicht sind sie auch zeitweise unsicher oder nervös.

Wie kann man es dann vermeiden, dass die Dozentenpersönlichkeit zu einer unglaubwürdigen Fassade wird?

Eine Lösung kann in der Schauspielkunst liegen.

Schauspieler sind per Definition keine Lügner. Sie verkörpern eine Rolle, indem sie in dem Moment ganz und gar zu der Person werden.

Was wäre also, wenn wir in manchen Momenten praktisch die Rolle des Dozenten verkörpern – selbst wenn uns nicht danach ist.

Streng genommen müssen wir dann nicht lügen, sondern nur schauspielern.

Sind Dozenten nicht ohnehin Schauspieler?

Auch ohne explizites Schauspiel-Training teilen Dozenten einige Parallelen mit Schauspielern.

Der Trainer steht vorne auf der „Bühne“ und hat die Aufgabe, die Zuhörer mit seiner Darbietung zu fesseln. Das ist sicherlich auch eine der größten Herausforderungen für Lehrende: der Kampf mit der Aufmerksamkeitskurve.

Wenn wir einer Theatervorführung folgen müssten, die lediglich aus einer Abfolge von langen, eintönigen Monologen besteht, würde uns das wohl auch nicht lange fesseln. Dagegen ist ein Musical, das auch wechselnden Kulissen, bunten Kostümen und animierender Musik besteht, eine wahre Anregung für all unsere Sinne und die Zeit vergeht wie im Flug.

Wenn man das Dozieren also als eine Form des performativen Akts begreift, kann man auch daraus Tipps für das eigene Seminar gewinnen. Manchmal sind wir wohl so auf den Transport eines reinen Informationsgehaltes fokussiert, dass wir dabei die Show vergessen.

Die fesselndsten Präsentationen – also die, die uns am meisten im Gedächtnis bleiben – sind immer diejenigen, die uns emotional angesprochen haben. Wir können noch so viele Diagramme, stichhaltige Fakten und Zahlen vorbereiten – am Ende des Vortrages hat diese wohl kaum ein Zuhörer behalten. Und das ist auch gar nicht nötig, denn Fakten kann man jederzeit nachlesen.

Alle Inhalte einer Präsentation dienen stets nur dem übergeordneten Zweck der Veranschaulichung. Das Ziel ist, den Zuhörern mit Worten ein Bild zu malen. Auch in diesem Sinne ist ein Vortrag oder ein Seminar wohl gar nicht so sehr von einer Theater-Aufführung zu unterscheiden.

Auch Lernende wollen unterhalten werden – und nicht qualvoll die Minuten bis zum Ende des Seminars zählen. Wenn wir beim Lernen Spaß haben und nicht nur unsere grauen Zellen, sondern auch unsere Emotionen angesprochen werden, dann lernen wir schneller und behalten auch besser.

Das heißt natürlich keineswegs das jeder Dozent ein geborener Entertainer sein muss. Es gibt sicherlich auch das andere Extrem. Es kann auch nicht das Ziel einer Bildungsveranstaltung sein, die Information vollständig der kreativen Gestaltung unterzuordnen. Aber etwas mehr Lebendigkeit schadet wohl den meisten Seminaren nicht.

Wenn uns mal nicht nach Lehren zu Mute ist

Wenn wir nun einmal einen solchen Tag erwischen, an dem wir den Pädagogen nicht aus vollem Herzen verkörpern können, können wir den Lernenden schnell ungewollt negative Signale senden. Aber solche Tage zu haben, ist nur menschlich.

Wenn man den Ansatz verfolgt, dass man vorübergehend die Rolle des Dozenten einnimmt, kann dies als Brücke durch schwierige Tage helfen.

Und diese Rolle ist schließlich eine, auf die wir uns seit vielen Jahren vorbereiten und sie intensiv studiert haben – es sollte also kein Problem sein, einen überzeugenden Trainer zu mimen. Eine überzeugende Verkörperung entsteht meistens durch Identifikation. Da wir uns mit der Trainerpersönlichkeit sowieso ganz ehrlich identifizieren, ist das also ein Heimspiel.

Von Schauspielern wird für gewöhnlich verlangt, dass sie vollkommen in einer Rolle aufgehen und die Handlungsweisen und innere Verfassung der Figur glaubwürdig darstellen. Zu diesem Zweck müssen sie die eigenen mentalen und emotionalen Verfassungen beherrschen und kurzfristig überspielen können.

Dabei ist kurzfristig das entscheidende Stichwort – natürlich ist dies nur eine vorübergehende Lösung und eine Hilfe für anstrengende Tage.

Schauspielunterricht kann ganz konkrete Vorteile bieten!

Doch die Schauspielerei hat noch weitere positive Nebeneffekte für Lehrende.

Insbesondere Theater-Schauspieler arbeiten viel mit ihrer Stimme und Atmung. Da vor allem unsere Stimme in einem Seminar viele Informationen und auch Emotionen transportiert, kann die bessere Ausbildung einer klaren, positiven Stimmfarbe den Inhalten unterstützend dienen.

Zudem möchten wir als Trainer natürlich kompetent und sicher auftreten, um den Lernenden ein gutes Gefühl zu vermitteln. Auch Fernseh- und Radiomoderatoren nutzen häufig Stimmtraining und gerade in Online-Seminaren findet sich der Dozent schließlich häufig in der Rolle des Moderators.

Hinzu kommt die Tatsache, dass wir trotz aller Vorbereitung und hochwertigem Equipment über Online-Kanäle einfach eine andere Tonqualität antreffen. Unsere Stimme wird über Lautsprecher eventuell schlechter transportiert, daher kann auch hier eine deutlichere Artikulation und Stimmqualität einen positiven Effekt haben.

Vor allem unter Anspannung neigen wir dazu, in eine höhere Stimmlage zu verfallen. Diese klingt nicht nur unnatürlich, sondern strengt unsere Stimmbänder auch wesentlich mehr an. Daher ist die sogenannte Indifferenzlage das Ziel von Profis auf diesem Gebiet: diese strengt unsere Stimme weniger an und wir können länger und lauter sprechen – gerade für ganztägige Seminare wohl durchaus von Vorteil.

Eine einfache Übung, um die eigene Indifferenzlage zu finden, ist folgende:

Man stelle sich vor, man ist am Telefon mit einer Person verbunden, die einfach ohne Punkt und Komma redet. Uns selbst bleibt daher keine andere Möglichkeit, als deren Erzählungen immer wieder mit einem eventuell leicht gelangweilten „Mh mh mh“ zu kommentieren.

Und da ist sie auch schon – unsere persönliche Indifferenzlage, die wir idealerweise in Präsentationen und Moderationen nutzen sollten.

Denn unser Körper ist im Prinzip wie ein Instrument – und wenn unser (Klang)körper angespannt ist, kann die Musik nicht richtig fließen. Daher können auch Lockerungsübungen helfen, unsere Resonanzräume frei zu machen.

Es gibt verschiedene Übungen, die Anspannungen in uns lösen können. Hier sind einmal drei kleine Beispiele, die sich schnell in jeden Lehralltag einbauen lassen und mit Sofort-Effekt Spannungen im Körper abbauen können.

1. Schulterzucken

Diese Übung besteht aus zwei einfachen Schritten, die ein paar Mal wiederholt werden sollten.

Zunächst zieht man die Schultern hoch in Richtung Ohren und hält sie dort für einige Sekunden.

Anschließend lässt man sie langsam und bewusst wieder sinken und atmet dabei aus.

2. Ausklopfen

Auch diese Übung lockert den Körper und entspannt gleichzeitig auch kurz den Geist.

Man klopft den Körper mit den Handinnenflächen ab.

Angefangen bei den Schultern, über die Arme, weiter über den Bauch und die Beine bis hinunter zu den Füßen. Anschließend nimmt man den Rückweg über die Füße in Richtung Gesäß und landet über den Rücken wieder in der Ausgangsposition.

Eine Wiederholung wird hier empfohlen.

3. Die Korken-Übung

Diese Übung kommt aus dem Stimmtraining und fühlt sich anfangs vielleicht etwas seltsam an, ist aber sehr effektiv.

Normalerweise braucht man wie der Name bereits verrät für diese Übung einen Korken, aber es reicht auch der eigene Daumen. Dieser kann sich sogar besser eignen, da man so sehr schnell schmerzhaft erfährt, wann man die Kiefermuskeln doch zu stark anstrengt.

Zunächst sagt man einmal einen Satz, vielleicht etwas wie „Hallo, mein Name ist … und ich begrüße Sie herzlich zu diesem Seminar“, oder eine andere Willkommensfloskel, die man häufig verwendet.

Mit dem Korken oder Daumen im Mund wiederholt man anschließend diesen Satz.

Zu guter Letzt entfernt man den Gegenstand wieder aus dem Mund und wiederholt den Satz erneut.

Man sollte sofort ein Ergebnis feststellen und eventuell fällt einem auf, wie verkrampft Mund und Kiefer im normalen Zustand beim Sprechen sind. Durch eine solche Übung wird der Kiefer gelockert und der Weg frei für eine besonders klare Artikulation.

Ein klein wenig mehr Show ist erlaubt

Insgesamt lassen sich also mehr Gemeinsamkeiten zwischen Trainern und Schauspielern finden als man vielleicht denken würde.

Da wir als Ausbilder häufig auf die Vermittlung von Informationen spezialisiert sind, kann dabei manchmal der Unterhaltungsfaktor in den Hintergrund geraten. Dabei wollen wir doch am Ende nicht nur die Köpfe der Lernenden anzapfen, sondern sie wirklich erreichen.

Die Schauspielerei als Hobby aufzunehmen, kann also tatsächlich auch dem Dozentenberuf dienlich sein. Dabei ist die Devise natürlich nicht, während eines Seminars ein wortwörtliches Feuerwerk abzubrennen. Aber Lernen darf immer auch Spaß machen.

Unsere eigene Stimme als Werkzeug beachten wir dabei meist viel zu wenig. Die Korrelation zwischen Körper und Stimme wird ebenfalls häufig unterschätzt – dabei beeinflusst praktisch die kleinste Verspannung den Klang unserer Stimme. Daher können Lockerungsübungen auf Dauer wirklich eine spürbare Verbesserung der Stimmqualität bewirken.

Alternativ bieten sich solche und ähnliche kleinen Übungen übrigens auch als Energizer in Online-Seminaren an. Etwas körperliche Betätigung und Ablenkung unterbricht kurz den Informationsfluss und macht alle Beteiligten wieder wach.

Lean Coffee Prinzipien im Online-Seminar

Kennst Du die Methode Lean Coffee, eine der „modernen“ Moderationsformen in der agilen oder Start Up Szene, bei dem die Tagesordnung von den Teilnehmenden selbst gestaltet wird. Im Wesentlichen funktioniert es folgendermaßen: In der Einladung wird ein grundsätzliches Thema benannt, z.B. Mitarbeiterverpflegung. Lean Coffee ist ein geplantes Format für unstrukturierte Meetings ohne Agenda.

• Lean, weil es den Prinzipien des Lean Thinking (u.a. Verschwendung vermeiden, Lernen verstärken, Eigenverantwortung, das Ganze sehen

• Coffee, weil eine lockere, informelle Atmosphäre wie in einem Coffee-Shop erreicht werden soll

Bei einem Lean Coffee wird immer davon ausgegangen, dass immer die richtigen Leute anwesend sind, da nur diejenigen kommen, denen das grundsätzliche Thema wirklich wichtig ist.

Für Lean Coffee gibt es keine Zeitvorgaben oder -empfehlungen, üblich ist eine Dauer von 1 bis 1,5h.

Jeder Teilnehmer*in kann sein Thema, über das er bei diesem Meeting sprechen möchte, in 1-2 Sätzen erläutern. Jedes Thema eines Teilnehmenden wir dann auf eine Haftnotiz geschrieben und auf ein Whiteboard geklebt. Das Whiteboard hat drei Spalten:

• „zu diskutieren“: Hier werden alle Themen gesammelt, die besprochen werden sollen,

• „in Diskussion“: Hier wird das aktuell besprochene Thema angezeigt,

• „diskutiert“: Hier werden die Themen gesammelt, die bereits besprochen wurden.

Anschließend bekommt jeder 3 Klebepunkte und kann sein€ wichtigsten Themen priorisieren.

Am Ende startet man dann mit dem wichtigsten Thema und über jedes der Themen wird (mit Timer) 10-15 Minuten diskutiert, gebrainstormt, debattiert, wenn es kürzer dauert, kann man weniger wichtigen Themen diese Zeit „schenken“.

Nach der vereinbarten Themenzeit wir demokratisch mit Daumen hoch oder runter abgestimmt, ob das Thema sich erschöpft hat oder ob es eine Verlängerung geben soll. Dann kommt eben das nächste Thema dran und das nächste. So hat man in relativ kurzer Zeit effektive Ergebnisse und die beteiligten Menschen fühlen sich mit verantwortlich. Sicher kann man das als reine Meeting Methode auch Online durchführen, allerdings möchte ich Dir eine Methode nur angelehnt daran empfehlen, um bei einem Online-Seminar, bei dem Du die Gruppe und die Bedarfe sowie die Lernziele nicht gut kennst, Wir hatten das Thema ja letzte Woche in meinem Blogartikel

Für die Umsetzung in der Online-Seminar-Welt nennen wir diese Methode:

Frag mich was Leichteres!

Wichtig für diese Form der Bedarfsermittlung ist, dass Du Deine Teilnehmer*innen per E-Mail erreichen kannst. Die Methode eignet sich auch für größere Gruppen.

Du sendest ca. 2-3 Wochen vor dem Seminarstart eine E-Mail an die Teilnehmer*innen, in der Du darum bittest, mindestens eine und max. fünf Fragen zu stellen, auf die sie gerne in Deinem Online-Training eine Antwort hätten. Gib auf jeden Fall eine Rücksendefrist an. Du kannst für diese Art von Umfrage, google oder Microsoft forms nutzen oder auch das Tool Typeforms.

Sammele alle Antworten und sende dann die komplette Liste an die Teilnehmer*innen, mit der bitte, die drei wichtigsten Fragen zu identifizieren und ein Ranking zu bilden. Damit hast Du die wichtigsten Fragen der Teilnehmenden vorab identifiziert.

Zu Beginn des Online-Seminars kannst Du dann die drei oder fünf wichtigsten Fragen aufgreifen und hast so einen Einstieg in das Thema, welches sich an den Bedürfnissen der Teilnehmer*innen orientiert.

Eine sehr einfach durchzuführende Methode, die natürlich auch für Deine Präsenzseminare geeignet ist, um den Teilnehmer*innen das Gefühl zu geben, das ihre Interessen auch zählen. So hast Du in der Regel schon einmal einen positiven Start.

Ich teile meine Vorstellung

Ich bin ja ein Freund von, by the Way lernen. Deshalb gefällt mir die nachfolgende Methode für die Vorstellung besonders gut. Damit können sich Teilnehmer*innen vorab schon mit sich selbst und dem Thema Präsentation beschäftigen. Diese Methode eignet sich besonders, wenn die Teilnehmer sich besser kennenlernen sollen, weil sie länger zusammenarbeiten. Hierbei wird zusätzlich das Teilen von Dokumenten geübt und Sicherheit beim Umgang mit der technischen Plattform erlangt.

Das Onboarding, das Kennenlernen darf im Online-Seminar insbesondere dann Zeit in Anspruch nehmen, wenn Du ein offenes Seminar hältst, bei dem sich die Teilnehmer*innen gar nicht kennen.

Die Gruppengröße sollte 10 Personen nicht überschreiten, da die Gruppe sonst abschweift. Jede Teilnehmerin jeder Teilnehmer erhält per E-Mail die Aufgabe, ein Dokument, eine Folie, eine Zeichnung mitzubringen, auf der sich eine persönliche Vorstellung befindet. Die Teilnehmer*innen teilen dann per Bildschirm ihre Vorstellung mit den anderen Teilnehmenden.

Wichtig ist, dass die anderen Teilnehmer*innen jedem Präsentierenden ein Feedback schenken sollen. Auch hier kann man die Feedback-Regeln informell mit einplanen.

Feedback kann z, B. in Form einer Umfrage gemacht werden. Was hat mir am Layout besonders gut gefallen? Was ist mir im Gedächtnis geblieben? Bei wem hast Du das Gefühl, Du kennst ihn jetzt schon besser? Wo waren Unterschiede, wo Gemeinsamkeiten? Welch Präsentation fand ich spannend?

Als Trainer*in muss ich vor allem darauf achten, dass alle Teilnehmer erstes einmal etwas Positives gesagt bekommen und zum Schluss vielleicht noch einen besonderen Tipp vom Trainer/in für die Präsentation. Vielleicht Stimme, Blick in die Kamera oder Ähnliches.

Ein kleiner Energizer

Für Online-Seminare braucht man mehr Pausen und auf jeden Fall Übungen, die die Teilnehmenden in Bewegung bringen. Ich mag zum Beispiel Vorstellungen, bei denen die Teilnehmenden einen Gegenstand zur Kamera holen sollen, der sie am besten präsentiert.

Achte darauf, dass Teilnehmende sich bewegen, sich recken und laut gähnen. Mit Geräuschen! Gemeinsames Lachen sind wichtige Energielieferanten. Halte die Teilnehmenden an zu trinken.

Für Dich selbst gilt das genauso. Achte darauf, dass Du zwischendurch aufstehst, herumgehst. Ich habe deshalb ja schon längere Seminare wieder im Stehen gemacht, weil ich das, aus meiner Sicht unkreative Sitzen schon im Präsenzseminar nicht leiden mag. Bewege Dich so viel wie möglich.

Das letzte Wort haben

Zwei Gruppen einteilen, die Teilnehmenden sollen sich das merken, da es keine Gruppenräume gibt. Du kannst vorab Gruppen festlegen, indem Du z.B. Farben verteilst. Dann gibt man ein Thema aus dem Online-Seminar vor. Beide Gruppen sollen nun möglichst schnell möglichst viele Begriffe aus diesem Thema nennen. Für jede Gruppe antwortet ein Teilnehmender als Sprecher*in, der vorab von der Gruppe ausgelost wird. Gewonnen hat die Gruppe, die zuletzt ein passendes Wort findet. Das Spiel eignet sich gut, wenn ein Kreativitätsschub nötig ist oder als Abschluss für ein Thema. Ich nutze es auch als Wiederholung für den Beginn eines neuen Seminartages.

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