Große Gruppen, große Probleme?

Wir empfehlen meistens, dass die Gruppengrößen überschaubar bleiben sollen – auch und gerade auch Online. Die Gründe dafür liegen wohl auf der Hand: Besserer Überblick und mehr Potential für individuelle Betreuung.

Allerdings bekommen wir auch immer wieder Fragen von Trainer*innen oder Dozent*innen, die Online-Seminare mit einer sehr großen Teilnehmerzahl bewältigen müssen.

Gerade die digitale Welt hat viele Vorteile und öffnet viele Türen. Daher findest Du Dich vielleicht unerwartet in einer größeren Veranstaltung als geplant. Auch wenn Schulen oder Universitäten ihre Formate digitalisieren, musst Du gerne mal einen virtuellen Hörsaal mit 100 Teilnehmer*innen anleiten.

Wenn Du nur einen Vortrag hältst, verändert sich im Prinzip nicht viel, aber natürlich möchten die meisten Trainer*innen auch interaktive Elemente und Gruppenphasen integrieren. Die Frage ist also: Wie sorgst Du in einer großen Gruppe für Ordnung und Interaktion?

Hier sind einige Tipps, die Dir dabei helfen können:

Struktur rettet den Seminartag

Grundsätzlich ist deutliche Kommunikation und Struktur immer eine gute Idee. In großen Gruppen kann es Dir aber förmlich das Trainer-Leben retten. Denn unstrukturiertes Vorgehen endet bei vielen Beteiligten gerne im Chaos.

Das bedeutet ein guter Plan auf Deiner Seite und die kontinuierliche Kommunikation des Ablaufs an die Gruppe. Ablaufpläne sind in kleineren Gruppen manchmal zu starr, aber in Großgruppen erleichtern sie Dir die Moderation durchaus.

Auch die Kommunikations- und Dokumentationsprozesse sollten nicht dem Zufall überlassen werden, insbesondere wenn Ergebnisse erzielt werden sollen.

Dokumentation

Da wir gerade beim Thema sind: In großen Teilnehmergruppen passiert oft viel und gleichzeitig. Daher ist die organsierte Dokumentation der Ergebnisse besonders wichtig.

Kollaborative Tools für eine große Gruppe zu öffnen kann schnell unübersichtlich werden. Daher kannst Du etwa ein Whiteboard teilen und nach Wortmeldungen oder Gruppenphasen die wichtigsten Ergebnisse festhalten.

Je nach Format und Zielsetzung kannst Du auch die Dokumentation auslagern und stellvertretend von Teilnehmer*innen oder weiteren Moderator*innen übernehmen lassen.

Co-Moderation

Normalerweise eine freundliche Empfehlung, bei großen Gruppen fast schon eine Notwendigkeit.

In großen Gruppen kannst Du Dich nicht um jede einzelne technische Schwierigkeit selbst kümmern und permanent die Hauptveranstaltung unterbrechen. Eine Co-Moderation oder ein Technik-Support können sich diskret im Hintergrund um individuelle Teilnehmer*innen kümmern und Dir auch sonst zuarbeiten.

Mit den Co-Moderator*innen solltest Du Dich im Vorfeld gut austauschen und sie in den geplanten Ablauf einbeziehen. Zudem sollten sie so genau wie möglich wissen, welche Materialien oder sonstige Aufgaben sie vorbereiten können.

Falls Du keine Möglichkeit hast, externe Co-Moderator*innen einzusetzen, kannst Du zur Not zu Beginn designierte Rollen an Teilnehmer*innen vergeben. Eventuell stellt Dir ein Unternehmen auf Anfrage auch jemanden zur Verfügung, mit dem Du zusammenarbeiten kannst.

Puffer einbauen

Wie oft passiert es Dir, dass Methoden und Arbeitsphasen schneller gehen als geplant? Vermutlich eher selten, oder?

In großen Gruppen unterschätzt man gerne, wie lange einzelne Schritte dauern. Daher lohnt es sich auch genau zu überlegen, ob und wie beispielsweise Präsentationsphasen nach Gruppenarbeiten eingebaut werden. Die Ergebnispräsentation und -besprechung dauert selbst in kleineren Lerngruppen oft länger, daher lauert hier ein großer Zeitfresser.

Wenn Du in Großgruppen also interaktiv und auch in Gruppen arbeiten möchtest, plane immer eher weniger als mehr Inhalte ein.

Gruppenarbeiten

Ein intuitiver Schritt ist eine große Gruppe in kleinere Teilgruppen aufzuteilen. Je nach Deiner spezifischen Gruppengröße solltest Du darauf achten, dass diese Untergruppen dann nicht auch zu groß werden. Denn wenn auch die „Kleingruppen“ aus 15 Leuten bestehen, wird das eigentliche Problem nicht behoben.

Wie bereits angedeutet können viele kleine Gruppen dann allerdings eine Präsentationsphase erheblich ausdehnen. Sorge dafür, dass jede Gruppe stellvertretende Sprecher*innen ernennt, die die zentralen Gedanken aus der Gruppenphase kompakt vorstellen.

Abhilfe kannst Du auch über verschiedene Methoden schaffen, die Ergebnisse auf das Wichtigste reduzieren. So darf etwa jede Gruppe nur einen Satz oder ein Bild auf das Whiteboard setzen.

Es kann Dir auch helfen methodische Ansätze zu wählen, die nicht unbedingt eine Ergebnispräsentation erfordern, wie etwa Diskussionsrunden oder Pro-Contra-Szenarien. Alternative Methoden für Gruppenarbeiten kannst Du auch in unserem Artikel hier lesen.

Die richtige Methode

Es gibt verschiedene Ansätze für die Moderation auch großer Gruppen. Ein paar der bekanntesten stellen wir Dir hier als Anregungen kurz vor:

RTSC (Real Time Strategic Change)

Eine besonders strukturierte Herangehensweise für die Aktivierung und Projektplanung in Großgruppen. Es werden (oft über mehrere Tage) 4 Phasen durchlaufen: Aktueller Stand, Zukünftige Vision, Problemdiagnose, Handlungsbedarf zur Zielerreichung.

Diese Phasen sind natürlich für Deine Zwecke anpassbar, grundsätzlich ist die Einteilung in konkret abgesteckte thematische Phasen wichtig. Auch das strategische Denken soll so besonders geschult werden. Grundsätzlich wird beim RTSC Ansatz eine hierarchische Struktur eingehalten, die sich an reale Arbeitsabläufe anlehnt. Heißt also, Du als Leiter*in gibst Themen und die Marschrichtung vor.

World Café

Am anderen Ende des Spektrums befindet sich die World Café Methode. Hier stehen die Themen der Teilnehmer*innen besonders im Fokus. Ebenso ist eine offene und kooperative Kommunikation wichtig und es finden verschiedene Gesprächsrunden statt. Die Moderator*innen greifen hier nur wenig thematisch ein, sondern strukturieren eher den Ablauf.

Die Aufteilung in Gruppenräume ist hier besonders wichtig und in Präsenz-Runden wird auch gerne ein wenig dekoriert, um das lockere Café-Feeling zu bieten. Aber auch virtuell sollten sich die Teilnehmer*innen eine Tasse Kaffee oder Tee machen.

Die Zielsetzung dieser Offenheit ist der relativ geringe Aufwand und die minimale Anleitung von Deiner Seite. Es geht darum, die Gedanken und Herangehensweisen anderer Menschen kennenzulernen und konstruktive Gespräche zu erzeugen. Ein solcher Ansatz eignet sich also eher zur Themenfindung und offenen Diskussion.

Open Space

Auch der Open Space Ansatz orientiert sich an den von Teilnehmer*innen eingebrachten Themen, ist aber stärker auf Handlungs- und Ergebnisorientierung fokussiert.

Es werden zunächst im Plenum Themen gesammelt und dann einzelne Arbeitsgruppen geöffnet, die lösungsorientierte Ergebnisse und mögliche Projekte erarbeiten. Ablauf und Kommunikationsstruktur werden hier etwas strenger organisiert und eingehalten, aber grundsätzlich steht die Entwicklung von Ideen und Ansätzen durch offene Kommunikation in den Gruppen im Vordergrund.

MOVE

Der MOVE Ansatz eignet sich auch für die Bearbeitung komplexer Fragestellungen und umfangreicheren Projekten. Am Anfang steht immer ein konkretes Problemszenario. Darauf aufbauend folgen vereinfacht drei Stufen:

  1. Moderierte Themen- und Ideensammlung im Plenum
  2. Input der Teilnehmer*innen wird in Gruppen selbstorganisiert verdichtet und nach lösungsrelevanten Schwerpunkten gefiltert
  3. Verschiedene Intensiv-Gruppen zu einem Ergebnisziel, an dessen Ende ein konkreter Maßnahmenplan stehen soll

Speziell Online

Du hast über Online-Tools ein paar wunderbare Möglichkeiten, um eine Veranstaltung zu strukturieren. Grundsätzlich ist es nötig, dass die Stummschaltung immer aktiviert ist, wenn nicht aktiv gesprochen wird.

Mache auch auf jeden Fall Gebrauch von Breakout Rooms. Online hast Du den unschätzbaren Vorteil, dass Du Menschen ohne viel Aufwand in Gruppen bewegen kannst, ohne dass es Zeit kostet oder Unruhe im Raum entsteht.

Online solltest Du für einen reibungslosen Ablauf die Breakout Rooms entweder vorplanen oder von Deinem Support entsprechend einrichten lassen.

Durch die Bildschirmteilung kannst Du ebenfalls garantieren, dass alle Deine Teilnehmer*innen den gleichen Blick auf die jeweiligen Inhalte haben. Grundsätzlich hast Du durch die Zuschaltung vieler einzelner Menschen auch weniger individuelles Ablenkungspotential durch Nebengespräche im Raum. Um dieses Phänomen nicht virtuell über den Chat ersetzen zu lassen, solltest Du das private Chatten aber unbedingt abstellen!

Der Chat sollte nur offen für Fragen oder Kommentare an alle sein oder bewusst methodisch genutzt werden. Dabei sei allerdings beachtet: Wenn die einzelnen Ergebnisse hier relevant sind, kann auch der Chat eher Chaos stiften. Für ein Chat-Gewitter und ein wenig Aktivierung eignet sich der Chat aber auch in großen Gruppen!

Haben unsere Teilnehmenden sich verändert?

Die anhaltende Covid-Krise hat uns alle auf viele verschiedene Arten beeinträchtigt. Wechselnde Bestimmungen, Sorgen und für viele Menschen auch das Gefühl der Isolation.

Bei einem unserer letzten Live Coachings berichtete eine erfahrene Trainerin, dass ihr bei einem ihrer ersten Präsenz-Termine nach einer Weile auch eine deutliche Veränderung unter ihren Teilnehmer*innen aufgefallen sei.

Auch wenn sie als Trainerin happy war, dass es endlich wieder Präsenz gab, hatte sie das Gefühl, dass die Stimmung in den Lerngruppen insgesamt trotzdem gedrückt war. Einzelne seien sogar deutlich sichtbar von negativen Gefühlen geplagt worden.

Natürlich kannst Du sagen, dass Du als Trainer*in nicht Therapeut*in bist, aber: Teilnehmer*innen, die mit solchen Gefühlen beschäftigt sind, sind natürlich nicht offen für ein echtes Lernerlebnis. Auch die Gruppendynamik leidet darunter. Es ist daher durchaus in Deinem Interesse, dass die Grundstimmung positiv ist.

Haben die letzten 2 Jahre uns und unsere Lernenden also vielleicht so nachhaltig beeinflusst, dass wir auf die psychische Verfassung unserer Gruppen noch mehr eingehen müssen?

Wie kannst Du als Trainer*in dafür sorgen, dass Du die Grundstimmung anhebst und mehr auf diese Faktoren eingehst? Denn nur negative Entwicklungen festzustellen, reicht uns natürlich nicht, wir suchen nach konkreten Lösungen:

Lösungsansatz 1: Isolation

Menschen, die allein leben, waren in letzter Zeit besonders viel allein. Und selbst Menschen, die zusammenleben, wollten sich wohl nach Lockdown X irgendwann nur noch aus dem Weg gehen. Außerdem fehlen vielen natürlich die freundschaftlichen Kontakte außerhalb des häuslichen Umfelds.

Daher hast Du in Deinen Seminaren vermutlich viele Teilnehmer*innen sitzen, die sich dringend austauschen müssen. Dabei musst Du keine wertvolle Lernzeit abziehen, sondern eher während der Pausen und zwischendurch die Interaktion bewusst anschubsen.

Dafür gibt es einige Wege:

1. Austausch-Plattform bereitstellen oder anregen

Die Zeit während des Seminars ist schön und gut, aber der informelle Austausch kann sich natürlich erst außerhalb der Arbeitsphasen wirklich entfalten. Erstelle für Deine Teilnehmer*innen direkt eine Austausch-Gruppe oder gib Ihnen die Aufgabe, eine zu bilden. Da musst Du auch nicht unbedingt dabei sein, sie können gerne ihre eigene Whatsapp-oder Telegram-Gruppe aufmachen.

2. Gemeinsame Aktivitäten und Gruppenarbeit

Es kann die Gruppendynamik besonders stärken, wenn gemeinsame Übungen durchgeführt werden, auch gerne während der Pausen. Da viele Lernende vermutlich relativ gestresst sind, bieten sich auch Entspannungs- oder Meditationseinheiten an.

Kollaboratives und soziales Lernen ist Online ohnehin wichtig, aber insbesondere bei bedrückten Lerngruppen kann es sehr wirksam sein.

Anstatt alle in den Pausen ihrer Wege gehen zu lassen, kannst Du auch einen (virtuellen) Pausenraum öffnen, in dem sich die Gruppe locker austauschen kann. Eventuell am besten ganz ohne Deine Anwesenheit 😉 Du kannst sie dafür zum Beispiel auch auf eine andere Plattform (z.B. wonder.me) schicken.

Lösungsansatz 2: Zu wenig individuelle Betreuung

In Lerngruppen ist natürlich nicht immer Zeit, auf jedes Mitglied individuell einzugehen. Dabei brauchen das aktuell viele Lernende wahrscheinlich besonders. Wie kannst Du für mehr Individualität sorgen?

1. Kleinere Gruppen

Wenn Du auf diesen Faktor Einfluss hast, kann es sich lohnen, die Lerngruppe überschaubar zu halten. So kannst Du die Bedürfnisse der einzelnen Lernenden wesentlich besser im Blick behalten und Dir auch die Zeit nehmen, auf diese einzugehen.

Falls Du die Gesamtgruppengröße nicht festlegen kannst, achte auf die Gruppengrößen bei den Arbeitsphasen. In Kleingruppen können die Gruppenmitglieder besser aufeinander eingehen und auch zurückhaltende Teilnehmer*innen beteiligen sich eher.

2. Offener Dialog

Vielleicht merkst Du wie unsere Trainerin letztens, dass einzelne Teilnehmer*innen besonders abwesend oder bedrückt erscheinen. Dies offen (und im Einzelgespräch!) anzusprechen, kann hilfreich sein.

Selbstverständlich respektierst Du dann aber auch die persönlichen Grenzen, wenn jemand nicht über seine privaten Gefühle sprechen möchte. Aber Du wirst vielleicht überrascht sein, wie viele Menschen sich öffnen, wenn sie einfach mal ehrlich gefragt werden, wie es ihnen geht.

Lösungsansatz 3: Grundstimmung anheben

Viele von uns können einen Serotonin-Schub gut gebrauchen. Zum Glück gibt es einige Wege, wie wir unser Gehirn mit positiven Impulsen versorgen können:

1. Bewegung

Hier gibt es einige Möglichkeiten: Gemeinsame Stretching-Übungen während der Pausen oder Energizer, die ein Aufstehen erfordern. Das Thema Energizer ist insgesamt bei schlappen Lerngruppen besonders wichtig. Regelmäßige Energizer geben dem Gehirn einen Reset und nehmen den Fokus kurz von vielleicht ernsteren Lerninhalten.

Es muss aber nicht unbedingt sportliche Betätigung sein: Du kannst Deine Teilnehmer*innen auch einfach zu einem kleinen Spaziergang nach draußen schicken. Das kannst Du sogar auch noch mit einer Walk&Talk Einheit verbinden und so gleich zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen. So bekommen die Lernenden eine Dosis frische Luft und können sich gleichzeitig noch ein wenig austauschen.

2. Lernraum angenehmer gestalten

Über die Lernumgebung hast Du bei Online-Formaten oft wenig Kontrolle. Und leider haben viele Lernende tatsächlich viele Ablenkungen in Form von Mitbewohner*innen, Kindern oder Lautstärke.

Dennoch kannst Du hier Hilfestellung geben: Du kannst das Thema direkt zu Beginn ansprechen und Tipps für einen besseren Lernraum geben. Falls möglich kannst Du sogar im Vorfeld Päckchen schicken, die kleine Aufmerksamkeiten enthalten.

Denn im Übrigen können auch alleine haptische Impulse bei langen Online-Einheiten die Stimmung heben!

Hast Du einen Lösungsansatz, wie Du mit bedrückten Teilnehmer*innen oder Lerngruppen umgehst? Wir freuen uns, von Deine Erfahrungen und Tipps zu hören!

Pausen sind keine verschwendete Lernzeit!

Wir machen uns oft und viele Gedanken über die Gestaltung der Lerneinheiten. Dabei sind die Pausen vielleicht eher etwas, das nebenbei geschieht.

Eventuell sind sie für Dich manchmal sogar eher ein notwendiges Übel, da sie insbesondere Online noch häufiger eingeplant werden müssen. Und wenn Deine Online-Tage ohnehin schon kürzer sind, dann kann Dir die Pausenzeit schon mal wie vertane Zeit vorkommen.

Dabei zeigen aktuelle Studien, dass Pausen genauso wichtig sind wie die eigentlichen Lerninhalte. Denn erst in der Pause können wir unser neues Wissen erst wirklich reflektieren und somit festigen. Folgt dann eine erneute Wiederholung, wird das Gelernte wirklich abgespeichert.

Wiederholung ist essentiell

Der Spacing- oder auch Intervall-Effekt besagt, dass wir uns an länger zurückliegende Dinge schlechter erinnern. Dieses Phänomen kann vermutlich auch jeder von uns bestätigen. Genau aus diesem Grund sind regelmäßige Wiederholungen so wichtig, um Wissen langfristig abrufbar zu halten.

Beim Erlernen neuer Fähigkeiten arbeitet das Gehirn auch während der Pausenzeiten weiter, ohne dass wir uns dessen wirklich bewusst sind. Die erneute Aktivierung der entsprechenden Synapsen stärkt dann die Verbindungen. Am besten ist es sogar, wenn diese Reaktivierung in Form von Handlungskompetenz erfolgt.

Eine besonders effektive Aufstellung kann also wie folgt aussehen: Lernen – Pause – Anwenden – Pause – Lernen – Pause – Anwenden

Ein Konzept wie das Microlearning eignet sich daher ideal für eine Maximierung dieses Effekts. Beim Microlearning sollen kompakte Lernimpulse gegeben werden, die dadurch besonders effektiv sein können. Wenn Du mehr über die Umsetzung von Microlearning erfahren möchtest, kannst Du unseren Artikel hier lesen.

Eine aktuelle Studie zeigt, wie wichtig Lernpausen sind

Erst dieses Jahr hat eine Studie des amerikanischen National Institute of Neurological Disorders and Stroke nachgewiesen, wie unser Gehirn in Pausen arbeitet. Die gesamte Studie im englischen Original findest Du hier zur Einsicht, aber wir fassen die Ergebnisse nun einmal kompakt zusammen:

Während des gesamten Experiments wurden die Gehirnströme der Proband*innen gemessen und so konnte veranschaulicht werden, wie das Erlernen einer (hier sehr einfachen) Fähigkeit abläuft.

Die Testpersonen mussten immer 10 Sekunden eine Tätigkeit ausführen und im Anschluss 10 Sekunden pausieren bevor sie die Tätigkeit erneut ausführen. Die Gehirnströme zeigen dabei: Während der Pausenzeiten erhöht sich unser Kompetenzlevel sogar erheblich mehr!

Darstellung basierend auf der Studie Consolidation of human skill linked to hippocampo-neocortical replay, Juni 2021: Quelle

Auch wenn wir während der Pausenzeiten nicht aktiv lernen, verarbeitet das Gehirn die vielfältigen neuen Informationen. Das nennen die Forscher*innen hier Waking Replay, was soviel bedeutet wie „Wiederholung im Wachzustand“.

Der Begriff grenzt damit von der bereits bekannten Wiederholung im Schlaf ab. Du hast sicherlich schon mal davon gehört, dass unser Gehirn während wir schlafen alles andere als inaktiv ist. Wir lassen die Informationen des Tages Revue passieren und hier entscheidet sich auch, was abgespeichert und was aussortiert wird.

Einen ähnlichen Effekt konnte die Studie nun also auch während der Pausenzeiten nachweisen. Nur können wir hier sogar noch effektiver damit arbeiten und die Lern- und Pausenzeiten verknüpfen.

Was ist also gute Pausengestaltung?

Wie sorgst Du also dafür, dass Deine Pausen diesen Effekten besonders viel Raum geben? Da eine Pause dem Gehirn wirklich Zeit zur Reflexion geben muss, sollten eventuelle Aktivitäten wenig komplex sein.

Heißt, eher keine aufwendigen Spiele mit vielen Regeln. Was sich immer eignet, ist dagegen etwas leichte Bewegung. Gemeinsame Yoga- oder Stretching-Übungen können nicht nur entspannen, sondern auch den gesamten Körper wieder mit neuer Energie versorgen. In Online-Formaten eignet sich allgemein alles, was den Fokus kurzzeitig weg vom Bildschirm lenkt.

Wenn eine Art Pausen-Routine entsteht, ist das sogar noch besser. Denn die vertraute Wiederholung einfacher Muster ist fast wie Meditation und erfordert kaum aktives Bewusstsein. So bekommt das Gehirn eine Pause von neuem Wissen und kann sich der Aufarbeitung widmen.

Insgesamt kannst Du Deine Veranstaltungen auch immer auf allgemeine Planung überprüfen: Gibt es in verschiedenen Intervallen Wiederholungen? Sind die einzelnen Einheiten knackig genug? Gibt es ausreichend Pausen, also wertvolle Reflexionszeit?

Und wer weiß, vielleicht planst Du ja auf Basis dieses neuen Wissens in Zukunft sogar lieber Pausen ein. Denn sie sind erwiesenermaßen keine verschwendete Lernzeit!

5 frische Tools für Deinen Methodenkoffer

Es ist kein Geheimnis, dass Trainer*innen ihre Tools lieben. Und in letzter Zeit hat der Tool-Markt sicherlich nochmal einen ordentlichen Boom erfahren und überall schießen die digitalen Lösungen geradezu aus dem Boden.

Du weißt mittlerweile vermutlich auch, dass wir einen eher leichten Methodenkoffer empfehlen. Es ist für Dich und Deine Teilnehmer*innen oft einfacher zu bewältigen, wenn Du eine Handvoll Tools in der Tiefe beherrschst. Denn außer in Fällen in denen Du gezielt digitale Kompetenz schulen möchtest, lenken zu viele Tools ansonsten nur von Deinem Inhalt ab.

Wenn Du auf der Suche nach neuen Tools bist, kannst Du durchaus ab und zu mal die Tools in Deiner Rotation austauschen, anstatt stetig neue hinzuzufügen. Denn oftmals kannst Du methodische Lernziele mit vielen verschiedenen Tools umsetzen. Es macht Dein Gepäck also eher schnell unnötig sperrig, wenn Du für jede Methode ein einzelnes Tool einsetzt.

Grundsätzlich bleiben wir hier dem gewohnten Ansatz treu: Die vorgestellten Tools sind kostenlos und möglichst niedrigschwellig in der Anwendung. Das macht sie auf Teilnehmer*innenseite besonders einfach in der technischen Aneignung und öffnet die Methode für die meisten Zielgruppen.

Hier findest Du nun eine Liste der Tools, die wir in letzter Zeit ausprobiert haben und die vielleicht noch ein wenig abseits des ausgetretenen Tool-Pfades liegen. Die Webseite des jeweiligen Tools ist immer in der Überschrift direkt verlinkt!

1. AnswerGarden

Dieses einfache Schweizer Tool eignet sich ideal zum Brainstormen oder Sammeln von Antworten. Deine Teilnehmer*innen müssen wirklich nur Antworten eintippen. Daher ist es besonders für Lerngruppen geeignet, die digitale Einsteiger*innen sind und sich an die einfachsten kollaborativen Funktionen herantasten möchten.

Du musst nur ein Thema oder eine Frage vorgeben und Dein Antwortgarten wird erstellt. Das Board kannst Du im Abschluss wie üblich über einen Link oder QR-Code verteilen. Die gesammelten Begriffe werden dann in einer Wortwolke visualisiert. Du kannst vorher auch noch ein paar Einstellungen vornehmen, um etwa die Antwortlänge zu begrenzen.

Wenn Dich die zunächst englische Sprachausführung stört, kannst Du über den Chrome Browser mit der rechten Maustaste eine Seite auf Deutsch übersetzen lassen. In den meisten Fällen ist diese Übersetzung auch sehr zuverlässig!

2. Oncoo

Oncoo ist ganz alleine eine nette kleine Tool-Sammlung, die ohne Anmeldung oder Registrierung funktioniert. Wenn Du die Seite öffnest, musst Du zunächst einmal auf die Sprechblase klicken, um die Werkzeugliste zu öffnen.

Das Tool ist besonders darauf ausgelegt, mit vielen Geräten kompatibel zu sein und eignet sich daher auch perfekt für Lerngruppen, in denen die technische Ausstattung sehr heterogen ist. Dafür sind die Werkzeuge aber eher darauf ausgerichtet, dass Lernende einzeln mit dem Tool interagieren und nicht unbedingt auf eine gleichzeitige Visualisierung. Daher hast Du hier die verschiedenen Lehrer- bzw. Schüler-Ansichten.

Mit Oncoo kannst Du aber verschiedene interaktive Methoden umsetzen, wie beispielsweise Kartenabfragen oder Zielscheiben. Wenn Du eine Methode erstellst, bekommst Du einen Code oder Link, über den Deine Teilnehmer*innen dann zu Deiner Kreation gelangen. Über denselben Code kannst Du im Anschluss auch die Ergebnisse prüfen oder für alle zeigen.

Beispiel für eine einfache Kartenabfrage
Die „Lehreransicht“ oder zur Präsentation

3. Classroomscreen

Auch Classroomscreen ist grundsätzlich kostenlos. Du kannst zwar über verschiedene Preismodelle weitere Funktionen freischalten, aber vermutlich wirst Du auch mit dem Basis-Modell gut zurechtkommen. Es erfordert nicht einmal eine Anmeldung, Du kannst einfach über Launch now direkt Deine Bildschirme öffnen.

Das Tool ist im Prinzip eine virtuelle Tafel mit vielen zusätzlichen Funktionen. Du kannst die Uhrzeit oder einen Timer anzeigen, die jeweilige Arbeitsphase über ein Symbol visualisieren oder über einen Zufallsgenerator Lernende aufrufen. Du kannst natürlich aber auch Zeichnen, Schreiben oder ein Hintergrundbild einstellen.

Mit Hilfe der eingebauten QR-Code Funktion kannst Du schnell auf externe Materialien verlinken.

4. H5P

Dieses Tool ist eher für die Methoden-Bastler*innen unter Euch geeignet. Es erlaubt Dir, wirklich kreative und interaktive Lerninhalte zu erstellen, die Du auch auf Webseiten einbetten kannst. H5P kannst Du als Plugin beispielsweise in Deine Seite oder Dein Lernmanagement-System integrieren, die bekanntesten wie Moodle oder Canvas sind hier dabei.

Das alles sollte Dich aber nicht unbedingt vom Ausprobieren abschrecken, denn die Anwendung erfordert keine Experten-Programmierkenntnisse. Wenn Du Dich hier eventuell ein wenig mehr einfuchsen musst, wirst Du mit wirklich einzigartigen Lernbausteinen belohnt.

Mit H5P kannst Du beispielsweise Erklärvideos erstellen, bei denen die Lernenden an von Dir gewählten Stellen Fragen beantworten müssen, um im Video weiterzukommen. Das erhöht die Anforderung und fördert aktives Zuhören und direkte Wiederholung.

5. Plickers

Dieses Tool ist auf Leistungsüberprüfungen, Quizze und Abfragen in Echtzeit spezialisiert. Plickers erfordert für Dich eine Anmeldung, diese ist aber auch über einen vorhandenen Google-Account möglich.

Plickers ist insofern einzigartig, da es eigentlich ein Online-Tool für Präsenz-Seminare ist. Im Gegensatz zu etwa Kahoot oder Quizlet hat es aber einen großen Vorteil: Nur Du als Durchführende*r brauchst ein mobiles Gerät und Deine Teilnehmer*innen geben ihre Antworten über vorher ausgedruckte Antwortkarten, die Du dann mit dem Smartphone scannst.

Die Karten werden von Plickers kostenlos zum Download zur Verfügung gestellt. Deine Lerngruppen musst Du im Vorfeld entweder manuell eingeben oder über Google Classroom importieren.

Wenn Du Dir die praktische Funktionsweise des Tools einmal genauer anschauen möchtest, empfehlen wir eine YouTube-Suche. Du kannst beispielsweise hier bei diesem Video anfangen, um ein besseres Gefühl für das Tool zu bekommen.

Eine Online-Bildersuche ist im Tool integriert, aber Du kannst auch zu jeder Frage eigene Fotos hochladen. Anstatt Text-Antworten kannst Du etwa auch Bilder oder GIFs als Optionen hochladen. Du kannst zudem immer einstellen, ob Deine Abfrage auf eine vorher eingestellte richtige Antwort überprüfen soll oder nicht.

Gruppengefühl in hybriden Settings

Zunächst einmal klären wir: Was verstehen wir unter einem hybriden Seminar? Der Begriff wird nämlich in verschiedenen Kontexten durchaus mit unterschiedlichen Bedeutungen verwendet.

Ein hybrides Meeting oder Seminar liegt vor, wenn Du gleichzeitig virtuell und physisch anwesende Teilnehmer*innen betreust. Es ist also eine synchrone Verbindung der beiden Seiten.

Die Verzahnung von abwechselnden Online- und Präsenzphasen verstehen wir mittlerweile eher als Blended Learning. Auch dazu haben wir bereits einen Artikel veröffentlicht.

Die Herausforderung einer hybriden Veranstaltung ist, dass es sowohl ein vollwertiges Präsenz-Meeting als auch ein vollwertiges Online-Meeting umfassen muss. Beide Seiten müssen betreut und eingebunden werden, ohne eine zu vernachlässigen.

Bei der Planung ist es also wichtig, dass Du ein hybrides Format immer vollständig aus der Sicht eines Präsenz-Lernenden und eines Online-Lernenden nachvollziehst.

Eins sei vorweg gesagt: Die Moderation eines hybriden Seminars kann sehr anspruchsvoll sein und Du tust Dir immer einen Gefallen, wenn Du einen Co-Moderator für den technischen Support einsetzt oder direkt designierte Rollen an einzelne Teilnehmende verteilst.

Wieso überhaupt Hybrid?

Vielleicht fragst Du Dich gerade, wieso ein hybrides Format überhaupt den ganzen Aufwand wert sein sollte oder man nicht einfach direkt mit der ganzen Gruppe auf Online umsteigt.

So sehr wir hier auch digitale Lösungen befürworten, so lässt sich nicht abstreiten, dass Präsenz-Formate ein besonderes Feeling und natürlichen Austausch mit sich bringen. Wenn Du die Möglichkeit hast, diesen Modus anzubieten, öffnest Du auch die Meeting-Tür für digital weniger kompetente Teilnehmer*innen.

Natürlich müssen sie auch in einem hybriden Seminar mit Tools und Technik umgehen, aber sie fühlen sich durch die tatsächliche Anwesenheit einer Gruppe im Raum weniger allein gelassen und die Hürde nach Hilfe zu fragen ist geringer.

Ein weiterer Vorteil für Dich und Deine Zielgruppen: Hybrid ist durch die Online-Komponente flexibel und örtlich unabhängiger. Teilnehmer*innen, die nicht vor Ort sein können, nehmen trotzdem aktiv teil und für Dich als Trainer*in kann es Deine Angebote weiter öffnen.

Arbeitest Du vielleicht öfter Inhouse oder schulst Mitarbeiter*innen (inter)nationaler Unternehmen? Dann kann eine hybride Veranstaltung eine tolle Lösung sein, um Lernende aus verschiedenen Standorten zusammenzubringen. Es ist gewissermaßen eine Variante, bei der sich alle in der Mitte aus Online und Präsenz treffen können.

Auch wenn in der Praxis die technische Komponente doch meist sehr stark ausgeprägt sein wird, denn eine reguläre Präsenz-Veranstaltung an den virtuellen Teilnehmer*innen vorbei zu halten, ist schließlich alles andere als Interaktion.

Wenn Du wirklich nur einen Präsenz-Vortrag an virtuelle Teilnehmer*innen übertragen möchtest, bietet sich ein reines Live Streaming mehr an.

Die Grenzen aufheben

Die wahrscheinlich größte Sorge bei hybriden Veranstaltungen ist, dass sich zwei isolierte Gruppen entwickeln. Denn oftmals haben Trainer*innen so das Gefühl, dass sie sich besser auf die einzelnen Seiten konzentrieren können.

Für einmalige Veranstaltungen mag das sogar noch funktionieren, aber in längerfristigen Lerngruppen kann diese Vorgehensweise schnell der Gruppendynamik im Wege stehen. Und selbst in Tagesseminaren ist eine Durchmischung bei kollaborativen Arbeiten eine gute Alternative.

Das gilt im Übrigen auch für die Pausengestaltung. Über Plattformen wie wonder.me kannst Du beispielsweise den informellen Austausch zwischen beiden Gruppen anregen. Weitere allgemeine Tipps zur Planung und Durchführung von hybriden Meetings findest Du beispielsweise in unserem Artikel hier.

Denn hier wollen wir heute konkret einige Ansätze vorstellen, mit denen hybride Lerngruppen über Online-Tools kollaborativ arbeiten und kommunizieren können. Denn ohne digitale Unterstützung wirst Du nicht erfolgreich hybrid arbeiten können.

Grundsätzlich eignen sich alle Methoden für Online-Seminare auch für hybride Settings. Niedrigschwellige digitale Tools sorgen dafür, dass die Veranstaltung nicht zu virtuell wird und sich alle mehr auf die Inhalte konzentrieren können.

1. Der Chat verbindet

Wenn es dir technisch möglich ist, ist es eben immer von Vorteil, wenn alle Teilnehmer*innen an einem virtuellen Meeting teilnehmen. Das bedeutet, dass auch die anwesenden Teilnehmer*innen mit Geräten ausgestattet sein sollten und an etwa einem Zoom-Meeting teilnehmen.

Auf diese Weise kannst Du gleichzeitig an die gesamte Gruppe Links über den Chat verteilen. Die anwesenden Lernenden müssen also nicht unbedingt ständig über die Geräte arbeiten, aber grundsätzlich auf das Meeting Zugriff haben.

Der Chat eignet sich auch immer für Kommunikation und methodischen Einsatz. Der Chat bietet sich immer dann an, wenn es um eine Sammlung von Antworten oder einfach eine Beteiligung aller geht.

So kannst Du beispielsweise zu Beginn oder zum Abschluss mit einem „Emoji-Gewitter“ die Stimmung in der Gruppe visualisieren. Das Chat-Gewitter kann gut für einführende Fragen oder zum Beispiel abschließendes Feedback genutzt werden. Als Variante gibt es auch das sogenannte #TIL-Gewitter (TIL steht für Today I Learned, dt. Heute habe ich gelernt), bei dem alle Lernenden ihre wichtigste Erkenntnis des Tages in den Chat schreiben.

Der Chat kann auch für Energizer wie etwa einen Wortpuzzle verwendet werden, bei dem die Teilnehmer*innen ihre gefundenen Antworten in den Chat schreiben.

2. Kennenlernen nicht vergessen

Wir empfehlen auch für reine Online-Seminare immer, dass die Einführungsphase nicht gestrichen wird. Insbesondere, wenn Du längerfristige Lerngruppen bilden möchtest. Denn in digitalen und hybriden Settings braucht die Gruppendynamik eben manchmal einen kleinen Anschubs.

Es beginnt damit, dass die Online-Lernenden kurz eine Seminarraum-Tour bekommen, denn so fühlen sie sich weniger auf Distanz gehalten und können ein Raumgefühl entwickeln. Während der Kennenlern-Phase oder in Pausen-Einheiten kannst Du die Teilnehmer*innen immer auch „auf Reisen“ schicken, damit sie sich die gegenseitigen Umgebungen zeigen können.

So lässt sich das entfremdete Bildschirm-Gefühl etwas abmildern und die anderen Lernenden bekommen etwas Dreidimensionalität. Denn das Ziel ist, dass sich die Lerngruppe für beide Seiten realer anfühlt und übergreifender informeller Austausch angeregt wird.

Wenn Du eine überschaubare Gruppengröße und die technische Ausstattung dafür hast, kannst Du sogar jeden/jede virtuellen Teilnehmer*in im Raum über ein designiertes Gerät an einem Platz visualisieren. Aber das ist wirklich schon sehr fortgeschritten 😉

3. Mobile Geräte nutzen

Selbst wenn Du auf der Präsenz-Seite nicht mit vielen technischen Lösungen ausgestattet bist, kannst Du auf eines meistens zählen: Die Teilnehmer*innen auf beiden Seiten haben normalerweise Zugriff auf ein Smartphone.

Das heißt das Handy ist das ideale Verbindungsstück für viele Übungen, wenn Du Apps einsetzt, die sich gut über ein mobiles Gerät verwenden lassen.

Ein Beispiel kann etwa das Tool Mentimeter sein, mit dem Du Quizzes, interaktive Präsentationen oder Votings umsetzen kannst.

Über Links oder QR-Codes kannst Du Deinen anwesenden und virtuellen Teilnehmer*innen schnell Zugang zu Deinen Inhalten geben und es können sich alle gleichermaßen beteiligen. Es empfiehlt sich, die Aufgabenstellungen deutlich und eher einfach zu halten.

4. Whiteboards visualisieren für alle

Virtuelle Whiteboards eignen sich für hybride Veranstaltungen besonders gut. Denn Du kannst sie gleichermaßen von beiden Gruppen nutzen lassen, indem Du das Whiteboard im virtuellen Meeting teilst und auch im Seminarraum zeigst.

Das funktioniert natürlich besonders gut, wenn Dein Raum vorne einen großen Bildschirm hat über den Du Inhalte (oder auch die virtuellen Teilnehmer*innen) zeigen kannst. Ein solches Setup ist für hybride Seminare sehr zu empfehlen.

Die anwesenden Teilnehmer*innen können dann je nach Aufgabenstellung selbst an ihren Geräten etwas eintragen oder – wenn Du den Anwesenden eine Geräte-Pause geben möchtest – sammelst Du Wortmeldungen von allen und trägst stellvertretend ein. Auf diese Weise entsteht besonders im physischen Raum fast schon wieder ein nostalgisches Tafel-Feeling.

Die verschiedenen Sozialformen – Wie Du sie effektiv einsetzt

Ein Seminar wird oft durch die verschiedenen Input- und Arbeitsphasen strukturiert. Grundsätzlich unterschieden wir hier zwischen 4 Sozialformen: Plenum (Input), Partnerarbeit, Gruppenarbeit und Einzelarbeit.

Mit der gewählten Sozialform gibst Du den Rahmen für die jeweilige Arbeitsphase vor. Die Sozialform löst bestimmte Verhaltensweisen und gruppendynamische Prozesse aus, die Du methodisch nutzen kannst. Eine Sozialform bringt Deine Teilnehmer*innen in eine gewünschte Kooperations-Situation und initiiert bestimmte Handlungsmuster.

Wahrscheinlich wendest Du die verschiedenen Sozialformen schon regelmäßig an – aber vielleicht noch ohne System. Daher schauen wir uns hier an, für welche konkreten Anwendungskontexte die unterschiedlichen Sozialformen sich eignen.

Grundsätzlich gilt: Teilnehmer*innen sind verschieden und sprechen auf Methoden und Sozialformen unterschiedlich an. Daher empfiehlt sich immer, eine Variation an Sozialformen einzusetzen, um alle besser in den Lernprozess einzubinden.

1. Plenum

Bei einem Plenum stehst Du als Lehrende*r mit Deinem Input im Vordergrund. Plenum wird manchmal auch „Frontalunterricht“ genannt, aber die meisten Menschen haben zu diesem Begriff mittlerweile schlechte Assoziationen, da es die Gruppe praktisch ausblendet.

Dabei ist die Gruppe selbst und die einzelnen Lernenden im Plenum ein nicht zu vernachlässigender Teil der Dynamik. Auch im Plenum solltest Du darauf achten, nicht an Deinen Teilnehmer*innen vorbei zu präsentieren und ihnen Raum für Fragen und Reflexion einzuräumen.

Ein Input selbst sollte immer strukturiert und am besten auch visuell angereichert sein. Halte Dich im Zweifel immer lieber kurz und teile längere Einheiten auf verschiedene Plenumsphasen auf, die mit anderen Sozialformen verwoben sind.

Stärkere Aspekte:

  • Vermittlung von wichtigem Basiswissen durch Expert*in
  • Gute Steuerung des Ablaufs möglich

Schwächere Aspekte:

  • Hoher Redeanteil der Lernbegleiter*innen bedeutet oft wenig Interaktion
  • Kann Konzentration und Aufmerksamkeit schnell abbauen

2. Einzelarbeit

Einzelarbeit bietet sich immer dann an, wenn Lernende sich einen Inhalt wirklich selbstständig erarbeiten sollen. In Einzelarbeit muss jeder für sich arbeiten und daher können sich einzelne Lernende nicht hinter einer Gruppe „verstecken“ und abschalten.

Einzelarbeit kannst Du auch zur Aufteilung von Arbeit nutzen, wenn sich eine kooperative Arbeit weniger anbietet.

Stärkere Aspekte:

  • Konzentriertes Arbeiten ohne größere Ablenkungen möglich
  • Gibt introvertierteren Teilnehmer*innen Raum, sich mit Inhalten auseinanderzusetzen
  • Fördert Selbstständigkeit und Verantwortung

Schwächere Aspekte:

  • Gibt sozialen Lerntypen keine Möglichkeit zur Diskussion
  • Eher reine Rezeption statt Reflexion
  • Kann lernschwächere Teilnehmende überfordern und demotivieren

3. Partnerarbeit

Partnerarbeit umfasst Kleingruppen aus genau 2 Mitgliedern. Für Partnerarbeiten bieten sich auch immer langfristigere Lern-Partnerschaften an, um individuelle gegenseitige Unterstützung zu fördern.

Bei der Zusammensetzung kannst Du entweder bewusst leistungshomogene Gruppen bilden, um unter den Gruppen keine Frustration auszulösen oder leistungsheterogene Gruppen einsetzen, um individuell zu fördern.

Stärkere Aspekte:

  • Mehr Beteiligung des Einzelnen als in Gruppen
  • Die Kleingruppen lernen sich untereinander besser kennen als in größeren Verbänden (kann bei bestimmten Inhalten sehr von Vorteil sein, wenn auf Vertrauen aufgebaut wird)

Schwächere Aspekte:

  • Partner musst Du vielleicht sorgfältiger auswählen als Gruppen, um gutes Arbeiten zu ermöglichen

4. Gruppenarbeit

Gruppenarbeiten sind vom Prinzip den Partnerarbeiten sehr ähnlich, umfassen aber mehr Mitglieder. Auch Gruppen können über einen längeren Zeitraum gebildet werden. Trotzdem solltest Du aber auch auf eine regelmäßige Durchmischung an anderer Stelle achten, um die Gesamtgruppe zu stärken.

Partner- und Gruppenarbeiten haben den zentralen Vorteil, dass mehrere inhaltliche Bereiche parallel bearbeitet werden können und so innerhalb derselben Zeit eine höhere Inhaltsdichte erzeugt werden kann. Beide fördern außerdem kooperative und kommunikative Fähigkeiten.

Die Gruppengröße sollte dabei in den meisten Fällen 3-5 nicht übersteigen, da ansonsten die Beteiligung der Einzelnen sehr oberflächlich werden kann. Idealerweise sollten Gruppenaufgaben so konzipiert sein, dass jedes Mitglied einen Beitrag leisten muss. Das kannst Du beispielsweise erreichen, indem jedes Gruppenmitglied einen separaten Text- oder Videoteil zugewiesen bekommt.

Stärkere Aspekte:

  • Fördert breitere gruppendynamische Prozesse, die insbesondere Online sehr wichtig sind
  • Interaktion und Reflexion des Inhalts festigt das Wissen
  • Erlaubt auch immer wieder mehr informellen Austausch

Schwächere Aspekte:

  • Stillere (oder unmotivierte) Lernende können sich leichter hinter einer Gruppe oder einzelnen leistungsstärkeren Lernenden „verstecken“
  • Das kann eventuell auch die ursprünglich motivierten Mitglieder auf Dauer runterziehen

Sozialformen kombinieren

Welche Sozialform Du auch einsetzt, ein paar Voraussetzungen sollten immer gegeben sein: Die Aufgabenstellung, Koordination und mögliche Ergebnispräsentation sollten von Anfang an deutlich sein. Insbesondere wenn Gruppenarbeiten oder Projekte bewertet/benotet werden, solltest Du auf besondere Klarheit achten.

Bei komplexen Gegenständen kannst Du auch immer mehrstufige Methoden einsetzen, die mehrere Sozialformen verbinden. Du kannst beispielsweise erst einzelne Teilbereiche in Einzelarbeit erarbeiten lassen und diese Arbeit dann in einer längeren Gruppenarbeit zusammenfügen lassen.

Die Kombination der Sozialformen hat den Vorzug, dass die potentiellen Nachteile aufgewogen werden können. Indem der Inhalt in verschiedenen Phasen erschlossen wird, bekommen die Lernenden außerdem ausreichend Zeit, um das Wissen zu verinnerlichen und sich zu beteiligen. Zudem werden so alle Schlüsselkompetenzen der verschiedenen Formen gefördert.

Eine sehr effektive Kombinationsmethode ist beispielsweise das Gruppenpuzzle. Es vereinigt Einzel- und Gruppenarbeit mit einem abschließenden Plenum. Diese Methode besteht grundsätzlich aus vier verschiedenen Phasen:

1. Selbstständiges Arbeiten (in der Stammgruppe)

Zunächst einmal werden Stammgruppen gebildet und jedem Gruppenmitglied wird ein Unterthema des Inhalts zugewiesen. Du kannst praktisch jedem Mitglied eine Zahl von etwa 1-5 geben zur späteren Identifizierung.

In dieser ersten Phase bearbeitet jeder Lernende dann seinen/ihren Teil des Oberthemas in Einzelarbeit.

2. Austausch in Expertengruppen

In Phase 2 treffen sich alle Lernenden mit demselben Unterthema in Expertengruppen (also z.B. alle Teilnehmer*innen mit der Nummer 2 in einer Gruppe).

In dieser zweiten Gruppenphase können sich die „Expert*innen“ mit Lernenden austauschen, die dasselbe Thema bearbeitet haben. So kannst Du Missverständnisse ausräumen und eine weitere Reflexion durch den Austausch anregen.

3. Rückkehr in die Stammgruppe

Im Anschluss kehren die jeweiligen Expert*innen in ihre ursprünglichen Gruppen zurück und jeder stellt sein/ihr Unterthema den anderen vor, um am Ende ein Gesamtbild zusammenzufügen. Hier kannst Du auch eine Ergebnissicherung anfertigen lassen.

4. Abschlussdiskussion & Evaluation

Zu guter Letzt kommen alle im Plenum zusammen und reflektieren den Prozess und klären eventuell offene Fragen.

Nach einer so umfangreichen Methode sollte auf jeden Fall auch immer ein Feedback oder eine Evaluation erfolgen. Das ist auch wertvoll für Dich, um in Zukunft vielleicht noch einige Stellschrauben im Ablauf anzupassen.

1 Tool, 4 Methoden

Viele Trainer*innen haben mittlerweile sicherlich eine ganze Menge an Online-Tools ausprobiert.

Gerade wenn Du in der digitalen Welt noch neu bist, neigst Du vielleicht sogar dazu, Dir ein ganzes Arsenal an Tools für jedes Szenario zuzulegen.

Dabei liegt genau darin oftmals eine Stolperfalle. Denn wenn Du Dich ohnehin virtuell noch nicht 100% sicher fühlst, trägt die Überforderung durch eine Bandbreite an Tools wahrscheinlich nicht zur Entspannung bei.

Selbst für erfahrene Trainer*innen können zu viele Tools mehr Schwierigkeiten als Nutzen haben. Und auch für Teilnehmer*innen kann es manchmal hauptsächlich Verwirrung oder Überforderung stiften – insbesondere bei Lerngruppen mit weniger digitaler Kompetenz.

Daher empfehlen wir den meisten Trainer*innen sich eher auf ein oder zwei gute Allround-Tools zu konzentrieren und diese auf verschiedene methodische Weisen einzusetzen.

Es gibt sicherlich einige Tools, die sich als Allround-Methode eignen; für dieses Beispiel haben wir uns das Jamboard ausgesucht. Dieses Tool ist besonders niedrigschwellig und kann daher für praktisch jede Zielgruppe verwendet werden.

Zudem benötigt das Jamboard keine vorherige Anmeldung und ist kostenlos in der Anwendung. Ein Tool wie das Jamboard eignet sich also sehr gut für relativ einfache kollaborative Übungen.

Wenn Deine Teilnehmergruppen also über eine höhere digitale Kompetenz verfügen, kannst Du natürlich ein komplexeres Tool verwenden. Umgekehrt kannst Du für andere Gruppen auch komplett auf externe Tools verzichten und stattdessen das eingebaute Zoom Whiteboard verwenden.

Wir zeigen hier nur den Grundgedanken auf, dass Du mit einem Tool verschiedene methodische Zwecke bedienen kannst und nicht für jede Methode ein designiertes Tool benötigst.

Vorbereitung macht souverän

Gerade wenn Du Dich in Online-Settings noch nicht komplett souverän fühlst, wird Dir eine umfassende Vorbereitung viel Sicherheit geben. Am Beispiel des Jamboards bedeutet das vor allem, die benötigten Boards und zugehörigen Links parat zu haben.

Wenn Du mehrere Jamboards einsetzt, solltest Du Dir auf jeden Fall vor Beginn Deines Online-Seminars alle Boards öffnen und/oder eine Linkliste erstellen. So hast Du auch immer direkt die Links bereit, die Du dann über den Chat an Deine Teilnehmer*innen weitergibst.

Vielleicht möchtest Du für Deine Methoden auch Bilder, vorbereitete Textfelder oder ähnliches einsetzen:

Du kannst auch direkt ein passendes Bild als Hintergrund vorgeben

Je nach Teilnehmergruppe kannst Du auch vor den eigentlichen Methoden eine kleine Einführung in das Tool geben, damit Deine Lernenden genau wissen, welche Funktionen es gibt und wie sie diese anwenden können.

Im Falle des Jamboards sollte diese Einführung auch relativ kurz ausfallen können, da die Funktionen überschaubar sind. Bei komplexeren Tools kannst Du eventuell eine Einführungsmethode vorschalten oder vor Seminar-Start einen Technik-Test mit den Teilnehmer*innen machen.

Anwendung 1: Erwartungen abfragen

Diese erste Methode ist wirklich ein Basic im Methodenkoffer, das Dir zeigt, wie Du ein Jamboard für eine einfache Form der kollaborativen Übung nutzen kannst.

Dafür musst Du lediglich ein Jamboard mit verschiedenen Textfeldern vorbereiten und den Link an Deine Gruppe verteilen, damit sie dazukommen können. Natürlich kannst Du aber auch noch einen passenden Hintergrund festlegen, um das Jamboard visuell etwas an den Inhalt anzulehnen.

Falls nötig, erkläre noch einmal kurz, wie Die Teilnehmer*innen selbst Textfelder oder Klebezettel erstellen können. Da das Jamboard keine Registrierung erfordert, können die Lernenden ihre Erwartungen und Meinungen auch anonym und ehrlich äußern. Daher funktioniert dasselbe Prinzip auch beispielsweise für Feedback oder ähnliches.

Anwendung 2: Dokumentation

Ein Jamboard können Deine Teilnehmer*innen auch für die Dokumentation und Präsentation von Ergebnissen aus Gruppenarbeiten nutzen. Das heißt für Deine Vorbereitung natürlich, dass Du im Vorfeld die entsprechende Anzahl an Jamboards erstellen und den Gruppen zur Verfügung stellen musst, bevor Du sie in die Gruppenräume schickst.

Wenn Du Dein Tool wie das Jamboard bereits zum Einstieg genutzt hast, kennen Deine Teilnehmer*innen sich auch bereits etwas aus und können sich nun in den Gruppen weitergehend mit den Funktionen vertraut machen.

Durch den begrenzten Platz auf einem Jamboard bietet es sich hier besonders an, die Ergebnisse auf das Wesentliche zu reduzieren und vor allem auch Bilder einzubinden. Passende Bilder können sich die Gruppen über kostenlose Webseiten wie beispielsweise Pexels oder Pixabay holen.

Das hat gleichzeitig auch noch den Vorteil, dass die Lernenden sich das Wissen durch die visuelle Verknüpfung noch besser merken können.

Falls eine Gruppe mehr Platz benötigen sollte, kann ein Jamboard aber übrigens auch mehrere Seiten umfassen. Im Anschluss kann ein Jamboard immer leicht als PDF oder Bilddatei gespeichert werden.

Anwendung 3: Flipchart

Das Jamboard eignet sich sehr gut für kollaborative Übungen, aber auch Du als Trainer*in kannst es als Präsentations-Tool verwenden.

Verwendest Du beispielsweise in Präsenz gerne Flipcharts, die Du abklebst und nach und nach aufdeckst? Dieselbe Methode kannst Du auch mit einem Jamboard nachbauen:

Die bunten Klebezettel sind also nicht nur bei den Teilnehmer*innen beliebt, sondern können auch von Dir genutzt werden. Mit Hilfe einer solchen Methode bringst Du etwas mehr Bewegung und visuelle Reize in Deinen Input als durch eine statische Präsentation.iHilfe ei

Zusätzlich kannst Du so auch Deine echten Flipcharts virtuell verwenden. Einfach abfotografieren und in ein Jamboard hochladen!

Anwendung 4: Energizer

Ein wirklich toller Energizer ist das digitale Puzzle. Es aktiviert die Gruppe sofort und regt sehr lustige Interaktionen an, wenn alle gleichzeitig an den Teilen ziehen. Wenn Du ein wenig gemein sein möchtest, kannst Du auf ein paar extra Teile mitgeben und die Verwirrung beobachten 😉

Um ein digitales Puzzle umzusetzen, musst Du zunächst ein Bild mit Hilfe eines Image Splitters teilen und die Teile dann in ein Jamboard hochladen:

Mit einem Tool wie imageonline.co kannst Du ein Bild in beliebige Teile aufteilen

Wie Du siehst, kannst Du bereits mit einem recht simplen Tool wie dem Jamboard verschiedenste methodische Zwecke bedienen. Auf diese Weise kannst Du Sicherheit gewinnen und Deine Lernenden werden nicht überfordert.

Falls Dein persönliches Gefühl und die Gruppendynamik es später zulassen, kannst Du immer weitere Tools nach demselben Prinzip hinzunehmen. Grundsätzlich empfehlen wir aber, Dich eben auf eine kleine Anzahl an vielseitigen Tools zu beschränken und diese Tools lieber kreativ einzusetzen.

Theoretische Themen lebendiger vermitteln – Tipps & Methoden

Viele Trainer*innen und Dozent*innen müssen regelmäßig sehr theoretische Inhalte vermitteln.

Okay, sagen wir ruhig einfach „trocken“. Denn vermutlich würden die wenigsten Menschen Gesetzestexte als lebendig bezeichnen.

Dabei ist theoretischer Background oftmals unerlässlich oder sogar Teil eines verbindlichen Curriculums oder Prüfungswissen.

Das heißt: Gewisse Zahlen und Fakten müssen einfach vermittelt werden und es führt kein Weg daran vorbei.

Dennoch gibt es Möglichkeiten, um auch theorielastige Einheiten mehr anzureichern. Auf diese Weise hältst Du nicht nur die Aufmerksamkeit Deiner Teilnehmer*innen über längere Einheiten aufrecht, sondern verankerst dieses Wissen auch noch langfristiger.

Denn es geht nicht darum, einem Thema die Ernsthaftigkeit zu nehmen, sondern für Deine Teilnehmer*innen einen besseren Zugang zu öffnen.

Deinen persönlichen Bezug finden

Als Trainer*in oder Dozent*in bist Du bei theoretischen Themen oftmals vornehmlich Input-Geber*in. Dabei kannst Du dieses Wissen sogar noch effektiver vermitteln, wenn Deine Teilnehmer*innen Dich weniger als neutrale Vermittlungsinstanz wahrnehmen.

Was hat Dich ursprünglich zu Deinem Thema gebracht? Was begeistert Dich auch heute noch daran?

Wenn Du theoretisches Wissen in einen persönlichen Bezug bringst, steigerst Du die Motivation sich dieses Wissen anzueignen.

Perspektive wechseln

Manchmal sehen wir Inhalte einfach zu sehr als unveränderliche Fakten. Wenn Du möchtest, dass Deine Lernenden wirklich interessiert sind, musst Du ihre Perspektive einnehmen.

Was ist der konkrete Nutzen dieses Wissens? Wie werden sie es in Zukunft konkret anwenden können?

Je konkreter und persönlicher die Anwendungszenarien sind, desto plastischer wird der Lerngegenstand. Dabei solltest Du auch immer Deine Zielgruppe bedenken und was für sie im Berufsalltag wirklich wichtig ist.

Du erinnerst Dich sicher noch an den fortgeschrittenen Mathematik-Unterricht, bei dem sich die Schüler*innen ständig gefragt haben, wozu sie das überhaupt lernen sollen. Und zugegeben können sich die meisten Erwachsenen wohl nicht daran erinnern, wann sie das letzte Mal bewusst den Satz des Pythagoras angewandt haben.

Das Gefühl des fehlenden Praxisbezugs kann also ein Motivationskiller sein. Daher ist es so wichtig, dass Deine Teilnehmer*innen den konkreten Nutzen Deiner Inhalte immer vor Augen haben.

Das Wissen, das Du vermittelst, kann für Deine Teilnehmer*innen eine Lösung für reale Probleme sein. Dein Wissen kann ein Geschenk sein, das Du Deiner Lerngruppe gibst. So fühlen sich selbst Zahlen und Fakten weniger wie eine Pflichtübung an.

Finde die Geschichte

Storytelling wird immer mehr zum pädagogischen Trend. Und das nicht ohne Grund, denn Kontextualisierung ist neurologisch wirklich effektiv. Wir merken uns Geschichten wesentlich leichter als isolierte Fakten. Daher ist ein übergeordneter Zusammenhang Deinem Gegenstand immer dienlich.

Finde den roten Faden in Deinen Lerninhalten und ordne die theoretischen Inhalte in eine größere Geschichte ein.

Dieser Ansatz lässt sich auch immer gut mit dem ersten Tipp verbinden, denn wenn die erzählte Geschichte auch noch auf persönlichen Erlebnissen beruht, ist sie doppelt effektiv.

Wenn Du Probleme hast, eine wirksame Geschichte zu finden, stelle die Fragen, die wir in den ersten zwei Tipps aufgestellt haben. Denn sie zielen immer darauf ab, dass Du den wahren Nutzen Deines Lerngegenstandes herausstellst.

Weniger Blocken

Teilst Du Deine Inhalte in vorgeschaltete Theorie und im Anschluss kommt die Anwendung? Das ist schließlich eine übliche Vorgehensweise, da wir denken die Inhalte können nur so logisch aufeinander aufbauen.

Doch Du merkst immer häufiger, dass die Lernenden Dir direkt zu Anfang aussteigen und sich überfordert fühlen?

Dann probiere vielleicht einmal, diese Struktur aufzubrechen. Indem Du eher theoretische und mehr praktische Einheiten abwechselnd einsetzt, fühlen sich beide Teile weniger separiert an.

Entgegen althergebrachter Pädagogik kannst Du sogar mit einer einfachen praktischen Übung beginnen, um den Praxisbezug von Anfang an deutlich zu machen. Gleichzeitig hilft die Verzahnung von Theorie und Anwendung dabei, den praktischen Nutzen über das gesamte Seminar noch besser zu erkennen.

Insgesamt gilt auch, dass die einzelnen Einheiten (insbesondere Online!) oftmals kürzer und knackiger sein könnten. Je besser Du einen komplexen Inhalt aufbrichst, desto weniger fühlen sich die Lernenden überfordert. Gleichzeitig können visuelle Hilfen Deinen Lernenden mehr Ankerpunkte bieten als etwa ein reiner Text. Grundsätzlich gilt für theoretische Gegenstände immer: Anschaulichkeit und Verständlichkeit. Für mehr Tipps bezüglich anschaulicher Lernmaterialien, kannst Du beispielsweise diesen Artikel lesen.

Die Gruppe nutzen

Die Lerngruppe an sich sollte auch bei theorielastigen Themen methodisch eingebunden werden. Eine längere Input-Phase sollte meistens mit einer Gruppenarbeit verbunden werden, bei der das neue Wissen häppchenweise reflektiert werden kann.

Das Diskutieren und Hinterfragen der Theorie füllt sie mit deutlich mehr Leben als reine Rezeption. Indem sich die Teilnehmer*innen über den Inhalt austauschen und ihn sich gegenseitig erklären, können sie ihr Wissen besser überprüfen. So werden auch Unklarheiten deutlich, auf die Du später erneut eingehen solltest.

Denn Du kennst es vermutlich: Wenn Du einfach nur nachhakst, ob es Fragen gibt, kommt meistens nicht viel. Das heißt nicht einmal unbedingt, dass alles verständlich war. Sondern vielmehr, dass die Lernenden noch keine Zeit hatten, sich richtig mit den Inhalten zu befassen.

Eine interaktive Gruppenarbeit kann den Teilnehmer*innen daher genau diese wichtige Zeit geben und das Wissen besser festigen. Zeit ist allgemein immer ein Faktor, der Trainer*innen im Nacken sitzt. Aber es lohnt sich wirklich, Dir für die angemessene Anwendung der theoretischen Teile zu nehmen – Deine Lernenden werden es Dir auf jeden Fall danken.

Wenn Du immer noch das Gefühl hast, dass Du Deine Lerngruppe nicht angemessen motivieren kannst, bietet sich vielleicht ein Gamification-Ansatz an. Mit einem spielerischen Belohnungssystem oder Team-Spielen lassen sich Gruppen oftmals natürlich motivieren.

Mehr Infos zu Gamification findest Du in unserem Artikel zum Thema.

Methoden für Gruppenarbeiten

Zwei verwandte methodische Ansätze, die sich gut für die Aufarbeitung theoretischer Konzepte eignen sind Rollen- und Planspiele.

Beide sollen reale Situationen simulieren und erfordern von Deinen Teilnehmer*innen Reflexion und Transfer des Gelernten. Auf diese Weise holst Du Deine theoretischen Konzepte in die Realität und gibst Deinen Teilnehmer*innen ganz plastische Anwendungskontexte.

Rollenspiele beziehen sich normalerweise auf eine einzelne, konkrete Situation. Ein Rollenspiel kannst Du beispielsweise auch in Form einer Diskussion durchführen, bei der die Lerngruppe in Pro- und Contra-Gruppen eingeteilt ist. Denn Rollenspiele befassen sich oft auch mit der Identifikation mit verschiedenen Rollen und der eigenen Interpretation dieser. So kann sich der Gegenstand besonders echt und persönlich anfühlen.

Planspiele sind dabei meistens etwas differenzierter und erstrecken sich über mehrere Runden. Nach jeder Teiletappe wird ein weiteres Ziel oder eine zusätzliche Information in die Gruppen gegeben, das sie in der nächsten Phase erreichen müssen. Besonders interessant (und anspruchsvoll) gestaltest Du ein Planspiel, wenn Du nach einer Phase einen Störfaktor einbaust, der eine reflektierte Änderung der Planung erfordert.

Da ein gutes Planspiel also natürlich genügend Zeit erfordert, eignet sich auch gut als eine Art Abschlussprojekt am Ende Deines Seminars.

So erstellst Du ein gutes Quiz

Falls das Wort Quiz bei Dir direkt die Assoziation „Prüfung“ hervorruft – keine Sorge!

Ein Quiz legt viel größeren Wert auf eine spielerische Wissensabfrage, die vor allem auch zur Selbsteinschätzung und Wiederholung dient.

Daher kannst Du Quizze auch in jedem Format einsetzen, selbst wenn Dein Seminar überhaupt keine Unterscheidung zwischen bestanden/nicht bestanden umfasst.

Denn das ist der feine Unterschied zwischen einem Quiz und einer Prüfung. Eine Prüfung kann nicht bestanden werden und hat dadurch eine ganz andere Wirkung.

Falls Dein Seminar mit einer verbindlichen Prüfung abschließt, kannst Du mit Hilfe regelmäßiger Quizze sogar die Angst vor der finalen Prüfung abbauen!

Durch die periodische Wissensüberprüfung festigt sich gleichzeitig auch noch das neue Wissen, da ein gutes Quiz immer auch auf Anwendungswissen abzielt. Dazu gleich etwas mehr.

Ein Quiz kann ebenfalls effektiv als Gamification-Einheit eingebunden werden und bei Bedarf auch in Teams gespielt werden.

Die Basics: Fragetypen

Falls Du Dich bereits mal mit Quizzen oder Umfragen beschäftigt hast, kennst Du sicherlich die verschiedenen Fragetypen. Wir zeigen hier kurz die 4 wichtigsten und klären, wie Du die einzelnen Fragetypen am besten einsetzt:

1. Freitext-Fragen

Diese Frageform ist für offene Fragen geeignet. Hier können die Teilnehmer*innen ihre Antworten selbst formulieren und auch mehr ins Detail gehen. Freitext-Fragen bieten sich also vor allem auch für Transferfragen an, da sie frei gestellt sind.

Mit diesem Fragetyp können auch die Lernenden am besten ihren eigenen Wissensstand überprüfen, da sie hier wirklich übertragen müssen.

Freie Fragen eignen sich auch besonders für Umfragen oder eine Feedback-Abfrage.

Für die Lernbegleiter*innen hat diese Frageform allerdings den Nachteil, dass solche Antworten einen größeren Aufwand bei der Auswertung erfordern – vor allem in großen Gruppen!

2. Multiple-Choice Fragen

Der Klassiker unter den Fragetypen. Hier werden Antwortmöglichkeiten vorgegeben und es kann eine oder mehrere richtige Optionen geben.

Dieser Fragetyp ist wesentlich geschlossener und gibt Lernenden auch die Möglichkeit, eher zu „raten“ als wirklich etwas zu wissen.

Multiple-Choice-Fragen sind in der Datenauswertung wesentlich einfacher und eignen sich gut auch für eine prozentuale Darstellung etc.

3. Skalen-Fragen

Dieser Fragetyp fragt Tendenzen ab. Dabei ist zu bedenken, dass der Mensch eine natürliche Tendenz zur Mitte hat. Du musst also gut überlegen, ob Du einen Mittelpunkt anbietest, oder lieber eine gerade Anzahl an Skalenpunkten anbietest – je nachdem ob für Deine Auswertung eine deutliche Tendenz wichtig ist.

4. Zuordnungs-Fragen

Dieser Fragetyp erfordert die Zuordnung von zusammengehörigen Aussagen oder Kategorien. Das lässt sich in Online-Quizzen besonders intuitiv umsetzen mit Hilfe von Drag&Drop Funktionen. Wenn Du diese Fragen anspruchsvoller gestalten möchtest, kannst Du auch überschüssige Antworten einbauen.

Fragen 1-3 erstellt mit Google Forms, Zuordnungsfrage über blink.it

Das macht ein gutes Quiz aus

Jetzt wo die Basics geklärt sind: Wie ordne ich diese Fragen in ein effektives Quiz ein?

  • Der richtige Schwierigkeitsgrad

Stelle durchaus anspruchsvolle Fragen, die aber trotzdem mit Hilfe des bis jetzt behandelten Wissens gut beantwortbar sind. Also am besten ein gesundes Mittelmaß, um Deine Lernenden nicht zu unterfordern, aber auch nicht zu demotivieren.

  • Ausblick geben

Mit den richtigen Fragestellungen kannst Du Deinen Teilnehmer*innen auch einen Ausblick auf die spannenden Anwendungsgebiete geben, die Dein Thema bietet.

Durch Transferfragen müssen sie außerdem wirklich ihre eigenen Überlegungen in die Beantwortung einbeziehen und ihr Wissen anwenden.

  • Variation

Seitenweise Multiple-Choice-Fragen sind eher stumpf und fördern nicht unbedingt eine aktive Auseinandersetzung mit der Thematik.

Also mache auf jeden Fall Gebrauch von verschiedenen Fragetypen und schaue auch welche Möglichkeiten Dein Quiz-Tool vielleicht noch bietet.

  • Auf das Wesentliche konzentrieren

Sorge dafür, dass Du Dich pro Frage auf einen begrenzten inhaltlichen Bereich beziehst. Teile gegebenenfalls komplexere Bereiche lieber auf mehrere Fragen auf. Durch abgeschlossene Teilbereiche können sich Deine Lernenden besser konzentrieren und die Informationen auch abspeichern.

  • Nicht im Dunkeln lassen

Wenn es auf Deine Fragen richtige oder falsche Antworten gibt, solltest Du auf jeden Fall immer die korrekte Antwort direkt auflösen. Ansonsten verfestigt sich schließlich nur das falsch abgespeicherte Wissen.

Quizze als Gruppenarbeit

1.

Zamyat Klein beschreibt beispielsweise eine Quiz-Methode, die Fragen unterschiedlicher Schwierigkeit zu verschiedenen Oberthemen abfragen kann. Sie empfiehlt die Umsetzung über geteilte PowerPoint-Folien, aber Du kannst diese Methode auch über ein Tool wie das Jamboard umsetzen:

Wie die Methode im Detail funktioniert, kannst Du hier in ihrem Artikel lesen.

2.

Ein weiteres Gruppenquiz umfasst gleich zwei Stufen, in denen sich die Teilnehmer*innen mit den Inhalten auseinandersetzen müssen:

Du bildest Kleingruppen und lässt die Gruppen in Breakout Rooms zu vorgegebenen Kategorien Fragen für die anderen formulieren – eine pro Gruppenmitglied.  Auch für diese Methode lassen sich Whiteboards wie das Jamboard sehr gut verwenden.

Du erstellst eine Punktetabelle und dann geht es los: Aus der ersten Gruppe stellt ein Mitglied eine Frage und die anderen Gruppen haben maximal eine Minute Zeit um eine Antwort zu geben.

Das erste Gruppenmitglied, das „buzzert“ (über Online-Plattformen wie Zoom kannst Du statt einem „Hier“-Ruf oder einem vorher gewählten Gruppennamen auch etwa die Hand-Heben Funktion nutzen), darf eine Antwort für seine Gruppe geben.

Befindet die fragegebende Gruppe die Antwort für richtig, bekommt die entsprechende Gruppe einen Punkt. Ist sie falsch, wird die Frage an die anderen Gruppen weitergegeben. Pro Runde darf natürlich nur ein*e Vertreter*in aus jeder Gruppe eine Antwort geben.

Let’s Quiz

Wenn Du Quizzes lieber als Wissensabfrage in Einzelarbeit verwenden möchtest, lässt sich das für jeden methodischen Zweck umsetzen.

Es gibt eine große Fülle an Online-Tools für verschiedene Quiz-Bedürfnisse. Daher wollen wir hier keine generische Empfehlung geben, aber ein paar Tools nennen, bei denen Du mit der Recherche anfangen kannst:

  • Mentimeter
  • Google Forms
  • Kahoot
  • Learning Snacks

Du kannst auch regelmäßige Umfragen als Unterform eines Quiz einsetzen, um Stimmungen und Feedback einzuholen. Umfragen befassen sich nicht unbedingt mit inhaltlichen Dingen, sondern eher mit dem Seminarablauf. So bleibst Du in Kontakt mit Deiner Lerngruppe!

4 Energizer gegen digitale Müdigkeit

Oftmals fühlt sich in Online-Seminaren die Zeit doppelt so lange an. Das hat verschiedene Hintergründe:

Die Reduktion körpersprachlicher Signale, fehlende Interaktion oder einfach der Bildschirm an sich.

Digitale Ermüdung ist ein echtes Problem für jede/n Online-Trainer/in, aber Du kannst gezielte Maßnahmen ergreifen, um diese Effekte abzumildern.

Das beginnt schon dabei, dass Du in Online-Formaten immer mehr Pausen und kürzere Einheiten einkalkulieren solltest.

Aber selbst, wenn Du das beachtest, kann die Konzentrationsfähigkeit Deiner Teilnehmer*innen immer mal wieder ein natürliches Tief erreichen.

Und wenn die Konzentration schwindet, werden wir weniger produktiv und fehleranfälliger.

Daher gibt es zwei methodische Kniffe, die Du in Deinem Repertoire haben solltest: Energizer und Aufmerksamkeitsbooster.

Wie setzt Du Energizer am besten ein?

Energizer sind kurze Einheiten, die Deine Teilnehmer*innen mit neuer Energie versorgen. Oftmals in Form eines Spiels oder (vor allem Online!) gerne auch in Verbindung mit etwas körperlicher Bewegung.

Wie „verspielt“ Du Deine Energizer angehen möchtest, hängt von Dir und Deinen Teilnehmergruppen ab.

Es muss sich auch nicht unbedingt um vollkommen losgelöste Spiele handeln, sondern Du kannst die Rahmenbedingungen auch in Deinen inhaltlichen Kontext einordnen.

Grundsätzlich eignen sich Energizer-Spiele auch ideal zum Aufbau einer positiven Gruppendynamik. Also kannst Du hier zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen, wenn Du Energizer Varianten wählst, die in Teams gespielt werden.

Zeitlich ist es oft besonders effektiv, wenn Du Energizer zu Anfang einer neuen Einheit und nach Pausen einsetzt.

Online-Seminare erfordern jedoch gerne mal ein wenig mehr Flexibilität als die Präsenz-Variante.

Wann Du Deine Energizer also konkret einsetzt, kann manchmal nur schwierig nach der Uhr geplant werden. Manchmal wirst Du einfach spüren, wie die Aufmerksamkeit zu verschiedenen Zeiten spürbar nachlässt.

Dann solltest Du auch flexibel reagieren können und mit einigen effektiven Energizern im Trainer-Koffer ist das auch kein Problem.

Achte darauf, dass Du vor Beginn das Spiel immer verständlich anmoderierst, damit alle wissen, wie gespielt wird. Eventuell solltest Du auch die technische Seite abdecken, beispielsweise ob die Mikros für den Energizer angeschaltet werden oder die Galerie-Ansicht gewählt werden sollte.

Du kannst solche Energizer-Spiele auch immer mit kleinen (nicht-materiellen) Belohnungen verbinden, um gleich auch noch einen stärkeren Gamification-Effekt einzubauen.

1. Mach schnell!

Hier kommt einer der Klassiker, den wir auch gerne in unseren Veranstaltungen nutzen. Denn das Spiel lässt sich schnell aufbauen und bei Bedarf auch gut inhaltlich steuern.

„Mach schnell“ lässt sich als Energizer besonders gut mit Online-Tools wie Flinga oder Jamboard umsetzen.

Und so geht’s:

  1. Du suchst einige Bilder heraus oder lässt alternativ jede*n Teilnehmer*in ein Bild aussuchen und an Dich schicken (Je nach Zeitkontingent oder ob Du Spiele lieber vorbereitest. Du kannst beispielsweise aber auch live jedem Lernenden ein relevantes Thema geben und sie dazu ein Bild suchen lassen, das dann verwendet wird)
  2. Setze die Bilder auf ein Whiteboard und erstellst für alle Teilnehmer*innen eine Figur (daher ist hier Flinga sehr schön!) oder ähnliches
  3. Du sagst ein Bild an und alle müssen so schnell wie möglich ihre Figur auf das richtige Bild setzen
  4. Jede Runde scheidet der/die Langsamste aus bis ein/e Sieger/in übrig ist

2. Show me around

Es tut in Online-Seminaren sehr gut, immer mal wieder aufzustehen und die Beine zu strecken.

Die Methode „Show me around“ (Führ‘ mich herum) verbindet dabei ein wenig Bewegung mit Teambuilding.

Dazu sei gesagt, dass sie sich eher anbietet, wenn sich Gruppen schon ein wenig aneinander gewöhnt und Vertrauen gefasst haben.

Denn das Prinzip ist, dass sich die Teilnehmer*innen in Kleingruppen gegenseitig ein paar Gegenstände oder Orte im direkten Umfeld zeigen, zu denen sie eine kurze Geschichte erzählen können.

Dabei ist es natürlich jedem Einzelnen überlassen, wie persönlich die kleine Führung sein soll. Indem Du diesen Energizer rechtzeitig ankündigst, können sich die Gruppenmitglieder ihre Gegenstände herauslegen und werden nicht in ihrem privaten Bereich überrumpelt.

So lernen sich die Teilnehmer*innen ganz persönlich kennen und es kommen garantiert viele interessante Geschichten dabei heraus.

Dieser Energizer ist besonders schön, wenn er mit mobilen Geräten verbunden wird, denn so lädt ein solches Intermezzo noch mehr zu Bewegung im Raum ein.

3. Finde den Gegenstand!

Ein weiterer Energizer, der für ordentlich Bewegung in der Gruppe sorgt, ist „Finde den Gegenstand“, denn hier heißt es:

Schnelligkeit gewinnt!

Du sagst nacheinander verschiedene übliche oder auch nicht so übliche Haushaltsgegenstände an, die die Teilnehmer*innen finden und für den Rundengewinn als Erste*r in die Kamera halten müssen.

Bei einem solchen Spiel darfst Du durchaus auch ein bisschen Humor reinbringen und kreative Gegenstände suchen lassen, die vielleicht nicht gerade auf dem Schreibtisch stehen würden.

Wie wäre es zum Beispiel mit Glühbirnen, Sonnenbrillen oder einer Kartoffel? Ein paar Runden reichen aus, um alle Teilnehmer*innen wieder mental und körperlich wachzurütteln.

4. Sound-Quiz

Eine schöne Energizer-Methode, die die Sinne einbindet und Kreativität von den Teilnehmer*innen fordert, ist das Sound-Quiz.

Die Lernenden schalten ihre Kameras aus und am besten auch die Mikros, wenn sie nicht gerade dran sind.

Dann macht jeder reihum ein Geräusch und die Gruppe muss raten, womit der Sound erzeugt wurde. Dabei kann das Geräusch mit dem Mund, einem Gegenstand oder auch über eine digitale Sound-Quelle erzeugt werden.

Falls es sich bei Deinem Thema anbietet, lässt sich das Spiel auch inhaltlich anreichern, indem Geräusche aus einer passenden Kategorie gewählt und identifiziert werden müssen.

Zögerlich mit Spielen?

Du entscheidest, welche Art von Energizer am besten für Deine Lerngruppen geeignet sind. Manchmal haben Trainer*innen Sorge, dass kleine Spiele ihrem Seminar die nötige Ernsthaftigkeit nehmen.

Vielleicht musst Du hier also einfach etwas experimentieren und mit Hilfe von aktiv eingefordertem Feedback von Deinen Gruppen das richtige Maß finden.

Dabei wissen die allermeisten Teilnehmer*innen aus Erfahrung insbesondere etwas Bewegung in Online-Seminaren zu schätzen.

Falls Dein Thema tatsächlich zu ernst für Energizer-Spiele sein sollte, dann halte Dich an gemeinsame Atem- oder kleine Yoga-Übungen.

Mit den richtigen Energizern förderst Du immer wertvolle Konzentration, Achtsamkeit und Offenheit innerhalb der Gruppe – also unterschätze nicht ihre Wichtigkeit in Online-Seminaren!