Team- und Führungskompetenzen mit Planspielen fördern

Als Trainer:in oder Dozent:in fragst Du Dich sicher häufig, wie Du nicht nur inhaltliches Wissen vermitteln kannst, sondern gleichzeitig auch Handlungskompetenzen förderst.

Für Berufspädagog:innen sind solche Methoden die Königsklasse: Konzepte, die Handlungswissen erzeugen, das Lernende wirklich praktisch umsetzen können.

Denn schließlich sind wir uns mittlerweile wohl alle einig: Wissen, das außer der Abfrage in einer Multiple-Choice Prüfungsfrage keinen Zweck erfüllt, ist am Ende bedeutungslos.

Andrea sagt immer gerne: Ich möchte Lernende zu Besserkönner:innen befördern, nicht zu Besserwisser:innen.

Idealerweise umfassen handlungsorientierte Methoden auch sogar einen Aspekt der Gruppendynamik oder anderen Teamkompetenzen.

Leider haben viele Trainer:innen immer noch eine unbegründete innere Ablehnung gegen Methoden wie Rollenspiele, Simulationen oder Planspiele.

Alleine das Stichwort „Spiel“ ruft nämlich oftmals die Assoziation hervor, dass diese Methoden zu spielerisch für die Erwachsenenbildung sind.

Dabei eignen sich Planspiele etwa hervorragend zur Vermittlung von Kompetenzen, die beinahe alle berufstätigen Menschen benötigen.

Was soll ein Planspiel erzielen?

Planspiele sind Gruppeneinheiten, die vielfältige Fähigkeiten fördern können.

Im Grunde steht am Ende ein bestimmtes Ziel, der genaue Weg dorthin ist jedoch offen. Ein Planspiel besteht meist aus diesen 3 Komponenten:

  1. Der (sozialen) Umwelt des Szenarios
  2. Bestimmten Beschränkungen („Spielregeln“)
  3. Der interaktiven Komponente

So müssen Teilnehmer:innen bei einem Planspiel in der Gruppe kommunizieren und gemeinsam einen individuellen Lösungsweg finden. Dabei nehmen die Lernenden teilweise verschiedene vorgeschriebene Rollen ein.

Diese Kompetenzen können mit Planspielen unter anderem besonders gefördert werden:

  • Team Dynamik
  • Respektvolle Kommunikation in einer Gruppe
  • Führungsqualitäten
  • Kreativität
  • Lösungsorientiertes Denken
  • Praktische Anwendung des Gelernten

Planspiele zählen zu den handlungsorientierten Methoden, da hier nicht einfach ein Wissensstand abgefragt wird.

Die Lernenden müssen zur Auflösung des Spiels ihr Wissen kontextualisieren und auf neue Umstände anwenden können. Zudem ist der Prozess eines Planspiels sehr teilnehmerorientiert und erlaubt das selbstgesteuerte Lernen in einer Handlungsumgebung.

Hier zeigt sich also schnell, inwiefern das Wissen schon verinnerlicht wurde und an welchen Stellen eher noch Nachholbedarf besteht.

Trotzdem bietet eine Simulation oder ein Planspiel immer die Sicherheit, in der Lernende verschiedene Dinge ohne realweltliche Konsequenzen ausprobieren und erfahren können.

Handlungsumgebung + Der Faktor Mensch

Gleichzeitig bringt ein Planspiel den Teilnehmer:innen viele gruppendynamische Aspekte näher und eignet sich auch zur Schulung von Konfliktbewältigung.

Denn wenn eine Lerngruppe gemeinsam an einem Problem arbeiten muss, kommen sicherlich Meinungsverschiedenheiten über unterschiedliche Ansätze zum Vorschein.

Du kannst auch bei einem Planspiel über die Regelkomponente immer externe Konflikte und bestimmte Beschränkungen bei der Problemlösung einbauen.

Somit orientiert sich ein Planspiel stark an der beruflichen Realität und simuliert tagtägliche Arbeits- und Teamprozesse. Die Gruppe muss gemeinsam Entscheidungen treffen und dann auch gemeinsam mit den Konsequenzen dieser umgehen.

Du als Seminarleiter:in fungierst dabei zunächst hauptsächlich als Beobachter:in und Du sorgst dafür, dass die „Spielregeln“ eingehalten werden – sowohl inhaltlich als auch sozial.

In einer Lerngruppe haben Planspiele durch ihre Individualität auch den Vorteil, dass verschiedene Teilgruppen ganz unterschiedliche Lösungen und Erfahrungen haben können.

Das macht eine anschließende Besprechung oder Präsentation wesentlich interessanter. Denn auch dieser Punkt ist wichtig: Ein Planspiel sollte im Anschluss auf jeden Fall von den Teilnehmer:innen reflektiert werden.

Wie zielführend war der Prozess? Wo gab es eventuell Hindernisse und wurden die Regeln eingehalten?

Der Führungswurm

Wir schauen uns jetzt einfach mal zwei verschiedene Beispiele für Planspiele an. Das erste Planspiel heißt „Führungswurm“ und hat wird besonders oft in der Schulung von Führungskräften eingesetzt.

Die Methode kann selbst mit relativ großen Teilgruppen umgesetzt werden und benötigt dafür einen offenen Raum oder große Fläche.

Lernziele:

Führung und Kommunikation; Erfahrung der Auswirkung von hierarchischen Strukturen; Vertrauen; Zielorientierung

Material:

Tücher zum Augen verbinden; Gegenstände zum Markieren der Strecke und Gegenstand zum Aufheben

Diese Grafik und weitere Planspiele findest Du hier

Ablauf und Regeln:

Die Aufgabe klingt denkbar einfach: Die Gruppe muss eine bestimmte Wegstrecke zurücklegen.

Das Ziel ist in diesem Fall wortwörtlich ein räumliches Ziel, das am besten klar markiert wird. Auch andere Wegpunkte in Form von Stühlen oder Bodenmarkierungen können eingebaut werden.  Die Zeit wird gestoppt, wenn das letzte Mitglied die Ziellinie überschritten hat.

Außerdem gibt es einen Gegenstand, der während des Weges von dem ganz vorderen Team-Mitglied aufgehoben werden muss. Dieser Gegenstand wird erst auf die Strecke gelegt, nachdem die Augen verbunden wurden.

Die Instruktionen lauten nämlich wie folgt: Die Teilnehmer:innen müssen sich hintereinander in einer Reihe aufstellen und die Hände auf die Schultern der Vorderperson legen. Es werden allen Mitgliedern die Augen verbunden, außer der Person ganz am Ende des Führungswurms.

Zusätzlich gibt es zwei wichtige Regeln:

  1. Nach Beginn des Spiels darf nicht mehr verbal kommuniziert werden
  2. Die Reihenfolge muss den gesamten Weg intakt bleiben; Positionen dürfen nicht gewechselt werden

Hier kommt der Plan-Aspekt ins Spiel: Die Gruppe hat nun 5 Minuten Zeit um sich zu beraten und im Rahmen der Regeln eine Strategie zu entwickeln, wie der Weg so schnell und sicher wie möglich zurückgelegt werden kann.

Nach Ablauf der Beratungszeit verbinden sich alle Teilnehmer:innen mit Ausnahme des letzten Mitglieds die Augen und Du als Spielleiter:in markierst den Weg und zeigst ihn der hinteren Person. Die Zeit und die Regeln laufen, sobald das erste Gruppenmitglied die Startlinie überschreitet.

Spaghetti Turm

Lernziele:

Problemlösung im Team mit beschränkten Ressourcen; Balance zwischen Planung und Experimentieren; Umgang mit Scheitern und Neuversuch

Material:

20 ungekochte Spaghetti pro Kleingruppe (ca. 4 Personen) + jeweils 1 Meter Schnur und Klebeband, 1 Marshmallow

Ablauf und Regeln:

Die Arbeitsanweisung lautet wie folgt: Baut den höchstmöglichen freistehenden Turm, an dessen Spitze das Marshmallow sitzt.

Das Marshmallow muss intakt bleiben, die Spaghetti dürfen hingegen beliebig gebrochen werden. Keine weiteren Materialien dürfen benutzt werden. Dafür hat jedes Team 20 Minuten Zeit.

Du gibst den Gruppen diese Kurzanleitung und die Materialien, dann geht es auch schon los. Hier erfolgen die Besprechung und Planung innerhalb der angesetzten 20 Minuten. Gib‘ in regelmäßigen Abständen eine kurze Zeitansage, damit die Lernenden den Zeitrahmen im Blick behalten können.

Du kannst hier entscheiden, ob die Gruppen Sichtkontakt zueinander haben oder nicht.

Fazit

Zunächst mögen Dir Planspiele immer noch sehr verspielt vorkommen. Dabei liegt der Fokus bei der Ausführung absolut nicht auf der Bespaßung der Teilnehmer:innen – oder auf Spaghetti.

Diese Szenarien sind nur Mittel zum Zweck, um kreative und unvorhersehbare Problemlösungs-Strategien in einer Gruppe zu Tage zu fördern.

Wie bei den meisten Methoden lautet die Empfehlung einfach: Ausprobieren und Feedback einholen.

Du kannst mit etwas Kreativität auch viele andere Planspiele in einem Online-Seminar umsetzen – wie zum Beispiel digitale Puzzles. Wenn Du hier für eine besondere Challenge schaffen möchtest, klaue einfach mal ein Teil und sieh‘ wie sich die Kommunikation entwickelt.

Flipped Classroom – Ein Konzept für Dich?

Hast Du schon einmal den Begriff Flipped Classroom oder Inverted Classroom gehört? Oder eventuell seine deutsche Entsprechung „Umgedrehter Unterricht“?

Hierbei handelt es sich um ein didaktisches Konzept, das die klassischen Lernphasen von Theorie und Praxis vertauscht.

Denn bereits aus der Schule kennen wir es wohl folgendermaßen: In der Präsenzzeit wird das theoretische Fundament gelegt und die praktische Anwendung erfolgt zu einer späteren Zeit in Form von Hausaufgaben – oder eventuell einfach gar nicht.

Im allerschlimmsten Fall kommt dann im Unterricht oder Seminar so etwas wie der mittlerweile wohl eher verpönte Frontalunterricht zu Stande.

Dies ist nicht einmal unbedingt ein Fehler der Lehrenden. Viele sind an Lehrpläne oder Prüfungsinhalte gebunden, die sie vermitteln müssen. Die Wurzel des Problems fängt also eigentlich schon viel früher an.

Denn oft bauen traditionelle Bildungskonzepte nicht unbedingt auf Handlungswissen auf. Auch gerade deswegen entfällt leider die Verknüpfung mit der praktischen Anwendung häufig ganz.

Als selbstständige:r Trainer:in oder Dozent:in in der Erwachsenenbildung hast Du hoffentlich ein wenig mehr Freiheit in Deiner Seminargestaltung. Daher kann auch ein Konzept wie Flipped Classroom ein didaktischer Ansatz für Dich sein.

Das Konzept Flipped Classroom

Was beinhaltet dieser Ansatz konkret?

Im Kern bedeutet es, dass die theoretischen Grundlagen ausgelagert werden und die wertvolle Präsenz- und Gruppenzeit stattdessen zur Praxiserprobung genutzt wird.

In einem Flipped Classroom Szenario bereiten die Lernenden einen bestimmten Lernbereich eigenständig vor und greifen dabei vor allem auch auf digitale Inhalte zurück. Das können beispielsweise Videos, Podcasts oder Inhalte auf gemeinsamen Wikis sein.

Im Seminar selbst werden dann die vorbereiteten Inhalte besprochen und vertieft. Im Gegensatz zu einem klassischen Setting fangen die Teilnehmer:innen also nicht gemeinsam bei Null an, sondern können bereits auf das erarbeitete Grundwissen aufbauen.

So bewegt sich auch die Rolle des Lehrenden weg von Input-Geber:in und mehr hin zu Lernbegleiter:in.

Die Inhalte

Vielleicht fragst Du Dich jetzt, wo die besagten digitalen Inhalte eigentlich herkommen sollen.

Das Prinzip Flipped Classroom bedeutet nämlich nicht, dass Du einfach ein paar vorbereitende YouTube Videos verlinkst. Du musst einen Lernweg vorzeichnen und eine Art Struktur vorgeben.

Du musst genau überlegen, in welcher Abfolge und in welchen Schritten die Lernenden den meisten Erfolg haben werden. Grundsätzlich empfehlen sich hier eher kleinschrittige Lernwege. Denn ohne eine direkte Begleitung können sich Teilnehmer:innen sonst noch schneller überfordert fühlen.

Es kann in den Selbstlern-Phasen also auch hilfreich sein, wenn Du nicht einen ganzen Themenbereich auf einen Schlag zur Verfügung stellst. Wenn Du kleinere Teilbereiche freischaltest, fühlen sich Lernende motivierter die Inhalte auch zeitnah durchzuarbeiten.

Viele Lernbegleiter:innen nutzen in einem Flipped Classroom Konzept die Möglichkeit eigene Lernvideos oder Screencasts aufzunehmen. Du kannst auch angepasste Präsenz-Vorträge aufnehmen und zur Verfügung stellen.

Selbstverständlich kannst Du aber auch zusätzliche Materialien aus Online-Quellen verwenden, die Deine Inhalte illustrieren. Mittlerweile laden auch viele Lehrende ihre Videos zur freien Verwendung auf Plattformen wie YouTube hoch.

Denkbar ist auch eine Kombination aus allen diesen Medien – eigenproduziert und extern!

Wichtig ist, dass Du Dich auch in den Theorie-Phasen einbringst und nicht einfach kommentarlos 50 Seiten Text hochlädst. Stelle Dir auch diese Phase wie eine Präsenz-Einheit vor und plane entsprechend.

Du sollst Deine Lernenden nicht mit dem theoretischen Material sich selbst überlassen, sondern sie auch hier durch den Prozess begleiten.

Welche Vorteile hat das Konzept?

In einer Gruppe, die in der Erwachsenenbildung oftmals auch sehr heterogen ist, sind die Lernbedürfnisse unter Umständen sehr verschieden.

Dadurch kommt es oft dazu, dass einzelne Lernende den Inhalten schlechter folgen können und sie so schnell die Motivation verlieren. Auf der anderen Seite steigen Teilnehmer:innen mit viel Vorwissen ebenfalls aus, weil sie unterfordert sind.

Durch die digitalen Inhalte können alle Lernenden ihrem individuellen Lerntempo folgen und erfahren so weniger Frustration. Idealerweise fördert ein solches Konzept auch die Eigenständigkeit der Lernenden.

Der Einsatz von digitalen Medien eignet sich außerdem für viele Zielgruppen und passt sich an moderne Lernbedingungen an.

So können Teilnehmer:innen nicht nur das Lerntempo bestimmen, sondern sich auch zeitlich und örtlich unabhängig mit den Inhalten befassen. Ein integriertes Konzept aus Präsenz und Online kann auch für Dich wesentlich flexibler sein, da Du unter weniger Zeitstress aufgrund von zu viel Pensum gerätst.

Vor allem sorgt ein Flipped Classroom Ansatz aber dafür, dass die wertvolle Präsenzzeit nicht mit einem reinen Vortrag ohne Interaktion verschwendet wird. Die Transferleistung kann in der Gruppe erbracht werden, denn so machst Du auch von der Lerngruppe wirklich Gebrauch.

Denn reiner Input nutzt überhaupt nicht das Lernpotential, das in Gruppen-Settings schlummert. Das Diskutieren und der Austausch in der Gruppe bringen gemeinsam mit der praktischen Erprobung den größten Lernerfolg.

Oftmals entgeht Dir auch im Vortragsmodus viel der eigentlichen Freude der Lernbegleitung. Denn Du bist wohl kaum Lernbegleiter:in, um immer und immer wieder dieselben trockenen theoretischen Grundlagen abzuspulen. Viel mehr möchtest Du sicherlich die Anwendung und echte Lernergebnisse erleben.

Wenn Du eigene Lernvideos erstellst, kannst Du diese immer wieder für jede neue Lerngruppe verwenden und kannst Dich dann in der Präsenzzeit dem eigentlich wichtigen Praxisbezug widmen.

So kannst Du Dich gemeinsam mit der Gruppe während der Präsenz auch viel tiefgehender mit den Inhalten befassen, da die Basics und Einführungen bereits geklärt sind.

Wenn Du also oft das Gefühl hast, dass Du zu viel Zeit mit interaktionslosem Referieren verbringen musst, kann ein Flipped Classroom Konzept genau die richtige Lösung für Dich sein.

Wo lauern die Stolperfallen?

Klingt bis hierhin eigentlich alles ziemlich gut, oder?

Vielleicht hast Du aber auch bereits das wohl größte Lernhindernis entdeckt: Die Eigenmotivation der Lernenden.

Es ist wichtig, dass die Theoriephasen nicht als optional gesehen werden, sondern als verpflichtende Vorbereitung für funktionierende Präsenz-Sitzungen. Denn ohne diese Vorbereitung werden die Gruppen-Sessions schnell ebenso frustrierend und fruchtlos.

Selbstlern-Phasen können aber leider für viele Lernende zu einem echten Motivationsproblem werden. Daher lautet die Devise: Verbindlichkeit schaffen.

Kleine Erinnerungen zwischendurch oder eine gemeinsame Gruppenplattform für Fragen sorgen dafür, dass sich Lernende nicht allein gelassen fühlen. Denn natürlich können beim Selbstlernen auch Verständnisschwierigkeiten auftreten, die zu Lernhindernissen werden.

Es sollte auf jeden Fall eine einfache Möglichkeit geben, die den Teilnehmer:innen den Austausch mit Dir und untereinander eröffnet. So kannst Du auch aktuelle Informationen oder Ergänzungen kommunizieren.

Wir haben >>hier einen eigenen Artikel mit verschiedenen Tipps zum Thema Selbstlernen und wie Du die Motivation Deiner Lernenden auch aus der Ferne aufrecht erhalten kannst.

Natürlich musst Du auch als Lernbegleiter:in anfangs etwas mehr Mühe in die Konzeption und Erstellung der Materialien stecken. Aber auch hier liegt ein versteckter Vorteil: Wenn Du Aufnahmen einmal gemacht und bearbeitet hast, kann Dir das in Zukunft viel Zeit sparen.

Wie motiviere ich meine Teilnehmer:innen in Selbstlern-Phasen?

Der moderne Lernende ist in vielerlei Hinsicht autodidaktisch veranlagt. Im Zeitalter YouTube sind viele Menschen es gewohnt, sich über Tutorials oder ganze Selbstlernkurse neues Wissen und Fähigkeiten und anzueignen. Mit den passenden Videos oder Blogposts kann jeder jederzeit Stricken lernen, wenn ihm dieser Gedanke kommt.

Hier kommt oft ein feiner Unterschied zu vielen Kursen und Seminaren ins Spiel:

Menschen, die Stricken lernen, tun das häufig freiwillig und zur reinen Freizeitbeschäftigung.

Menschen, die einen Kurs oder eine Fortbildung b(es)uchen, haben manchmal eine weniger intrinsische Motivation.

Die Art der Motivation macht häufig einen gewaltigen Unterschied und diesen spürst Du auch als Lernbegleiter:in. Doch selbst wenn Deine Lernenden die richtige Portion Motivation mitbringen, gibt es Stolpersteine. Viele Lernende schätzen ihre Autonomie im Lernprozess und dennoch kann diese mangelnde Anleitung zum Lernhindernis werden.

Selbstlern-Phasen sind mittlerweile in vielen Seminarformaten an der Tagesordnung. Das Konzept des Blended Learning wird beispielsweise immer beliebter und baut auch auf strukturierten E-Learning Einheiten auf. Auch durch die Online-Umstellung wurden etwa oftmals Theorie-Blöcke ausgelagert.

Wie kannst Du Deine Lerninhalte und Dein Material so gestalten, dass es auch in Selbstlernphasen zum Lernen anregt?

Über den Kurs hinaus

Sich ein neues Wissensgebiet zu erschließen, kann uns manchmal wie ein großer unerklimmbarer Berg vorkommen. Hinzu kommt, dass Lernende ganz unterschiedliche Präferenzen bei den Lerninhalten haben.

Für das Selbstlernen ist es daher besonders hilfreich, wenn Du vielfältiges Zusatzmaterial bereitstellst. Das heißt aber nicht, dass Du unendlich viel Material selbst erstellen musst! Verlinke einfach YouTube-Videos, Links zu Artikeln oder stelle weitere Infos über QR-Codes zur Verfügung.

Über ein solches Angebot gibst Du einen breiteren Einblick und kannst viel plastischer erklären als mit einem reinen Text. So sorgst Du auch dafür, dass die Lernenden sich über ihre jeweilige Lernpräferenz einen Zugang zum Thema schaffen können.

Gruppen und Kommunikation

So sehr wir das Selbstlernen manchmal lieben – wenn Lernhindernisse auftauchen, benötigen Lernende etwas mehr Support.

Du solltest auf jeden Fall immer einen ganz klaren Kommunikationsweg zu Dir öffnen, entweder per Mail oder auch per Messenger. Wenn Dein Seminarformat längere Selbstlernphasen beinhaltet, kannst Du auch in regelmäßigen Abständen Live Q&As oder Coaching Calls einstreuen, um die Zeit zwischen den eigentlichen Seminarzeiten zu überbrücken.

Doch auch eine Gruppenplattform zum Austausch kann Selbstlernphasen beleben und auch soziale Lernende wieder mehr abholen.

In einer Gruppe können Fragen gestellt und gemeinsam geklärt werden, sowie aktuelle Ergebnisse geteilt werden. Diesen Austauschweg kannst Du entweder direkt über Deine jeweilige Lernplattform öffnen, oder auf etwa eine Facebook-, Telegram- oder Slack-Gruppe auslagern.

So verlieren Lernende nicht den Kontakt zu Dir, der Gruppe und werden auch in Selbstlernphasen mit neuem Input regelmäßig an die Lerninhalte erinnert. Falls die Lerngruppe es braucht, können sie hier auch selbstständige Live Sessions zum Austausch vereinbaren.

Den Nutzen ganz klar machen

Den Grundstein für die richtige Motivation legst Du immer direkt zu Anfang. Wenn Dein Seminar auch Live Anteile hat, dann solltest Du auch bereits hier entsprechend auf die folgende Selbstlern-Phase vorbereiten.

Vielleicht hast Du schon einmal ein Seminar leiten müssen, das die Lernenden aus irgendeinem Zwang heraus besuchen mussten – die Motivation zum Lernen zu schaffen, kann hier eine große Herausforderung sein.

Die Aufgabe lautet grundsätzlich immer, den konkreten Nutzen Deiner Inhalte herauszustellen. Deine Lernenden sollten idealerweise ihre eigene intrinsische Motivation zum Lernen entdecken. Durch Praxisnähe schaffst Du auch eine Nähe der Inhalte zu Deinen Lernenden. Wie ist das Gelernte für ihr Leben relevant und kann dieses sogar konkret verbessern?

Reine Theorie schafft das nicht und so solltest Du in allen Phasen auf Praxisorientierung achten. Das heißt, dass die Inhalte selbst sich so viel wie möglich auf konkrete Szenarien beziehen sollten. Zeichne einen Lernprozess, der zu anwendbarem Handlungswissen führt, das das (Arbeits)Leben Deiner Teilnehmer:innen greifbar verbessern wird.

Auch Ansätze wie Storytelling können hierbei hilfreich sein. Wenn sich ein roter Faden durch die Unterlagen zieht, wird der Lerngegenstand zugänglicher.

Nicht überfordern

Grundsätzlich solltest Du – falls im jeweiligen Seminarformat möglich – so viel wie möglich live und gemeinsam aufarbeiten. Es gibt natürlich aber auch reine Selbstlern-Kurse oder Formate, in denen der Selbstlern-Anteil sehr hoch ist.

Bei Selbstlernkursen solltest Du die Videos thematisch gut aufteilen und übersichtlich gestalten. So können Lernende die für sie richtigen Teilbereiche leicht herausfiltern, wodurch die Motivation automatisch steigt.

Es hilft beim Selbstlernen aber grundsätzlich, die Lerninhalte in überschaubare Teilbereiche aufzuteilen. Das Konzept des Microlearning eignet sich hier ebenfalls besonders. Kürzere Lernimpulse machen jedes Thema greifbarer als riesige Theorieblöcke. Kleinere Lernziele werden Deine Teilnehmer:innen weniger abschrecken und auf diese Weise die Motivation nicht direkt untergraben.

Mehr zum Konzept des Microlearning findest Du zum Beispiel in unserem Artikel zum Thema.

Nach einzelnen Abschnitten kannst Du jeweils Wiederholungen in Form einer praktischen Aufgabe oder eines Quiz einstreuen. Auch das sorgt für eine bessere Verdaulichkeit der Inhalte und die Lernenden können ihren Lernerfolg selbst besser einschätzen.

Wenn Du merkst, dass Deine Lerngruppe mit dem eigenverantwortlichen Lernen große Probleme hat, brauchen sie vielleicht mehr Struktur. Dann kannst Du diese Zwischenaufgaben oder Quizze an feste Termine binden. Auf diese Weise erzeugst Du zwar wieder mehr extrinsische Motivation, aber in manchen Fällen kann die richtige Dosis davon den Lernprozess effektiv unterstützen.

Kleine Impulse erhalten den Lernerfolg

In diesem Zusammenhang gibt es einen weiteren Tipp:

Überlasse Deine Lernenden nicht einfach mit einem Stapel Unterlagen wochenlang sich selbst. Schicke ihnen regelmäßig kleine motivierende Erinnerungen und Lernimpulse per Mail oder über die jeweilige Kommunikationsplattform.

Diese Impulse können entweder zusätzliche Materialien zur Unterstützung sein oder eine kleine praktische Aufgabe, die bei der Umsetzung hilft. Wichtig ist nur, dass die Lernenden auch in der Selbstlern-Phase zwischendurch von Dir hören und einen Motivationsbooster bekommen. Je länger die Phasen sind, desto häufiger solltest Du diese einplanen.

Denn die Motivationskurve ist direkt nach einem Live Termin immer am größten und nimmt danach doch relativ schnell ab. Durch unterstützende Reminder kannst Du Deine Lernenden bei der Stange halten und ihnen dabei helfen, die Lernziele vor Augen zu behalten.

Die kleinen Aufgaben sind auch immer eine gute Gelegenheit um die Gruppenkommunikation einzubinden. Lasse Deine Lernenden ihre Ergebnisse in der jeweiligen Gruppe teilen und gemeinsam die Erfahrungen besprechen und Rückmeldung geben.

Selbstlern-Inhalte aufarbeiten

So sehr wir das glauben möchten: Nicht alle Teilnehmer:innen werden sich mit vorbereitendem Material beschäftigen oder die Selbstlern-Phasen effektiv nutzen können.

Anstatt ihnen das nachzutragen, solltest Du versuchen, alle wieder an Bord zu holen. Denn schlussendlich hilft es dem Lernprozess aller Teilnehmenden, wenn die Gruppe aktiv und motiviert ist. Einfach weiterzumachen und alle Inhalte aus dem Selbstlernen vorauszusetzen, kann später dann zu Hindernissen führen.

Selbst Lernende, die die Phase gut genutzt haben, profitieren sehr von einer kurzen gemeinsamen Wiederholung. Außerdem gibt es so die Möglichkeit, noch offene Fragen zu klären. Gehe danach am besten so bald wie möglich in eine praktische Aufarbeitung oder Erweiterung der Inhalte.

Feedback-Methoden – Online und Offline

Konstruktives Feedback ist gewissermaßen eine soziale Königsdisziplin.

Rückmeldung Geben ist daher ein Faktor, den wir gerne direkt in den Lernprozess integrieren. Denn dieser Skill ist für viele Menschen auch im Arbeitsleben wichtig und so bauen wir gemeinsam ein wenig diese Scheu davor ab.

Auch das Einholen von Rückmeldungen will gelernt sein. Zu oft vergessen Trainer:innen, dass Evaluation und Feedback ein integraler Teil des Seminarprozesses sind.

Ohne Feedback, wie sollen wir uns und unsere Seminare schließlich ehrlich bewerten und noch besser auf die Lernbedürfnisse der Teilnehmer:innen zuschneiden?

Denn wir können nächtelang Methoden konzipieren und einen Lernprozess vorzeichnen – wenn das Konzept am Ende nicht zu den Teilnehmer:innen oder der Zielgruppe passt, muss vielleicht an ein paar Stellschrauben gedreht werden.

Wir schauen uns heute ein paar Feedback-Methoden an, die sich für alle Seminarformate eignen und leicht umzusetzen sind.

Auch in Präsenz-Seminaren eignen sich Online-Tools besonders gut für Feedback-Prozesse! Besonders Tools, die auf mobilen Geräten funktionieren sind eine gute Methode, um anonymes Feedback einholen zu können – für garantiert ehrliches Feedback! Ein beliebtes Tool für diese Zwecke ist zum Beispiel Mentimeter.

Offene Runde – aber mit Regeln

Die wohl denkbar einfachste Methode, ist einfach die offene Frage zu stellen und reihum die Rückmeldungen in einer Blitzlichtrunde einzusammeln. Mit ein paar zusätzlichen Hinweisen kannst Du aber noch bessere Ergebnisse erzielen:

Alle Lernenden müssen bzw. dürfen nur zwei Aspekte nennen, jeweils einen positiven und einen mit Verbesserungspotential. Auf diese Weise bekommst Du ganz sicher nicht nur sehr einseitiges Feedback und Teilnehmer:innen können sich nicht ganz vor konstruktiver Kritik drücken. Du kannst bei Bedarf auch zusätzlich die Regel aufstellen, dass immer mit dem positiven Aspekt abgeschlossen wird, sodass die abschließende Rückmeldung immer diese ist!

Die Methode eignet sich auch vor allem für ein Feedback innerhalb der Lerngruppe. Diese Basis-Methode funktioniert natürlich sowohl Online als auch in Präsenz im Prinzip gleich. Ein offensichtlicher Nachteil solcher offenen Methoden ist aber oft, dass durch die fehlende Anonymität eventuell Verzerrungen entstehen. Daher schauen wir uns später auch noch Methoden an, die diesen Faktor besser ausgleichen.

Die Zielscheibe

Die meisten Trainer:innen und Dozent:innen lieben seit jeher ihre Flipcharts aus der Präsenz. Denn sie lassen sich vielfältig einsetzen, auch als Feedback-Methode.

Dazu eignet sich beispielsweise eine solche Evaluationszielscheibe mit verschiedenen Beschriftungen, an welches die Punkte geklebt werden. Dabei ist die Bewertung besser, je näher die Punkte ans Zentrum geklebt werden. Mit der Zielscheibe lassen sich gleichzeitig mehrere Themen abfragen und gleichzeitig auch die Ausprägung des Feedbacks.

Diese Methode lässt sich auch 1:1 Online umsetzen: Einfach das Flipchart abfotografieren und direkt über Zoom & Co. teilen oder auf ein virtuelles Whiteboard kleben. Die Punkte lassen sich über die Kommentierfunktion oder die Werkzeuge des jeweiligen Tools anbringen.

Die Online-Variante hat zudem immer den Vorteil, dass Du nur ein einziges Flipchart malen musst, dass unendlich wiederverwendbar ist!

Whiteboard vielseitig einsetzen

Eine Tafel oder ein Whiteboard ist das Allround-Tool schlechthin, sowohl On- als auch Offline. Natürlich kannst Du hier auch ganz frei rückmelden lassen, aber es gibt auch einfache Strukturen, die den Prozess ordnen können.

Ein Klassiker ist etwa das simple Bewertungsplakat:

Die Achse geht dabei von ++ bis –, daher kann die Position der Rückmeldung noch ein zusätzlicher Marker für die Stärke des genannten Aspektes sein.

Online hast Du sogar noch mehr gestalterische Freiheiten, die sich auch für offenere Rückmeldungen eignen. Deine Lernenden können auch beispielsweise nur ein Bild einfügen, das ihr Grundgefühl widerspiegelt. Solche Methoden sind besonders geeignet, wenn es Dir weniger um konkrete Daten oder Vorschläge geht, sondern mehr um ein emotionales Feedback als Abschluss.

Auch über ein Präsenz-Whiteboard kannst Du vielleicht ähnliche Gedanken umsetzen, indem Du kleine Zeichnungen oder der Einfachheit halber Gesichter oder Emojis zeichnen lässt. Gerade über Online-Tools kannst Du aber besonders schön visuell arbeiten. Über ein Tool wie etwa Flinga kannst Du auch in Präsenz über die Mobilgeräte Bilder-Collagen erstellen lassen. Diese kannst Du auch vorne für alle zeigen und eventuell besprechen, wenn Du möchtest!

Fragebogen, aber modern

Denn wie in unserem Quick Tip zu Anfang erwähnt, eignen sich viele Online-Tools auch zum Einsatz in der Präsenz. Dazu zählen auch klassische Umfragetools, mit Hilfe derer sich Feedback Fragebögen erstellen lassen.

Hierzu kannst Du zum Beispiel Google Forms nutzen, ein Quiz-Tool wie Mentimeter oder auch ein designiertes Feedback-Tool wie etwa easyfeedback.

Über Tools wie Google Forms kannst Du mit Vorlagen arbeiten

Ein Vorteil von solchen Fragebögen ist, dass Du die verschiedenen Fragetypen ganz gezielt einsetzen kannst. Möchtest Du beispielsweise eher freie Antworten auf offene Fragen oder lieber eine leicht auszuwertende Skala. Hier kommt nämlich noch ein Vorteil der Online-Variante hinzu: Die Auswertung erfolgt direkt automatisch und wird für Dich datentechnisch in Diagrammen oder Excel-Tabellen aufbereitet. So entfällt das mühsame Auswerten und auch der Faktor Anonymität ist hier für die Teilnehmer:innen gegeben.

Grundsätzlich sollten diese Fragebögen nicht zu ausgedehnt sein. Konzentriere Dich lieber auf ein paar wichtige Aspekte. Ein paar wichtige Tipps zu den Fragetypen findest Du in unserem Artikel hier: So erstellst Du ein gutes Quiz

Die SOFT-Methode

Diese Methode ist ein besonders strukturiertes Evaluationsinstrument, das alle Seiten des erlebten Lernprozesses beleuchten soll. Auch hier ist die Zielsetzung, dass Du als Lernbegleiter:in ein vielschichtiges Feedback bekommst und sowohl positive als auch verbesserungswürdige Faktoren abfragst.

Die Methode lässt sich sowohl mündlich als auch schriftlich umsetzen – bei schriftlicher Umsetzung bietet sich aufgrund der Ausführlichkeit eher die Einzelarbeit statt eines Gruppenplakats an.

Der Begriff „Threat“ oder Gefahr ist hier sicherlich ein wenig überzogen und meiner Vermutung nach hauptsächlich gewählt, um ein griffiges Akronym zu schaffen. Du kannst in Deiner Umsetzung natürlich ein weniger aufgeladenes Wort wählen. Am Ende geht es wohl nur um die Abgrenzung zwischen leichten Schwächen und wo die Befragten besonders viel Verbesserungsbedarf sehen.

Die Rezension

Eine eher kreative Feedback-Methode, die auch besonders ehrliches Feedback zu Tage fördern kann. Die Lernenden verfassen ihr Feedback in Form einer Theater- oder Buchrezension. Das heißt, es werden die folgenden Aspekte beleuchtet:

  • Inszenierung: Ablauf und Gestaltung des Seminars
  • Reaktionen des Publikums, also der Seminarteilnehmer:innen
  • Die Bühne: Ambiente und Räumlichkeiten, bei Online-Seminaren vielleicht eher das Set Design, das auch verwendete Tools einschließt
  • Die Akteure, Haupt- und Nebendarsteller: Feedback an die Seminarleitung
  • Der Stoff/Die Story: Der inhaltliche Aspekt

Diese Methode kann durch die eingenommene Distanz und die eventuell humorvolle Umsetzung dafür sorgen, dass auch konstruktive Kritik eher geäußert wird. Ein Nachteil solcher kreativen Methoden ist immer, dass Feedback mehr zur Auslegungssache wird.

Die Rezensions-Methode ist aber grundsätzlich darauf ausgelegt, dass die verfassten Texte vorgetragen werden, so bekommst auch Du nochmal einen besseren Einblick.

Auch musst Du aber für diese Methode sicherlich mehr Seminarzeit einplanen als für eine schnelle Punktabfrage. Aber daher bieten wir hier verschiedene Ansätze an, damit Du diese Impulse für Deine jeweilige Seminarsituation und Zielgruppe bewerten kannst.

Die Ampel

Die Ampel-Methode ist ziemlich selbsterklärend und daher für jede Zielgruppe und auch größere Gruppen geeignet. Dafür wird das Feedback aber weniger differenziert.

Die genaue Bedeutung der einzelnen Farben oder Symbole sollte im Vorfeld gemeinsam geklärt werden. Die Teilnehmer:innen bekommen entweder je ein Kartenset mit den drei Farben oder Du bereitest die Methode über ein Online-Tool vor. Dann werden verschiedene Aussagen der Reihe nach bewertet.

Flinga bietet sich auch hier als Tool an, da Du die Flinga-Figuren nutzen kannst – auch ganz anonym. Dasselbe Prinzip funktioniert aber natürlich auch mit anderen Whiteboards. So kannst Du außerdem die Ergebnisse nach jeder Runde mit einem Screenshot festhalten und das Feedback abspeichern.

Sensible Themen Online – Wie schaffe ich mehr Vertrauen?

Die Verschiebung von Präsenz auf Online war für viele Trainer*innen und Teilnehmer*innen schwierig. In vielen Fällen ging es dann um Technik oder Methodik. Doch viele Coaches, Therapeut*innen oder Berater*innen hatten noch ein ganz anderes Problem: Denn viele von ihnen betreuen sensible Themengebiete, die ganz nah an den Menschen herangehen.

Dabei umfasst sensibel eigentlich alles, was persönlich ist. Dazu zählen beispielsweise auch psychologische Betreuung, Trauerbegleitung oder Selbsthilfegruppen. Diese Art von Betreuung baut auf einem Vertrauensverhältnis auf, das selbst im selben Raum durchaus etwas Anlauf brauchen kann.

Online sind viele Menschen oftmals sogar noch gehemmter und eine Bindung zwischen Coach und Teilnehmer*in oder innerhalb einer Gruppe ist schwieriger zu erzeugen. In der Folge haben Teilnehmer*innen dann oft das Gefühl, dass Sitzungen weniger effektiv sind oder halten sich einfach mehr zurück.

„Distanzlernen“ ist auch ein Begriff, der sich gefestigt hat. Und Distanz ist schließlich oft genau das Gegenteil von dem, was Du bei sensiblen Themen brauchst. Wie hilfst Du Menschen also dabei, sich auch Online mehr öffnen zu können? Hier sind einige Tipps, wie Du auch im virtuellen Raum mehr gefühlte Nähe schaffen kannst:

Der Raum

Vermutlich gestaltest Du normalerweise Deinen Raum ganz bewusst. Entweder wählst Du passende Gegenstände, spezielles Licht oder andere Faktoren, die für die richtige (Ein)Stimmung und das Gefühl eines sicheren Raumes sorgen.

Wenn Dir diese Möglichkeit entfällt und die anderen Personen eventuell in einer eher improvisierten Ecke ihrer Wohnung sitzen oder sich vor den Kindern verstecken müssen, ist die Grundstimmung gleich ganz anders. Die mangelnde Kontrolle über den Raum kann so für persönliche Themen zu einem echten Hindernis werden. Denn in vielen Fällen sind auch Themen Zuhause Teil der Gespräche und Teilnehmer*innen sind so extrem gehemmt, da sie aus dem jeweiligen Umfeld erst gar nicht rauskommen.

Was kannst Du hier tun? Im Grunde bieten sich zwei Optionen:

  1. Du gibst gleich zu Beginn konkrete Anweisungen zur Gestaltung des Raumes der Teilnehmer*innen. Du schickst vor Beginn einer Sitzung Nachrichten, dass bestimmte Gegenstände rauszulegen sind oder schickst – falls möglich – diese Gegenstände im Vorfeld selbst. Gib‘ eine kleine Anleitung, wie die Person sich unter ihren jeweiligen Umständen einen möglichst idealen Raum schaffen kann. Konzentriere Dich dabei auf kleine Dinge mit großer Wirkung, denn vollständige Einsicht in den Raum des Gegenübers bekommst Du Online nun einmal nie.
  2. Eine vielleicht auf Dauer bessere Lösung, besonders für Einzeltermine: Arbeitest Du in einem Gebäude mit vielen derzeit leeren Räumen oder hast innerhalb Deiner eigenen Räume einen eigenen Bereich? Dann kannst Du dafür sorgen, dass Deine Teilnehmer*innen auch unter Hygiene-Vorgaben diesen Raum nutzen können. Diesen separierten Raum kannst Du dann ähnlich vorbereiten wie Deinen üblichen Raum und entsprechende Gegenstände oder Unterlagen direkt bereitlegen. Die Teilnehmer*innen haben dort ganz sicher ihre Ruhe und können ihre Gedanken und Gefühle von ihrem üblichen Umfeld trennen. Außerdem fühlen sie sich Dir als Trainer*in so sicherlich etwas näher, da sie es auch räumlich sind.

Der virtuelle Raum

Auch im virtuellen Raum hast Du Möglichkeiten, die Teilnehmer*innen besser einzustimmen oder auf eine kleine Reise mitzunehmen.

Zum einen kannst Du über Deinen eigenen virtuellen Hintergrund die Stimmung direkt steuern. Entweder thematisch oder einfach auch emotional. Entsprechende Farben oder Landschaften können sich beruhigend auswirken. Auch als kleine Aufgabe lässt es sich einsetzen: Die Teilnehmer*innen können einen passenden Hintergrund zu ihrer Stimmung oder einer Assoziation suchen.

Andererseits ist die immersive Ansicht bei Zoom oder der Zusammen-Modus bei Teams eine tolle Möglichkeit, um einen passenden virtuellen Raum zu schaffen. Möchtest Du eine Gruppe vielleicht um ein Lagerfeuer setzen oder gemeinsam an einem Wasserfall rasten? Du kannst auch die Teilnehmer*innen bitten, eigene relevante Bilder mitzubringen, die sich hierfür eignen.

Einstimmung und kleine Rituale

In Online-Seminaren neigen wir manchmal dazu, das Kennenlernen abzukürzen, wodurch eine Gruppendynamik schwieriger aufkommen kann. Dasselbe gilt auch für Sitzungen und Gruppen, die sich persönlichen Themen widmen.

Eine intensive Einstimmung gibt den Teilnehmer*innen genug Zeit, um sich mit der Online-Situation und Dir vertraut zu machen, bevor sie sich mit sensiblen Themen auseinandersetzen müssen.

In Gruppen wird der persönliche Faktor noch wichtiger. Du solltest dem Kennenlernen auf jeden Fall mehr Raum als üblich geben, um das „Distanz-Gefühl“ der virtuellen Situation auszugleichen. Wenn eine Gruppe grundsätzlich anonym bleiben möchte, muss es auch nicht das klassische Kennenlernen sein. Wichtig ist nur, dass es eine längere Einführung und regelmäßige Pausen gibt, die kurz vom eigentlichen Thema wegführen.

Kleine gemeinsame Rituale, geführte Meditations-Einheiten oder sich wiederholende Energizer geben allen Beteiligten Struktur und somit Sicherheit und Vertrauen.

Menschen in den Vordergrund stellen

Lass‘ Dich von der Technik nicht so sehr einnehmen, dass sie in den Vordergrund tritt. Das bedeutet bei sensiblen Themen, dass die Technik so wenig wie möglich wahrnehmbar sein sollte. Denn technische Aspekte bauen nicht nur für weniger digital kompetente Personen eine unnötige Hürde, sondern lenken auch vom menschlichen Faktor ab. Niemand möchte in einer emotional anstrengenden Sitzung zusätzlich von technischen Problemen eingenommen werden.

Wir stellen immer gerne spannende Tools vor, aber für persönliche Themen darf die Technik ruhig minimalistisch ausfallen. Für kleine Einheiten zwischendurch darfst Du natürlich ruhig das Whiteboard oder auch ein Tool nutzen, aber grundsätzlich sollte die „Sendezeit“ hauptsächlich den Menschen gegeben werden. Daher eignen sich die zuvor genannten virtuellen Hintergründe oder die immersive Ansicht so besonders, da sie dieses Gleichgewicht nicht stören und eher unterstützend wirken.

Denn je mehr Mimik und Gestik wir wahrnehmen, desto menschlicher fühlt sich auch die digitale Kommunikation an. Daher ist hier die Sprecheransicht meist am besten. Denn das berüchtigte Distanzgefühl kommt auch daher, dass wir Menschen über einen Bildschirm weniger dreidimensional wahrnehmen können. Deshalb solltest Du dies nicht noch weiter reduzieren, indem der Fokus zu weit von den Personen weggeht.

Zudem ist so die Chance geringer, dass eine schlechtere Internet-Verbindung einer Sitzung in die Quere kommt.

Auch Dich selbst mehr einbringen

Therapeut*innen oder andere Betreuer*innen haben oftmals den Anspruch, als vollkommen neutraler Faktor zu fungieren. Das ist in Professionalität begründet und soll nicht von den Anliegen der Person oder Gruppe ablenken.

Im Zuge der Online-Betreuung gilt es eventuell, diese Einstellung zu überdenken. Da es vielen Teilnehmer*innen Online schwerer fällt, sich zu öffnen, kann es helfen, persönlicher an die Sache heranzugehen. Die digitale Situation ist ungewohnt, die andere Person ist zunächst fremd und so entstehen Hemmungen.

Wenn Du also merkst, dass gerade in Einzelterminen das Vertrauensverhältnis einfach nicht aufkommen mag, kannst Du einen Schritt auf die Teilnehmer*innen zu machen. Erzähle vielleicht ganz konkret, warum Du Dich Deinem jeweiligen Thema widmest. Einen etwas persönlicheren Einstieg zu wählen, kann die gefühlten Grenzen schneller abbauen und auch Dich als virtuelle Betreuer*in dreidimensionaler und menschlicher machen.

Kann Distanz sogar ein Vorteil sein?

Die Distanz zwischen den Beteiligten ist oft ein Faktor, gegen den wir arbeiten. Dabei kann ein wenig Abstand ab und zu durchaus hilfreich sein.

In der psychologischen Betreuung lassen sich durch Online-Hilfe beispielsweise einige Versorgungslücken schließen und flexibler betreuen. Wenn es um bestimmte Ängste oder Phobien geht, kann ein heimisches Umfeld sogar mehr Sicherheit geben. Das Wegfallen der Anreise öffnet Dein Angebot auch über lokale Grenzen hinaus und auch für Menschen mit körperlichen Einschränkungen.

Es mag sogar Prozesse geben, in denen die ausgeschaltete Kamera eine Variante sein kann. Manchmal fällt es Menschen leichter über persönliche Themen zu sprechen, wenn sie sich weniger beobachtet fühlen.

Die zeitliche und örtliche Unabhängigkeit bietet Betreuer*innen auch die Möglichkeit, Gruppen noch mehr zu vernetzen. Denn Dein Thema ist sicherlich für Menschen überall interessant und mit digitaler Unterstützung kannst Du hier ein noch weiteres Netz spannen und auch fehlende Präsenz-Zeit zumindest überbrücken.

Ideal ist für viele Fälle also sicherlich eine Kombination aus Anwesenheit und Digital. Denn mit Hilfe digitaler Kommunikation können wir viel schneller auf aktuelle Entwicklungen reagieren und dauerhafter verbunden sein.

Große Gruppen, große Probleme?

Wir empfehlen meistens, dass die Gruppengrößen überschaubar bleiben sollen – auch und gerade auch Online. Die Gründe dafür liegen wohl auf der Hand: Besserer Überblick und mehr Potential für individuelle Betreuung.

Allerdings bekommen wir auch immer wieder Fragen von Trainer*innen oder Dozent*innen, die Online-Seminare mit einer sehr großen Teilnehmerzahl bewältigen müssen.

Gerade die digitale Welt hat viele Vorteile und öffnet viele Türen. Daher findest Du Dich vielleicht unerwartet in einer größeren Veranstaltung als geplant. Auch wenn Schulen oder Universitäten ihre Formate digitalisieren, musst Du gerne mal einen virtuellen Hörsaal mit 100 Teilnehmer*innen anleiten.

Wenn Du nur einen Vortrag hältst, verändert sich im Prinzip nicht viel, aber natürlich möchten die meisten Trainer*innen auch interaktive Elemente und Gruppenphasen integrieren. Die Frage ist also: Wie sorgst Du in einer großen Gruppe für Ordnung und Interaktion?

Hier sind einige Tipps, die Dir dabei helfen können:

Struktur rettet den Seminartag

Grundsätzlich ist deutliche Kommunikation und Struktur immer eine gute Idee. In großen Gruppen kann es Dir aber förmlich das Trainer-Leben retten. Denn unstrukturiertes Vorgehen endet bei vielen Beteiligten gerne im Chaos.

Das bedeutet ein guter Plan auf Deiner Seite und die kontinuierliche Kommunikation des Ablaufs an die Gruppe. Ablaufpläne sind in kleineren Gruppen manchmal zu starr, aber in Großgruppen erleichtern sie Dir die Moderation durchaus.

Auch die Kommunikations- und Dokumentationsprozesse sollten nicht dem Zufall überlassen werden, insbesondere wenn Ergebnisse erzielt werden sollen.

Dokumentation

Da wir gerade beim Thema sind: In großen Teilnehmergruppen passiert oft viel und gleichzeitig. Daher ist die organsierte Dokumentation der Ergebnisse besonders wichtig.

Kollaborative Tools für eine große Gruppe zu öffnen kann schnell unübersichtlich werden. Daher kannst Du etwa ein Whiteboard teilen und nach Wortmeldungen oder Gruppenphasen die wichtigsten Ergebnisse festhalten.

Je nach Format und Zielsetzung kannst Du auch die Dokumentation auslagern und stellvertretend von Teilnehmer*innen oder weiteren Moderator*innen übernehmen lassen.

Co-Moderation

Normalerweise eine freundliche Empfehlung, bei großen Gruppen fast schon eine Notwendigkeit.

In großen Gruppen kannst Du Dich nicht um jede einzelne technische Schwierigkeit selbst kümmern und permanent die Hauptveranstaltung unterbrechen. Eine Co-Moderation oder ein Technik-Support können sich diskret im Hintergrund um individuelle Teilnehmer*innen kümmern und Dir auch sonst zuarbeiten.

Mit den Co-Moderator*innen solltest Du Dich im Vorfeld gut austauschen und sie in den geplanten Ablauf einbeziehen. Zudem sollten sie so genau wie möglich wissen, welche Materialien oder sonstige Aufgaben sie vorbereiten können.

Falls Du keine Möglichkeit hast, externe Co-Moderator*innen einzusetzen, kannst Du zur Not zu Beginn designierte Rollen an Teilnehmer*innen vergeben. Eventuell stellt Dir ein Unternehmen auf Anfrage auch jemanden zur Verfügung, mit dem Du zusammenarbeiten kannst.

Puffer einbauen

Wie oft passiert es Dir, dass Methoden und Arbeitsphasen schneller gehen als geplant? Vermutlich eher selten, oder?

In großen Gruppen unterschätzt man gerne, wie lange einzelne Schritte dauern. Daher lohnt es sich auch genau zu überlegen, ob und wie beispielsweise Präsentationsphasen nach Gruppenarbeiten eingebaut werden. Die Ergebnispräsentation und -besprechung dauert selbst in kleineren Lerngruppen oft länger, daher lauert hier ein großer Zeitfresser.

Wenn Du in Großgruppen also interaktiv und auch in Gruppen arbeiten möchtest, plane immer eher weniger als mehr Inhalte ein.

Gruppenarbeiten

Ein intuitiver Schritt ist eine große Gruppe in kleinere Teilgruppen aufzuteilen. Je nach Deiner spezifischen Gruppengröße solltest Du darauf achten, dass diese Untergruppen dann nicht auch zu groß werden. Denn wenn auch die „Kleingruppen“ aus 15 Leuten bestehen, wird das eigentliche Problem nicht behoben.

Wie bereits angedeutet können viele kleine Gruppen dann allerdings eine Präsentationsphase erheblich ausdehnen. Sorge dafür, dass jede Gruppe stellvertretende Sprecher*innen ernennt, die die zentralen Gedanken aus der Gruppenphase kompakt vorstellen.

Abhilfe kannst Du auch über verschiedene Methoden schaffen, die Ergebnisse auf das Wichtigste reduzieren. So darf etwa jede Gruppe nur einen Satz oder ein Bild auf das Whiteboard setzen.

Es kann Dir auch helfen methodische Ansätze zu wählen, die nicht unbedingt eine Ergebnispräsentation erfordern, wie etwa Diskussionsrunden oder Pro-Contra-Szenarien. Alternative Methoden für Gruppenarbeiten kannst Du auch in unserem Artikel hier lesen.

Die richtige Methode

Es gibt verschiedene Ansätze für die Moderation auch großer Gruppen. Ein paar der bekanntesten stellen wir Dir hier als Anregungen kurz vor:

RTSC (Real Time Strategic Change)

Eine besonders strukturierte Herangehensweise für die Aktivierung und Projektplanung in Großgruppen. Es werden (oft über mehrere Tage) 4 Phasen durchlaufen: Aktueller Stand, Zukünftige Vision, Problemdiagnose, Handlungsbedarf zur Zielerreichung.

Diese Phasen sind natürlich für Deine Zwecke anpassbar, grundsätzlich ist die Einteilung in konkret abgesteckte thematische Phasen wichtig. Auch das strategische Denken soll so besonders geschult werden. Grundsätzlich wird beim RTSC Ansatz eine hierarchische Struktur eingehalten, die sich an reale Arbeitsabläufe anlehnt. Heißt also, Du als Leiter*in gibst Themen und die Marschrichtung vor.

World Café

Am anderen Ende des Spektrums befindet sich die World Café Methode. Hier stehen die Themen der Teilnehmer*innen besonders im Fokus. Ebenso ist eine offene und kooperative Kommunikation wichtig und es finden verschiedene Gesprächsrunden statt. Die Moderator*innen greifen hier nur wenig thematisch ein, sondern strukturieren eher den Ablauf.

Die Aufteilung in Gruppenräume ist hier besonders wichtig und in Präsenz-Runden wird auch gerne ein wenig dekoriert, um das lockere Café-Feeling zu bieten. Aber auch virtuell sollten sich die Teilnehmer*innen eine Tasse Kaffee oder Tee machen.

Die Zielsetzung dieser Offenheit ist der relativ geringe Aufwand und die minimale Anleitung von Deiner Seite. Es geht darum, die Gedanken und Herangehensweisen anderer Menschen kennenzulernen und konstruktive Gespräche zu erzeugen. Ein solcher Ansatz eignet sich also eher zur Themenfindung und offenen Diskussion.

Open Space

Auch der Open Space Ansatz orientiert sich an den von Teilnehmer*innen eingebrachten Themen, ist aber stärker auf Handlungs- und Ergebnisorientierung fokussiert.

Es werden zunächst im Plenum Themen gesammelt und dann einzelne Arbeitsgruppen geöffnet, die lösungsorientierte Ergebnisse und mögliche Projekte erarbeiten. Ablauf und Kommunikationsstruktur werden hier etwas strenger organisiert und eingehalten, aber grundsätzlich steht die Entwicklung von Ideen und Ansätzen durch offene Kommunikation in den Gruppen im Vordergrund.

MOVE

Der MOVE Ansatz eignet sich auch für die Bearbeitung komplexer Fragestellungen und umfangreicheren Projekten. Am Anfang steht immer ein konkretes Problemszenario. Darauf aufbauend folgen vereinfacht drei Stufen:

  1. Moderierte Themen- und Ideensammlung im Plenum
  2. Input der Teilnehmer*innen wird in Gruppen selbstorganisiert verdichtet und nach lösungsrelevanten Schwerpunkten gefiltert
  3. Verschiedene Intensiv-Gruppen zu einem Ergebnisziel, an dessen Ende ein konkreter Maßnahmenplan stehen soll

Speziell Online

Du hast über Online-Tools ein paar wunderbare Möglichkeiten, um eine Veranstaltung zu strukturieren. Grundsätzlich ist es nötig, dass die Stummschaltung immer aktiviert ist, wenn nicht aktiv gesprochen wird.

Mache auch auf jeden Fall Gebrauch von Breakout Rooms. Online hast Du den unschätzbaren Vorteil, dass Du Menschen ohne viel Aufwand in Gruppen bewegen kannst, ohne dass es Zeit kostet oder Unruhe im Raum entsteht.

Online solltest Du für einen reibungslosen Ablauf die Breakout Rooms entweder vorplanen oder von Deinem Support entsprechend einrichten lassen.

Durch die Bildschirmteilung kannst Du ebenfalls garantieren, dass alle Deine Teilnehmer*innen den gleichen Blick auf die jeweiligen Inhalte haben. Grundsätzlich hast Du durch die Zuschaltung vieler einzelner Menschen auch weniger individuelles Ablenkungspotential durch Nebengespräche im Raum. Um dieses Phänomen nicht virtuell über den Chat ersetzen zu lassen, solltest Du das private Chatten aber unbedingt abstellen!

Der Chat sollte nur offen für Fragen oder Kommentare an alle sein oder bewusst methodisch genutzt werden. Dabei sei allerdings beachtet: Wenn die einzelnen Ergebnisse hier relevant sind, kann auch der Chat eher Chaos stiften. Für ein Chat-Gewitter und ein wenig Aktivierung eignet sich der Chat aber auch in großen Gruppen!

Haben unsere Teilnehmenden sich verändert?

Die anhaltende Covid-Krise hat uns alle auf viele verschiedene Arten beeinträchtigt. Wechselnde Bestimmungen, Sorgen und für viele Menschen auch das Gefühl der Isolation.

Bei einem unserer letzten Live Coachings berichtete eine erfahrene Trainerin, dass ihr bei einem ihrer ersten Präsenz-Termine nach einer Weile auch eine deutliche Veränderung unter ihren Teilnehmer*innen aufgefallen sei.

Auch wenn sie als Trainerin happy war, dass es endlich wieder Präsenz gab, hatte sie das Gefühl, dass die Stimmung in den Lerngruppen insgesamt trotzdem gedrückt war. Einzelne seien sogar deutlich sichtbar von negativen Gefühlen geplagt worden.

Natürlich kannst Du sagen, dass Du als Trainer*in nicht Therapeut*in bist, aber: Teilnehmer*innen, die mit solchen Gefühlen beschäftigt sind, sind natürlich nicht offen für ein echtes Lernerlebnis. Auch die Gruppendynamik leidet darunter. Es ist daher durchaus in Deinem Interesse, dass die Grundstimmung positiv ist.

Haben die letzten 2 Jahre uns und unsere Lernenden also vielleicht so nachhaltig beeinflusst, dass wir auf die psychische Verfassung unserer Gruppen noch mehr eingehen müssen?

Wie kannst Du als Trainer*in dafür sorgen, dass Du die Grundstimmung anhebst und mehr auf diese Faktoren eingehst? Denn nur negative Entwicklungen festzustellen, reicht uns natürlich nicht, wir suchen nach konkreten Lösungen:

Lösungsansatz 1: Isolation

Menschen, die allein leben, waren in letzter Zeit besonders viel allein. Und selbst Menschen, die zusammenleben, wollten sich wohl nach Lockdown X irgendwann nur noch aus dem Weg gehen. Außerdem fehlen vielen natürlich die freundschaftlichen Kontakte außerhalb des häuslichen Umfelds.

Daher hast Du in Deinen Seminaren vermutlich viele Teilnehmer*innen sitzen, die sich dringend austauschen müssen. Dabei musst Du keine wertvolle Lernzeit abziehen, sondern eher während der Pausen und zwischendurch die Interaktion bewusst anschubsen.

Dafür gibt es einige Wege:

1. Austausch-Plattform bereitstellen oder anregen

Die Zeit während des Seminars ist schön und gut, aber der informelle Austausch kann sich natürlich erst außerhalb der Arbeitsphasen wirklich entfalten. Erstelle für Deine Teilnehmer*innen direkt eine Austausch-Gruppe oder gib Ihnen die Aufgabe, eine zu bilden. Da musst Du auch nicht unbedingt dabei sein, sie können gerne ihre eigene Whatsapp-oder Telegram-Gruppe aufmachen.

2. Gemeinsame Aktivitäten und Gruppenarbeit

Es kann die Gruppendynamik besonders stärken, wenn gemeinsame Übungen durchgeführt werden, auch gerne während der Pausen. Da viele Lernende vermutlich relativ gestresst sind, bieten sich auch Entspannungs- oder Meditationseinheiten an.

Kollaboratives und soziales Lernen ist Online ohnehin wichtig, aber insbesondere bei bedrückten Lerngruppen kann es sehr wirksam sein.

Anstatt alle in den Pausen ihrer Wege gehen zu lassen, kannst Du auch einen (virtuellen) Pausenraum öffnen, in dem sich die Gruppe locker austauschen kann. Eventuell am besten ganz ohne Deine Anwesenheit 😉 Du kannst sie dafür zum Beispiel auch auf eine andere Plattform (z.B. wonder.me) schicken.

Lösungsansatz 2: Zu wenig individuelle Betreuung

In Lerngruppen ist natürlich nicht immer Zeit, auf jedes Mitglied individuell einzugehen. Dabei brauchen das aktuell viele Lernende wahrscheinlich besonders. Wie kannst Du für mehr Individualität sorgen?

1. Kleinere Gruppen

Wenn Du auf diesen Faktor Einfluss hast, kann es sich lohnen, die Lerngruppe überschaubar zu halten. So kannst Du die Bedürfnisse der einzelnen Lernenden wesentlich besser im Blick behalten und Dir auch die Zeit nehmen, auf diese einzugehen.

Falls Du die Gesamtgruppengröße nicht festlegen kannst, achte auf die Gruppengrößen bei den Arbeitsphasen. In Kleingruppen können die Gruppenmitglieder besser aufeinander eingehen und auch zurückhaltende Teilnehmer*innen beteiligen sich eher.

2. Offener Dialog

Vielleicht merkst Du wie unsere Trainerin letztens, dass einzelne Teilnehmer*innen besonders abwesend oder bedrückt erscheinen. Dies offen (und im Einzelgespräch!) anzusprechen, kann hilfreich sein.

Selbstverständlich respektierst Du dann aber auch die persönlichen Grenzen, wenn jemand nicht über seine privaten Gefühle sprechen möchte. Aber Du wirst vielleicht überrascht sein, wie viele Menschen sich öffnen, wenn sie einfach mal ehrlich gefragt werden, wie es ihnen geht.

Lösungsansatz 3: Grundstimmung anheben

Viele von uns können einen Serotonin-Schub gut gebrauchen. Zum Glück gibt es einige Wege, wie wir unser Gehirn mit positiven Impulsen versorgen können:

1. Bewegung

Hier gibt es einige Möglichkeiten: Gemeinsame Stretching-Übungen während der Pausen oder Energizer, die ein Aufstehen erfordern. Das Thema Energizer ist insgesamt bei schlappen Lerngruppen besonders wichtig. Regelmäßige Energizer geben dem Gehirn einen Reset und nehmen den Fokus kurz von vielleicht ernsteren Lerninhalten.

Es muss aber nicht unbedingt sportliche Betätigung sein: Du kannst Deine Teilnehmer*innen auch einfach zu einem kleinen Spaziergang nach draußen schicken. Das kannst Du sogar auch noch mit einer Walk&Talk Einheit verbinden und so gleich zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen. So bekommen die Lernenden eine Dosis frische Luft und können sich gleichzeitig noch ein wenig austauschen.

2. Lernraum angenehmer gestalten

Über die Lernumgebung hast Du bei Online-Formaten oft wenig Kontrolle. Und leider haben viele Lernende tatsächlich viele Ablenkungen in Form von Mitbewohner*innen, Kindern oder Lautstärke.

Dennoch kannst Du hier Hilfestellung geben: Du kannst das Thema direkt zu Beginn ansprechen und Tipps für einen besseren Lernraum geben. Falls möglich kannst Du sogar im Vorfeld Päckchen schicken, die kleine Aufmerksamkeiten enthalten.

Denn im Übrigen können auch alleine haptische Impulse bei langen Online-Einheiten die Stimmung heben!

Hast Du einen Lösungsansatz, wie Du mit bedrückten Teilnehmer*innen oder Lerngruppen umgehst? Wir freuen uns, von Deine Erfahrungen und Tipps zu hören!

Pausen sind keine verschwendete Lernzeit!

Wir machen uns oft und viele Gedanken über die Gestaltung der Lerneinheiten. Dabei sind die Pausen vielleicht eher etwas, das nebenbei geschieht.

Eventuell sind sie für Dich manchmal sogar eher ein notwendiges Übel, da sie insbesondere Online noch häufiger eingeplant werden müssen. Und wenn Deine Online-Tage ohnehin schon kürzer sind, dann kann Dir die Pausenzeit schon mal wie vertane Zeit vorkommen.

Dabei zeigen aktuelle Studien, dass Pausen genauso wichtig sind wie die eigentlichen Lerninhalte. Denn erst in der Pause können wir unser neues Wissen erst wirklich reflektieren und somit festigen. Folgt dann eine erneute Wiederholung, wird das Gelernte wirklich abgespeichert.

Wiederholung ist essentiell

Der Spacing- oder auch Intervall-Effekt besagt, dass wir uns an länger zurückliegende Dinge schlechter erinnern. Dieses Phänomen kann vermutlich auch jeder von uns bestätigen. Genau aus diesem Grund sind regelmäßige Wiederholungen so wichtig, um Wissen langfristig abrufbar zu halten.

Beim Erlernen neuer Fähigkeiten arbeitet das Gehirn auch während der Pausenzeiten weiter, ohne dass wir uns dessen wirklich bewusst sind. Die erneute Aktivierung der entsprechenden Synapsen stärkt dann die Verbindungen. Am besten ist es sogar, wenn diese Reaktivierung in Form von Handlungskompetenz erfolgt.

Eine besonders effektive Aufstellung kann also wie folgt aussehen: Lernen – Pause – Anwenden – Pause – Lernen – Pause – Anwenden

Ein Konzept wie das Microlearning eignet sich daher ideal für eine Maximierung dieses Effekts. Beim Microlearning sollen kompakte Lernimpulse gegeben werden, die dadurch besonders effektiv sein können. Wenn Du mehr über die Umsetzung von Microlearning erfahren möchtest, kannst Du unseren Artikel hier lesen.

Eine aktuelle Studie zeigt, wie wichtig Lernpausen sind

Erst dieses Jahr hat eine Studie des amerikanischen National Institute of Neurological Disorders and Stroke nachgewiesen, wie unser Gehirn in Pausen arbeitet. Die gesamte Studie im englischen Original findest Du hier zur Einsicht, aber wir fassen die Ergebnisse nun einmal kompakt zusammen:

Während des gesamten Experiments wurden die Gehirnströme der Proband*innen gemessen und so konnte veranschaulicht werden, wie das Erlernen einer (hier sehr einfachen) Fähigkeit abläuft.

Die Testpersonen mussten immer 10 Sekunden eine Tätigkeit ausführen und im Anschluss 10 Sekunden pausieren bevor sie die Tätigkeit erneut ausführen. Die Gehirnströme zeigen dabei: Während der Pausenzeiten erhöht sich unser Kompetenzlevel sogar erheblich mehr!

Darstellung basierend auf der Studie Consolidation of human skill linked to hippocampo-neocortical replay, Juni 2021: Quelle

Auch wenn wir während der Pausenzeiten nicht aktiv lernen, verarbeitet das Gehirn die vielfältigen neuen Informationen. Das nennen die Forscher*innen hier Waking Replay, was soviel bedeutet wie „Wiederholung im Wachzustand“.

Der Begriff grenzt damit von der bereits bekannten Wiederholung im Schlaf ab. Du hast sicherlich schon mal davon gehört, dass unser Gehirn während wir schlafen alles andere als inaktiv ist. Wir lassen die Informationen des Tages Revue passieren und hier entscheidet sich auch, was abgespeichert und was aussortiert wird.

Einen ähnlichen Effekt konnte die Studie nun also auch während der Pausenzeiten nachweisen. Nur können wir hier sogar noch effektiver damit arbeiten und die Lern- und Pausenzeiten verknüpfen.

Was ist also gute Pausengestaltung?

Wie sorgst Du also dafür, dass Deine Pausen diesen Effekten besonders viel Raum geben? Da eine Pause dem Gehirn wirklich Zeit zur Reflexion geben muss, sollten eventuelle Aktivitäten wenig komplex sein.

Heißt, eher keine aufwendigen Spiele mit vielen Regeln. Was sich immer eignet, ist dagegen etwas leichte Bewegung. Gemeinsame Yoga- oder Stretching-Übungen können nicht nur entspannen, sondern auch den gesamten Körper wieder mit neuer Energie versorgen. In Online-Formaten eignet sich allgemein alles, was den Fokus kurzzeitig weg vom Bildschirm lenkt.

Wenn eine Art Pausen-Routine entsteht, ist das sogar noch besser. Denn die vertraute Wiederholung einfacher Muster ist fast wie Meditation und erfordert kaum aktives Bewusstsein. So bekommt das Gehirn eine Pause von neuem Wissen und kann sich der Aufarbeitung widmen.

Insgesamt kannst Du Deine Veranstaltungen auch immer auf allgemeine Planung überprüfen: Gibt es in verschiedenen Intervallen Wiederholungen? Sind die einzelnen Einheiten knackig genug? Gibt es ausreichend Pausen, also wertvolle Reflexionszeit?

Und wer weiß, vielleicht planst Du ja auf Basis dieses neuen Wissens in Zukunft sogar lieber Pausen ein. Denn sie sind erwiesenermaßen keine verschwendete Lernzeit!

5 frische Tools für Deinen Methodenkoffer

Es ist kein Geheimnis, dass Trainer*innen ihre Tools lieben. Und in letzter Zeit hat der Tool-Markt sicherlich nochmal einen ordentlichen Boom erfahren und überall schießen die digitalen Lösungen geradezu aus dem Boden.

Du weißt mittlerweile vermutlich auch, dass wir einen eher leichten Methodenkoffer empfehlen. Es ist für Dich und Deine Teilnehmer*innen oft einfacher zu bewältigen, wenn Du eine Handvoll Tools in der Tiefe beherrschst. Denn außer in Fällen in denen Du gezielt digitale Kompetenz schulen möchtest, lenken zu viele Tools ansonsten nur von Deinem Inhalt ab.

Wenn Du auf der Suche nach neuen Tools bist, kannst Du durchaus ab und zu mal die Tools in Deiner Rotation austauschen, anstatt stetig neue hinzuzufügen. Denn oftmals kannst Du methodische Lernziele mit vielen verschiedenen Tools umsetzen. Es macht Dein Gepäck also eher schnell unnötig sperrig, wenn Du für jede Methode ein einzelnes Tool einsetzt.

Grundsätzlich bleiben wir hier dem gewohnten Ansatz treu: Die vorgestellten Tools sind kostenlos und möglichst niedrigschwellig in der Anwendung. Das macht sie auf Teilnehmer*innenseite besonders einfach in der technischen Aneignung und öffnet die Methode für die meisten Zielgruppen.

Hier findest Du nun eine Liste der Tools, die wir in letzter Zeit ausprobiert haben und die vielleicht noch ein wenig abseits des ausgetretenen Tool-Pfades liegen. Die Webseite des jeweiligen Tools ist immer in der Überschrift direkt verlinkt!

1. AnswerGarden

Dieses einfache Schweizer Tool eignet sich ideal zum Brainstormen oder Sammeln von Antworten. Deine Teilnehmer*innen müssen wirklich nur Antworten eintippen. Daher ist es besonders für Lerngruppen geeignet, die digitale Einsteiger*innen sind und sich an die einfachsten kollaborativen Funktionen herantasten möchten.

Du musst nur ein Thema oder eine Frage vorgeben und Dein Antwortgarten wird erstellt. Das Board kannst Du im Abschluss wie üblich über einen Link oder QR-Code verteilen. Die gesammelten Begriffe werden dann in einer Wortwolke visualisiert. Du kannst vorher auch noch ein paar Einstellungen vornehmen, um etwa die Antwortlänge zu begrenzen.

Wenn Dich die zunächst englische Sprachausführung stört, kannst Du über den Chrome Browser mit der rechten Maustaste eine Seite auf Deutsch übersetzen lassen. In den meisten Fällen ist diese Übersetzung auch sehr zuverlässig!

2. Oncoo

Oncoo ist ganz alleine eine nette kleine Tool-Sammlung, die ohne Anmeldung oder Registrierung funktioniert. Wenn Du die Seite öffnest, musst Du zunächst einmal auf die Sprechblase klicken, um die Werkzeugliste zu öffnen.

Das Tool ist besonders darauf ausgelegt, mit vielen Geräten kompatibel zu sein und eignet sich daher auch perfekt für Lerngruppen, in denen die technische Ausstattung sehr heterogen ist. Dafür sind die Werkzeuge aber eher darauf ausgerichtet, dass Lernende einzeln mit dem Tool interagieren und nicht unbedingt auf eine gleichzeitige Visualisierung. Daher hast Du hier die verschiedenen Lehrer- bzw. Schüler-Ansichten.

Mit Oncoo kannst Du aber verschiedene interaktive Methoden umsetzen, wie beispielsweise Kartenabfragen oder Zielscheiben. Wenn Du eine Methode erstellst, bekommst Du einen Code oder Link, über den Deine Teilnehmer*innen dann zu Deiner Kreation gelangen. Über denselben Code kannst Du im Anschluss auch die Ergebnisse prüfen oder für alle zeigen.

Beispiel für eine einfache Kartenabfrage
Die „Lehreransicht“ oder zur Präsentation

3. Classroomscreen

Auch Classroomscreen ist grundsätzlich kostenlos. Du kannst zwar über verschiedene Preismodelle weitere Funktionen freischalten, aber vermutlich wirst Du auch mit dem Basis-Modell gut zurechtkommen. Es erfordert nicht einmal eine Anmeldung, Du kannst einfach über Launch now direkt Deine Bildschirme öffnen.

Das Tool ist im Prinzip eine virtuelle Tafel mit vielen zusätzlichen Funktionen. Du kannst die Uhrzeit oder einen Timer anzeigen, die jeweilige Arbeitsphase über ein Symbol visualisieren oder über einen Zufallsgenerator Lernende aufrufen. Du kannst natürlich aber auch Zeichnen, Schreiben oder ein Hintergrundbild einstellen.

Mit Hilfe der eingebauten QR-Code Funktion kannst Du schnell auf externe Materialien verlinken.

4. H5P

Dieses Tool ist eher für die Methoden-Bastler*innen unter Euch geeignet. Es erlaubt Dir, wirklich kreative und interaktive Lerninhalte zu erstellen, die Du auch auf Webseiten einbetten kannst. H5P kannst Du als Plugin beispielsweise in Deine Seite oder Dein Lernmanagement-System integrieren, die bekanntesten wie Moodle oder Canvas sind hier dabei.

Das alles sollte Dich aber nicht unbedingt vom Ausprobieren abschrecken, denn die Anwendung erfordert keine Experten-Programmierkenntnisse. Wenn Du Dich hier eventuell ein wenig mehr einfuchsen musst, wirst Du mit wirklich einzigartigen Lernbausteinen belohnt.

Mit H5P kannst Du beispielsweise Erklärvideos erstellen, bei denen die Lernenden an von Dir gewählten Stellen Fragen beantworten müssen, um im Video weiterzukommen. Das erhöht die Anforderung und fördert aktives Zuhören und direkte Wiederholung.

5. Plickers

Dieses Tool ist auf Leistungsüberprüfungen, Quizze und Abfragen in Echtzeit spezialisiert. Plickers erfordert für Dich eine Anmeldung, diese ist aber auch über einen vorhandenen Google-Account möglich.

Plickers ist insofern einzigartig, da es eigentlich ein Online-Tool für Präsenz-Seminare ist. Im Gegensatz zu etwa Kahoot oder Quizlet hat es aber einen großen Vorteil: Nur Du als Durchführende*r brauchst ein mobiles Gerät und Deine Teilnehmer*innen geben ihre Antworten über vorher ausgedruckte Antwortkarten, die Du dann mit dem Smartphone scannst.

Die Karten werden von Plickers kostenlos zum Download zur Verfügung gestellt. Deine Lerngruppen musst Du im Vorfeld entweder manuell eingeben oder über Google Classroom importieren.

Wenn Du Dir die praktische Funktionsweise des Tools einmal genauer anschauen möchtest, empfehlen wir eine YouTube-Suche. Du kannst beispielsweise hier bei diesem Video anfangen, um ein besseres Gefühl für das Tool zu bekommen.

Eine Online-Bildersuche ist im Tool integriert, aber Du kannst auch zu jeder Frage eigene Fotos hochladen. Anstatt Text-Antworten kannst Du etwa auch Bilder oder GIFs als Optionen hochladen. Du kannst zudem immer einstellen, ob Deine Abfrage auf eine vorher eingestellte richtige Antwort überprüfen soll oder nicht.

Gruppengefühl in hybriden Settings

Zunächst einmal klären wir: Was verstehen wir unter einem hybriden Seminar? Der Begriff wird nämlich in verschiedenen Kontexten durchaus mit unterschiedlichen Bedeutungen verwendet.

Ein hybrides Meeting oder Seminar liegt vor, wenn Du gleichzeitig virtuell und physisch anwesende Teilnehmer*innen betreust. Es ist also eine synchrone Verbindung der beiden Seiten.

Die Verzahnung von abwechselnden Online- und Präsenzphasen verstehen wir mittlerweile eher als Blended Learning. Auch dazu haben wir bereits einen Artikel veröffentlicht.

Die Herausforderung einer hybriden Veranstaltung ist, dass es sowohl ein vollwertiges Präsenz-Meeting als auch ein vollwertiges Online-Meeting umfassen muss. Beide Seiten müssen betreut und eingebunden werden, ohne eine zu vernachlässigen.

Bei der Planung ist es also wichtig, dass Du ein hybrides Format immer vollständig aus der Sicht eines Präsenz-Lernenden und eines Online-Lernenden nachvollziehst.

Eins sei vorweg gesagt: Die Moderation eines hybriden Seminars kann sehr anspruchsvoll sein und Du tust Dir immer einen Gefallen, wenn Du einen Co-Moderator für den technischen Support einsetzt oder direkt designierte Rollen an einzelne Teilnehmende verteilst.

Wieso überhaupt Hybrid?

Vielleicht fragst Du Dich gerade, wieso ein hybrides Format überhaupt den ganzen Aufwand wert sein sollte oder man nicht einfach direkt mit der ganzen Gruppe auf Online umsteigt.

So sehr wir hier auch digitale Lösungen befürworten, so lässt sich nicht abstreiten, dass Präsenz-Formate ein besonderes Feeling und natürlichen Austausch mit sich bringen. Wenn Du die Möglichkeit hast, diesen Modus anzubieten, öffnest Du auch die Meeting-Tür für digital weniger kompetente Teilnehmer*innen.

Natürlich müssen sie auch in einem hybriden Seminar mit Tools und Technik umgehen, aber sie fühlen sich durch die tatsächliche Anwesenheit einer Gruppe im Raum weniger allein gelassen und die Hürde nach Hilfe zu fragen ist geringer.

Ein weiterer Vorteil für Dich und Deine Zielgruppen: Hybrid ist durch die Online-Komponente flexibel und örtlich unabhängiger. Teilnehmer*innen, die nicht vor Ort sein können, nehmen trotzdem aktiv teil und für Dich als Trainer*in kann es Deine Angebote weiter öffnen.

Arbeitest Du vielleicht öfter Inhouse oder schulst Mitarbeiter*innen (inter)nationaler Unternehmen? Dann kann eine hybride Veranstaltung eine tolle Lösung sein, um Lernende aus verschiedenen Standorten zusammenzubringen. Es ist gewissermaßen eine Variante, bei der sich alle in der Mitte aus Online und Präsenz treffen können.

Auch wenn in der Praxis die technische Komponente doch meist sehr stark ausgeprägt sein wird, denn eine reguläre Präsenz-Veranstaltung an den virtuellen Teilnehmer*innen vorbei zu halten, ist schließlich alles andere als Interaktion.

Wenn Du wirklich nur einen Präsenz-Vortrag an virtuelle Teilnehmer*innen übertragen möchtest, bietet sich ein reines Live Streaming mehr an.

Die Grenzen aufheben

Die wahrscheinlich größte Sorge bei hybriden Veranstaltungen ist, dass sich zwei isolierte Gruppen entwickeln. Denn oftmals haben Trainer*innen so das Gefühl, dass sie sich besser auf die einzelnen Seiten konzentrieren können.

Für einmalige Veranstaltungen mag das sogar noch funktionieren, aber in längerfristigen Lerngruppen kann diese Vorgehensweise schnell der Gruppendynamik im Wege stehen. Und selbst in Tagesseminaren ist eine Durchmischung bei kollaborativen Arbeiten eine gute Alternative.

Das gilt im Übrigen auch für die Pausengestaltung. Über Plattformen wie wonder.me kannst Du beispielsweise den informellen Austausch zwischen beiden Gruppen anregen. Weitere allgemeine Tipps zur Planung und Durchführung von hybriden Meetings findest Du beispielsweise in unserem Artikel hier.

Denn hier wollen wir heute konkret einige Ansätze vorstellen, mit denen hybride Lerngruppen über Online-Tools kollaborativ arbeiten und kommunizieren können. Denn ohne digitale Unterstützung wirst Du nicht erfolgreich hybrid arbeiten können.

Grundsätzlich eignen sich alle Methoden für Online-Seminare auch für hybride Settings. Niedrigschwellige digitale Tools sorgen dafür, dass die Veranstaltung nicht zu virtuell wird und sich alle mehr auf die Inhalte konzentrieren können.

1. Der Chat verbindet

Wenn es dir technisch möglich ist, ist es eben immer von Vorteil, wenn alle Teilnehmer*innen an einem virtuellen Meeting teilnehmen. Das bedeutet, dass auch die anwesenden Teilnehmer*innen mit Geräten ausgestattet sein sollten und an etwa einem Zoom-Meeting teilnehmen.

Auf diese Weise kannst Du gleichzeitig an die gesamte Gruppe Links über den Chat verteilen. Die anwesenden Lernenden müssen also nicht unbedingt ständig über die Geräte arbeiten, aber grundsätzlich auf das Meeting Zugriff haben.

Der Chat eignet sich auch immer für Kommunikation und methodischen Einsatz. Der Chat bietet sich immer dann an, wenn es um eine Sammlung von Antworten oder einfach eine Beteiligung aller geht.

So kannst Du beispielsweise zu Beginn oder zum Abschluss mit einem „Emoji-Gewitter“ die Stimmung in der Gruppe visualisieren. Das Chat-Gewitter kann gut für einführende Fragen oder zum Beispiel abschließendes Feedback genutzt werden. Als Variante gibt es auch das sogenannte #TIL-Gewitter (TIL steht für Today I Learned, dt. Heute habe ich gelernt), bei dem alle Lernenden ihre wichtigste Erkenntnis des Tages in den Chat schreiben.

Der Chat kann auch für Energizer wie etwa einen Wortpuzzle verwendet werden, bei dem die Teilnehmer*innen ihre gefundenen Antworten in den Chat schreiben.

2. Kennenlernen nicht vergessen

Wir empfehlen auch für reine Online-Seminare immer, dass die Einführungsphase nicht gestrichen wird. Insbesondere, wenn Du längerfristige Lerngruppen bilden möchtest. Denn in digitalen und hybriden Settings braucht die Gruppendynamik eben manchmal einen kleinen Anschubs.

Es beginnt damit, dass die Online-Lernenden kurz eine Seminarraum-Tour bekommen, denn so fühlen sie sich weniger auf Distanz gehalten und können ein Raumgefühl entwickeln. Während der Kennenlern-Phase oder in Pausen-Einheiten kannst Du die Teilnehmer*innen immer auch „auf Reisen“ schicken, damit sie sich die gegenseitigen Umgebungen zeigen können.

So lässt sich das entfremdete Bildschirm-Gefühl etwas abmildern und die anderen Lernenden bekommen etwas Dreidimensionalität. Denn das Ziel ist, dass sich die Lerngruppe für beide Seiten realer anfühlt und übergreifender informeller Austausch angeregt wird.

Wenn Du eine überschaubare Gruppengröße und die technische Ausstattung dafür hast, kannst Du sogar jeden/jede virtuellen Teilnehmer*in im Raum über ein designiertes Gerät an einem Platz visualisieren. Aber das ist wirklich schon sehr fortgeschritten 😉

3. Mobile Geräte nutzen

Selbst wenn Du auf der Präsenz-Seite nicht mit vielen technischen Lösungen ausgestattet bist, kannst Du auf eines meistens zählen: Die Teilnehmer*innen auf beiden Seiten haben normalerweise Zugriff auf ein Smartphone.

Das heißt das Handy ist das ideale Verbindungsstück für viele Übungen, wenn Du Apps einsetzt, die sich gut über ein mobiles Gerät verwenden lassen.

Ein Beispiel kann etwa das Tool Mentimeter sein, mit dem Du Quizzes, interaktive Präsentationen oder Votings umsetzen kannst.

Über Links oder QR-Codes kannst Du Deinen anwesenden und virtuellen Teilnehmer*innen schnell Zugang zu Deinen Inhalten geben und es können sich alle gleichermaßen beteiligen. Es empfiehlt sich, die Aufgabenstellungen deutlich und eher einfach zu halten.

4. Whiteboards visualisieren für alle

Virtuelle Whiteboards eignen sich für hybride Veranstaltungen besonders gut. Denn Du kannst sie gleichermaßen von beiden Gruppen nutzen lassen, indem Du das Whiteboard im virtuellen Meeting teilst und auch im Seminarraum zeigst.

Das funktioniert natürlich besonders gut, wenn Dein Raum vorne einen großen Bildschirm hat über den Du Inhalte (oder auch die virtuellen Teilnehmer*innen) zeigen kannst. Ein solches Setup ist für hybride Seminare sehr zu empfehlen.

Die anwesenden Teilnehmer*innen können dann je nach Aufgabenstellung selbst an ihren Geräten etwas eintragen oder – wenn Du den Anwesenden eine Geräte-Pause geben möchtest – sammelst Du Wortmeldungen von allen und trägst stellvertretend ein. Auf diese Weise entsteht besonders im physischen Raum fast schon wieder ein nostalgisches Tafel-Feeling.