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Die 9 häufigsten Fehler bei Online-Trainings

Mittlerweile haben wohl auch die Neulinge unter den Online-Trainer*innen sich ein durchaus beträchtliches Wissen über den digitalen Lernprozess angeeignet.

Dennoch gibt es immer noch einige Fehlerquellen, die häufig für holprige Abläufe sorgen. Die meisten davon sind zum Glück sehr einfach durch eine gute Planung zu beheben.

Schauen wir uns also die verschiedenen Phasen eines Online-Seminars an und wo die größten versteckten Stolperfallen für den reibungslosen Ablauf liegen.

Vor Beginn

1. Digitale Kompetenz überschätzen

Ein oft gemachter Fehler liegt bei der Konzeption eines Online-Seminars in der Überschätzung der digitalen Kompetenz Deiner zukünftigen Teilnehmer*innen.

Du planst Deine Methoden und entwirfst anregende Lernszenarien mit Online-Tools. In der Realität stößt Du dann aber häufig auf Probleme bei der Umsetzung, da die Lernenden bereits mit sehr basalen digitalen Aufgabenstellungen zu kämpfen haben.

Du musst bei der Planung auch immer bedenken, dass selbst digital grundsätzlich sehr kompetente Teilnehmer*innen womöglich die verschiedenen Tools nicht kennen und eine Weile zur Einarbeitung in die Funktionen benötigen.

Hier kannst du auf verschiedene Weise Abhilfe schaffen:

Du solltest bereits vor Seminarbeginn versuchen, die Verhältnisse bestmöglich auszugleichen. Grundsätzlich beginnt ein Online-Seminar mit der Buchung. Deine erste Dankeseite leitet bereits den Onboarding-Prozess ein und führt Deine Teilnehmer*innen hoffentlich sicher auf den richtigen Weg.

Dazu gehört eben auch oft die technische Vorbereitung auf das kommende Seminar. Je mehr Hilfe Du also hier anbietest, desto weniger Problemquellen können sich unerwartet während der Durchführung auftun.

Du kannst beispielsweise eine Checkliste erstellen oder Erklärvideos drehen bzw. verlinken. Zusätzlich kann ein vorgeschalteter Live Technik-Check mit allen Teilnehmer*innen ratsam sein, praktisch eine Übung des Ernstfalls. Je genauer die Teilnehmer*innen wissen, auf was sie sich technisch vorbereiten müssen, desto weniger Unsicherheit besteht.

2. Der fachliche Wissensstand

Ebenso wie die technisch-digitalen Kompetenzen, solltest Du auch die fachlichen Wissensstände im Vorfeld abfragen.

In Unternehmen oder bei Fortbildungen kommen Deine Teilnehmer*innen oft aus sehr verschiedenen Ecken. Diese unterschiedlichen Voraussetzungen können dann in der Praxis den Lernprozess schwieriger als nötig gestalten.

Hier reicht ein einfaches Quiz zur Abfrage des Kenntnisstandes. Das hilft nicht nur den Teilnehmer*innen bei der Vorbereitung, sondern vor allem auch Dir bei der Einordnung. So kannst Du schon im Vorfeld ungefähr einschätzen, auf welchem inhaltlichen Stand die Lerngruppe sich befindet und wie groß die Unterschiede innerhalb dieser sind.

Wenn Du feststellst, dass Deine Lernenden schon wesentlich weiter fortgeschritten sind als gedacht, kannst Du beispielsweise entsprechend darauf reagieren und etwa einleitende Sequenzen abkürzen.

Während des Trainings

3. Kein richtiger Austausch

Du hast als Expert*in natürlich viel Wissen zu teilen. Dein Input leitet und strukturiert die Veranstaltung und versorgt die Lernenden mit Anregungen.

Online neigen manchen Trainer*innen aber immer noch dazu, ihre Veranstaltungen zu einer Vorlesung verkommen zu lassen. Meist liegt das daran, dass sie das Gefühl haben ihre Teilnehmer*innen seien überhaupt nicht wirklich anwesend und so „vergessen“ sie die Menschen auf der anderen Seite.

Dieser fehlende Kontakt zu den Lernenden manifestiert sich so nur immer weiter und die Teilnehmer*innen werden zu wenig eingebunden. Dadurch wird nicht ausreichend auf Fragen eingegangen und die Bedürfnisse der Lerngruppe kommen zu kurz.

Die aktive Einbindung der Teilnehmer*innen ist in einer Online-Veranstaltung das wichtigste Element überhaupt. Nur so kannst Du der immer drohenden digitalen Ermüdung entgegenwirken.

Falls Dein Fachgebiet einfach sehr viel theoretisches Wissen erfordert, kannst Du Dir eventuell eine partielle Auslagerung dieser Lerneinheiten überlegen. Indem theoretische Grundbausteine in Selbstlernphasen übergeben werden, kannst Du Dir in den Live Einheiten mehr Zeit für die aktive und praktische Anwendung bzw. Vertiefung nehmen.

Du kannst Dir hierzu beispielsweise unseren Artikel der letzten Woche durchlesen: Blended Learning – das Beste aus beiden Welten?

4. Keine Variation in der Methodik

Natürlich solltest Du Deine Teilnehmer*innen nicht mit Methoden zuschütten und um jeden Preis sämtliche Tools zum Einsatz bringen.

Aber etwas gezielte Variation bei der Methodik und den Arbeitsformen hält Deine Lernenden länger bei der Stange. Insbesondere die Variation der Sozialformen bietet sich immer an.

Indem Du sowohl Einzel- als auch Paar- und Kleingruppenarbeit einbaust, schaffst Du wertvolle inhaltliche und auch gruppendynamische Impulse.

Dabei gilt grundsätzlich: Das Format muss zum Lernziel passen! Es hat wenig Sinn, eine Methode auf Biegen und Brechen einsetzen zu wollen, wenn sie nicht dem Lernziel dient.

5. Unklare Ziele

Direkte Kommunikation ist alles. Je deutlicher Aufgabenstellungen und Lernziele formuliertsind, desto einfacher können sich Menschen daran orientieren.

Wenn Lernende nicht wissen, wieso sie eine Fortbildung überhaupt besuchen, verlieren sie schnell die Motivation. Daher solltest Du ihnen das (Lern)Ziel zu jeder Zeit vor Augen halten.

Das fängt bereits beim Titel Deines Trainings an: Es sollte deutlich zum Ausdruck kommen, worum es geht und was erreicht werden soll. Fahrpläne und Strukturübersichten helfen den Lernenden immer bei der Einordnung der aktuellen Einheiten in den Gesamtkontext.

6. Individuelles Lernverhalten nicht berücksichtigen

Lernen ist bekanntermaßen keine Einheitsgröße. Jede*r Lernende und jede Lerngruppe spricht auf eine Methode oder eine Lernform mehr oder weniger gut an.

Auch hier kannst Du mit einer abwechslungsreichen Planung auf viele Zielgruppen vorbereitet sein.

Es ist natürlich manchmal für Dich als Trainer*in schwierig als Außenstehende*r in ein Unternehmen hineinzukommen. Du kannst Deine Lerngruppe nicht unbedingt einschätzen und ihre Lernpräferenzen berücksichtigen.

Daher ist auch an dieser Stelle Flexibilität ratsam. Eine stets unverändert starre Präsentation an alle Orte und Zielgruppen mitzunehmen, macht Dir zwar weniger Arbeit aber auch oft Deinen Teilnehmer*innen weniger Spaß.

So mag es der Fall sein, dass jüngere Teilnehmergruppen an Online-Selbstlernkonzepte stärker gewöhnt sind und daher problemlos damit zurechtkommen. Dagegen findest Du bei eher älteren Teilnehmergruppen eventuell mit Präsenz-Methoden in einer Online-Form mehr Anklang.

Je mehr Du mit Deinen Teilnehmer*innen (auch vor Kursbeginn) kommunizierst, desto besser kannst Du auf diese Präferenzen eingehen und Demotivation verhindern.

7. Zu wenige Pausen

Dein Präsenzkonzept lässt sich leider nicht 1:1 in ein Online-Format übertragen. Das gilt insbesondere auch für die zeitliche Taktung.

Online müssen die Einheiten noch kürzer und die Pausen häufiger sein, um Konzentrationsschwächen entgegenzuwirken.

Wieso das so ist, kannst Du beispielsweise in unserem Artikel über Digitale Ermüdung lesen.

Nach dem Training

8. Nachbereitung vernachlässigen

Lerntransfer ist die Übertragung der Lerninhalte in den tatsächlichen (Arbeits-)Alltag. Ein Training oder Kurs alleine legt dafür häufig nur den Grundstein.

Die Integration des neuen Wissens in den Alltag kannst Du gezielt anregen durch etwa Übungen zur eigenständigen Wiederholung nach der eigentlichen Lerneinheit. Ebenso eignen sich Abschlussaufgaben oder kleine weiterführende Projekte, die das Training abrunden.

Außerdem hilft es Deinen Lernenden immer, wenn Du ihnen verschriftlichte Materialien zur Verfügung stellst, die die Lerninhalte zusammenfassen. Neben den Foliensätzen kannst Du auch bei Live Online-Veranstaltungen die Aufzeichnungen freigeben.

Denn auch wenn das tatsächliche Lernerlebnis den größten Effekt erzielt, kannst Du so für eine langfristige Absicherung und gegebenenfalls Auffrischung Deines vermittelten Wissens sorgen.

9. Keine Reflexion des Trainings

Unmittelbar nach einem Training oder Kurs können die Teilnehmer*innen den Eindruck der Weiterbildung emotional am besten einschätzen. Häufig vergessen Trainer*innen aber sich genau dieses wertvolle Feedback einzuholen.

Zudem ist eine Fortbildung nicht nur für die Teilnehmer*innen ein Lernerlebnis, sondern immer auch für Dich. Du solltest also die Chance auf Verbesserung und Weiterentwicklung nicht einfach herschenken, sondern das Feedback einfordern und festhalten.

Außerdem hilft dir die Einschätzung Deiner Teilnehmer*innen dabei, ihre Lernerlebnisse mit Deinen Zielsetzungen für das Training abzugleichen.

Hast Du Dein Ziel erreicht? Oder kannst Du mit Hilfe des Feedbacks in Zukunft noch gezielter auf den erwünschten Lernerfolg hinarbeiten?

Digitale Kompetenz – Schlüsselfaktor und Wegblockade

Wir leben in einer digitalisierten Welt.

Der Umgang mit Technologie ist für viele von uns so alltäglich, dass wir uns ein Leben ohne unsere digitalen Geräte kaum vorstellen können.

Was tun wir also, wenn uns in einem Lernkontext Menschen begegnen, deren digitale Kompetenz praktisch nicht vorhanden ist?

Erst vor einigen Wochen habe ich in einem Präsenzseminar erlebt, dass eine Frau mittleren Alters tatsächlich noch niemals einen Computer auch nur angeschaltet hatte.

Wie kann man Teilnehmer*innen helfen, die in ihrer medialen Kompetenz so weit zurückliegen?

In diesem Kontext sprechen wir hauptsächlich über die digitale Kompetenz in Präsenzveranstaltungen. Natürlich existiert und äußert sich diese Barriere auch im Rahmen von Online-Seminaren – jedoch ist davon auszugehen, dass in vielen Fällen Menschen mit niedriger digitaler Affinität erst gar nicht zu Teilnehmer*innen einer (freiwilligen) Online-Veranstaltung werden.

Wie entstehen digitale Mangelerscheinungen?

Einer der faszinierendsten Faktoren der digitalen Sphäre ist die exponentielle Entwicklungskurve. Für uns als Nutzer wird diese Geschwindigkeit und Flüchtigkeit von Wissen aber auch schnell zum Problem.

Mein Vater arbeitet seit den 80er-Jahren in der IT-Branche. Abgesehen von medienhistorischer Bedeutsamkeit sind die Lerninhalte seines Studiums heute weitgehend veraltet. Und man muss keineswegs so weit zurückgehen, um diese Beobachtung anzustellen: Da sich die Technologie und das Internet in einem solch rapiden Tempo verändern, kann selbst das Wissen von heute morgen schon überholt sein.

Natürlich geht es aber immer um die wertvolle Ausbildung einer digitalen Grundkompetenz als Basis. Denn wenn diese fehlt, wird die Einarbeitung in neue digitale Wissensbereiche besonders schwierig.

Letzten Endes kann man die Ausbildung digitaler Kompetenz auch immer zu einem Teil in die Verantwortung von Unternehmern und Arbeitgebern legen. Das Angebot und die Förderung von Weiterbildungen sind aber natürlich längst noch nicht überall Teil der Unternehmensphilosophie.

Was sind digitale Kompetenzen überhaupt konkret?

Digitale Kompetenzen lassen sich in drei wesentliche Bereiche einteilen:

Diese drei Grundbausteine umfassen die wichtigsten Kompetenzen im Umgang mit Digitalität. So werden einerseits theoretisches Basiswissen über die Funktionsweise von Geräten und Softwares vermittelt, andererseits aber auch Bewertungs- und Handlungskompetenzen ausgebildet.

Insbesondere die kritische Bewertung von Medieninhalten wird als Kompetenz häufig vernachlässigt. Man muss aber durchaus auch den kompetenten Umgang mit Inhalten bewusst anleiten.

Wie kann man diese Kompetenzen didaktisch fördern?

Wobei informatische Grundkenntnisse durchaus hilfreich für ein generelles Verständnis sein können, so halte ich die anderen zwei Bereiche für wesentlich fundamentaler für methodische Ansätze.

1. Medienkompetenz

Medienkompetenz entsteht vor allem durch Reflexion.

Menschen, die mit dem Internet und sozialen Medien nicht vertraut sind, können in Bezug auf die Validität digitaler Inhalte zu Naivität neigen. Daher gilt es, ihnen Bewertungskriterien für den Umgang mit Medieninhalten an die Hand zu geben. Insbesondere Inhalte auf sozialen Medien müssen hinsichtlich ihrer potentiellen Risiken für die reale Lebenswelt thematisiert werden.

Idealerweise entstehen Medienkompetenzen durch praktische Übungen, in denen Teilnehmer*innen Inhalte reflektieren und diskutieren können. Dies kann beispielsweise im Rahmen einer Übungseinheit zum Thema „Fake News“ geschehen, in der die Lernenden Inhalte recherchieren und auf ihren Wahrheitsgehalt überprüfen müssen.

Ein wichtiger Teil des Prozesses ist damit auch die Reflexion der eigenen Arbeitsergebnisse bezüglich ihres ihrer Stichhaltigkeit und Aktualität. Durch diese Verifizierung der Seriosität und des Informationsgehaltes können Teilnehmer*innen ein natürliches Bewertungssystem entwickeln.

2. Anwendungswissen

Zum Anwendungs-Know-how zählt im Zusammenhang mit digitaler Kompetenz vor allem die Sicherheit im Umgang mit Software-Programmen. Oftmals liegen die grundlegenden Bausteine in Textverarbeitung, Tabellenkalkulation, Präsentationsprogrammen und Bildbearbeitung.

In diesen Bereich fällt ebenfalls die Anwendung der kollaborativen Softwares, die im Seminar für die gemeinschaftliche Bearbeitung der Übungen genutzt werden, sowie die Methoden der Informationsbeschaffung im Internet.

Je nach Lernkontext zählen hierzu selbstverständlich auch fachspezifische Programme, die im jeweiligen beruflichen Umfeld gebraucht werden.

Wie der Name bereits nahelegt, entsteht Anwendungswissen am sinnvollsten durch Anwendung. In einem Lernumfeld verspricht ein hoher Praxisanteil daher den nachhaltigsten Lernerfolg. Wenn der Trainer der eigenständigen Erschließung möglichst viel Raum gibt, können Lernende auch ihre Selbstständigkeit ausbauen.

Wie kann man einzelnen Lernenden helfen?

Manchmal muss man die Lernenden einfach dort abholen, wo sie stehen. Unterschiede in der digitalen Kompetenz sind in vielen Lerngruppen vorhanden und sind nicht notwendigerweise ein Stolperstein.

Grundsätzlich möchten wir als Trainer natürlich niemanden aus dem Lernprozess ausschließen. Daher beanspruchen einzelne Gruppenmitglieder manchmal einfach mehr Zeit und eine intensivere Betreuung.

Den Ablauf des Seminars nicht allzu starr zu gestalten, ist generell ein guter Ansatz. Auf diese Weise hat man an jeder Stelle die Möglichkeit, Aufgabenstellungen abhängig vom Leistungsstand differenziert zu stellen.

Lernende mit mangelnder digitaler Kompetenz haben häufig die Sorge, dass sie nicht mit dem Rest der modernen Welt Schritt halten können. Dieser Eindruck kann große Unsicherheit und auch Zukunftsängste auslösen.

Daher ist es wichtig, dass man stets versucht, allen Lernenden das Gefühl zu vermittelt, dass sie für den Lernprozess wertvoll sind. Selbstverständlich haben auch diese Gruppenmitglieder Erfahrungen und Kompetenzen in vielen anderen Bereichen. Wenn man einen Weg findet, ihnen von diesen eine Brücke zu digitalen Wissensbereichen zu bauen, kann sich jeder Lernende eingebunden fühlen.

Insgesamt können auch bei unterschiedlicher digitaler Kompetenz innerhalb einer Gruppe dieselben Grundsätze wie beim Umgang mit heterogenen Lerngruppen hilfreich sein. Falls Dich dieses Thema weitergehend interessiert, so kannst Du in diesem Artikel mehr darüber lesen:

Das Lernen in heterogenen Teilnehmergruppen

Digitale Kompetenz ist Handlungskompetenz

All die besprochenen Aspekte laufen vor allem auf eine Schlussfolgerung hinaus: Medienkompetenzen müssen handlungsorientiert vermittelt werden.

Informatische Grundkenntnisse sind wie Latein – als Verbindungsstück kann es manchmal hilfreich sein, es ist aber nicht unbedingt erforderlich. Am Ende des Tages muss der durchschnittliche Anwender digitaler Medien nicht im Detail wissen, wie ein Computer im Innern aufgebaut ist und wie Software programmiert wird. Es ist essentiell, dass wir wissen – und vermitteln – wie man diese digitalen Tools im beruflichen Alltag effizient anwendet.

Insbesondere ist die Förderung einer digitalen Grundkompetenz wichtig. Es fällt uns wesentlich leichter, uns in neue Dinge einzuarbeiten, wenn wir das neue Wissen mit bereits vorhandenen Wissensbeständen verknüpfen können.

Denn auch wenn sich die digitale Welt weiterhin schnelllebig entwickeln wird, können wir so verhindern, dass einige Lernende vollständig den Anschluss verlieren. Da die Entwicklung einer zunehmend digitalisierten Gesellschaft auch immer mehr Arbeitsplätze in diesen Bereichen schaffen wird, können Menschen mit mangelnden Kompetenzen große Nachteile auf dem Arbeitsmarkt erfahren.

Das ist vor allem für weniger qualifizierte Arbeitskräfte problematisch, da diese Segmente des Arbeitsmarktes mit größerer Wahrscheinlichkeit wegfallen. Daher ist die Implementierung von digitalen Kompetenzen von besonderer Wichtigkeit.

Zudem haben wir in diesem Jahr kollektiv erfahren, dass unvorhergesehene Entwicklungen jederzeit geschehen können. Viele Menschen, die auf die Digitalität nicht vorbereitet waren, wurden von den Geschehnissen kalt erwischt und mussten in kurzer Zeit sehr viel digitales Wissen aufholen. Wenn wir uns also um eine bessere digitale Kompetenz bemühen, können wir hoffentlich auch gemeinsam besser auf die Zukunft vorbereitet sein.

Online-Seminare – Schwierige Situationen meistern

Es ist Donnerstag, der 5.3.2020. Das Corona Gespenst nimmt langsam merkwürdige Formen an. Von der IT-Abteilung des Bildungsträgers, bei dem ich mit festen Projektstunden und als Dozentin für Digitale Kompetenzen beauftragt bin, erhalten alle Mitarbeiter die Anweisung, sich die Applikation WebEx zu installieren, man hat sich für diese Plattform aus verschiedenen Gründen entschieden, bei Problemen sollen wir uns melden. Den Teilnehmenden habe ich am Freitag dann den gleichen Auftrag gegeben, sich die App auf Ihre Seminar-Tablets zu laden. Am Sonntag, dem 8.3. kam die Mail von der Geschäftsleitung, dass die Teilnehmer*innen und die Lehrenden das Gebäude nicht mehr betreten dürfen. Wir machen ab sofort die Weiterbildung online. Oha, also Sonntagnachmittag Dozentinnen und Dozenten informieren, Teilnehmer*innen für Montag vor das Gebäude einladen, um ihnen die Laptops zur Verfügung zu stellen. Es musste geklärt werden, welche Hardware die Dozentinnen und Dozenten für ihre Arbeit im Homeoffice benötigen. Hier habe ich meinen ersten Irrtum begangen, ich bin davon ausgegangen, dass Dozenten und Dozentinnen, die in der Weiterbildung „Digitale Kompetenz“ unterrichten auch automatisch Online lehren können. Natürlich war das nicht so. Und so ging es doch in fast jedem Bildungsunternehmen, in den Schulen, den Ausbildungsstätten und den Bildungsträgern.

Welche Probleme sind Euch begegnet?

Wenn man unter Kollegen eine Umfrage macht, welche Schwierigkeiten ihnen in Online-Seminaren begegnen bzw. begegnet sind, dann lautet die Antwort in aller Regel:“ technische Probleme“. Das ist auch der Grund, weshalb ich in meiner Checkliste so ausführlich auf die Technik eingegangen bin,

Man stelle sich einmal vor, Du wirst von einem Kunden beauftragt, ein Rhetorik-Seminar, welches Du eigentlich in Präsenz machen solltest, plötzlich online stattfinden muss. Viele Dozenten oder Trainer die jahrelange Praxiserfahrung haben, hatten auf der anderen Seite noch nie einem Online-Seminare gehalten. So, also was haben sie gemacht? YouTube Videos geschaut sich mit anderen Kolleginnen und Kollegen ausgetauscht, Blogs gelesen. E-Books heruntergeladen, also on demand gelernt.

Viele Kolleginnen und Kollegen haben das sehr gut gemeistert, die technische Infrastruktur zu gestalten.

Technischer Service für BYOD

Was aber den meisten überhaupt nicht klar war, ist die Tatsache, dass die Teilnehmer selbst, sich auch nicht mit der Technik auskennen das heißt wenn du ein Online Seminar hast oder gestartet hast dann waren u. U. erstmal die die Teilnehmer mit der Technik total überfordert. Und dann solltest du technischen Support leisten für Handy Tablets Notebooks Systeme die du überhaupt nie gesehen hast. Deshalb würde ich in diesem Blogartikel gerne auf die Probleme eingehen, auftauchen können, wenn man Online Seminare macht.

Einer der Fehler die häufig auftauchen ist, dass das Mikrofon des Teilnehmers nicht funktioniert, er kann aber den Dozenten hören, es kann einfach sein, dass der Teilnehmer sein Mikrofon noch nicht angeschaltet hat. Da das in den Systemen unterschiedlich ist, hilft es, mit den Teilnehmern unter Umständen über eine Messenger-Gruppe kommunizieren zu können. Manchmal ist es auch einfach so dass der Dozent in den Plattformen die die Funktion des Mikrofons, erst freischalten muss.

Eine weitere Möglichkeit ist, dass die Teilnehmer Headsets nutzen, die eine Stumm-Taste am Kabel, haben die, deaktiviert werden muss. Was auch häufig passiert ist, dass externe Mikrofone erst im System eingestellt werden müssen und man sollte auf jeden Fall darauf achten, dass Klinkenstecker ordentlich eingesteckt sind.

Externe Unterstützung

Hinzu kommt das Problem, dass du Teilnehmer hast, die unterschiedliche Devices haben spricht der eine schaut mit dem Handy zu der nächste hat ein Tablet und der aller nächste hat einen Laptop mit Windows 7 wo die Einstellungen anders sind. Das heißt, ist häufig in Online-Seminar Anfang regelrecht für den Support bei den Teilnehmern für die Technik zuständig. Deshalb empfehle ich, wenn du selbst dich nicht gut mit der Technik auskennst, hier für den Start bei Teilnehmern die du auch nicht kennst, jemanden mitzunehmen, der die technische Seite mit den Teilnehmern klärt. Damit du am Ende nicht Probleme hast das Seminar zu starten, weil ein Teilnehmer/in mit der Technik festhängt und Du Dich nur um diesen einen Teilnehmer kümmern musst.

Meine Internetverbindung ist schlecht

Wenn die Bandbreite des Internets, indem du arbeitest nicht groß genug ist, kann es sein, dass du Probleme bekommst deine Präsentationen hochzuladen. Meine Empfehlung ist, auf jeden Fall eine Kopie in der Cloud zu speichern sodass du im Zweifelsfall über deinen Account und die Bildschirmteilung die Präsentation trotzdem starten kannst. Sollte das nicht möglich sein, so kannst du den Teilnehmern die Datei dann freigeben oder per E-Mail und dass die Inhalte dann in Einzelarbeit erarbeitet werden können. Dich ist, wo deine Dateien in einem Format speichert das sozusagen in jedem virtuellen Raum auch in Fremdsystemen gelesen werden kann. Hier empfehle ich die Dateien auf jeden Fall noch einmal in pdf-Format.

Der Supergau ist für ein Online-Seminar, das Internet komplett zusammenbricht oder der Server des Anbieters für den virtuellen Klassenraum ausfällt dann hast du nur die Möglichkeit das Seminar tatsächlich zu verschieben. Wenn die Verbindung sehr niedrig ist dann werdet ihr Probleme bekommen mit Videos zu arbeiten also mit den Teilnehmer Videos meine ich, dann ist es auf jeden Fall besser, wenn ihr die Videos einfach ausschaltet, dass du dann nur über Audio arbeitest das entlastet die Verbindung so dass Du dann weiterarbeiten kannst.

Ich empfehle dir auch bevor du das Seminar startest mit einer weiteren E-Mail zu testen, ob die Teilnehmer problemlos in den virtuellen Raum kommen. Manchmal müssen Updates noch gefahren werden damit dein Seminarraum funktioniert, es müssen Plugins installiert sein, diese technischen Voraussetzungen müssen im Vorhinein geklärt sein.

Bitte warten

Die meisten virtuellen Klassenräumen verfügen über einen sogenannten Wartezone, diese kannst du nutzen um technische Themen schon einmal anzusprechen: Herzlich willkommen hier einige Hinweise zum Thema Technik: Bitte schalten sie ihr Headset oder ihre Mikrofone stumm. Bitte sorgen Sie dafür, dass dieses oder jenes passiert.“ Wenn du technische Tools nutzt wie z.b.  das dann kannst du vorher auch eine Folie machen und genau noch mal zeigen vielleicht über ein Screen Video wie das anzuwenden ist da kannst du viele technische Störungen schon vermeiden. Wenn du mit Gruppenräumen arbeitest, wenn du mit dem Whiteboard deine Applikation arbeitest, wenn du mit sonstigen technischen Tools arbeitest dann macht es manchmal Sinn, wenn die Teilnehmer das vorher ausprobieren können.

Super Stress in Online Seminaren

Stell Dir vor, Du bist im virtuellen Raum und die Teilnehmer/innen schweigen. Im Präsensseminar kannst Du die Körpersprache deuten und Du reagierst dann, indem Du die Teilnehmer aktivierst. Das ist virtuell schwierig.

Es könnte ja sein, dass den Teilnehmer/innen den Nutzen nicht klarsehen können, dann ist einfach die Motivation niedrig, hier ist halt wichtig, dass Du am Anfang die Erwartungen abgleichst. Gegebenenfalls musst Du flexibel die Schwerpunkte des Seminars verlagern.

Achte beim Online Seminar darauf, dass Du genügend Pausen machst und die Seminarzeiten für die Teilnehmer/innen nicht überfordernd ist. Gut ist für die Interaktion, dass Du Tools nutzt um die Teilnehmer/innen aufmerksam sein müssen. Das kann schon eine Murmelgruppe nach dem Input sein. Fragestellungen müssen eindeutig sein, wenn die Fragestellung überfordert steigern Teilnehmer aus. Achte auf dosierte Überforderung.

Nicht alle Teilnehmer gehören zu den kommunikativen Lernern, achte darauf, dass, Du irgendwann im Laufe des Seminars alle  Teilnehmer*innen namentlich ansprichst.

Zeitmanagement

Wenn Aufgaben massiv in Diskussionen ausarten, dann sollte man die Diskussion verlagern. Z.B. in die Pausen oder in eine Lernmanagementplattform. Wenn sich neue Themen zum Lernen ergeben, verschiebe in eine weitere Lerneinheit.

Wenn Teilnehmer eine andere Meinung haben kann es im Seminar zu ausufernden Diskussionen kommen, wenn Du vorab Brainstormings machst und abfragst, welchen Standpunkt die Teilnehmer/innen vertreten und das kannst Du dann produktiv in den Ablauf einarbeiten.

Dateitransfer, Fragestellung klären, Tools lernen, kostet online Zeit, lass Deinen Teilnehmer/innen Zeit zu lernen, zu verstehen. Redezeit kann man auf eine Minutenanzahl beschränken, jeder hat 3 Minuten Zeit… damit man ausufernde Redebeiträge abkürzen kann.

Pünktlich anfangen

Teilnehmer*innen haben Probleme den Start eines Online Seminars verbindlich einzuordnen, weil sie das Live Seminar mit Onlinekursen verwechseln, wo sie lernen können, wann sie wollen. Achte darauf, dass Du das bei der Einladung kommunizierst.

Hilfreich ist auch, dass Du kurz vor dem Online Seminar noch einmal eine Erinnerung sendest, nach dem Motto, in 30 Minuten sehen wir uns. Hier noch einmal der Einwahllink, die anderen Teilnehmer ich und freuen sich, wenn wir um 14:00 Uhr pünktlich starten.

Wenn sich Teilnehmer*innen am Arbeitsplatz einloggen werden sie vermutlich erst einmal ihre Emails lesen, deshalb macht es Sinn, den Seminarstart nicht zu früh zu legen. Hier ist 9.00 Uhr morgens eine bessere Startzeit. Rechne damit, den Teilnehmer*innen dann Zeit einzuräumen, die E-Mails abzurufen.

Ich empfehle dir auch bevor du das Seminar startest, mit einer anderen E-Mail-Adresse zu testen, ob die Teilnehmer problemlos in den virtuellen Raum kommen. Manchmal müssen Updates noch gefahren werden damit dein Seminarraum funktioniert, es müssen Plugins installiert sein, diese technischen Voraussetzungen müssen im Vorhinein geklärt sein.

Menschen im Seminar

Ja, es menschelt auch in den Online-Seminar könnte z.b., dass Teilnehmer sich im Text Chat als die Zwischenredner und Besserwisser entpuppen, ganz genau, wie im Präsenzseminar. Wir sollten Einträge, die vielleicht auch provokant sind, nicht ignorieren. Alle Teilnehmer können das Lesen, deshalb solltest du auf jeden Fall angemessen darauf reagieren.

„Ich lese gerade im Chat, dass Herr XY folgende Anmerkung hat, ich habe das Gefühl, dass da Fragen offen sind, verraten sie uns bitte, was sie genau damit meinen.“

Im Zweifelsfall muss man das „Pausengespäch“ telefonisch führen. Wenn gar nichts geht, kann man Teilnehmer/innen auch aus dem virtuellen Raumausschließen.

Ein anderes Phänomen passiert eher in Inhouse-Trainings, das informelle Gespräch an der Kaffeemaschine wird einfach im Chat geführt.  Man sollte den Teilnehmer/innen die Möglichkeit geben in Pausen oder vor dem Start sich informell auszutauschen und auch in der Gruppenarbeit die Zeiten großzügig bemessen, damit Teilnehmer/innen sich auch privat austauschen können. Am Ende kann man den Chat zwischendurch ausschalten und Online- Seminarkarten für Zwischenfragen und Bemerkungen nutzen.

So geht lernen auch

Du bist als Dozent als Trainer angetreten, Dein Fachthema weiterzugeben, es ist ein völlig neues Fachgebiet, sich als Online-Trainer sicher zu fühlen. Viele emotionalen und zwischenmenschlichen Themen verbergen sich hinter der Hürde Online Seminar. Du bist sicher in Deinem Fachthema, Du hast alles getan, um die technische Hürde zu meistern und angemessen darauf vorbereitet, dann kannst Du nicht mehr tun.

Wenn also technische Probleme und Pannen passieren, nimm es als Lernsituation. Lernen, wie man gelassen bleibt, wie und wann technische Probleme auftauchen und wie man diese beheben kann. Lerne, welche Probleme Teilnehmer mit Technik und Online-Weiterbildung haben. Teilnehmer verzeihen Dir viel, wenn Du klarmachst, dass die Situation auch für Dich Lernen bedeutet.