Nahbarkeit oder Autorität – Was brauchen Lernende wirklich?

Als Person in einer lehrenden Funktion legt man sich früher oder später wohl eine bestimmte Herangehensweise zu.

Diese basiert vielleicht auf der individuellen Persönlichkeit oder aber auch auf Erfahrungswerten aus der Vergangenheit oder ist auf dem Vorbild des früheren Lieblingslehrers aufgebaut.

Als Lehrende*r findet man sich häufig in einer gewissen Autoritätsfunktion wieder – ob man nun möchte oder nicht. Denn Autorität beruht oftmals auch auf einem Wissensvorsprung und den hältst Du als Trainer*in oder Coach ja vermutlich auch inne.

Jedoch kannst Du natürlich Deine Rolle als Trainer*in ganz individuell ausgestalten und frei entscheiden, wie viele Stufen und Grenzen es zwischen Dir und Deinen Lernenden gibt.

Als Trainer*in bist Du gewissermaßen eine Führungskraft, die ein Team leitet und dirigiert. Dabei kann es also verschiedene Ansätze geben auf einer Skala von „Kumpelhaft“ bis „Autoritär“.

Welche Vor- und Nachteile haben die unterschiedlichen Trainingsstile und welches Arbeits- und Lernklima erzeugen sie?

Brauchen Erwachsene überhaupt Autorität?

Der Faktor Alter spielt bei der Betrachtung sicherlich eine Rolle. Wenn Du mit Kindern und Jugendlichen arbeitest, hast Du vermutlich eine andere Position als ein*e Trainer*in in der Erwachsenenbildung.

Durch den Altersunterschied ergibt sich fast automatisch eine Hierarchie basierend auf dem vollkommen verschiedenen Stand im Leben. Das heißt natürlich keinesfalls, dass Kinder immer eine harte Hand brauchen und nur durch Autorität lernen können.

Aber wir sprechen an dieser Stelle immer mehr über Erwachsenenbildung und wie dieser Faktor das Lernen mit beeinflusst.

Denn wenn Du mit Erwachsenen arbeitest, stehen Deine Lernenden häufig an einer sehr ähnlichen Stelle im Leben wie Du selbst. Dadurch ergeben sich einige interessante Dynamiken.

Zunächst einmal sind Erwachsene in den meisten Fällen freiwillig Deine Lernenden. Daher kannst Du in der Erwachsenenbildung auch grundsätzlich von einer höheren Eigenständigkeit ausgehen. Diese ist auch Grundvoraussetzung, denn man kann schließlich sowieso niemanden zum Lernen zwingen.

Sehr überspitzt gesagt, kann es Dir also egal sein, ob jemand etwas lernt oder nicht. Natürlich ist es Dir aber nicht egal, sonst wärest Du ja nicht Dozent*in, Trainer*in oder Coach.

Die meisten Trainer*innen, mit denen man so spricht, sind sogar eher empathisch veranlagt und geben gerne sehr viel von sich aus.

Die richtige Balance zwischen professionellem Arbeitsverhältnis und Nahbarkeit zu finden, ist also nicht immer einfach und führt manchmal zu einer Schwierigkeit.

Brauchen erwachsene Lernende Grenzen?

Da man nicht aus einem leeren Gefäß schöpfen kann, muss auch der empathischste Coach ab und zu auch mal an sich selbst denken.

Vielleicht bist Du nämlich auch jemand, der sich mit dem Nein sagen schwer tut und immer versucht alles möglich zu machen. Wahrscheinlich möchtest Du als Pädagog*in auch einfach ehrlich Dein Wissen weitergeben.

So oder so, an manchen Stellen musst Du vermutlich trotzdem eine Grenze ziehen. Denn ein nahbares Auftreten verleitet andere eben oft auch dazu, die Grenzen der Machbarkeit zu überschreiten.

Abgesehen davon kannst Du als Trainer*in natürlich auch den Ablauf eines Seminars mit mehr oder weniger strikten Richtlinien leiten. Vielleicht merkst Du beispielsweise, dass zu offen und locker gestaltete Seminare nicht zum entsprechenden Lernerfolg führen.

Wenn Du Deine Seminare am liebsten auf einer eher persönlichen Basis leitest, ist das vollkommen in Ordnung. Aber Du musst Dir bewusst sein, dass Du so immer einige (auch private) Türen öffnest, die sich nachher nur noch schwerlich schließen lassen.

Heterogenität erfordert Individualität

Oft geht es aber gar nicht anders, denn ein weiteres klassisches Merkmal der Erwachsenenbildung ist die Heterogenität der Lerngruppen.

Jede*r Lernende bringt seine individuelle berufliche Hintergrundgeschichte mit, die oft sehr vielfältig ist. Anders als in einer Schulklasse kannst Du also praktisch gar nichts an gemeinsamem Wissen voraussetzen.

Das Resultat ist häufig, dass Du Dich als Trainer*in sehr persönlich mit einzelnen Teilnehmer*innen auseinandersetzen musst. Das fällt den meisten leichter, wenn man sich auf dieselbe Ebene begibt.

Daher bevorzugen viele Trainer*innen beispielsweise das persönliche Duzen innerhalb einer Lerngruppe. Auf diese Weise egalisierst Du von Anfang an die Beziehung zwischen der vermeintlichen Autoritätsperson und den Lernenden.

Wie wichtig Dir eine persönliche Note in Deinen Seminaren ist, entscheidest Du natürlich selbst. Viel wichtiger ist sowieso immer, dass sich Deine Teilnehmer*innen respektiert fühlen. Denn dadurch, dass sie selbst vermutlich erfahrene Profis auf ihrem Gebiet sind, haben sie gleichzeitig auch immer etwas zu bieten.

Deine Teilnehmer*innen sind keine Kinder oder Jugendlichen und daher in vielen Fällen das bewusste Lernen an sich nicht mehr gewöhnt. Lebenslanges Lernen hat mittlerweile zwar einen größeren Fokus erfahren, aber trotzdem brauchen Erwachsene manchmal mehr Unterstützung im Lernprozess.

Zugegeben könnten sicherlich auch Schüler von mehr individueller Betreuung profitieren, aber Lehrer können dies meist im Rahmen der klassischen Schulbildung gar nicht leisten.

Welches Lernklima ist produktiv?

Die Art und Weise wie ein*e Trainer*in den Lernprozess gestaltet, hat sicherlich großen Einfluss auf das Arbeits- und Lernklima.

Wir hatten früher vermutlich alle einen Lehrer, der für seine Strenge fast schon gefürchtet wurde. Allein der Gedanke an meine frühere Latein-Lehrerin erzeugt bei mir immer noch ein kleines Stechen in der Magengrube.

Habe ich für dieses Fach fleißig Vokabeln gelernt und gewissenhaft Hausaufgaben erledigt? Auf jeden Fall. Denn jeder wusste, wie unangenehm die Situation wurde, wenn man es nicht tat.

Auch wenn Angst vor strengen Konsequenzen also durchaus ein Katalysator für Lernfortschritt sein kann, ist die Verknüpfung von negativen Emotionen mit dem Lerninhalt natürlich nicht dauerhaft förderlich.

Selbstverständlich müssen sich klare Regeln und Richtlinien auch nicht in einer solchen Form äußern: Du kannst als Trainer*in das Zepter in die Hand nehmen und Deine Teilnehmer*innen klarer führen, ohne Angst und Schrecken zu verbreiten.

Manche erwachsene Lernende profitieren vielleicht sogar noch mehr von stärkerer Anleitung und genaueren Vorgaben durch eine Lehrperson.

Dennoch ist allein die Tatsache, dass Erwachsenenbildung häufig auf freiwilliger Basis geschieht, meistens ein gutes Fundament für Trainer*innen als gleichberechtigte Lernbegleiter*innen.

Dein Wissensvorsprung und Deine Expertise verleihen Dir natürlich weiterhin einen besonderen Status, aber eine grundsätzliche Gleichberechtigung ist oft besonders produktiv in der Arbeit mit Erwachsenen.

Als nahbarer Mensch und Trainer*in gestaltest Du ein entspanntes Lernklima, in dem Deine Teilnehmer*innen sich trauen Fragen zu stellen und in der Gruppe frei zu interagieren.

Das mag wie eine Selbstverständlichkeit für Dich klingen, aber strengere Führungsstile bieten oftmals einfach nicht den richtigen Nährboden für diese positiven Effekte.

Wieviel Führung ist also nötig?

Es gibt natürlich nie den einen richtigen Weg. Es gibt sicherlich auch gute Argumente für strengere Regeln und klare Grenzen.

Erwachsene hinterfragen grundsätzlich viel mehr und fordern meist mehr Respekt und Gleichberechtigung für sich ein als Kinder oder Jugendliche.

Wie sehr Du die Grenzen aufweichst, liegt letztlich bei Dir und hängt sicherlich auch von Deinem jeweiligen Themengebiet ab.

Wenn Du Wert auf ein Gemeinschaftsgefühl und kollaboratives Lernen legst, ist eine gewisse persönliche Beteiligung vermutlich von Nöten.

In vielen Lernkontexten der Erwachsenenbildung bist Du als Trainer*in auch eher Moderator*in als Lehrer*in. Das heißt, Du eröffnest den Lernraum für eine Lerngruppe und sorgst dafür, dass alle Beteiligten sich darin zurecht finden.

Da insbesondere Online-Seminare kollaborative Elemente benötigen, um die Motivation langfristig aufrecht zu erhalten, ist ein positives Lernklima unbedingt nötig.

Da sich ein solches Klima meist nur auf Basis einer persönlichen Verbindung zu Trainer*innen und innerhalb der Lerngruppe entwickelt, ist der informelle Austausch sogar noch wichtiger.

Gamification – Spielerisch zum Lernerfolg

Das Schlagwort Gamification hast Du als Trainer*in sicherlich schon einmal gehört. Doch was beinhaltet dieser Ansatz überhaupt genau?

Nichts tötet die Motivation zum Lernen schneller ab als Langeweile und Monotonie. Daher soll die Integration spielerischer Elemente Abhilfe schaffen und den Lernprozess auflockern.

Selbst wenn Du in Deinen Lernkontexten keine eigentlichen Prüfungen oder Tests eingebaut hast, kannst Du dennoch durch Gamification gezielte Lernreize setzen und so für mehr Ansporn sorgen.

Denn der Spieltrieb schlummert ins uns allen und kann durch verschiedene methodische Faktoren angesprochen werden, um zu einer positiven Gestaltung des Lernerlebnisses beizutragen.

Gamification ist ein so beliebter Ansatz, weil er meistens keinen großen Aufwand erfordert und mit ein paar minimalen Anpassungen des Konzepts umzusetzen ist.

Hier findest Du einige Tipps, wie Du auch in Deinen Online-Seminaren durch Gamification den Spaß am Lernen erweckst:

1. Klare Lernziele schaffen greifbare Herausforderungen

Auch wenn beim Lernen natürlich immer der Weg das Ziel ist, kann es Deinen Teilnehmer*innen helfen, ein konkretes Lernziel vor Augen zu haben.

Denn messbare Ziele schaffen ein längerfristigeres Erfolgserlebnis und geben den Teilnehmer*innen klare Vorgaben, welche Fähigkeiten sie entwickeln sollen und werden. Je deutlicher Du also die Lernziele formulierst, desto mehr erschaffst Du einen transparenten und motivierenden Lernprozess.

Transparenz ist bei Gamification immer eine wichtige Grundregel: Die Voraussetzungen und „Spielregeln“ sollten immer für alle Beteiligten klar und vergleichbar sein, damit Deine Teilnehmer*innen genau wissen, wie sie sich verbessern können. Klare Strukturen sorgen dafür, dass die Form nicht vom Inhalt ablenkt.

Gleichzeitig helfen klar abgesteckte Lernziele auch Dir bei der Konzeption der einzelnen Elemente.

2. Weniger ist mehr

Neben Deutlichkeit ist auch Einfachheit ratsam. Denn wenn die Spielregeln zu komplex sind, erschwert es den Lernenden unter Umständen den Zugang zu den Inhalten.

Vielleicht erinnerst Du Dich noch an eine Situation, in der Du zum ersten Mal ein Gesellschaftsspiel gespielt hast und die vielen Regeln sehr undurchsichtig und verwirrend waren. Daher sollte der Einstieg in Gamification-Elemente trotzdem niedrigschwellig konzipiert werden, um auch neuen „Mitspielern“ kein zu großes Lernhindernis zu bauen.

3. Den natürlichen Ehrgeiz nutzen

Der Mensch an sich misst sich gerne mit anderen. Diesen natürlichen Ehrgeiz kannst Du Dir als Trainer*in zu Nutze machen.

Mit Hilfe von (eventuell anonymisierten) Rankings wird der Wettbewerb angeregt und Deine Lernenden zu guten Leistungen und aktiver Beteiligung angespornt. Unter Umständen erzeugt man auf diese Weise sogar eine Art positiven Gruppenzwang.

Du kannst in eher unerfahrenen Teilnehmerfeldern auch Tests oder Aufgaben in Gruppen gegeneinander spielen lassen – so fühlen sich die Einzelnen weniger unter Druck gesetzt und es entstehen gleichzeitig gruppendynamische Prozesse.

Und natürlich zählt am Ende schließlich doch nur der olympische Gedanke und alle haben gewonnen, wenn sie etwas gelernt haben.

Natürlich kann es auch Themenbereiche oder Lernsituationen geben, in denen Ranglisten eher kontraproduktiv sein können. Wenn es etwa um individuelle Persönlichkeitsmerkmale oder ein eigenes Lerntempo geht, sind Rankings wohl nicht lernförderlich.

4. Belohnungen ausstellen

Die Motivation durch den reinen Wettbewerb ist eine Sache, aber wenn auch noch Belohnungen ausstehen, kann der Lernerfolg sich gleich doppelt lohnen.

Spiele sprechen unsere Belohnungsmechanismen an und sind daher so attraktiv und unterhaltsam. Dabei muss die Belohnung überhaupt nicht groß oder greifbar sein:

Alleine die Nachricht „Test bestanden“ mit einem kleinen Pokal-Symbol daneben wird von unserem Gehirn als Erfolgserlebnis verbucht. Wenn Du also abgeschlossene Lernschritte auch visuell positiv markierst, fühlen sich selbst kleine Fortschritte für die Teilnehmer*innen größer an. Da wir diese erzeugten Emotionen gerne immer wieder erleben möchten, werden wir so automatisch zu mehr motiviert.

Du kannst selbstverständlich auch größere Preise ausloben, die gute Leistungen mit gewissen Boni belohnen.

Den Lernfortschritt über Deine Lernplattform zu visualisieren, kann also einen sehr positiven Effekt auf die Motivation haben. Dazu können etwa der prozentuale Lernfortschritt, bestandene Tests oder Zertifikate zählen. So sieht das beispielsweise in unserem Kurs Train The Online Trainer auf der Plattform Coachy aus:

Wie Du siehst, handelt es sich wirklich nur um kleine Marker, die den Lernfortschritt und ein kleines Erfolgserlebnis visualisieren können.

5. Interaktionsflächen visuell aufpeppen

Deine Inhalte und Unterlagen visuell anzureichern ist immer eine gute Idee, da es einerseits das Abspeichern der Informationen erleichtert und andererseits die Aufmerksamkeit länger hochhält.

Daher sollte diese Grundregel auch auf Tests und Abfragen angewandt werden. Indem Du gleichzeitig die Oberflächen mit Illustrationen ansprechender gestaltest und die Abfragemechaniken variierst, motivierst Du Deine Lernenden langfristiger.

Das bedeutet, anstatt einfach immer nur Fragen nach demselben Muster beantworten zu lassen, solltest Du zwischen möglichst vielen verschiedenen Abfragemechaniken wechseln. Das können beispielsweise zeitliche Countdowns, Zuteilung per Drag&Drop, Timelines, Puzzle oder Fehlersuchen sein.

Auf diese Weise fühlt sich ein Test tatsächlich eher wie ein Spiel an, das Deine Teilnehmer*innen auch in ihrer Freizeit auf dem Smartphone spielen würden. Dadurch entsteht unter Umständen sogar weniger Leistungsdruck als in einem klassischen Testformat.

In Online-Seminaren ist dieses Ziel sogar noch einfacher umzusetzen, da es viele Apps und Programme gibt, die auf Quizze und Abfragen spezialisiert sind. Hier siehst Du ein kleines Beispiel, wie Du mit Hilfe der App Mentimeter Abfragen individualisieren kannst:

Quelle

6. Storytelling

Richtig eingesetzt kann Gamification Deine Lernenden besonders persönlich und emotional ansprechen und motivieren.

Test neigen oft dazu, einfach nur Faktenwissen abzufragen. Dabei merken wir uns größere Zusammenhänge und Geschichten wesentlich besser, da unser Gehirn eine breitere Fläche vernetzen kann.

Mit Hilfe von Gamification kannst Du Deine Teilnehmer*innen praktisch auf eine Reise mitnehmen, auf der sie verschiedene Etappen erreichen und schrittweise auf ein Ziel hinarbeiten. Wenn Du Dir Deinen Kurs als Storyboard konzipierst, kann es Dir auch bei der Erarbeitung der einzelnen Teilstücke und Spielelemente helfen.

Wenn Du also die Möglichkeit hast, Deine Inhalte in eine übergreifende Geschichte einzuordnen, können sich die Lernenden besser damit identifizieren und dem roten Faden folgen. Auch in Test-Situationen sind echte Szenarien immer besser als etwa eine reine Rechenaufgabe, da wir so unser Wissen kontextualisieren können.

Ist Gamification für mein Seminar geeignet?

Grundsätzlich lässt sich Gamification auf fast alle Lernszenarien anwenden. Da generell oftmals die Variation im Vordergrund steht, profitieren die meisten Formate von den positiven Effekten eines spielerischen Ansatzes.

Das Ziel von Gamification ist nicht, Deine Teilnehmer*innen durch Wettbewerb unter Druck zu setzen oder einen ungesunden Konkurrenzdruck zu fördern. Im Gegenteil: Wenn Du Gamification gezielt einsetzt, kann es sogar das Zugehörigkeitsgefühl innerhalb von Gruppen stärken.

Denn am Ende geht es weniger um Wettbewerb, sondern um die positive Verstärkung und Anerkennung von guten Leistungen, die sowohl jeden Einzelnen als auch das Kollektiv zu mehr motivieren sollen.

Du kannst Deine Teilnehmergruppen selbst am besten einschätzen und entscheiden, ob spielerische Elemente menschlich und inhaltlich passend sind. Selbst, wenn Du also die Wettbewerbs-Aspekte von Gamification nicht einsetzen möchtest, können Deine Inhalte trotzdem im Lernprozess durch mehr Aktivität bereichert werden.

Warum wir als Erwachsene anders lernen

Es ist eine häufig geäußerte Meinung: Erwachsene lernen schlechter und langsamer als Kinder und Jugendliche.

Als Kinder müssen wir innerhalb einer kurzen Zeitspanne sehr viele neue und anspruchsvolle Dinge lernen. Kinder können dabei scheinbar ohne Probleme mehrsprachig aufwachsen und dabei noch Lesen, Schreiben und Fahrradfahren erlernen.

Aber warum ist das überhaupt so?

Ein heranwachsender Mensch verändert sich neurologisch einfach noch wesentlich mehr als ein Erwachsener. Alleine die Pubertät krempelt unser Gehirn einmal komplett um. Nach Abschluss der Pubertät befinden wir uns in einem wesentlich stabileren Zustand – was auch bedeutet, dass uns Veränderungen schwerer fallen können.

Aber es liegt in der Natur des Menschen, sich neue Fähigkeiten anzueignen und sich immer wieder neuen Situationen anpassen zu können.

Das Gehirn bildet sich erst mit etwa 20 Jahren vollständig aus. Das ist im Übrigen auch der Grund dafür, dass junge Menschen häufig unvorsichtig erscheinen und sich den Risiken und Gefahren weniger bewusst sind.

Wieso es einen evolutionären Vorteil bringen soll, dass sich wesentliche Teile des Gehirns erst so spät ausbilden, weiß ich ehrlich gesagt auch nicht. Vermutlich wird in dieser Rechnung bereits der Mensch als soziales Geschöpf mit einbezogen. Unsere Eltern ersetzen gewissermaßen mit mehr oder weniger Erfolg den fehlenden Teil des Gehirns eines Heranwachsenden.

Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr?

Ein Neugeborenes startet im Prinzip mit einer leeren Festplatte ins Leben. In den folgenden Jahren selektiert das junge Gehirn basierend auf den Erfahrungen und Eindrücken stark aus. Die Verbindungen werden entweder durch kontinuierliche Reize verstärkt oder durch fehlende Eindrücke abgebaut.

Diese Jahre sind für einen Menschen sehr prägend: es wurde nachgewiesen, dass das Gehirn eines Dreijährigen etwa doppelt so aktiv ist, wie das eines Erwachsenen.

Ab dem 6. Lebensjahr beginnt die intellektuelle Reifephase. Nun reift der Stirnlappen heran, der unter anderem für logisches Denken und Urteilsfähigkeit verantwortlich ist.

In den ersten 10 Jahren unseres Lebens lernen wir tatsächlich schneller. Das liegt unter anderem daran, dass das Lernen danach anstrengender wird. Im Kindheitsalter werden bereits viele grobe Verbindungen angelegt und vertieft. Nach dem 10. Lebensjahr legen wir insgesamt wesentlich seltener vollkommen neue Synapsenverbindungen an und das komplexe System unseres Gehirns wird so etwas weniger anpassungsfähig.

Aus diesem Grund ist es auch wichtig, Kinder an so viele Wissensbereiche wie möglich heranzuführen. Denn auf Verbindungen, die in unseren frühen Jahren angelegt wurden, lässt sich neues Wissen zu einem späteren Zeitpunkt besonders gut aufbauen.

Auch an das Lernen an sich sollten bereits Kleinkinder herangeführt werden. Dabei geht es vor allem um Selbstständigkeit im Lernprozess. Zu keinem Zeitpunkt ist es für einen Menschen wertvoll, Lernerfahrungen durch „Eintrichtern“ zu machen. Daher sollten auch Kinder insbesondere zum eigenständigen und handlungsorientierten Lernen ermutigt werden.

Denn im Erwachsenenalter funktioniert das Gehirn nach demselben Prinzip. Wir verstärken ständig unsere Verbindungen oder bauen ungenutzte ab. Nur legen wir eben weniger neue Synapsen an als zuvor.

Daher behalten wir neue Dinge durch Wiederholung besser und länger, da sich die entsprechenden Synapsen stärker ausbilden. Dinge, die wir nur einmal und dann nie wieder anwenden, kategorisiert das Gehirn einfach als „unwichtig“. Überflüssiges Wissen würde uns nur Speicherplatz auf der Festplatte blockieren.

Als Erwachsene lernen wir also insgesamt nicht unbedingt immer schlechter, aber durchaus etwas anders. Kinder lernen wesentlich beiläufiger und spielerischer. Wir wollen häufig auch den allgemeineren Sinnzusammenhang verstehen und lernen in größeren Schritten. Wir neigen beim Lernen vielleicht manchmal dazu, die Sache etwas zu verkopft anzugehen, anstatt einfach Dinge auszuprobieren.

Die wichtigste Erkenntnis ist, dass es nie zu spät ist, neue Dinge zu lernen. Denn unser Gehirn ist bis zu unserem letzten Tag in der Lage neue Verbindungen anzulegen.

Somit sollte es uns nicht davon abhalten, sich in jedem Alter neue Fähigkeiten anzueignen. Denn im Prinzip passiert im Gehirn eines späten Anfängers genau dasselbe wie bei einem Frühstarter. Mit jeder Übungseinheit verknüpfen sich die jeweiligen Areale des Gehirns stärker.

Egal wann man also das Klavierspielen erlernen möchte, läuft der Lernprozess ähnlich ab. Bereits nach der ersten Einheit verändern sich die Aktivitätsmuster im Gehirn und die Vernetzungen zwischen Hand- und Hörregionen werden stärker. Wenn man weiter übt, so sind diese Verbindungen nach etwa drei bis fünf Wochen stabil und dauerhaft.

Die Eigenschaft unseres Gehirns, sich immer wieder neu zu verschalten und anzupassen, nennen Forscher Plastizität. Diese Eigenschaft bleibt uns ein Leben lang – auch wenn das Maß der Anpassungsfähigkeit mit dem Alter ein wenig nachlässt.

Das Lernen endet nicht mit der Schule

Wir müssen uns also von der Vorstellung verabschieden, dass das Lernen mit dem Schulabschluss beendet ist. Denn auch in der heutigen Arbeitswelt ist Stillstand keine Option. In beinahe allen Bereichen des Arbeitsmarktes muss man auch als Erwachsener stets zu einer Fort- oder Weiterbildung bereit sein, um mit den modernen Entwicklungen Schritt halten zu können.

Doch als Erwachsene scheuen sich viele Menschen vor einer Weiterbildung und der Erfahrung des institutionalisierten Lernens. In der Erwachsenenbildung stoßen wir daher auf ganz andere Lernwiderstände.

Erwachsene Menschen befinden sich in ganz anderen Lebensumständen als Kinder oder Jugendliche. In den meisten Fällen gehen diese ihrer Schulbildung praktisch hauptberuflich nach. In der Erwachsenenbildung hingegen treffen wir häufig Menschen an, die ihre Weiterbildung zusätzlich zu Beruf und Kindern meistern müssen.

Zudem befassen sich die Lerninhalte in der Erwachsenenbildung meist mit ganz anderen Themenbereichen. Diese kommen häufig aus wesentlich realeren Kontexten und betreffen uns viel direkter.

Der große Erfahrungsschatz eines Erwachsenen kann in einem Bildungskontext auch zu einem Hindernis werden. Da unsere Meinungen und Wissensbestände oft über viele Jahre gebildet wurden, sind wir manchmal etwas festgefahren.

Erwachsene lassen sich meist nicht gerne belehren. Daher liegt ein produktiver Ansatz für Lernumfelder in der Fort- und Weiterbildung auch eher im sozialen und kollaborativen Lernen. Wieso es für Dozenten wichtig ist, das Lernen handlungsorientiert zu gestalten kannst Du in diesem Artikel ausführlicher lesen:

Die wichtigsten Unterschiede – Wie Jugendliche und Erwachsene lernen

Andererseits hat die Erwachsenenbildung auch oft einen Vorteil: im Gegensatz zur Schulbildung entscheiden sich Erwachsene in vielen Fällen ganz bewusst und eigenständig zum Lernen. Diese intrinsische Motivation ist wesentlich wertvoller als die praktisch aufgezwungene Bildung im Rahmen der Schule.

Wieso lebenslanges Lernen so wichtig ist

Ein wesentlicher Grund, warum das Lernen uns als Erwachsenen manchmal schwerer fällt, ist unser großer Wissens- und Erfahrungsschatz. Kinder lernen so schnell, da ihre neurologische Leinwand einfach noch viel mehr weiße Flächen hat. Das Gehirn eines Erwachsenen ist so breit und tief vernetzt, dass eine Neuvernetzung mit mehr Anstrengung verbunden sein kann.

Auch wenn wir also als Erwachsene nicht mehr in der Geschwindigkeit eines Kindes lernen, so ist es wichtig, dass wir das Lernen nicht verlernen. Denn da das Gehirn tatsächlich wie ein Muskel ist, baut er ohne das entsprechende Training schnell ab.

Neurologische Erkrankungen wie Alzheimer und Demenz werden in unserer Gesellschaft immer häufiger, da die Menschen im Durchschnitt immer älter werden. Daher stellen sich Wissenschaftler die Frage, ob sich degenerativen Erkrankungen im Alter vorbeugen lässt.

Nach neueren Erkenntnissen der Entwicklungsforschung geht man davon aus, dass sich beispielsweise das junge Erwachsenenalter etwa bis zum 45. Lebensjahr ausdehnt und das mittlere Alter bis 65. Erst danach könne man wirklich vom „Alter“ sprechen.

Die Hoffnung ist, dass wenn wir uns unser ganzes Leben lang im Gedächtnistraining üben, sich so der Abbau der geistigen Leistungsfähigkeit im Alter verlangsamen lässt. Studien haben bereits bewiesen, dass geistig aktive Menschen seltener an Demenz erkranken.

Die World Health Organisation (WHO) empfiehlt ganz konkret kognitives Training, dass neue Lerninhalte beinhalten und Routinen vermeiden soll. Klassische Zeitvertreibe wie Sudoku oder Kreuzworträtsel seien weniger effektiv, da so eher bereits vorhandene Wissensbestände abgefragt würden. Man solle hingegen kontinuierlich neue Fähigkeiten entwickeln oder etwa eine neue Fremdsprache erlernen.

Daher könnte lebenslanges und lebensbegleitendes Lernen tatsächlich ein zentraler Faktor in unserer geistigen Altersvorsorge sein.

Gute Vorsätze sind zum Scheitern verurteilt

Es ist ein Klischee, das für viele von uns leider zutreffend ist: Wir nehmen uns pünktlich zum Jahresumschwung eine ganze Menge produktive Dinge vor und setzen davon letzten Endes doch nur die Hälfte um.

Warum sind wir überhaupt so besessen davon, genau zum neuen Jahr unser ganzes Leben umkrempeln zu wollen?

Zeitrechnung ist ohnehin ein menschengemachtes Konzept und daher eigentlich eine Illusion.

Aber es ist dennoch eine kraftvolle Vorstellung, einen Neuanfang machen zu können.

Nach jedem normalen Jahr haben wir schon manchmal das Gefühl, dass wir die Geschehnisse des Jahres einfach gerne hinter uns lassen und einen Schnitt machen würden. Das Jahr 2020 erweckt diesen Wunsch in uns vermutlich in noch stärkerem Maße.

Auch wenn es ungewiss ist, ob und inwiefern das kommende Jahr tatsächlich besser wird, so können wir doch in unsere Pläne und Vorsätze eine Menge Hoffnung setzten.

Und Hoffnung ist das absolute Lieblingsgefühl des Menschen.

Sie sorgt dafür, dass wir immer weitermachen, auch wenn es schwierig wird. Denn ohne die Hoffnung, dass auch eine schwere Zeit vorbeigeht, verlieren wir uns leicht in negativen Gedanken.

So ähnlich funktionieren auch gute Vorsätze:

Ich mag zwar jetzt schlechte Essgewohnheiten haben, mich zu wenig bewegen und zu viel Chaos auf meinem Schreibtisch haben. Aber das ist alles gleich viel erträglicher, wenn man sich mit der Vorstellung aufmuntert, dass das bald alles anders sein wird. Die Zukunft kann theoretisch alles sein und daher können selbst noch so unrealistische Zukunftspläne sehr tröstlich sein.

Eine solche Idee ist besonders schön, weil sie in dem Moment noch keine echte Arbeit verursacht. Wir bekommen also so den psychologischen Bonus, ohne tatsächlich etwas getan zu haben. So können wir unsere Selbstverbesserung noch etwas aufschieben.

Wenn dann das neue Jahr da ist und wir merken, dass unsere schönen Gedanken mit echter Anstrengung verbunden sind, beginnt erst der schwierige Teil.

Zeitmanagement ist ein wichtiger Skill

Gute Vorsätze zum neuen Jahr offenbaren so häufig ein generelles Problem:

Wir machen sehr gerne Pläne, aber an der Umsetzung scheitert es manchmal. Und sowieso hat man immer zu viel um die Ohren.

Ich habe letztens einen interessanten Ansatz gelesen: selbst gesetzte Deadlines sind nur bedingt nützlich, da sie eigentlich nur dazu führen, dass wir genau bis zu dieser Deadline für die jeweilige Aufgabe brauchen. Frei nach dem Motto: „Ich habe so lange ein Motivationsproblem, bis ich ein Zeitproblem habe“.

Heißt im Klartext, wenn ich mir eine mentale Deadline für eine Aufgabe bis nächsten Montag setze, dann werde ich es vermutlich auch bis Montag erledigt haben. Wenn ich aber Montag in zwei Wochen festlege, dann wird es auch bis dahin dauern – auch wenn der Arbeitsaufwand sicherlich bis diesen Montag zu schaffen wäre.

Für Menschen, die sich häufig in ihren vielen Aufgaben verlieren, können Zeitmanagement-Skills sehr hilfreich sein.

Es gibt eine Menge an Zeitmanagement-Methoden, wie beispielsweise das Eisenhower-Prinzip oder die ALPEN-Methode. Anstatt hier jedoch einige dieser Methoden im Detail vorzustellen, möchte ich lieber die wichtigsten Aspekte dieser und ähnlicher Methoden zusammenfassen, die ich in der Praxis wirklich hilfreich finde.

1. Aufschreiben gegen das Vergessen

Chaos im eigenen Zeitmanagement entsteht häufig einfach dadurch, dass wir den Überblick über unsere Aufgaben verlieren. Gerade wenn man sehr vielfältige Aufgabenbereiche hat oder mehrere Projekte gleichzeitig betreut, passiert es schnell, dass einzelne Dinge untergehen.

Um zu verhindern, dass uns diese Dinge dann plötzlich zu einem ungünstigen Zeitpunkt wieder siedend heiß einfallen und Stress verursachen, sollte man von Anfang um einen guten Überblick bemüht sein.

Einige Zeitmanagement-Methoden raten dazu, jeden Morgen vor Arbeitsbeginn eine neue Liste anzulegen, andere haben größere Abstände.

Ich finde, die konkrete Gestaltung ist vielleicht auch von der eigenen Arbeitssituation abhängig. Ich persönlich lege eher Wochenlisten an, da meine Arbeitszeit selbstständiger in der Einteilung ist. Für jemanden in einem geregelten Büroalltag bieten sich daher eventuell Tageslisten tatsächlich mehr an.

Wichtig ist auch eigentlich nur, dass man Aufgaben in einer Form festhält. Dabei gibt es sicherlich auch verschiedene individuelle Präferenzen bei analogen und digitalen Möglichkeiten.

Ich bin zugegebenermaßen immer noch ein Pinnwand- und Notizbuchmensch. Vermutlich auch wegen des kleinen Bonus am handschriftlichen Listenführen: das befriedigende Gefühl des Wegstreichens erledigter Aufgaben.

2. Priorisieren

Die meisten Zeitmanagement-Methoden beinhalten zudem einen Vorgang zum Priorisieren der aufgelisteten Aufgaben.

Eine Rangfolge zu erstellen ist bei der Zeitplanung essentiell, um vor allem kurzfristige Stresssituationen zu vermeiden. Wichtigkeit und Dringlichkeit sind dabei Parameter, die man bei der Bewertung anlegen sollte.

Das leuchtet natürlich ein, denn es gibt unter den ganzen Aufgaben sicherlich Dinge, die wichtiger und dringender sind als andere. Daher sollte man dafür sorgen, dass man sich um diese zuerst kümmert.

Einen weiteren Aspekt, den man in die Planung mit einfließen lassen könnte, ist die Tatsache, wie gerne oder ungerne man bestimmten Tätigkeiten nachgeht. Wir neigen alle dazu, unseren ungeliebtesten Aufgaben so lange wie möglich aus dem Weg zu gehen.

Indem man sich bewusst dazu entscheidet, diese zuerst aus dem Weg zu räumen, vermeidet man, dass sich zu Unliebsamkeit auch noch Zeitdruck gesellt – denn das ist bei der Bewältigung einer Aufgabe für die meisten Menschen nicht hilfreich. Zudem kann man sich im Anschluss sogar noch entspannter den Lieblingsaufgaben widmen.

Wie setzt man Neujahrsvorsätze wirklich um?

Viele von uns können also sicher in Zukunft auch die Verbesserung des eigenen Zeitmanagements auf die Liste mit den guten Vorsätzen schreiben.

Wie zu Beginn besprochen dienen Vorsätze für das neue Jahr häufig gar nicht dem Zweck einer tatsächlichen Veränderung. Sondern vielmehr schwindeln wir uns ein wenig selbst in die Tasche, um uns besser zu fühlen.

Was wäre aber, wenn wir uns für 2021 etwas vornehmen, das wir wirklich umsetzen wollen?

Allgemein scheinen wir bei guten Vorsätzen dazu zu neigen, uns sehr breit gefasste Dinge vorzunehmen. So etwas wie „sich gesunder ernähren“ oder „fit werden“ ist wahrlich kein konkretes Vorhaben.

Das resultiert einerseits darin, dass sich diese Pläne mental leicht umgehen lassen. Solch schwammig formulierte Regeln geben uns keinen genauen Fahrplan vor und sind so wenig verbindlich.

Nimmt man sich dagegen etwas ganz Konkretes vor und erstellt dafür einen Plan, steigen die Chancen auf Umsetzung deutlich.

Neben der Verallgemeinerung nehmen wir uns gleich auch meist eine ganze Palette an Dingen vor, die wir im neuen Jahr verbessern wollen. Praktisch alles, was im vergangenen Jahr daneben gegangen ist, soll nach Mitternacht plötzlich funktionieren.

Das sind nicht nur sehr unrealistische – und auch unfaire – Erwartungen an uns selbst, sondern ruft auch nur schnell das Gefühl der Überforderung hervor. Daher ist es sinnvoller, sich ein – oder allerhöchstens zwei – ganz konkrete Ziele zu setzen. Zu dem Ziel gehört dann auch jeweils ein konkreter Plan, wie man auf dieses Bestreben hinarbeiten möchte.

Noch besser als Vorsätze

Den psychologischen Hintergrund von guten Vorsätzen haben wir nun verstanden. Das neue Jahr ist bald da und wir setzen unsere neuen Hoffnungen in diese vielversprechende hypothetische Zukunft.

Ein wie ich finde noch produktiverer Ansatz ist der folgende:

Anstatt ganz plötzlich mit dem Jahreswechsel eine ganze Menge Dinge ändern zu wollen, kann man sich Etappenziele setzen.

Wieso eigentlich nur gute Vorsätze zum neuen Jahr? Wieso nicht gute Vorsätze für die zweite Woche im September?

Es gibt keinen Grund, sich seine Vorsätze für eine völlig willkürliche Zäsur in der Zeitrechnung aufzuheben. Wenn man wirklich Dinge ändern und erreichen will, dann muss man sofort damit anfangen. Nicht erst Montag, nicht erst im neuen Jahr.

Es kann uns einfacher vorkommen, unsere größeren Ziele im Leben in kleine Häppchen einzuteilen. Ich werde wohl kaum über Nacht zu einer Triathletin. Nicht, dass ich das vorhätte. Aber wenn, dann werde ich das sicherlich nicht urplötzlich am 1. Januar 2021.

Als menschliche Wesen entwickeln wir uns tagtäglich weiter und wir wachsen mit jeder neuen Erfahrung. Indem wir für uns einerseits konkrete und andererseits kleinschrittige Zielsetzungen formulieren, können uns unsere Unternehmungen einfach machbarer und viel weniger erdrückend erscheinen.

Mein Vorsatz ist also, mir keine klassischen guten Vorsätze zu machen. Sondern jeden einzelnen Tag ein bisschen an mir zu arbeiten.

Dozenten und Schauspieler – mehr Gemeinsamkeiten als vermutet

An den meisten Tagen lieben Vollblut-Pädagogen ihren Job und verkörpern den Lernbegleiter mit ehrlichem Enthusiasmus.

Aber Trainer und Dozenten sind auch nur Menschen – manchmal haben sie schlechte Laune oder sogar einfach mal keine Lust. Vielleicht sind sie auch zeitweise unsicher oder nervös.

Wie kann man es dann vermeiden, dass die Dozentenpersönlichkeit zu einer unglaubwürdigen Fassade wird?

Eine Lösung kann in der Schauspielkunst liegen.

Schauspieler sind per Definition keine Lügner. Sie verkörpern eine Rolle, indem sie in dem Moment ganz und gar zu der Person werden.

Was wäre also, wenn wir in manchen Momenten praktisch die Rolle des Dozenten verkörpern – selbst wenn uns nicht danach ist.

Streng genommen müssen wir dann nicht lügen, sondern nur schauspielern.

Sind Dozenten nicht ohnehin Schauspieler?

Auch ohne explizites Schauspiel-Training teilen Dozenten einige Parallelen mit Schauspielern.

Der Trainer steht vorne auf der „Bühne“ und hat die Aufgabe, die Zuhörer mit seiner Darbietung zu fesseln. Das ist sicherlich auch eine der größten Herausforderungen für Lehrende: der Kampf mit der Aufmerksamkeitskurve.

Wenn wir einer Theatervorführung folgen müssten, die lediglich aus einer Abfolge von langen, eintönigen Monologen besteht, würde uns das wohl auch nicht lange fesseln. Dagegen ist ein Musical, das auch wechselnden Kulissen, bunten Kostümen und animierender Musik besteht, eine wahre Anregung für all unsere Sinne und die Zeit vergeht wie im Flug.

Wenn man das Dozieren also als eine Form des performativen Akts begreift, kann man auch daraus Tipps für das eigene Seminar gewinnen. Manchmal sind wir wohl so auf den Transport eines reinen Informationsgehaltes fokussiert, dass wir dabei die Show vergessen.

Die fesselndsten Präsentationen – also die, die uns am meisten im Gedächtnis bleiben – sind immer diejenigen, die uns emotional angesprochen haben. Wir können noch so viele Diagramme, stichhaltige Fakten und Zahlen vorbereiten – am Ende des Vortrages hat diese wohl kaum ein Zuhörer behalten. Und das ist auch gar nicht nötig, denn Fakten kann man jederzeit nachlesen.

Alle Inhalte einer Präsentation dienen stets nur dem übergeordneten Zweck der Veranschaulichung. Das Ziel ist, den Zuhörern mit Worten ein Bild zu malen. Auch in diesem Sinne ist ein Vortrag oder ein Seminar wohl gar nicht so sehr von einer Theater-Aufführung zu unterscheiden.

Auch Lernende wollen unterhalten werden – und nicht qualvoll die Minuten bis zum Ende des Seminars zählen. Wenn wir beim Lernen Spaß haben und nicht nur unsere grauen Zellen, sondern auch unsere Emotionen angesprochen werden, dann lernen wir schneller und behalten auch besser.

Das heißt natürlich keineswegs das jeder Dozent ein geborener Entertainer sein muss. Es gibt sicherlich auch das andere Extrem. Es kann auch nicht das Ziel einer Bildungsveranstaltung sein, die Information vollständig der kreativen Gestaltung unterzuordnen. Aber etwas mehr Lebendigkeit schadet wohl den meisten Seminaren nicht.

Wenn uns mal nicht nach Lehren zu Mute ist

Wenn wir nun einmal einen solchen Tag erwischen, an dem wir den Pädagogen nicht aus vollem Herzen verkörpern können, können wir den Lernenden schnell ungewollt negative Signale senden. Aber solche Tage zu haben, ist nur menschlich.

Wenn man den Ansatz verfolgt, dass man vorübergehend die Rolle des Dozenten einnimmt, kann dies als Brücke durch schwierige Tage helfen.

Und diese Rolle ist schließlich eine, auf die wir uns seit vielen Jahren vorbereiten und sie intensiv studiert haben – es sollte also kein Problem sein, einen überzeugenden Trainer zu mimen. Eine überzeugende Verkörperung entsteht meistens durch Identifikation. Da wir uns mit der Trainerpersönlichkeit sowieso ganz ehrlich identifizieren, ist das also ein Heimspiel.

Von Schauspielern wird für gewöhnlich verlangt, dass sie vollkommen in einer Rolle aufgehen und die Handlungsweisen und innere Verfassung der Figur glaubwürdig darstellen. Zu diesem Zweck müssen sie die eigenen mentalen und emotionalen Verfassungen beherrschen und kurzfristig überspielen können.

Dabei ist kurzfristig das entscheidende Stichwort – natürlich ist dies nur eine vorübergehende Lösung und eine Hilfe für anstrengende Tage.

Schauspielunterricht kann ganz konkrete Vorteile bieten!

Doch die Schauspielerei hat noch weitere positive Nebeneffekte für Lehrende.

Insbesondere Theater-Schauspieler arbeiten viel mit ihrer Stimme und Atmung. Da vor allem unsere Stimme in einem Seminar viele Informationen und auch Emotionen transportiert, kann die bessere Ausbildung einer klaren, positiven Stimmfarbe den Inhalten unterstützend dienen.

Zudem möchten wir als Trainer natürlich kompetent und sicher auftreten, um den Lernenden ein gutes Gefühl zu vermitteln. Auch Fernseh- und Radiomoderatoren nutzen häufig Stimmtraining und gerade in Online-Seminaren findet sich der Dozent schließlich häufig in der Rolle des Moderators.

Hinzu kommt die Tatsache, dass wir trotz aller Vorbereitung und hochwertigem Equipment über Online-Kanäle einfach eine andere Tonqualität antreffen. Unsere Stimme wird über Lautsprecher eventuell schlechter transportiert, daher kann auch hier eine deutlichere Artikulation und Stimmqualität einen positiven Effekt haben.

Vor allem unter Anspannung neigen wir dazu, in eine höhere Stimmlage zu verfallen. Diese klingt nicht nur unnatürlich, sondern strengt unsere Stimmbänder auch wesentlich mehr an. Daher ist die sogenannte Indifferenzlage das Ziel von Profis auf diesem Gebiet: diese strengt unsere Stimme weniger an und wir können länger und lauter sprechen – gerade für ganztägige Seminare wohl durchaus von Vorteil.

Eine einfache Übung, um die eigene Indifferenzlage zu finden, ist folgende:

Man stelle sich vor, man ist am Telefon mit einer Person verbunden, die einfach ohne Punkt und Komma redet. Uns selbst bleibt daher keine andere Möglichkeit, als deren Erzählungen immer wieder mit einem eventuell leicht gelangweilten „Mh mh mh“ zu kommentieren.

Und da ist sie auch schon – unsere persönliche Indifferenzlage, die wir idealerweise in Präsentationen und Moderationen nutzen sollten.

Denn unser Körper ist im Prinzip wie ein Instrument – und wenn unser (Klang)körper angespannt ist, kann die Musik nicht richtig fließen. Daher können auch Lockerungsübungen helfen, unsere Resonanzräume frei zu machen.

Es gibt verschiedene Übungen, die Anspannungen in uns lösen können. Hier sind einmal drei kleine Beispiele, die sich schnell in jeden Lehralltag einbauen lassen und mit Sofort-Effekt Spannungen im Körper abbauen können.

1. Schulterzucken

Diese Übung besteht aus zwei einfachen Schritten, die ein paar Mal wiederholt werden sollten.

Zunächst zieht man die Schultern hoch in Richtung Ohren und hält sie dort für einige Sekunden.

Anschließend lässt man sie langsam und bewusst wieder sinken und atmet dabei aus.

2. Ausklopfen

Auch diese Übung lockert den Körper und entspannt gleichzeitig auch kurz den Geist.

Man klopft den Körper mit den Handinnenflächen ab.

Angefangen bei den Schultern, über die Arme, weiter über den Bauch und die Beine bis hinunter zu den Füßen. Anschließend nimmt man den Rückweg über die Füße in Richtung Gesäß und landet über den Rücken wieder in der Ausgangsposition.

Eine Wiederholung wird hier empfohlen.

3. Die Korken-Übung

Diese Übung kommt aus dem Stimmtraining und fühlt sich anfangs vielleicht etwas seltsam an, ist aber sehr effektiv.

Normalerweise braucht man wie der Name bereits verrät für diese Übung einen Korken, aber es reicht auch der eigene Daumen. Dieser kann sich sogar besser eignen, da man so sehr schnell schmerzhaft erfährt, wann man die Kiefermuskeln doch zu stark anstrengt.

Zunächst sagt man einmal einen Satz, vielleicht etwas wie „Hallo, mein Name ist … und ich begrüße Sie herzlich zu diesem Seminar“, oder eine andere Willkommensfloskel, die man häufig verwendet.

Mit dem Korken oder Daumen im Mund wiederholt man anschließend diesen Satz.

Zu guter Letzt entfernt man den Gegenstand wieder aus dem Mund und wiederholt den Satz erneut.

Man sollte sofort ein Ergebnis feststellen und eventuell fällt einem auf, wie verkrampft Mund und Kiefer im normalen Zustand beim Sprechen sind. Durch eine solche Übung wird der Kiefer gelockert und der Weg frei für eine besonders klare Artikulation.

Ein klein wenig mehr Show ist erlaubt

Insgesamt lassen sich also mehr Gemeinsamkeiten zwischen Trainern und Schauspielern finden als man vielleicht denken würde.

Da wir als Ausbilder häufig auf die Vermittlung von Informationen spezialisiert sind, kann dabei manchmal der Unterhaltungsfaktor in den Hintergrund geraten. Dabei wollen wir doch am Ende nicht nur die Köpfe der Lernenden anzapfen, sondern sie wirklich erreichen.

Die Schauspielerei als Hobby aufzunehmen, kann also tatsächlich auch dem Dozentenberuf dienlich sein. Dabei ist die Devise natürlich nicht, während eines Seminars ein wortwörtliches Feuerwerk abzubrennen. Aber Lernen darf immer auch Spaß machen.

Unsere eigene Stimme als Werkzeug beachten wir dabei meist viel zu wenig. Die Korrelation zwischen Körper und Stimme wird ebenfalls häufig unterschätzt – dabei beeinflusst praktisch die kleinste Verspannung den Klang unserer Stimme. Daher können Lockerungsübungen auf Dauer wirklich eine spürbare Verbesserung der Stimmqualität bewirken.

Alternativ bieten sich solche und ähnliche kleinen Übungen übrigens auch als Energizer in Online-Seminaren an. Etwas körperliche Betätigung und Ablenkung unterbricht kurz den Informationsfluss und macht alle Beteiligten wieder wach.

Digitale Kompetenz – Schlüsselfaktor und Wegblockade

Wir leben in einer digitalisierten Welt.

Der Umgang mit Technologie ist für viele von uns so alltäglich, dass wir uns ein Leben ohne unsere digitalen Geräte kaum vorstellen können.

Was tun wir also, wenn uns in einem Lernkontext Menschen begegnen, deren digitale Kompetenz praktisch nicht vorhanden ist?

Erst vor einigen Wochen habe ich in einem Präsenzseminar erlebt, dass eine Frau mittleren Alters tatsächlich noch niemals einen Computer auch nur angeschaltet hatte.

Wie kann man Teilnehmer*innen helfen, die in ihrer medialen Kompetenz so weit zurückliegen?

In diesem Kontext sprechen wir hauptsächlich über die digitale Kompetenz in Präsenzveranstaltungen. Natürlich existiert und äußert sich diese Barriere auch im Rahmen von Online-Seminaren – jedoch ist davon auszugehen, dass in vielen Fällen Menschen mit niedriger digitaler Affinität erst gar nicht zu Teilnehmer*innen einer (freiwilligen) Online-Veranstaltung werden.

Wie entstehen digitale Mangelerscheinungen?

Einer der faszinierendsten Faktoren der digitalen Sphäre ist die exponentielle Entwicklungskurve. Für uns als Nutzer wird diese Geschwindigkeit und Flüchtigkeit von Wissen aber auch schnell zum Problem.

Mein Vater arbeitet seit den 80er-Jahren in der IT-Branche. Abgesehen von medienhistorischer Bedeutsamkeit sind die Lerninhalte seines Studiums heute weitgehend veraltet. Und man muss keineswegs so weit zurückgehen, um diese Beobachtung anzustellen: Da sich die Technologie und das Internet in einem solch rapiden Tempo verändern, kann selbst das Wissen von heute morgen schon überholt sein.

Natürlich geht es aber immer um die wertvolle Ausbildung einer digitalen Grundkompetenz als Basis. Denn wenn diese fehlt, wird die Einarbeitung in neue digitale Wissensbereiche besonders schwierig.

Letzten Endes kann man die Ausbildung digitaler Kompetenz auch immer zu einem Teil in die Verantwortung von Unternehmern und Arbeitgebern legen. Das Angebot und die Förderung von Weiterbildungen sind aber natürlich längst noch nicht überall Teil der Unternehmensphilosophie.

Was sind digitale Kompetenzen überhaupt konkret?

Digitale Kompetenzen lassen sich in drei wesentliche Bereiche einteilen:

Diese drei Grundbausteine umfassen die wichtigsten Kompetenzen im Umgang mit Digitalität. So werden einerseits theoretisches Basiswissen über die Funktionsweise von Geräten und Softwares vermittelt, andererseits aber auch Bewertungs- und Handlungskompetenzen ausgebildet.

Insbesondere die kritische Bewertung von Medieninhalten wird als Kompetenz häufig vernachlässigt. Man muss aber durchaus auch den kompetenten Umgang mit Inhalten bewusst anleiten.

Wie kann man diese Kompetenzen didaktisch fördern?

Wobei informatische Grundkenntnisse durchaus hilfreich für ein generelles Verständnis sein können, so halte ich die anderen zwei Bereiche für wesentlich fundamentaler für methodische Ansätze.

1. Medienkompetenz

Medienkompetenz entsteht vor allem durch Reflexion.

Menschen, die mit dem Internet und sozialen Medien nicht vertraut sind, können in Bezug auf die Validität digitaler Inhalte zu Naivität neigen. Daher gilt es, ihnen Bewertungskriterien für den Umgang mit Medieninhalten an die Hand zu geben. Insbesondere Inhalte auf sozialen Medien müssen hinsichtlich ihrer potentiellen Risiken für die reale Lebenswelt thematisiert werden.

Idealerweise entstehen Medienkompetenzen durch praktische Übungen, in denen Teilnehmer*innen Inhalte reflektieren und diskutieren können. Dies kann beispielsweise im Rahmen einer Übungseinheit zum Thema „Fake News“ geschehen, in der die Lernenden Inhalte recherchieren und auf ihren Wahrheitsgehalt überprüfen müssen.

Ein wichtiger Teil des Prozesses ist damit auch die Reflexion der eigenen Arbeitsergebnisse bezüglich ihres ihrer Stichhaltigkeit und Aktualität. Durch diese Verifizierung der Seriosität und des Informationsgehaltes können Teilnehmer*innen ein natürliches Bewertungssystem entwickeln.

2. Anwendungswissen

Zum Anwendungs-Know-how zählt im Zusammenhang mit digitaler Kompetenz vor allem die Sicherheit im Umgang mit Software-Programmen. Oftmals liegen die grundlegenden Bausteine in Textverarbeitung, Tabellenkalkulation, Präsentationsprogrammen und Bildbearbeitung.

In diesen Bereich fällt ebenfalls die Anwendung der kollaborativen Softwares, die im Seminar für die gemeinschaftliche Bearbeitung der Übungen genutzt werden, sowie die Methoden der Informationsbeschaffung im Internet.

Je nach Lernkontext zählen hierzu selbstverständlich auch fachspezifische Programme, die im jeweiligen beruflichen Umfeld gebraucht werden.

Wie der Name bereits nahelegt, entsteht Anwendungswissen am sinnvollsten durch Anwendung. In einem Lernumfeld verspricht ein hoher Praxisanteil daher den nachhaltigsten Lernerfolg. Wenn der Trainer der eigenständigen Erschließung möglichst viel Raum gibt, können Lernende auch ihre Selbstständigkeit ausbauen.

Wie kann man einzelnen Lernenden helfen?

Manchmal muss man die Lernenden einfach dort abholen, wo sie stehen. Unterschiede in der digitalen Kompetenz sind in vielen Lerngruppen vorhanden und sind nicht notwendigerweise ein Stolperstein.

Grundsätzlich möchten wir als Trainer natürlich niemanden aus dem Lernprozess ausschließen. Daher beanspruchen einzelne Gruppenmitglieder manchmal einfach mehr Zeit und eine intensivere Betreuung.

Den Ablauf des Seminars nicht allzu starr zu gestalten, ist generell ein guter Ansatz. Auf diese Weise hat man an jeder Stelle die Möglichkeit, Aufgabenstellungen abhängig vom Leistungsstand differenziert zu stellen.

Lernende mit mangelnder digitaler Kompetenz haben häufig die Sorge, dass sie nicht mit dem Rest der modernen Welt Schritt halten können. Dieser Eindruck kann große Unsicherheit und auch Zukunftsängste auslösen.

Daher ist es wichtig, dass man stets versucht, allen Lernenden das Gefühl zu vermittelt, dass sie für den Lernprozess wertvoll sind. Selbstverständlich haben auch diese Gruppenmitglieder Erfahrungen und Kompetenzen in vielen anderen Bereichen. Wenn man einen Weg findet, ihnen von diesen eine Brücke zu digitalen Wissensbereichen zu bauen, kann sich jeder Lernende eingebunden fühlen.

Insgesamt können auch bei unterschiedlicher digitaler Kompetenz innerhalb einer Gruppe dieselben Grundsätze wie beim Umgang mit heterogenen Lerngruppen hilfreich sein. Falls Dich dieses Thema weitergehend interessiert, so kannst Du in diesem Artikel mehr darüber lesen:

Das Lernen in heterogenen Teilnehmergruppen

Digitale Kompetenz ist Handlungskompetenz

All die besprochenen Aspekte laufen vor allem auf eine Schlussfolgerung hinaus: Medienkompetenzen müssen handlungsorientiert vermittelt werden.

Informatische Grundkenntnisse sind wie Latein – als Verbindungsstück kann es manchmal hilfreich sein, es ist aber nicht unbedingt erforderlich. Am Ende des Tages muss der durchschnittliche Anwender digitaler Medien nicht im Detail wissen, wie ein Computer im Innern aufgebaut ist und wie Software programmiert wird. Es ist essentiell, dass wir wissen – und vermitteln – wie man diese digitalen Tools im beruflichen Alltag effizient anwendet.

Insbesondere ist die Förderung einer digitalen Grundkompetenz wichtig. Es fällt uns wesentlich leichter, uns in neue Dinge einzuarbeiten, wenn wir das neue Wissen mit bereits vorhandenen Wissensbeständen verknüpfen können.

Denn auch wenn sich die digitale Welt weiterhin schnelllebig entwickeln wird, können wir so verhindern, dass einige Lernende vollständig den Anschluss verlieren. Da die Entwicklung einer zunehmend digitalisierten Gesellschaft auch immer mehr Arbeitsplätze in diesen Bereichen schaffen wird, können Menschen mit mangelnden Kompetenzen große Nachteile auf dem Arbeitsmarkt erfahren.

Das ist vor allem für weniger qualifizierte Arbeitskräfte problematisch, da diese Segmente des Arbeitsmarktes mit größerer Wahrscheinlichkeit wegfallen. Daher ist die Implementierung von digitalen Kompetenzen von besonderer Wichtigkeit.

Zudem haben wir in diesem Jahr kollektiv erfahren, dass unvorhergesehene Entwicklungen jederzeit geschehen können. Viele Menschen, die auf die Digitalität nicht vorbereitet waren, wurden von den Geschehnissen kalt erwischt und mussten in kurzer Zeit sehr viel digitales Wissen aufholen. Wenn wir uns also um eine bessere digitale Kompetenz bemühen, können wir hoffentlich auch gemeinsam besser auf die Zukunft vorbereitet sein.

YouTube als Lernplattform – Viel mehr als nur Katzenvideos

Jede Minute werden auf YouTube 400 Stunden Videomaterial hochgeladen und insgesamt wird pro Tag weltweit über eine Milliarde Stunden Videos angesehen – das ist mehr als auf Netflix und Facebook zusammen. Diese Zahlen sind kaum vorstellbar und unterstreichen den Stellenwert der Plattform als Unterhaltungs- und Informationsmedium.

Das allererste Video, das jemals auf YouTube hochgeladen wurde, trug übrigens den Titel „Me at the zoo“ und war ein 19-sekündiger Clip eines der Gründer vor dem Elefantengehege des San Diego Zoos.

Das war im Jahr 2005 – das Thema Tiere ist bis zum heutigen Tag in der YouTube-Landschaft eines der populärsten. Neben den obligatorischen Katzenvideos sind vor allem auch Videos aus den Bereichen Gaming, Beauty und Lifestyle beliebt.

Doch die Video-Plattform hat noch so viel mehr zu bieten –

YouTube ist ein wahrer Abenteuerspielplatz und gleichzeitig eine schier unendliche Quelle des global geteilten Wissens. Dieses Wissen kann man sich auch als Trainer zu Nutze machen.

Man muss tatsächlich nicht unbedingt zu jedem Thema eigene Erklärvideos aufnehmen – dazu fehlt sicherlich auch oft die Zeit. Es kann sich durchaus lohnen, im Vorfeld eines Online-Seminars auf YouTube ein gezieltes Tutorial zu einem verwendeten Tool zu suchen und den Teilnehmer*innen zur Verfügung zu stellen.

Auf diese Weise kann bereits vor Beginn des Seminars oder einzelnen Einheiten eine eigenständige Vorbereitung der Lernenden erfolgen. Dies kann unter Umständen für einen reibungsloseren Ablauf sorgen und Wissenslücken zwischen den Teilnehmer*innen schließen.

YouTube ist seit 2006 auch eine Google-Tochter, man braucht für die grundsätzliche Nutzung der Inhalte aber kein Google-Konto. Dieses benötigt man lediglich zum Kommentieren, Bewerten und Hochladen.

Denn auch wenn man selbst Lehrvideos erstellen möchte, kann man diese auf YouTube hosten. Falls Dich dieses Thema näher interessiert, kann ich Dir diesen Blogartikel ans Herz legen:

Lernen bewegt – Erklärvideos im Online-Seminar

Was macht YouTube als Lernmedium so effektiv?

Auch aus der Perspektive des Lernenden ist YouTube eine wahre Goldgrube. Denn es gibt im Prinzip keine Grenzen bei dem, was man so alles lernen kann. Vom Kochrezept, über amerikanische Geschichte, bis hin zur Quantenphysik. Für beinahe jede Wissens- und Interessensnische bietet YouTube ausgewiesene Experten und eine eigene Community gleich mit dazu. Denn YouTube ist nicht nur eine Video-Plattform, sondern gleichzeitig auch das zweitgrößte soziale Netzwerk mit knapp 2 Milliarden aktiven Nutzern.

Ja, Milliarden. Das ist kein Tippfehler – YouTube wird tatsächlich von einem guten Viertel der Erdbevölkerung genutzt.

Ich persönlich schätze an YouTube vor allem seine Koch-Community. Denn wie die meisten Menschen lerne ich besonders gut audio-visuell. Die Verbindung von Bild, Ton und Text erschafft eine Informationsdichte, die verschiedene Sinne anspricht und eine besonders effektive Wissensvertiefung ermöglicht. Insbesondere komplexe Zusammenhänge lassen sich oftmals wesentlich einfacher demonstrieren als ausschweifend erklären. Die Dreidimensionalität eines Videos kann Verhältnisse abbilden, die allein mit Bildern oder Texten kaum zu greifen wären.

Natürlich kann man ein Rezept für Käsekuchen auch in rein geschriebener Form finden. Jedoch ist es wesentlich leichter zu verfolgen, wenn man tatsächlich sämtliche Einzelschritte in der Entstehung beobachten kann. Ich kann beispielsweise immer wieder nur vermuten, was genau der Autor eines Rezepts nun unter „flüssig“ oder „sirup-artig“ verstehen mag.

In einem YouTube-Video kann ich die zu erzielende Konsistenz live in Aktion sehen und so wesentlich erfolgsversprechender meine eigenen Unternehmungen daran ausrichten. Denn wer gerne backt, weiß, dass Sieg und Niederlage in der Küche manchmal nur 15 Sekunden quirlen auseinander liegen.

In Form von YouTube steht dem Lernenden nicht nur der Trainer der jeweiligen Disziplin zur Verfügung, sondern immer auch die Weisheit der Masse in den Kommentaren. Hier finde ich unter Umständen Menschen, die dieses Rezept bereits ausprobiert haben, oder Antworten auf Nachfragen, die ich mir auch gestellt hatte. Kann ich zum Beispiel statt Quark auch Frischkäse verwenden? Im Kommentarbereich kann man sich mit anderen Hobbyköchen austauschen und sich deren Meinung und Erfahrungen zu Nutze machen.

Viele Menschen, die YouTube regelmäßig als Unterhaltungs- oder Informationsmedium nutzen, stellen zudem fest, dass die Einbindung in bestimmte Communities und die Interaktion mit anderen Abonnenten und den Kanalbetreibern einen Mehrwert bietet. Die dargestellten Informationen können einfach viel lebendiger wirken, wenn sie mit einer sympathischen Persönlichkeit verknüpft werden.

Natürlich gilt auf YouTube dieselbe Grundregel wie im Internet allgemein: Informationen sind mit Vorsicht zu genießen. Ein gesundes Maß an Skeptizismus ist im Umgang mit Online-Material fast immer angebracht. Daher sollte man sich im Falle von im Rahmen eines Seminars zu verwendenden Videos auf jeden Fall der Qualität versichern.

Wieso sollte ich YouTube konkret als Tool im Seminar nutzen?

Viele Menschen nutzen die Plattform YouTube im alltäglichen Leben als Lernplattform. Zudem haben wir die Möglichkeit angesprochen, YouTube-Videos als vorbereitende Maßnahme im Vorfeld eines Seminars oder einer einzelnen Einheit zu nutzen.

Doch gibt es noch weitere Gründe die Video-Plattform als didaktisches Hilfsmittel zu nutzen. Im Folgenden möchte ich Euch daher zwei Anwendungsszenarien vorstellen, in denen der Trainer YouTube als Tool einbinden kann.

Show, don’t tell

In vielen Vorlesungen und Seminaren hören Lernende von großen Poeten, Wissenschaftlern oder Geschäftsleuten. Als Trainer kann man den ganzen Tag über die vortrefflichen Präsentationstechniken des Steve Jobs berichten. Dabei ist es doch so viel aussagekräftiger, den Teilnehmer*innen einen kurzen Videoclip des Apple-Gründers höchstpersönlich zu zeigen. Eine YouTube-Suche liefert in Sekunden tausende von Videos, mit Hilfe derer sich die eigenen Aussagen anschaulich untermalen lassen.

Natürlich hängt die Anwendung dieser Methode immer vom jeweiligen Themengebiet ab und sollte wohl auch gut dosiert sein, aber insgesamt kann etwas mehr Anschaulichkeit wohl den wenigsten Veranstaltungen schaden. Zudem durchbricht ein kurzer Wechsel des Input-Mediums an der richtigen Stelle stets gut eventuelle Monotonie und verhindert die kognitive Ermüdung der Teilnehmer*innen.

Wichtig ist daher aber auch immer, dass man diese nicht zu lange mit Videos berieselt, denn sonst kommen schnell Flashbacks zum „Film gucken“ in der Schule auf – damals war der Film öfters ein Zeichen, dass der Lehrer an dem Tag einfach keine Lust hatte. Kurze Clips eignen sich daher deutlich besser an bewusst gewählten Stellen zur Akzentuierung eines bestimmten Aspektes.

Und auch bei der Arbeit mit YouTube sind die Voraussetzungen gegeben um das Tool sowohl in Online- als auch in Präsenzveranstaltungen zu nutzen. Wie so oft ist die Funktion der Bildschirmteilung eine praktische Online-Variante, aber man kann auch Links über den Chat oder eine E-Mail zur Verfügung stellen.

YouTube als Recherche-Tool

Wir reden immer wieder davon, wie Lernende in Einzel- und Gruppenarbeiten zur eigenständigen Erarbeitung eines Themenbereichs geführt werden können. Die Vorteile dieser Herangehensweise liegen vor allem darin, dass die Teilnehmer*innen sich aktiv am Lernprozess beteiligt fühlen und das Gelernte auch wesentlich nachhaltiger abspeichern.

YouTube bietet sich als Recherche-Tool insbesondere für Einzelarbeitsphasen an. Wenn man also im Rahmen dieser Phasen verschiedene Themengebiete erarbeiten lässt, können sich die die Teilnehmer*innen auch im selben Raum mit unterschiedlichen Dingen befassen ohne einander in die Quere zu kommen – vorausgesetzt sind in einer Präsenzveranstaltung natürlich Kopfhörer!

Die Vorteile einer multimedialen Erarbeitung des Themas über Videos im Vergleich zu etwa Texten haben wir bereits erörtert. Zusätzlich ist es sinnvoll, die Präsentation der Ergebnisse in die Verantwortung der Lernenden zu legen. Auf diese Weise werden die Lernergebnisse besonders gut konserviert.

YouTube als Lernmedium – auf jeden Fall!

Insgesamt lässt sich festhalten, dass YouTube als Lernplattform zwei wesentliche Vorzüge bietet: Multisensualität und Selbstständigkeit.

Die Einbindung verschiedener Sinneskanäle ist für den Lernerfolg besonders förderlich und erlaubt auch den Zugang zu komplexeren Themenbereichen. Zudem ist der Lernende besonders selbstständig: er kann gezielt Informationen zu einzelnen Inhalten suchen und den Lernprozess selbstbestimmt steuern. Das Lerntempo kann an die individuellen Bedürfnisse angepasst und einzelne Passagen beliebig oft angesehen werden. Darüber hinaus stellt der Community-Aspekt eines sozialen Netzwerks wie YouTube einen zusätzlichen Mehrwert dar.

Und man sollte sich auch nicht davor scheuen, YouTube-Inhalte als visualisierendes Element gezielt in der eigenen Veranstaltung einzusetzen. Und übrigens hier noch ein kleiner Geheimtipp: YouTube bietet auch eine barrierefreie Live-Streaming-Funktion inklusive Chat über einen generierten Link. Die Plattform kann also durchaus auch als kostenfreier Hosting-Service für Webinare & Co. in Betracht gezogen werden.

Das Lernen in heterogenen Teilnehmergruppen – Wieso Unterschiedlichkeit lernförderlich ist

Es ist in der Erwachsenenbildung der absolute Worst Case: innerhalb ein und derselben Teilnehmergruppe ist eine Seite des Raumes gänzlich mit den Lerninhalten überfordert, während die andere sich schon halb zu Tode gelangweilt hat.

Beide Fälle wirken sich destruktiv auf die Motivationskurve aus. Wie kann man also beide Seiten und auch alle Teilnehmer dazwischen ideal fördern und für das Gefühl eines Lernerfolgs sorgen?

Die Heterogenität von Lerngruppen stellt den Trainer immer wieder vor Herausforderungen in der Planung und Durchführung eines Seminars. Da in vielen Fällen die individuellen Wissensstände und der Background sehr unterschiedlich sind, lässt sich nur schwerlich eine Lernmethode in Einheitsgröße finden, die allen Teilnehmern passen soll.

Spontan wünschen sich wohl einige Trainer eine möglichst homogene Lerngruppe, in der die Zusammenstellung im Bezug auf Alter, Bildungshintergrund, Berufsbild und Leistungsfähigkeit möglichst einheitlich sind. Denn es mag leichter erscheinen, eine solche Lerngruppe pädagogisch anzuleiten.

Tatsächlich zeichnen sich aber auch scheinbar homogene Gruppen durch eine individuelle Verschiedenheit aus, die durch ein starres Lehrkonzept vernachlässigt werden. So wird es am Ende des Tages auch innerhalb einer solchen Gruppe Lernende geben, die sich unter- oder überfordert fühlen. Indem die Individualität ignoriert wird, verfestigt sich die Unterschiedlichkeit nur immer weiter.

Auch für die Teilnehmer*innen selbst ist eine Situation, in der die Heterogenität der Gruppe zu einem Nachteil wird, alles andere als angenehm. Jeder von uns war sicherlich auch im Leben schon einmal in der Rolle des Lernenden, der sich in einem Lernumfeld nicht richtig abgeholt fühlte. Denn natürlich ist es schwierig einen Lernraum zu schaffen, in dem jedem Teilnehmer individuell entsprochen werden kann.

Die gute Nachricht: Heterogene Lerngruppen sind lernförderlicher!

Auch wenn die Durchführung eines Seminars mit einem heterogenen Teilnehmerfeld manchmal besondere Herausforderungen darstellt: in der Unterschiedlichkeit der Teilnehmer liegt auch das größte Lernpotential!

Denn wenn Menschen aus verschiedenen Hintergründen zusammenkommen, kann der Austausch besonders lebendig und das Lernen besonders fruchtbar werden. Daher liegt es beim Lernbegleiter, dafür zu sorgen, dass dieser Austausch auf einen entsprechenden Boden fallen kann. Denn wenn in der Erwachsenenbildung Abiturienten oder Akademiker neben Schulabbrechern sitzen, mag ein mancher Trainer unterbewusst zunächst dazu zu neigen die letztere Gruppe als benachteiligt – oder sogar als hinderlich – zu empfinden.

Doch genau diese unterschiedlichen Voraussetzungen kann man durch das richtige methodische Lernumfeld zu einem Katalysator des Lernerfolgs machen!

Lehrformen, die eine Teilnehmergruppe in ihrer Gänze anzusprechen versuchen – wie der klassische Frontalunterricht – machen häufig von diesen potentiellen Vorteilen keinen Gebrauch. Die Herangehensweise, die tatsächlich von der Heterogenität profitieren kann, ist eine Form des sozialen Lernens.

Wie wirken sich Unter- und Überforderung konkret aus?

Überforderung bedeutet Frust. Und anhaltender Frust führt letztendlich zum Aufgeben und resultiert oft auch in einem verminderten Selbstwertgefühl. Das ständige Arbeiten an der persönlichen Leistungsgrenze ist kognitiv äußerst anstrengend und führt letzten Endes nur zu Demotivation.

Dabei liegt die Problematik meist keinesfalls in der intellektuellen Leistungsfähigkeit der Teilnehmer, sondern vielmehr in mangelndem Vorwissen oder methodischen Fehlkalkulationen.

Auf den ersten Blick mag Unterforderung wie das kleinere der beiden Probleme wirken. Denn was macht es schon groß, wenn man mehr weiß und kann als gefordert ist? Tatsächlich ist diese Situation auf Dauer aber für den Lernerfolg genauso hinderlich. Teilnehmer*innen, die sich konstant unterfordert fühlen, schalten irgendwann einfach ab und sind für ein Lernerlebnis nicht mehr zugänglich.

Unterforderung und Desinteresse kann aus verschiedenen Faktoren resultieren, wie etwa einem Vorsprung an Vorwissen oder höherer persönlicher Leistungsfähigkeit gegenüber anderen Teilnehmer*innen.

Zunächst scheinen die beiden Pole wie unvereinbare Extreme zu wirken, doch es gibt Möglichkeiten und Wege die Verschiedenheit der Gruppenmitglieder zu Gunsten einer produktiven Lernerfahrung zu nutzen – ohne dabei eine der beiden Seiten einfach ihrem Schicksal zu überlassen.

Welche Voraussetzungen kann ich vor dem Seminar schaffen?

Zunächst einmal kann man als Lehrender die eigene Grundeinstellung reflektieren. Man kann die Heterogenität einer Lerngruppe bewusst annehmen und sich vornehmen sie zum Vorteil zu nutzen. Zudem muss man eventuell ein klein wenig von der klassischen Lehrerzentrierung ablassen, wenn man zuvor vor allem Lehrformen wie den Frontalunterricht gewöhnt war. Denn wie bereits angesprochen, entfaltet sich das Potential einer heterogenen Lerngruppe erst im sozialen und kooperativen Lernen.

Doch natürlich kann auch die sorgfältigste Planung und die beste Einstellung nicht vor unerwarteten Entwicklungen im tatsächlichen Seminar schützen. Was kann ich also tun, wenn ich bemerke, dass einzelne Teilnehmergruppen unter- oder überfordert scheinen?

Wie lässt sich das Lernumfeld wieder in die Balance bringen?

Der Lehrende muss in diesen Situationen vor allem als Lernbegleiter fungieren. Dieser muss für die Unterschiedlichkeit der einzelnen Gruppenmitglieder offen bleiben und die Inhalte und Methodik gegebenenfalls an ihren Lernstand anpassen. So kann beispielsweise dieselbe grundsätzliche Aufgabenstellung in unterschiedlicher Differenzierung gestellt werden.

Auf diese Weise bekommen lernschwächere Teilnehmer mehr Zeit für die Bewältigung der Aufgabe und leistungsstärkere Gruppenmitglieder üben dabei durch ihre Schnelligkeit keinen Druck aus.

Die beste methodische Vorgehensweise liegt in der Gruppendynamik. Die Arbeit in heterogenen Lerngruppen blüht am meisten in lebendigen Gruppenprozessen auf. Die Individualität der Teilnehmer*innen wird nicht ignoriert, sondern bewusst angesprochen. Hierzu zählt oft auch eine dynamische Anpassung des methodischen Vorgehens.

Wie die Prinzipien des kooperativen Lernens zeigen, ist der Lernerfolg an das Kollektiv geknüpft. Lernen ist keine Einbahnstraße, sondern entsteht zwischen vielen Knotenpunkten. Der Lehrende schafft dabei den Lernraum, in dem die Lernenden besonders viel selbstständige Lernleistung und Eigenaktivität zeigen dürfen. Die Verantwortung des Lernens wird zwischen Trainer und Teilnehmer*innen geteilt, sodass sich jeder Einzelne aktiv beteiligt fühlt.

Besonders zu betonen ist auch die Wichtigkeit von Kommunikation innerhalb der Gruppe. Ein offener Dialog und kontinuierliches Feedback können dabei helfen, den Lernprozess besser zu bewerten und gegebenenfalls anzupassen.

Bei der Arbeit mit heterogenen Lerngruppen bietet es sich durchaus an, die Sozialformen im Seminar regelmäßig zu wechseln. Es sollte eine gesunde Mischung aus Plenum, Einzel-, Paar- und Gruppenarbeit herrschen. Viele Methoden erlauben auch die stufenweise Kombination mehrerer Sozialformen und bieten so mehr Variation und auch Zeit für die Vertiefung des Gelernten.

Da wie bereits erwähnt die größte Stärke heterogener Teilnehmerverbände in der Gruppendynamik liegt, bietet sich eine besonders hohe Quote an Gruppenarbeiten an. An dieser Stelle möchte ich daher exemplarisch zwei Methoden für Gruppenarbeiten vorstellen, die das kooperative Lernen besonders fördern können.

1. Think-Pair-Share

Diese Methode vereinbart Einzelarbeit mit Gruppenarbeit. Jeder Teilnehmende entwickelt zunächst zu einem vorgegebenen Thema in Einzelarbeit seine eigenen Gedanken und formuliert Ideen. Anschließend werden, abhängig von der Gruppengröße, diese Ideen innerhalb einer Tandem- oder Kleingruppe diskutiert und daraus hervorgehend eine gemeinsame Lösung entwickelt. Jede Gruppe kann schließlich noch ihre Ideen im Plenum vorstellen.

Die Methode bietet einerseits jedem Teilnehmer die Möglichkeit in Einzelarbeit seine Gedanken niederzuschreiben und gleichzeitig den Vorteil der Deliberation in Kleingruppen. Diese Sozialform ermöglicht die besonders aktive Reflexion der Ideen und fördert durch die Vorgabe einer gemeinsamen Lösung die Zusammenarbeit.

2. Die Sandwich-Methode

Auch die Sandwich-Methode kombiniert mehrere Sozialformen und besteht aus verschiedenen Arbeitsphasen. Hier werden die Teilnehmer*innen ebenfalls zunächst in Kleingruppen eingeteilt und erarbeiteten ein vorgegebenes Themenfeld eigenständig.

Die erste Arbeitsphase wird dann durch einen eingeschobenen Input durch den Trainer erweitert. Daraufhin überarbeiten die Gruppen auf Basis der neuen Informationen ihre bisherigen Ergebnisse. Anschließend können die Gruppenergebnisse zudem im Plenum diskutiert werden.

Die Sandwich-Methode bietet den Vorteil, dass die Teilnehmer*innen sich in der ersten Arbeitsphase einer Thematik selbstständig und unvoreingenommen nähern können. Der anschließende inhaltliche Input durch den Trainer gibt den Gruppen daraufhin die Möglichkeit ihre Ergebnisse weiter zu vertiefen und eventuell aus neuen Perspektiven zu betrachten.

Das Prinzip der mehrstufigen Erarbeitung eröffnet insgesamt ein großes Lernpotential. So bietet die Methodik den lernschwächeren Teilnehmer*innen die Chance sich in mehreren Arbeitsphasen mit einer Thematik zu befassen. Gleichzeitig ist durch den zusätzlichen Input durch die Lehrperson dafür gesorgt, dass auch leistungsstärkere Gruppenmitglieder nicht durch eine zu ausgedehnte Arbeitsphase ermüdet werden.

Im Übrigen lassen sich Methoden zur Gruppenarbeit auch in Online-Kontexten umsetzen. Hierzu bieten sich beispielsweise die sogenannten Breakout-Rooms an, die einige Anbieter von Konferenztools zur Verfügung stellen. Die Planung eines Online-Seminars sollte nicht dazu verleiten, die Gruppenprozesse auf ein Minimum zu beschränken!

Unterschiedlichkeit: Herausforderung oder Chance?

Am Ende des Tages bleibt vor allem eine Erkenntnis stehen: der Lernbegleiter muss als Konzept offener und eine Lehrveranstaltung individueller werden. Den Lernenden muss so viel Raum wie möglich gegeben werden, sich mit den Inhalten auf einer ganz persönlichen Ebene auseinanderzusetzen und ihr Wissen zu verknüpfen.

Der aktive Dialog ist hierbei ganz wichtig. Denn es geht darum zu vermeiden, dass man sich als Trainer stets nur mit einer kleinen Teilgruppe befasst, während viele andere Lernende frustriert zurückgelassen werden. Ein dynamischer Wechsel an Methoden und Sozialformen ist die ideale Art mit heterogenen Lerngruppen zu arbeiten.

Natürlich ist ein solcher Anspruch an den Pädagogen ein deutlich höherer als die Durchführung eines akribisch vorbereiteten Lehrplans. Jedoch nimmt eine solch dynamische Vorgehensweise auch etwas Verantwortung von den Schultern des Lehrenden und verteilt diese gleichmäßiger auf jeden Einzelnen.

Die Unterschiedlichkeit innerhalb einer Gruppe muss nicht zwanghaft nivelliert werden, sondern kann zu einem Antrieb werden – nicht nur für inhaltliches, sondern vor allem auch für soziales Lernen .

Lernen bewegt – Erklärvideos in Online-Seminar

Bei mir hat es ganz lange gedauert bis ich YouTube nicht als
Musikplattform, sondern als eine der größten Lernplattformen
wahrgenommen habe.


Weshalb ist das so? Mir persönlich sind Videos sehr lange als Musik oder als
Unterhaltungsmedium begegnetet. Es ging immer um Filme zur Unterhaltung.


Heute sieht das ganz anders aus; selbst meine 70-jährige Mutter
schaut sich an, wie sie bestimmte Früchte zubereiten kann oder wie man
Reste nach einem Familienfrühstück verwerten kann.

Das Video ist als Erklär Medium seit der Sendung mit der Maus
nicht mehr wegzudenken und seit 2017 ist der Suchbegriff Erklär
Video (Tutorials) bei Google um 20 % gestiegen.


Man erfährt halt schnell wie etwas geht.
Das Erklärvideo unterscheidet sich vom „How to“ Video sich häufig
mit Story-Telling Elementen emotional an den Konsumenten und
versucht dadurch Identifikationen zu schaffen.

Diese Grenzen sind allerdings fließend.

Weshalb lernt es mit Erklär Videos so gut?


Lernchancen ergeben sich durch eine Multisensualität. Der Film ist
wie kein anderes Medium in der Lage, sowohl Text als auch Bild und
Bewegung, Stimme und Geräusche oder Musik zu integrieren. Es
kann verschiedene Medien parallel verbinden und erzielt hohe
Anschaulichkeit mit einer großen Möglichkeit viele Sinne gleichzeitig zu aktivieren.

Ein Punkt der uns Lehrende sofort aktivieren sollte. Ich möchte Dich
also gerne ein bisschen für das Medium Erklärvideo begeistern.

Was zeichnet ein gutes Erkärvideo aus?

Ein gutes Erklär Video für den Bildungsbereich zeichnet sich
dadurch aus durch aus, dass es:

  • 3-5 Minuten nicht überschreitet
  • komplexe Themen auf das Wesentliche reduziert und erzielen dadurch eine einfache Wissensvermittlung (didaktische Reduktion)
  • in unterschiedlichen Stilen erstellt werden kann (offene Formatierung)
  • nicht zu wissenschaftlich ist
  • mit einer einfachen Sprache und einfachen Satzbau gestaltbar ist
  • eine bildliche Darstellung bietet
  • einen Aufruf zur Eigenhandlung beinhaltet

Wenn nun diese multisensualen Lernvideos in unendlich vielen
Zusammenhängen im Bildungswesen gebraucht werden, was hindert Dich
als Lehrende*r, Videos auch im Seminar sinnvoll einzusetzen.


Auf der einen Seite stehen Inhalte sowieso schon im Netz und viele
Lernende geben an, dass sie Zusammenhänge aus einem Präsenzseminar
erst nach Anschauen eines Erklär Videos verstanden haben. Was hindert uns also, die Vorteile des Erklär Videos auch als „aktivierende“ Methode im Online-Seminar zu nutzen.

Dabei lässt sich leicht auf den großen Schatz der vorhandenen Lernvideos
zurückgreifen. Aber auch eine Erstellung durch die Lernenden kann eine
spannende Methode im Online Lernen sein.

Man schafft es zum einen, dass Lernende
sich intensiv mit einem Inhalt auseinandersetzen zum anderen aber
eben auch, dass sie Medien und Präsentationskompetenz entwickeln. Und das kommt selbst bei Erwachsenen in der Weiterbildung immer zu kurz.

In diesem Artikel möchte ich allerdings auch auf das Erstellen von
Erklärvideos eingehen, da ich glaube, dass im wachsenden Markt für das
Online-Lernen Videos eine große Rolle spielen werden.

Stilformel für Erklärvideos

Als Lehrender in der Lage zu sein, Erklär Videos für sich zu
erstellen, schafft ganz neue Impulse und Möglichkeiten zur
Teilnehmeraktivierung.

Um als Lehrender eigene Erklär- oder Lernvideos zu erstellen ist es
wichtig, erst einmal einen eigenen Stil zu finden.

Die Formal dazu ist:
Eigener Lehrstil + Inhalt = Videostil

Deine persönliche Art den Seminarinhalt zu erklären (sachliche Sprache,
Visualisierungen, Humor usw.) ist Dein ganz eigener, individueller
Lehrstil. Es ist wichtig, dass Du auch im Video authentisch auftrittst. Du
solltest vor der Kamera keinen Stil adaptieren oder imitieren.

Authentisches Verhalten ist nicht selbstverständlich. Diejenigen von Euch, die schon einmal vor der Kamera gestanden haben, werden eventuell bereits erfahren, wie sich das eigene Verhalten ändern kann, wenn die
Kamera an ist. Künstliche Sprache und große Gesten sind nur einige
Auswirkungen.

Neben der Authentizität, spielt natürlich für den Stil eines Videos, der zu
vermittelnde Lerninhalt eine große Rolle. Daher empfiehlt es sich, dass Du
zunächst festlegst welche Inhalte und Lernziele Dein Video enthalten soll und welche Zielgruppe Du ansprechen möchtest.

Die Form des Videos

Bei der Form kannst Du nächst entscheiden – personalisierte oder
entpersonalisierte Form. Möchtest Du als Lehrperson gesehen werden oder
als Übermittler. Für beide Methoden gibt es Vor- und Nachteile, sowohl bei der Erstellung als auch bei Wirkung. Hier gibt es kein endgültiges Rezept.

Ich bin in den Online-Seminaren eine sehr präsente Lernbegleiterin; bei meinen Erklär Videos verwende ich sehr gerne entpersonalisierte Methoden, bei denen man nur meine Stimme hört.

Der nächste Schritt ist die Überlegung, mit welcher Technik Ihr Euer Video erstellen möchtet; dazu mal einige Anregungen.

Screencast – Bildschirmvideos ganz einfach erstellen

Der Bildschirm wird mittels einer Software abgefilmt. Du kannst als
Erklärender selbst in einem Ausschnitt erscheinen oder nur den Bildschirm
filmen. Diese Technik eignet sich besonders gut für alles, was mit dem
Computer zu tun hat. Ich nutze es z. B. um das Log-in Verfahren für
moodle zu erläutern oder jetzt aktuell um den Teilnehmenden meines
Kompaktworkshops die Tools für ihre Tagesaufgabe zu erläutern.

Damit kannst Du die notwendigen Schritte für Deine Teilnehmer sichtbar machen, zusätzlich kannst Du auch nachträglich noch eine Tonspur erstellen.

Einzelne Schritte werden für die Lernenden nachvollziehbar und können
bei Bedarf wiederholt angeschaut werden.

Ein Nachteil ist, wenn Du mit Tonspur filmst und Dich versprichst, dann muss das Video mühsam mit einer Software geschnitten und nachvertont werden. Komplexe Sachverhalte lassen sich über Screencast kaum vermitteln.

Es gibt keine emotionale Anbindungsmöglichkeit an ein Lernthema.
Halte das Video möglichst neutral und beachte den Datenschutz. Nutze eine klare, einfache Sprache und mach es langsam vor.

Achte darauf keine privaten Bilder auf dem Desktop zu nutzen. Ich empfehle Dir einen neutralen Nutzer anzulegen.

Baue nicht zu viele englische Fachbegriffe ein. Bildschimaufnahmen können mit jedem System und jedem Betriebssystem gemacht werden.

Ein paar Beispiele: der vorinstallierte Quicktime-Player, OBS Studio,oder screencast-o-matic.com.

Legetricktechnik (analog). Whiteboardtechnik

Mittels einfacher, meist farbig wenig abgestufte Karteikärtchen wird ein
Thema nach und nach auf einer einfarbigen Oberfläche erklärt. Zu sehen
sind meist die Hände des Erklärenden, der die Karten auflegt und hierzu
Wichtiges erläutert. Nahezu alle Inhalte lassen sich so sehr knapp
darstellen.


Die Möglichkeiten sind vielfältig und hier erfolgt die didaktische
Reduktion zwangsweise durch wenige Karten und Sätze. So lassen sich
auch abstrakte Lerninhalte sehr gut anschaulich vermitteln. Man benötigt
wenig spezielles Medienwissen. Ein Stativ und ein Tablet reichen hier
völlig aus. Wegen des Schneidens ist ein Tablet hier besser als ein Handy.
Natürlich musst Du halbwegs zeichnen können und Ideen haben. Da
besteht dann auch Gefahr von zu starker Vereinfachung.

Materialaufwand: Karten, Stifte, Schere, Stativ, Handy.

Es ist eine sehr gute Möglichkeit für erste Erfahrungen sowohl auf der
Lehrenden als auch auf der Lernenden-Seite. Eine spielerische und
charmante Art und Weise mit dem Erklär Video zu starten. Man hat einen
kreativen Spielraum.

Allerdings besteht auch die Gefahr, dass die Videos
zu lang sind. Hier kann man komplexe Themen lieber in Unterthemen
packen. Besser jede Aufnahme einzeln speichern als alles in einem Rutsch,
meist geht das schief und dann sind vielleicht mehrere Szenen “für die
Katz”.

Für das Schneiden eignet sich IMovie genauso wie die kostenlose Android Variante PowerDirector.

Legetricktechnik digital

Über Software kann man diese Technik auch digital erstellen. Hier werden
praktisch über eine Datenbank vorgezeichnete Bilder zur Verfügung
gestellt. Diese setzt man dann in einen Zusammenhang. Es entstehen über
ein Storybook in wenigen Stunden professionell aussehende Erklär Videos.
Die eigene Gestaltung beschränkt sich auf das Drehbuch und die Stimme.
Je nach Anbieter hat man ein relativ starres Korsett. Es gibt u. U.
Beschränkungen bei Zeit, Stimme oder auch Zeichnungsanzahl in einer
Szene. Hier besteht dann auch die Gefahr durch zu starke Vereinfachung.
Ein stabiles Internet ist hier Grundvoraussetzung. Auch benötigt man hier
eher einen Desktop Rechner.
Letztlich ist es aber auf jeden Fall eine gute Übungsplattform, sich
überhaupt einmal mit Storyboard und Erklär Videos zu üben.

Anbieter sind u. A.
mysimpleshow oder Videoscribe.co.
Es besteht bei allen Anbietern die Notwendigkeit eines Accounts.
Es ist eine sehr gute Möglichkeit für erste Erfahrungen sowohl auf der
Lehrenden als auch auf der Lernenden-Seite.

Eine spielerische und charmante Art und Weise mit dem Erklär-Video zu starten. Man hat einen kreativen Spielraum. Allerdings besteht auch die Gefahr, dass die Videos zu lang sind. Hier kann man komplexe Themen lieber in Unterthemen packen. Besser jede Aufnahme einzeln speichern als alles in einem Rutsch, meist geht das schief und dann sind vielleicht mehrere Szenen “für die Katz”.

Green-Screen Videos

Die lehrende/erklärende Person wird vor einem grünen Hintergrund(Greenscreen) bei Ihren Erklärungen gefilmt und wird dann mittels eines speziellen Verfahrens in einen anderen digitalen Hintergrund gesetzt. Das können Bilder oder auch Videos sein.

Für mich persönlich ist das die Königsklasse der personalisierten Videos,
auf der einen Seite kann ich als Person überzeugen, kann aber auch
komplexe Zusammenhänge aus dem “Nichts” erwachsen lassen. Dafür
benötigt man dann auch ein besseres Equipment.

Einen Greenscreen, Beleuchtung, eine gute Kamera und ein sehr gutes Mikrofon. Mit der App Touchcast läßt sich eine gute Nachbereitung der Filme mit dem IPAD am leichtesten bewerkstelligen

Cartoons

Mit Cartoons lassen sich wunderbare entpersonalisierte Videos drehen, die
dank unterschiedlicher Ausführungen sowohl den emotionalen als auch
den unterhaltenden Charakter eines guten Erklär Videos enthalten lassen.

Hierfür benötigst Du allerdings einen Account. Die meisten Anbieter sind in einer kostenlosen Variante sehr beschränkt in Bezug auf Charaktere oder Gegenstände angeht. Der Zeitaufwand hält sich bei kleinen Projekten im Rahmen.

Allerdings sollte auf eine gute Vertonung geachtet werden. Die Cartoons
eignen sich tatsächlich auch gut als Projekte der Lernenden. Es muss immer ein Account erstellt werden.

Aktuelle Anbieter sind Doodly und Toonley oder auch Powtoon.
Einige der Anbieter haben für die Bildungslandschaft reduzierte Tarife,
hier lohnt sich ein Blick.

Ich persönlich kann nur empfehlen, sich mit der Erstellung von
Erklärvideos zu beschäftigen. Im Online-Lernen und im Kontext von
Online-Seminaren spielen Videos eine Rolle. Zu wissen wie man
unterhaltsame Erklärvideos erstellen kann, ist für einen Online-Trainer wichtige Kompetenz.







Lean Coffee Prinzipien im Online-Seminar

Kennst Du die Methode Lean Coffee, eine der „modernen“ Moderationsformen in der agilen oder Start Up Szene, bei dem die Tagesordnung von den Teilnehmenden selbst gestaltet wird. Im Wesentlichen funktioniert es folgendermaßen: In der Einladung wird ein grundsätzliches Thema benannt, z.B. Mitarbeiterverpflegung. Lean Coffee ist ein geplantes Format für unstrukturierte Meetings ohne Agenda.

• Lean, weil es den Prinzipien des Lean Thinking (u.a. Verschwendung vermeiden, Lernen verstärken, Eigenverantwortung, das Ganze sehen

• Coffee, weil eine lockere, informelle Atmosphäre wie in einem Coffee-Shop erreicht werden soll

Bei einem Lean Coffee wird immer davon ausgegangen, dass immer die richtigen Leute anwesend sind, da nur diejenigen kommen, denen das grundsätzliche Thema wirklich wichtig ist.

Für Lean Coffee gibt es keine Zeitvorgaben oder -empfehlungen, üblich ist eine Dauer von 1 bis 1,5h.

Jeder Teilnehmer*in kann sein Thema, über das er bei diesem Meeting sprechen möchte, in 1-2 Sätzen erläutern. Jedes Thema eines Teilnehmenden wir dann auf eine Haftnotiz geschrieben und auf ein Whiteboard geklebt. Das Whiteboard hat drei Spalten:

• „zu diskutieren“: Hier werden alle Themen gesammelt, die besprochen werden sollen,

• „in Diskussion“: Hier wird das aktuell besprochene Thema angezeigt,

• „diskutiert“: Hier werden die Themen gesammelt, die bereits besprochen wurden.

Anschließend bekommt jeder 3 Klebepunkte und kann sein€ wichtigsten Themen priorisieren.

Am Ende startet man dann mit dem wichtigsten Thema und über jedes der Themen wird (mit Timer) 10-15 Minuten diskutiert, gebrainstormt, debattiert, wenn es kürzer dauert, kann man weniger wichtigen Themen diese Zeit „schenken“.

Nach der vereinbarten Themenzeit wir demokratisch mit Daumen hoch oder runter abgestimmt, ob das Thema sich erschöpft hat oder ob es eine Verlängerung geben soll. Dann kommt eben das nächste Thema dran und das nächste. So hat man in relativ kurzer Zeit effektive Ergebnisse und die beteiligten Menschen fühlen sich mit verantwortlich. Sicher kann man das als reine Meeting Methode auch Online durchführen, allerdings möchte ich Dir eine Methode nur angelehnt daran empfehlen, um bei einem Online-Seminar, bei dem Du die Gruppe und die Bedarfe sowie die Lernziele nicht gut kennst, Wir hatten das Thema ja letzte Woche in meinem Blogartikel

Für die Umsetzung in der Online-Seminar-Welt nennen wir diese Methode:

Frag mich was Leichteres!

Wichtig für diese Form der Bedarfsermittlung ist, dass Du Deine Teilnehmer*innen per E-Mail erreichen kannst. Die Methode eignet sich auch für größere Gruppen.

Du sendest ca. 2-3 Wochen vor dem Seminarstart eine E-Mail an die Teilnehmer*innen, in der Du darum bittest, mindestens eine und max. fünf Fragen zu stellen, auf die sie gerne in Deinem Online-Training eine Antwort hätten. Gib auf jeden Fall eine Rücksendefrist an. Du kannst für diese Art von Umfrage, google oder Microsoft forms nutzen oder auch das Tool Typeforms.

Sammele alle Antworten und sende dann die komplette Liste an die Teilnehmer*innen, mit der bitte, die drei wichtigsten Fragen zu identifizieren und ein Ranking zu bilden. Damit hast Du die wichtigsten Fragen der Teilnehmenden vorab identifiziert.

Zu Beginn des Online-Seminars kannst Du dann die drei oder fünf wichtigsten Fragen aufgreifen und hast so einen Einstieg in das Thema, welches sich an den Bedürfnissen der Teilnehmer*innen orientiert.

Eine sehr einfach durchzuführende Methode, die natürlich auch für Deine Präsenzseminare geeignet ist, um den Teilnehmer*innen das Gefühl zu geben, das ihre Interessen auch zählen. So hast Du in der Regel schon einmal einen positiven Start.

Ich teile meine Vorstellung

Ich bin ja ein Freund von, by the Way lernen. Deshalb gefällt mir die nachfolgende Methode für die Vorstellung besonders gut. Damit können sich Teilnehmer*innen vorab schon mit sich selbst und dem Thema Präsentation beschäftigen. Diese Methode eignet sich besonders, wenn die Teilnehmer sich besser kennenlernen sollen, weil sie länger zusammenarbeiten. Hierbei wird zusätzlich das Teilen von Dokumenten geübt und Sicherheit beim Umgang mit der technischen Plattform erlangt.

Das Onboarding, das Kennenlernen darf im Online-Seminar insbesondere dann Zeit in Anspruch nehmen, wenn Du ein offenes Seminar hältst, bei dem sich die Teilnehmer*innen gar nicht kennen.

Die Gruppengröße sollte 10 Personen nicht überschreiten, da die Gruppe sonst abschweift. Jede Teilnehmerin jeder Teilnehmer erhält per E-Mail die Aufgabe, ein Dokument, eine Folie, eine Zeichnung mitzubringen, auf der sich eine persönliche Vorstellung befindet. Die Teilnehmer*innen teilen dann per Bildschirm ihre Vorstellung mit den anderen Teilnehmenden.

Wichtig ist, dass die anderen Teilnehmer*innen jedem Präsentierenden ein Feedback schenken sollen. Auch hier kann man die Feedback-Regeln informell mit einplanen.

Feedback kann z, B. in Form einer Umfrage gemacht werden. Was hat mir am Layout besonders gut gefallen? Was ist mir im Gedächtnis geblieben? Bei wem hast Du das Gefühl, Du kennst ihn jetzt schon besser? Wo waren Unterschiede, wo Gemeinsamkeiten? Welch Präsentation fand ich spannend?

Als Trainer*in muss ich vor allem darauf achten, dass alle Teilnehmer erstes einmal etwas Positives gesagt bekommen und zum Schluss vielleicht noch einen besonderen Tipp vom Trainer/in für die Präsentation. Vielleicht Stimme, Blick in die Kamera oder Ähnliches.

Ein kleiner Energizer

Für Online-Seminare braucht man mehr Pausen und auf jeden Fall Übungen, die die Teilnehmenden in Bewegung bringen. Ich mag zum Beispiel Vorstellungen, bei denen die Teilnehmenden einen Gegenstand zur Kamera holen sollen, der sie am besten präsentiert.

Achte darauf, dass Teilnehmende sich bewegen, sich recken und laut gähnen. Mit Geräuschen! Gemeinsames Lachen sind wichtige Energielieferanten. Halte die Teilnehmenden an zu trinken.

Für Dich selbst gilt das genauso. Achte darauf, dass Du zwischendurch aufstehst, herumgehst. Ich habe deshalb ja schon längere Seminare wieder im Stehen gemacht, weil ich das, aus meiner Sicht unkreative Sitzen schon im Präsenzseminar nicht leiden mag. Bewege Dich so viel wie möglich.

Das letzte Wort haben

Zwei Gruppen einteilen, die Teilnehmenden sollen sich das merken, da es keine Gruppenräume gibt. Du kannst vorab Gruppen festlegen, indem Du z.B. Farben verteilst. Dann gibt man ein Thema aus dem Online-Seminar vor. Beide Gruppen sollen nun möglichst schnell möglichst viele Begriffe aus diesem Thema nennen. Für jede Gruppe antwortet ein Teilnehmender als Sprecher*in, der vorab von der Gruppe ausgelost wird. Gewonnen hat die Gruppe, die zuletzt ein passendes Wort findet. Das Spiel eignet sich gut, wenn ein Kreativitätsschub nötig ist oder als Abschluss für ein Thema. Ich nutze es auch als Wiederholung für den Beginn eines neuen Seminartages.

Wenn Du jetzt Lust hast, Deine perfekten und super geplanten Präsenz-Seminare in teilnehmeraktivierende Online-Seminare zu transformieren, dann sei dabei wenn am 21.9.2020 mein kostenfreier 5 Tage Kompakt-Workshop für Online-Seminare startet.

5 Aufgaben zu 5 praktischen Tools und Arbeitsweisen … immer mit Tutorials und Reflexion. Mit Live-Videos die Deine praktische Anwendung begleiten. Kolleginnen und Kollegen in der Lerngruppe mit denen Du Dich austauschen kannst.

Sichere Dir jetzt schon Deinen Platz um Deinen Online-Methodenkoffer mit wirkungsvollen Methoden zu füllen, die Deine Teilnehmer*innen zur Mitarbeit aktivieren.

Hier geht es direkt zur Anmeldung

.https://andrea-schauf.com/workshop-methodenkoffer-fuer-online-seminare/