Pädagogisches Grundwissen – Wie viel brauchst Du als Trainer*in?

Wenn man sich in der Erwachsenenbildung bewegt, wird man schnell eines feststellen: Viele der Trainer*innen, Coaches und Dozent*innen haben ihren Weg in die Lehre über einige Umwege gefunden.

Insbesondere freiberufliche Trainer*innen haben oft ihre Bestimmung über die eigene Praxis gefunden und geben im nächsten Schritt ihr Wissen in ihren Trainings und Seminaren weiter.

Was Du auch feststellen wirst: Diese Trainer*innen haben Jahre oder Jahrzehnte an praktischer Erfahrung, die ihre heutige Arbeit so wertvoll machen.

Anders als in klassischer Schul- oder Hochschulbildung ist oft kein bestimmter pädagogischer Abschluss erforderlich, um als Trainer*in erfolgreich zu sein.

Ist es also für Trainer*innen überhaupt notwendig, einen anerkannten Berufsabschluss in der Tasche zu haben? Bringt es Dir als Lernbegleiter*in überhaupt einen echten Vorteil, wenn Du Dich in pädagogisch-didaktischem Grundwissen weiterbildest?

Praxis macht weise

Wir sprechen hier oft über die Wichtigkeit von Handlungskompetenz. Das gilt für Deine Lernenden, aber natürlich auch für Dich als Trainer*in.

Wenn Du seit vielen Jahren Berufspraxis gesammelt hast, hast Du sicherlich auch ein ganzes Füllhorn an Wissen über Lernprozesse erlangt. Erfolgreiche Trainer*innen zeichnen sich auch selbst immer durch das Streben nach lebenslangem Lernen aus und entwickeln ihre Seminare kontinuierlich weiter.

Du bist als erfahrene*r Trainer*in ziemlich sicher auch ein Mensch, der besonders gut aus praktischen Erfahrungen lernt und sie analysiert. Denn es ist unwahrscheinlich, dass Deine Seminare einfach so von Anfang an perfekt funktioniert haben.

Ein wichtiges Element aus der Praxis ist außerdem das Feedback von echten Teilnehmer*innen. Ein theoretischer Leitfaden ist immer nur so gut wie das Feedback der Lernenden. Und sicherlich hast Du schon auf Basis von Rückmeldungen Deiner Lerngruppen Deine Methoden angepasst.

Was kann eine Fortbildung für Dich tun?

Wenn Du Dir Dein pädagogisches Wissen autodidaktisch oder rein praktisch angeeignet hast, weißt Du sicherlich eines: Es ist ziemlich zeitaufwendig. Dir alle Informationen selbst zusammenzusuchen, kann anstrengend und langwierig sein. Zudem bleibt immer die Frage, wie gut die gefundenen Informationen in der Praxis wirklich sein werden.

Außerdem: Wenn Du gerade erst anfängst und vielleicht eher planlos Methoden und Tools zusammenfügst, leiden eventuell Deine Teilnehmer*innen als „Versuchskaninchen“. Sie geben Dir dann wertvolles Feedback und Du kannst Dich weiterentwickeln, aber Deine ersten Seminare haben vielleicht weniger Qualität.

Aber wenn Du Deine Seminare direkt mit einem pädagogischen Hintergrund aufbaust, kannst Du viel Versuch und Irrtum vermeiden. In einer Fortbildung bauen die Informationen genau aufeinander auf und geben Dir ein stimmiges Gesamtkonzept statt eines Flickenteppichs.

Abgesehen davon, dass wir hier ganz genau wissen, dass kompetente Trainer*innen nicht zwingend einen bestimmten Abschluss brauchen, gibt es durchaus einige Auftraggeber*innen, die darauf Wert legen könnten. Das heißt, Du kannst Dir mit Hilfe eines Berufsabschlusses neue Zielgruppen erschließen.

Manchmal haben Erwachsene große Bedenken, in einem gewissen Alter noch eine strukturierte Weiterbildung anzugehen. Sie glauben nicht mehr, dass theoretisches Wissen wirklich Wert für sie haben kann.

Dazu sind zwei Dinge anzumerken: Eine gute Fortbildung sollte immer auf das besagte Handlungswissen ausgerichtet sein. Eine qualitative Weiterbildung orientiert sich an Berufspraxis und hilft Dir bei der konkreten Verbesserung Deiner Seminare.

Zweitens muss man manchmal selbst als Praktiker*in in den sauren Apfel der Theorie beißen, um praktische Erfolge möglich zu machen. Denn pädagogisches Grundwissen kann Dir ganz neue Einsichten geben.

Welches Grundwissen ist besonders hilfreich?

Den praktischen Nutzen von theoretischem Basiswissen können wir also nicht abstreiten. Aber welches Wissen ist für Dich als Dozent*in oder Trainer*in besonders essentiell?

1. Lernpsychologie

Du kannst den Lernenden immer nur bis vor die Stirn gucken. Mit Hilfe von lernpsychologischem Wissen kannst Du ganz genau verstehen, wie der Lernprozess funktioniert und Deine Lernbegleitung daran ausrichten.

Dazu zählt auch der methodische Einsatz von Lernmedien und Lernmitteln und wie diese am besten wirken.

Als Lernprozessbegleiter*in kannst Du Deine Lernenden individuell angemessen unterstützen und zum selbstständigen Lernen ermutigen. Denn als Lernbegleiter*in sollst Du schließlich nicht nur stumpf Input vermitteln, sondern Deinen Lernenden zeigen, wie sie ein Lernziel erreichen.

Dieses Wissen wird Dir auch besonders dann helfen, wenn einzelne Lernende auf Schwierigkeiten stoßen und Deine Begleitung besonders benötigen.

2. On- und Offline Lernprozesse

Mittlerweile geht an vielen Bildungsstätten und in Unternehmen nichts mehr ohne Online-Angebote. Und auch wenn das Präsenz-Lernen nicht in der nahen Zukunft gänzlich verschwinden wird, wird die Online-Sphäre sicherlich immer wichtiger werden.

Daher ist es für Dich als Pädagog*in auch wichtig, dass Du (digitale) Lernprozesse verstehst und einen erfolgreichen Lernweg vorzeichnen kannst – sowohl on- als auch offline. Das ist ganz schön viel verlangt, aber dieses Wissen kann Dir viele neue Zielgruppen und Auftraggeber*innen erschließen.

Zudem kannst Du mit dem Wissen über beide Lernprozesse auch eine kompetente Verbindung in etwa einem hybriden Setting aufbauen.

3. Verzahnung von Aus- und Weiterbildung

Hast Du vielleicht einen Ausbildereignungsschein? Dann hast Du bereits grundlegende Erfahrung damit, wie sich ein Ausbildungsprozess gestalten sollte. Der Weiterbildungsprozess für Erwachsene ist sicherlich in einigen Faktoren ähnlich und beide werden in der Praxis immer mehr verzahnt.

Ein wichtiger Wissensbestand beschäftigt sich also damit, wie Du den jeweiligen Kompetenzbedarf eines Betriebs oder Berufes in einen Lernprozess umsetzt. Aus- und Weiterbildungen orientieren sich idealerweise stark an den realen Arbeitsabläufen und erzeugen Handlungskompetenzen.

Daher ist hier auch besonders Wissen über Lerntransfer von Nöten. Denn Transferschwierigkeiten, also die mangelnde Überführung des Wissens an den Arbeitsplatz, ist ein großes Manko von ineffektiven Weiterbildungen.

4. Planungsprozesse

Wir haben schon herausgestellt, wie wichtig und lehrreich praktische Erfahrung als Lehrende*r ist. Gerade die methodische Planung einer längerfristigen Weiterbildung erfordert aber besonders viel strategisches Vorgehen.

Eine effektiv aufgebaute Weiterbildung zu erstellen, erfordert durchaus pädagogisches Wissen. Hinzu kommt, dass es Prozesse für Evaluation und Qualitätsmanagement geben muss. Denn diese Aspekte machst Du in der Praxis häufig eher ungesteuert oder einfach zu wenig.

Zu Planungsprozessen zählt auch die adäquate Planung und Durchführung von Prüfungen. Diese sind vielleicht nicht in allen Fällen nötig, aber die Prinzipien lassen sich auch auf Tests zur reinen Wiederholung anwenden.

Fazit

Viele Dozent*innen und Trainer*innen halten tolle und effektive Veranstaltungen ab, auch wenn sie als Quereinsteiger*innen zum Beruf gekommen sind. Es gibt nie den einen richtigen Weg, auf dem Menschen zu erfolgreichen Trainer*innen werden.

Eine strukturierte Weiterbildung kann Dir dennoch viele neue Perspektiven und Aufstiegsmöglichkeiten eröffnen. Denn Du bekommst einfach viel erprobtes Wissen an einer Stelle strukturiert vermittelt.

Das spart Dir Zeit und Nerven und bringt Dich außerdem noch mit anderen Pädagog*innen zusammen, die den Weg mit Dir gemeinsam gehen. Denn vor allem als Freiberufler*in ist man so oft Einzelkämpfer*in und vermisst oft den regelmäßigen, wertvollen Austausch mit Gleichgesinnten. In einer Weiterbildung knüpfst Du also Kontakte und eignest Dir im Verband neues Wissen an, dass Dir zukünftig beim noch fundierteren Aufbau Deiner Seminare helfen wird.

Du bist interessiert an einer Aufstiegsfortbildung, die Dich mit neuer Handlungskompetenz und wertvollem pädagogischem Wissen ausstattet?

Dann können wir Dir den Masterkurs zum/zur IHK-geprüften Berufspädagogen/in empfehlen. Es ist die Fortbildung, die Andrea selbst absolviert hat und seit einigen Jahren ebenfalls als Lernbegleiterin und Prüferin begleitet.

Du kannst hier weitere Informationen zum Abschluss finden oder Dir das kostenlose Info-Paket herunterladen. Am Dienstag den 02.11.2021 findet ebenfalls ein weiterer Live Infoabend statt, an dem Du mit Andrea und verschiedenen Absolvent*innen sprechen kannst.

Die verschiedenen Sozialformen – Wie Du sie effektiv einsetzt

Ein Seminar wird oft durch die verschiedenen Input- und Arbeitsphasen strukturiert. Grundsätzlich unterschieden wir hier zwischen 4 Sozialformen: Plenum (Input), Partnerarbeit, Gruppenarbeit und Einzelarbeit.

Mit der gewählten Sozialform gibst Du den Rahmen für die jeweilige Arbeitsphase vor. Die Sozialform löst bestimmte Verhaltensweisen und gruppendynamische Prozesse aus, die Du methodisch nutzen kannst. Eine Sozialform bringt Deine Teilnehmer*innen in eine gewünschte Kooperations-Situation und initiiert bestimmte Handlungsmuster.

Wahrscheinlich wendest Du die verschiedenen Sozialformen schon regelmäßig an – aber vielleicht noch ohne System. Daher schauen wir uns hier an, für welche konkreten Anwendungskontexte die unterschiedlichen Sozialformen sich eignen.

Grundsätzlich gilt: Teilnehmer*innen sind verschieden und sprechen auf Methoden und Sozialformen unterschiedlich an. Daher empfiehlt sich immer, eine Variation an Sozialformen einzusetzen, um alle besser in den Lernprozess einzubinden.

1. Plenum

Bei einem Plenum stehst Du als Lehrende*r mit Deinem Input im Vordergrund. Plenum wird manchmal auch „Frontalunterricht“ genannt, aber die meisten Menschen haben zu diesem Begriff mittlerweile schlechte Assoziationen, da es die Gruppe praktisch ausblendet.

Dabei ist die Gruppe selbst und die einzelnen Lernenden im Plenum ein nicht zu vernachlässigender Teil der Dynamik. Auch im Plenum solltest Du darauf achten, nicht an Deinen Teilnehmer*innen vorbei zu präsentieren und ihnen Raum für Fragen und Reflexion einzuräumen.

Ein Input selbst sollte immer strukturiert und am besten auch visuell angereichert sein. Halte Dich im Zweifel immer lieber kurz und teile längere Einheiten auf verschiedene Plenumsphasen auf, die mit anderen Sozialformen verwoben sind.

Stärkere Aspekte:

  • Vermittlung von wichtigem Basiswissen durch Expert*in
  • Gute Steuerung des Ablaufs möglich

Schwächere Aspekte:

  • Hoher Redeanteil der Lernbegleiter*innen bedeutet oft wenig Interaktion
  • Kann Konzentration und Aufmerksamkeit schnell abbauen

2. Einzelarbeit

Einzelarbeit bietet sich immer dann an, wenn Lernende sich einen Inhalt wirklich selbstständig erarbeiten sollen. In Einzelarbeit muss jeder für sich arbeiten und daher können sich einzelne Lernende nicht hinter einer Gruppe „verstecken“ und abschalten.

Einzelarbeit kannst Du auch zur Aufteilung von Arbeit nutzen, wenn sich eine kooperative Arbeit weniger anbietet.

Stärkere Aspekte:

  • Konzentriertes Arbeiten ohne größere Ablenkungen möglich
  • Gibt introvertierteren Teilnehmer*innen Raum, sich mit Inhalten auseinanderzusetzen
  • Fördert Selbstständigkeit und Verantwortung

Schwächere Aspekte:

  • Gibt sozialen Lerntypen keine Möglichkeit zur Diskussion
  • Eher reine Rezeption statt Reflexion
  • Kann lernschwächere Teilnehmende überfordern und demotivieren

3. Partnerarbeit

Partnerarbeit umfasst Kleingruppen aus genau 2 Mitgliedern. Für Partnerarbeiten bieten sich auch immer langfristigere Lern-Partnerschaften an, um individuelle gegenseitige Unterstützung zu fördern.

Bei der Zusammensetzung kannst Du entweder bewusst leistungshomogene Gruppen bilden, um unter den Gruppen keine Frustration auszulösen oder leistungsheterogene Gruppen einsetzen, um individuell zu fördern.

Stärkere Aspekte:

  • Mehr Beteiligung des Einzelnen als in Gruppen
  • Die Kleingruppen lernen sich untereinander besser kennen als in größeren Verbänden (kann bei bestimmten Inhalten sehr von Vorteil sein, wenn auf Vertrauen aufgebaut wird)

Schwächere Aspekte:

  • Partner musst Du vielleicht sorgfältiger auswählen als Gruppen, um gutes Arbeiten zu ermöglichen

4. Gruppenarbeit

Gruppenarbeiten sind vom Prinzip den Partnerarbeiten sehr ähnlich, umfassen aber mehr Mitglieder. Auch Gruppen können über einen längeren Zeitraum gebildet werden. Trotzdem solltest Du aber auch auf eine regelmäßige Durchmischung an anderer Stelle achten, um die Gesamtgruppe zu stärken.

Partner- und Gruppenarbeiten haben den zentralen Vorteil, dass mehrere inhaltliche Bereiche parallel bearbeitet werden können und so innerhalb derselben Zeit eine höhere Inhaltsdichte erzeugt werden kann. Beide fördern außerdem kooperative und kommunikative Fähigkeiten.

Die Gruppengröße sollte dabei in den meisten Fällen 3-5 nicht übersteigen, da ansonsten die Beteiligung der Einzelnen sehr oberflächlich werden kann. Idealerweise sollten Gruppenaufgaben so konzipiert sein, dass jedes Mitglied einen Beitrag leisten muss. Das kannst Du beispielsweise erreichen, indem jedes Gruppenmitglied einen separaten Text- oder Videoteil zugewiesen bekommt.

Stärkere Aspekte:

  • Fördert breitere gruppendynamische Prozesse, die insbesondere Online sehr wichtig sind
  • Interaktion und Reflexion des Inhalts festigt das Wissen
  • Erlaubt auch immer wieder mehr informellen Austausch

Schwächere Aspekte:

  • Stillere (oder unmotivierte) Lernende können sich leichter hinter einer Gruppe oder einzelnen leistungsstärkeren Lernenden „verstecken“
  • Das kann eventuell auch die ursprünglich motivierten Mitglieder auf Dauer runterziehen

Sozialformen kombinieren

Welche Sozialform Du auch einsetzt, ein paar Voraussetzungen sollten immer gegeben sein: Die Aufgabenstellung, Koordination und mögliche Ergebnispräsentation sollten von Anfang an deutlich sein. Insbesondere wenn Gruppenarbeiten oder Projekte bewertet/benotet werden, solltest Du auf besondere Klarheit achten.

Bei komplexen Gegenständen kannst Du auch immer mehrstufige Methoden einsetzen, die mehrere Sozialformen verbinden. Du kannst beispielsweise erst einzelne Teilbereiche in Einzelarbeit erarbeiten lassen und diese Arbeit dann in einer längeren Gruppenarbeit zusammenfügen lassen.

Die Kombination der Sozialformen hat den Vorzug, dass die potentiellen Nachteile aufgewogen werden können. Indem der Inhalt in verschiedenen Phasen erschlossen wird, bekommen die Lernenden außerdem ausreichend Zeit, um das Wissen zu verinnerlichen und sich zu beteiligen. Zudem werden so alle Schlüsselkompetenzen der verschiedenen Formen gefördert.

Eine sehr effektive Kombinationsmethode ist beispielsweise das Gruppenpuzzle. Es vereinigt Einzel- und Gruppenarbeit mit einem abschließenden Plenum. Diese Methode besteht grundsätzlich aus vier verschiedenen Phasen:

1. Selbstständiges Arbeiten (in der Stammgruppe)

Zunächst einmal werden Stammgruppen gebildet und jedem Gruppenmitglied wird ein Unterthema des Inhalts zugewiesen. Du kannst praktisch jedem Mitglied eine Zahl von etwa 1-5 geben zur späteren Identifizierung.

In dieser ersten Phase bearbeitet jeder Lernende dann seinen/ihren Teil des Oberthemas in Einzelarbeit.

2. Austausch in Expertengruppen

In Phase 2 treffen sich alle Lernenden mit demselben Unterthema in Expertengruppen (also z.B. alle Teilnehmer*innen mit der Nummer 2 in einer Gruppe).

In dieser zweiten Gruppenphase können sich die „Expert*innen“ mit Lernenden austauschen, die dasselbe Thema bearbeitet haben. So kannst Du Missverständnisse ausräumen und eine weitere Reflexion durch den Austausch anregen.

3. Rückkehr in die Stammgruppe

Im Anschluss kehren die jeweiligen Expert*innen in ihre ursprünglichen Gruppen zurück und jeder stellt sein/ihr Unterthema den anderen vor, um am Ende ein Gesamtbild zusammenzufügen. Hier kannst Du auch eine Ergebnissicherung anfertigen lassen.

4. Abschlussdiskussion & Evaluation

Zu guter Letzt kommen alle im Plenum zusammen und reflektieren den Prozess und klären eventuell offene Fragen.

Nach einer so umfangreichen Methode sollte auf jeden Fall auch immer ein Feedback oder eine Evaluation erfolgen. Das ist auch wertvoll für Dich, um in Zukunft vielleicht noch einige Stellschrauben im Ablauf anzupassen.

Theoretische Themen lebendiger vermitteln – Tipps & Methoden

Viele Trainer*innen und Dozent*innen müssen regelmäßig sehr theoretische Inhalte vermitteln.

Okay, sagen wir ruhig einfach „trocken“. Denn vermutlich würden die wenigsten Menschen Gesetzestexte als lebendig bezeichnen.

Dabei ist theoretischer Background oftmals unerlässlich oder sogar Teil eines verbindlichen Curriculums oder Prüfungswissen.

Das heißt: Gewisse Zahlen und Fakten müssen einfach vermittelt werden und es führt kein Weg daran vorbei.

Dennoch gibt es Möglichkeiten, um auch theorielastige Einheiten mehr anzureichern. Auf diese Weise hältst Du nicht nur die Aufmerksamkeit Deiner Teilnehmer*innen über längere Einheiten aufrecht, sondern verankerst dieses Wissen auch noch langfristiger.

Denn es geht nicht darum, einem Thema die Ernsthaftigkeit zu nehmen, sondern für Deine Teilnehmer*innen einen besseren Zugang zu öffnen.

Deinen persönlichen Bezug finden

Als Trainer*in oder Dozent*in bist Du bei theoretischen Themen oftmals vornehmlich Input-Geber*in. Dabei kannst Du dieses Wissen sogar noch effektiver vermitteln, wenn Deine Teilnehmer*innen Dich weniger als neutrale Vermittlungsinstanz wahrnehmen.

Was hat Dich ursprünglich zu Deinem Thema gebracht? Was begeistert Dich auch heute noch daran?

Wenn Du theoretisches Wissen in einen persönlichen Bezug bringst, steigerst Du die Motivation sich dieses Wissen anzueignen.

Perspektive wechseln

Manchmal sehen wir Inhalte einfach zu sehr als unveränderliche Fakten. Wenn Du möchtest, dass Deine Lernenden wirklich interessiert sind, musst Du ihre Perspektive einnehmen.

Was ist der konkrete Nutzen dieses Wissens? Wie werden sie es in Zukunft konkret anwenden können?

Je konkreter und persönlicher die Anwendungszenarien sind, desto plastischer wird der Lerngegenstand. Dabei solltest Du auch immer Deine Zielgruppe bedenken und was für sie im Berufsalltag wirklich wichtig ist.

Du erinnerst Dich sicher noch an den fortgeschrittenen Mathematik-Unterricht, bei dem sich die Schüler*innen ständig gefragt haben, wozu sie das überhaupt lernen sollen. Und zugegeben können sich die meisten Erwachsenen wohl nicht daran erinnern, wann sie das letzte Mal bewusst den Satz des Pythagoras angewandt haben.

Das Gefühl des fehlenden Praxisbezugs kann also ein Motivationskiller sein. Daher ist es so wichtig, dass Deine Teilnehmer*innen den konkreten Nutzen Deiner Inhalte immer vor Augen haben.

Das Wissen, das Du vermittelst, kann für Deine Teilnehmer*innen eine Lösung für reale Probleme sein. Dein Wissen kann ein Geschenk sein, das Du Deiner Lerngruppe gibst. So fühlen sich selbst Zahlen und Fakten weniger wie eine Pflichtübung an.

Finde die Geschichte

Storytelling wird immer mehr zum pädagogischen Trend. Und das nicht ohne Grund, denn Kontextualisierung ist neurologisch wirklich effektiv. Wir merken uns Geschichten wesentlich leichter als isolierte Fakten. Daher ist ein übergeordneter Zusammenhang Deinem Gegenstand immer dienlich.

Finde den roten Faden in Deinen Lerninhalten und ordne die theoretischen Inhalte in eine größere Geschichte ein.

Dieser Ansatz lässt sich auch immer gut mit dem ersten Tipp verbinden, denn wenn die erzählte Geschichte auch noch auf persönlichen Erlebnissen beruht, ist sie doppelt effektiv.

Wenn Du Probleme hast, eine wirksame Geschichte zu finden, stelle die Fragen, die wir in den ersten zwei Tipps aufgestellt haben. Denn sie zielen immer darauf ab, dass Du den wahren Nutzen Deines Lerngegenstandes herausstellst.

Weniger Blocken

Teilst Du Deine Inhalte in vorgeschaltete Theorie und im Anschluss kommt die Anwendung? Das ist schließlich eine übliche Vorgehensweise, da wir denken die Inhalte können nur so logisch aufeinander aufbauen.

Doch Du merkst immer häufiger, dass die Lernenden Dir direkt zu Anfang aussteigen und sich überfordert fühlen?

Dann probiere vielleicht einmal, diese Struktur aufzubrechen. Indem Du eher theoretische und mehr praktische Einheiten abwechselnd einsetzt, fühlen sich beide Teile weniger separiert an.

Entgegen althergebrachter Pädagogik kannst Du sogar mit einer einfachen praktischen Übung beginnen, um den Praxisbezug von Anfang an deutlich zu machen. Gleichzeitig hilft die Verzahnung von Theorie und Anwendung dabei, den praktischen Nutzen über das gesamte Seminar noch besser zu erkennen.

Insgesamt gilt auch, dass die einzelnen Einheiten (insbesondere Online!) oftmals kürzer und knackiger sein könnten. Je besser Du einen komplexen Inhalt aufbrichst, desto weniger fühlen sich die Lernenden überfordert. Gleichzeitig können visuelle Hilfen Deinen Lernenden mehr Ankerpunkte bieten als etwa ein reiner Text. Grundsätzlich gilt für theoretische Gegenstände immer: Anschaulichkeit und Verständlichkeit. Für mehr Tipps bezüglich anschaulicher Lernmaterialien, kannst Du beispielsweise diesen Artikel lesen.

Die Gruppe nutzen

Die Lerngruppe an sich sollte auch bei theorielastigen Themen methodisch eingebunden werden. Eine längere Input-Phase sollte meistens mit einer Gruppenarbeit verbunden werden, bei der das neue Wissen häppchenweise reflektiert werden kann.

Das Diskutieren und Hinterfragen der Theorie füllt sie mit deutlich mehr Leben als reine Rezeption. Indem sich die Teilnehmer*innen über den Inhalt austauschen und ihn sich gegenseitig erklären, können sie ihr Wissen besser überprüfen. So werden auch Unklarheiten deutlich, auf die Du später erneut eingehen solltest.

Denn Du kennst es vermutlich: Wenn Du einfach nur nachhakst, ob es Fragen gibt, kommt meistens nicht viel. Das heißt nicht einmal unbedingt, dass alles verständlich war. Sondern vielmehr, dass die Lernenden noch keine Zeit hatten, sich richtig mit den Inhalten zu befassen.

Eine interaktive Gruppenarbeit kann den Teilnehmer*innen daher genau diese wichtige Zeit geben und das Wissen besser festigen. Zeit ist allgemein immer ein Faktor, der Trainer*innen im Nacken sitzt. Aber es lohnt sich wirklich, Dir für die angemessene Anwendung der theoretischen Teile zu nehmen – Deine Lernenden werden es Dir auf jeden Fall danken.

Wenn Du immer noch das Gefühl hast, dass Du Deine Lerngruppe nicht angemessen motivieren kannst, bietet sich vielleicht ein Gamification-Ansatz an. Mit einem spielerischen Belohnungssystem oder Team-Spielen lassen sich Gruppen oftmals natürlich motivieren.

Mehr Infos zu Gamification findest Du in unserem Artikel zum Thema.

Methoden für Gruppenarbeiten

Zwei verwandte methodische Ansätze, die sich gut für die Aufarbeitung theoretischer Konzepte eignen sind Rollen- und Planspiele.

Beide sollen reale Situationen simulieren und erfordern von Deinen Teilnehmer*innen Reflexion und Transfer des Gelernten. Auf diese Weise holst Du Deine theoretischen Konzepte in die Realität und gibst Deinen Teilnehmer*innen ganz plastische Anwendungskontexte.

Rollenspiele beziehen sich normalerweise auf eine einzelne, konkrete Situation. Ein Rollenspiel kannst Du beispielsweise auch in Form einer Diskussion durchführen, bei der die Lerngruppe in Pro- und Contra-Gruppen eingeteilt ist. Denn Rollenspiele befassen sich oft auch mit der Identifikation mit verschiedenen Rollen und der eigenen Interpretation dieser. So kann sich der Gegenstand besonders echt und persönlich anfühlen.

Planspiele sind dabei meistens etwas differenzierter und erstrecken sich über mehrere Runden. Nach jeder Teiletappe wird ein weiteres Ziel oder eine zusätzliche Information in die Gruppen gegeben, das sie in der nächsten Phase erreichen müssen. Besonders interessant (und anspruchsvoll) gestaltest Du ein Planspiel, wenn Du nach einer Phase einen Störfaktor einbaust, der eine reflektierte Änderung der Planung erfordert.

Da ein gutes Planspiel also natürlich genügend Zeit erfordert, eignet sich auch gut als eine Art Abschlussprojekt am Ende Deines Seminars.

So erstellst Du ein gutes Quiz

Falls das Wort Quiz bei Dir direkt die Assoziation „Prüfung“ hervorruft – keine Sorge!

Ein Quiz legt viel größeren Wert auf eine spielerische Wissensabfrage, die vor allem auch zur Selbsteinschätzung und Wiederholung dient.

Daher kannst Du Quizze auch in jedem Format einsetzen, selbst wenn Dein Seminar überhaupt keine Unterscheidung zwischen bestanden/nicht bestanden umfasst.

Denn das ist der feine Unterschied zwischen einem Quiz und einer Prüfung. Eine Prüfung kann nicht bestanden werden und hat dadurch eine ganz andere Wirkung.

Falls Dein Seminar mit einer verbindlichen Prüfung abschließt, kannst Du mit Hilfe regelmäßiger Quizze sogar die Angst vor der finalen Prüfung abbauen!

Durch die periodische Wissensüberprüfung festigt sich gleichzeitig auch noch das neue Wissen, da ein gutes Quiz immer auch auf Anwendungswissen abzielt. Dazu gleich etwas mehr.

Ein Quiz kann ebenfalls effektiv als Gamification-Einheit eingebunden werden und bei Bedarf auch in Teams gespielt werden.

Die Basics: Fragetypen

Falls Du Dich bereits mal mit Quizzen oder Umfragen beschäftigt hast, kennst Du sicherlich die verschiedenen Fragetypen. Wir zeigen hier kurz die 4 wichtigsten und klären, wie Du die einzelnen Fragetypen am besten einsetzt:

1. Freitext-Fragen

Diese Frageform ist für offene Fragen geeignet. Hier können die Teilnehmer*innen ihre Antworten selbst formulieren und auch mehr ins Detail gehen. Freitext-Fragen bieten sich also vor allem auch für Transferfragen an, da sie frei gestellt sind.

Mit diesem Fragetyp können auch die Lernenden am besten ihren eigenen Wissensstand überprüfen, da sie hier wirklich übertragen müssen.

Freie Fragen eignen sich auch besonders für Umfragen oder eine Feedback-Abfrage.

Für die Lernbegleiter*innen hat diese Frageform allerdings den Nachteil, dass solche Antworten einen größeren Aufwand bei der Auswertung erfordern – vor allem in großen Gruppen!

2. Multiple-Choice Fragen

Der Klassiker unter den Fragetypen. Hier werden Antwortmöglichkeiten vorgegeben und es kann eine oder mehrere richtige Optionen geben.

Dieser Fragetyp ist wesentlich geschlossener und gibt Lernenden auch die Möglichkeit, eher zu „raten“ als wirklich etwas zu wissen.

Multiple-Choice-Fragen sind in der Datenauswertung wesentlich einfacher und eignen sich gut auch für eine prozentuale Darstellung etc.

3. Skalen-Fragen

Dieser Fragetyp fragt Tendenzen ab. Dabei ist zu bedenken, dass der Mensch eine natürliche Tendenz zur Mitte hat. Du musst also gut überlegen, ob Du einen Mittelpunkt anbietest, oder lieber eine gerade Anzahl an Skalenpunkten anbietest – je nachdem ob für Deine Auswertung eine deutliche Tendenz wichtig ist.

4. Zuordnungs-Fragen

Dieser Fragetyp erfordert die Zuordnung von zusammengehörigen Aussagen oder Kategorien. Das lässt sich in Online-Quizzen besonders intuitiv umsetzen mit Hilfe von Drag&Drop Funktionen. Wenn Du diese Fragen anspruchsvoller gestalten möchtest, kannst Du auch überschüssige Antworten einbauen.

Fragen 1-3 erstellt mit Google Forms, Zuordnungsfrage über blink.it

Das macht ein gutes Quiz aus

Jetzt wo die Basics geklärt sind: Wie ordne ich diese Fragen in ein effektives Quiz ein?

  • Der richtige Schwierigkeitsgrad

Stelle durchaus anspruchsvolle Fragen, die aber trotzdem mit Hilfe des bis jetzt behandelten Wissens gut beantwortbar sind. Also am besten ein gesundes Mittelmaß, um Deine Lernenden nicht zu unterfordern, aber auch nicht zu demotivieren.

  • Ausblick geben

Mit den richtigen Fragestellungen kannst Du Deinen Teilnehmer*innen auch einen Ausblick auf die spannenden Anwendungsgebiete geben, die Dein Thema bietet.

Durch Transferfragen müssen sie außerdem wirklich ihre eigenen Überlegungen in die Beantwortung einbeziehen und ihr Wissen anwenden.

  • Variation

Seitenweise Multiple-Choice-Fragen sind eher stumpf und fördern nicht unbedingt eine aktive Auseinandersetzung mit der Thematik.

Also mache auf jeden Fall Gebrauch von verschiedenen Fragetypen und schaue auch welche Möglichkeiten Dein Quiz-Tool vielleicht noch bietet.

  • Auf das Wesentliche konzentrieren

Sorge dafür, dass Du Dich pro Frage auf einen begrenzten inhaltlichen Bereich beziehst. Teile gegebenenfalls komplexere Bereiche lieber auf mehrere Fragen auf. Durch abgeschlossene Teilbereiche können sich Deine Lernenden besser konzentrieren und die Informationen auch abspeichern.

  • Nicht im Dunkeln lassen

Wenn es auf Deine Fragen richtige oder falsche Antworten gibt, solltest Du auf jeden Fall immer die korrekte Antwort direkt auflösen. Ansonsten verfestigt sich schließlich nur das falsch abgespeicherte Wissen.

Quizze als Gruppenarbeit

1.

Zamyat Klein beschreibt beispielsweise eine Quiz-Methode, die Fragen unterschiedlicher Schwierigkeit zu verschiedenen Oberthemen abfragen kann. Sie empfiehlt die Umsetzung über geteilte PowerPoint-Folien, aber Du kannst diese Methode auch über ein Tool wie das Jamboard umsetzen:

Wie die Methode im Detail funktioniert, kannst Du hier in ihrem Artikel lesen.

2.

Ein weiteres Gruppenquiz umfasst gleich zwei Stufen, in denen sich die Teilnehmer*innen mit den Inhalten auseinandersetzen müssen:

Du bildest Kleingruppen und lässt die Gruppen in Breakout Rooms zu vorgegebenen Kategorien Fragen für die anderen formulieren – eine pro Gruppenmitglied.  Auch für diese Methode lassen sich Whiteboards wie das Jamboard sehr gut verwenden.

Du erstellst eine Punktetabelle und dann geht es los: Aus der ersten Gruppe stellt ein Mitglied eine Frage und die anderen Gruppen haben maximal eine Minute Zeit um eine Antwort zu geben.

Das erste Gruppenmitglied, das „buzzert“ (über Online-Plattformen wie Zoom kannst Du statt einem „Hier“-Ruf oder einem vorher gewählten Gruppennamen auch etwa die Hand-Heben Funktion nutzen), darf eine Antwort für seine Gruppe geben.

Befindet die fragegebende Gruppe die Antwort für richtig, bekommt die entsprechende Gruppe einen Punkt. Ist sie falsch, wird die Frage an die anderen Gruppen weitergegeben. Pro Runde darf natürlich nur ein*e Vertreter*in aus jeder Gruppe eine Antwort geben.

Let’s Quiz

Wenn Du Quizzes lieber als Wissensabfrage in Einzelarbeit verwenden möchtest, lässt sich das für jeden methodischen Zweck umsetzen.

Es gibt eine große Fülle an Online-Tools für verschiedene Quiz-Bedürfnisse. Daher wollen wir hier keine generische Empfehlung geben, aber ein paar Tools nennen, bei denen Du mit der Recherche anfangen kannst:

  • Mentimeter
  • Google Forms
  • Kahoot
  • Learning Snacks

Du kannst auch regelmäßige Umfragen als Unterform eines Quiz einsetzen, um Stimmungen und Feedback einzuholen. Umfragen befassen sich nicht unbedingt mit inhaltlichen Dingen, sondern eher mit dem Seminarablauf. So bleibst Du in Kontakt mit Deiner Lerngruppe!

3 Ideen für Gruppenarbeiten in allen Seminarformaten

Gruppenarbeitsphasen sind ein wichtiger Bestandteil eines jeden didaktischen Konzepts, das innerhalb einer Lerngruppe stattfindet.

Dabei können Gruppenarbeiten verschiedene Zwecke erfüllen:

Manche Methoden dienen der reinen Stärkung des Gruppenverbandes, andere dienen der praktischen Erarbeitung einer Aufgabenstellung.

Grundsätzlich fragst Du Dich als Lernbegleiter*in bei der Konzeption Deiner Methoden natürlich immer zunächst, welches Lernziel eine Methode erfüllen soll.

Das gilt sowohl Online als auch Offline: Die Methode muss dem Lernziel dienen.

Ein wichtiger Punkt bei der Erstellung von Gruppenarbeiten ist auch immer die Gruppengröße.

Bedenke, dass je größer die Kleingruppe wird, desto schwieriger kann die Koordination sein. Zudem bieten größere Gruppen immer die Gefahr, dass sich introvertierte Teilnehmer*innen wieder mehr zurückziehen.

Somit hast Du bei zu großen Teilgruppen wieder dasselbe Problem, das Du auch in der eigentlichen Gruppe hast.

Außerdem können die Teilnehmer*innen in Kleingruppen leichter Vertrauen aufbauen und kommunizieren.

Achte also darauf, dass die Gruppengröße möglichst alle einzelnen Lernenden zur Mitarbeit anregt.

Dabei sei eins noch gesagt:

Du kannst Gruppenarbeiten mit Online-Tools auch in Präsenz- und Hybrid-Konzepten einsetzen. Denn kollaborative Tools eignen sich auch ideal zur Ergänzung oder Auflockerung dieser Formate.

Breakout Rooms richtig nutzen

Mittlerweile bietet Dir wohl jede Konferenz-Software die Möglichkeit Deine Teilnehmenden in Gruppenräume einzuteilen.

Trotzdem scheuen sich einige Trainer*innen vielleicht immer noch vor der Nutzung – entweder aus Angst vor der technischen Koordination oder der mangelnden Übersicht über die Gruppe.

Wenn Dich die technische Seite noch unsicher macht, empfiehlt sich immer ein kurzer Testlauf mit Freund*innen oder Kolleg*innen, bei dem Du Funktionen ausprobieren kannst.

Hier einige Tipps für die effiziente Nutzung von Breakout-Rooms:

1. Teilnehmer*innen nicht vergessen

Gerade, wenn Du es mit Lernenden mit ausbaufähiger digitaler Kompetenz zu tun hast, solltest Du Deine Gruppe so viel wie möglich einbinden.

Die Idee des Testlaufs kannst Du in solchen Fällen auch ein weiteres Mal gemeinsam vor Kursstart mit der Gruppe umsetzen.

Moderiere die Funktion der Gruppenräume entsprechend deutlich an und erkläre den Ablauf. Dabei sollte die Anmoderation auch immer einen deutlichen Arbeitsauftrag beinhalten.

Am besten gibst Du den Auftrag auch immer in schriftlicher Form oder durch einen Link im Chat.

In Online-Formaten ist das insgesamt ein wichtiger Tipp: Kommunikation ist besonders essentiell!

Je mehr Du Deine Gruppe in Deinen Ablauf einbindest, desto besser behalten sie den Überblick und bleiben auch während kurzer Wartezeiten gedanklich bei Dir.

2. Das richtige Maß an Übersicht

Als Trainer*in kannst Du Dich auch regelmäßig in die verschiedenen Gruppenräume beamen.

Dabei solltest Du bedenken, dass Deine Anwesenheit aber auch immer die Gruppendynamik beeinflusst und den Flow stören kann.

In Online-Formaten sind gerade die Gruppenphasen mit die wichtigste Zeit des Seminars. Denn so haben Deine Teilnehmer*innen endlich ein wenig Zeit, um sich untereinander persönlicher kennenzulernen.

Denn der informelle Austausch kommt in Online-Seminaren manchmal doch zu kurz und somit werden die Gruppenarbeiten ein sehr zentraler Faktor.

Plane daher auch auf jeden Fall genug Zeit für die Gruppenarbeitsphasen ein, damit Du diesen Prozessen genug Raum gibst.

Wenn Du also nicht gerade etwas Organisatorisches klären musst, kannst Du die Kontrolle ruhig mal etwas abgeben.

3 Ideen für interessante Gruppenarbeiten

1. Eine Aufgabe, viele Ergebnisse

Ein typischer Ablauf ist ungefähr so: Alle gehen mit derselben Aufgabe in die Gruppenräume und im Anschluss werden die im Grunde ähnlichen Ergebnisse im Plenum vorgestellt.

Das ist eher uninspiriert, oder?

Auf diese Weise hören die Lernenden spätestens bei der zweiten Präsentation nicht mehr richtig zu. Und das kann man ihnen auch kaum verdenken.

Eine relativ simple Lösung kann bereits darin liegen, einfach jeder Gruppe ein eigenes Teilstück des Lerngegenstandes zuzuweisen, sodass es später bei den Präsentationen nicht zu viel Redundanz gibt.

Du kannst aber auch einmal Folgendes ausprobieren:

Du gibst eine Aufgabe und jede Gruppe muss ihre Ergebnisse anders aufbereiten.

Dabei gibt es verschiedene Möglichkeiten diese Idee umzusetzen. Du kannst beispielsweise jeder Gruppe ein eigenes Tool zuweisen, mit dem sie die Ergebnisse präsentieren.

Eine Gruppe nimmt ein Padlet, die nächste das Jamboard und so weiter.

Oder jede Gruppe bekommt eine andere Form der Aufbereitung zugewiesen: Eine Gruppe stellt die Ergebnisse in Form einer Geschichte vor, eine andere nur mit Bildern.

Die Vorteile liegen auf der Hand: Selbst, wenn sich die Ergebnisse inhaltlich überschneiden, bleiben sie durch die unterschiedlichen Darstellungsarten interessant und die Variation sorgt auch noch für bessere Verankerung des Wissens.

Bei einer solchen Vielfalt solltest Du natürlich darauf achten, dass Deine Lerngruppe über die entsprechende digitale Kompetenz verfügt oder Du alternativ alles genügend anmoderierst.

2. Diskussion statt Präsentation

Es kann effektiv sein, sich neues Wissen zu erarbeiten. Es kann sogar noch effektiver sein, sich mit diesem Wissen wirklich zu auseinanderzusetzen.

Wenn die Teilnehmer*innen eine Position einnehmen, müssen sie sich mit dem Lerngegenstand wirklich beschäftigen und ihn verstehen.

Du kannst bei vielen Themen beispielsweise Pro- und Contra-Gruppen bilden und nach der Arbeitsphase eine Diskussionsrunde eröffnen.

Mit einer solchen Methode müssen sich die Teilnehmer*innen in ein Szenario hineindenken und nicht stumpf etwas wiedergeben.

Auf diese Weise reflektieren sie das Gelernte und wenden es auf neue Kontexte an.

3. Weniger ist mehr

Manchmal neigen wir vielleicht dazu, die Ergebnispräsentation zu sehr in die Länge zu ziehen.

Gerade wenn Du aber nur eine einzelne Aufgabe an alle Gruppen gibst, entsteht so bei der anschließenden Präsentation schnell Wiederholung und Langeweile.

Wie wäre es also mal mit der Reduzierung auf das Wesentliche?

Jedes Gruppenmitglied oder ein*e Vertreter*in aus jeder Gruppe hat die Aufgabe, seine wichtigste Erkenntnis in nur genau einem Satz zusammenzufassen.

Alternativ kannst Du auch erfragen, welchen Punkt die Teilnehmer*innen bei der Erarbeitung am überraschendsten oder vielleicht auch irritierend fanden.

Wichtig ist nur, dass sie es in einem Satz zusammenfassen können.

Natürlich kannst Du diese Ergebnisse auch auf einem Whiteboard oder ähnlichem Tool visualisieren lassen.

Diese Methode geht zügig und eignet sich besonders für weniger komplexe Gegenstände oder auch zur Wiederholung von bereits bekanntem Stoff.

Zusammengefasst

Gruppenarbeiten sind wichtig und sie immer nur nach Schema F abzuspulen, kann für alle ermüdend sein.

Bringe also mit kreativen Methoden immer mal wieder frischen Wind in Dein Seminar!

Denn Abwechslung wirkt am allerbesten der (digitalen) Ermüdung entgegen und verhindert, dass Teilnehmer*innen abschalten.

Das Auge lernt mit – Visuell ansprechende Lerninhalte erstellen

Wir sprechen hier oft über die verschiedenen Anforderungen von Präsenz- und Online-Lernen, aber ein Grundsatz gilt für alle Formate:

Anschauliche Lernmaterialien verankern sich nachhaltiger in unserem Gehirn.

Das ist für erfahrene Pädagog*innen natürlich nichts Neues, aber wir suchen sicher alle kontinuierlich nach spannenden Möglichkeiten zur Umsetzung dieses Prinzips.

Denn auch wenn das menschliche Gehirn ziemlich beeindruckende Leistungen vollbringen kann, sind wir doch keine Supercomputer.

Daher müssen wir abstrakte und komplexe Zusammenhänge herunterbrechen und veranschaulichen, um einen Zugang zu finden.

Bildlich heißt nicht immer nur Bild

Dabei bedeutet Visualisierung übrigens nicht immer nur Fotos. Es gibt viele Möglichkeiten, um auch kleinere visuelle Reize in Deine Lerninhalte einzubinden.

Auch Icons, Emojis oder grafische Aufzählungszeichen in Deinen Materialien können den Lernenden beim Verständnis helfen – dazu später etwas mehr.

Zudem brechen diese visuellen Elemente einen längeren Text etwas auf und lassen ihn zugänglicher wirken.

Dabei kann der Grad der visuellen Kraft unterschiedlich sein: Videos sind wohl einer der effektivsten anschaulichen Elemente.

Bonuspunkte bekommst Du, wenn Du diese Videos sogar noch individuell gestaltest oder selbst drehst.

Du möchtest gerne eigene Lernvideos drehen, aber weißt noch nicht ganz, wo Du anfangen sollst? Dann haben wir auch zu Planung, Dreh und Bearbeitung eigener Videos einen Blogartikel für Einsteiger*innen.

Wie werden meine Lerninhalte effektiver?

Je mehr unsere Sinne in den Lernprozess eingebunden werden, desto effektiver lernen wir. Deshalb ist der Lernerfolg immer am größten, wenn unsere Sinne so aktiv wie möglich angesprochen werden.

Deswegen ist die Königsdisziplin des Lernens natürlich die eigene Anwendung. Auf dem Weg dahin gibt es einige Schritte, die im Modell des „Cone of Learning“ zusammengefasst werden können:

Wie Du siehst, ist eine reine Textdarstellung immer die basalste Form eines Inhalts. Auf dem Weg zur eigenen Anwendung gibt es unterschiedliche Stadien der inhaltlichen Komplexität, die unsere Sinne immer mehr einbinden.

Natürlich kannst Du nicht in jedem Fall einen Inhalt der Stufe 10 verwenden, aber nur auf Stufe 1 zu verbleiben, bietet Deinen Teilnehmer*innen nur eine sehr reduzierte Form des Lerngegenstands.

Sketchnotes erstellen

Wie können Deine Lernenden aber auch aus textlichen oder auditiven Inhalten einen größeren Lernerfolg ziehen?

Kennst Du schon die Sketchnotes-Methode? Sie eignet sich sowohl für Dich als Trainer*in, aber auch besonders für Deine Teilnehmer*innen selbst.

Denn viele von ihnen machen sich während einer Veranstaltung wohl Notizen. Häufig machen wir uns aber nur textliche Notizen.

Mit Sketchnotes kannst Du visuelle Notizen erstellen, die eine Kombination aus Text, Bildern und Strukturen sind.

Die Verbindung aus Text und Bild verankert die Informationen doppelt im Gedächtnis und hält die Teilnehmer*innen zum aktiven Zuhören an. Gleichzeitig reduzieren sie so die Informationen mehr als durch eine reine Mitschrift.

Die wichtigsten Grundelemente bei Sketchnotes sind:

  • Aufzählungszeichen für mehr Struktur
  • Boxen oder Container zur Hervorhebung
  • Trennungs- und Verbindungszeichen, um Unterschiede oder Zusammenhänge zu verdeutlichen
  • Typografie, wie z.B. einzelne Wörter oder Überschriften größer zu machen
  • Symbole und Figuren für größere emotionale Kraft

Der Vorteil solcher Notizen ist, dass so bereits Zusammenhänge hergestellt werden. Im Prinzip ähnelt es der Art der Darstellung, die Du vielleicht auch auf einem Flipchart machen würdest.

Dabei ist es bei Sketchnotes allerdings nicht wichtig, künstlerisch wertvolle Werke zu erstellen. Es geht hauptsächlich um die Entwicklung von Ideen und Gedanken, die die Einzelteile ordnen und zusammenführen.

Die Methode eignet sich auch für die Darstellung von Ergebnissen aus einer Gruppenarbeit. So stellen die Lernenden nicht nur ein paar Stichpunkte vor, sondern zeigen dem Rest der Gruppe gleich Verbindungen und Zusammenhänge visuell aufbereitet.

Erzähl‘ Deine Geschichte

Das Konzept des Storytelling ordnet Deine Inhalte in einen größeren Zusammenhang ein und erzählt eine Geschichte.

An Geschichten erinnern wir uns nämlich leichter als an isolierte Fakten. Außerdem sicherst Du Dir so die Aufmerksamkeit Deiner Teilnehmer*innen über einen längeren Zeitraum.

Je bildlicher Du diese Geschichte erzählst, desto besser verankert sie sich bei Deinen Lernenden.

Storytelling eignet sich daher auch besonders für Präsentationen. So kannst Du anhand einer Geschichte durch Deine Folien führen und bietest mehr Ankerpunkte.

Dabei sollte auch die Präsentation selbst visuell unterstützt sein. Dafür gibt es einige Tools, mit denen Du etwas kreativere Inhalte erstellen kannst als mit PowerPoint.

Das Interaktions-Tool Genially eignet sich beispielsweise ideal für die Erstellung interaktiver und visuell ansprechender Inhalte.

Dabei kannst Du vielfältige Vorlagen nutzen, um etwa kreative Info-Grafiken, Präsentationen oder Quizzes zu erstellen.

Dich interessiert Genially? Dann findest Du hier mehr zu diesem spannenden Tool!

Den Look Deines Kurses aufpeppen

Deine Lerninhalte gestaltest Du schon visuell ansprechend, aber Deine Handouts und Kursunterlagen sind immer noch hauptsächlich Text?

Dabei kannst Du selbst mit kleinen Kniffen mehr Visualität und auch noch mehr Persönlichkeit in Deine Materialien bringen.

PDF- oder Word-Dokumente erfüllen viele Zwecke, sind aber nicht unbedingt auf ansprechendes grafisches Design ausgelegt.

Hast Du also schon einmal ein Grafik-Programm wie Canva zur Erstellung Deiner Präsentationen und Unterlagen ausprobiert?

Hier kannst Du mit Hilfe vieler Design-Vorlagen und -Elemente ganz leicht ansprechende Dokumente erstellen, die Deinen Teilnehmer*innen sicher in Erinnerung bleiben werden.

Kennst Du schon Bitmoji? Mit dieser App kannst Du Dir einen eigenen Comic-Avatar erstellen und auch so viel Persönlichkeit in Deine Unterlagen mit einbringen. Du kannst Bitmoji übrigens auch direkt in Canva integrieren!

Nutze auch immer die Möglichkeiten zur Personalisierung, die Dir von Deiner Kursplattform geboten werden. Dort kannst Du häufig durch Farben, Vorschaubilder und Videos einen individuellen Stil einarbeiten.

Das hat nicht nur den Vorteil der visuellen Anreicherung, sondern hat gleichzeitig auch noch Wiedererkennungswert für Dich und Dein Angebot.

Mit Microlearning zu mehr Lernerfolg

Kleine Häppchen sind leichter verdaulich. Das gilt auch fürs Lernen.

Microlearning beschreibt eine Lernform, die auf kurzen Lernimpulsen aufgebaut ist.

Dabei ist der Gedanke, dass knackigere Lerneinheiten die Konzentration besser aufrechterhalten und einfacher zu kontextualisieren sind.

Auch die Tatsache, dass die Aufmerksamkeitsspanne bei uns Menschen immer kürzer wird, macht Microlearning zu einem produktiven Ansatz.

Man hört oft, dass das Internet für diese Entwicklung verantwortlich ist. Aber woher kommt das eigentlich?

Seit Anfang der 2000er hat sich der Content im Internet immer weiter weg von statischen Inhalten bewegt. Wir konsumieren nicht mehr nur, sondern wirken durch dynamische soziale Netzwerke immer mehr mit.

Allein die Fülle an Inhalten auf einer Plattform wie YouTube bietet uns so viel Variation und Vielfalt, dass wir weniger verweilen. Die Online-Inhalte haben sich zudem immer stärker aufgespalten und diversifiziert.

Das Scrollen durch einen Facebook- oder Instagram-Feed erfordert viel weniger zielgerichtete Aufmerksamkeit. Daher merkst Du diesen Effekt wahrscheinlich insbesondere bei jüngeren Teilnehmer*innen stärker.

Dass kannst Du einerseits mangelnde Konzentrationsfähigkeit werten oder diese Entwicklung auch ganz neutral annehmen und Deine Lerninhalte darauf ausrichten, um den Lernerfolg zu erhöhen.

Microlearning ist bereits Teil unseres Alltags

Grundsätzlich lernen wir immer in vielen kleinen Schritten. Uns wird nicht einfach ganz plötzlich ein komplexer Zusammenhang oder Ablauf verständlich.

Um neue Dinge zu lernen, müssen wir uns die Prozesse in kleine Teilabschnitte aufteilen.

Daher bedeutet Microlearning auch nicht, dass die einzelnen Lernimpulse banal oder irrelevant sein müssen. Denn sie setzen sich später wie ein Mosaik zu einem großen Ganzen zusammen, aber die einzelnen Teilstücke sind überschaubar und zugänglich.

Diese Definition unterstreicht eigentlich nur, dass traditionelle Vorlesungen absolut nicht auf unser natürliches Lernverhalten ausgerichtet sind.

Stundenlanger Input ohne die Möglichkeiten zur Reflektion oder Anwendung überfordert uns daher. Wir versuchen dann oft uns diese langen Einheiten automatisch in kleinere Lernaktivitäten einzuteilen, etwa durch Notizen oder Nachfragen.

Durch reinen Input bekommen wir nicht ausreichend die Möglichkeit, den Lernprozess in verschiedene kleinere Phasen aufzubrechen.

Da die meisten von uns mittlerweile viele Inhalte in Online-Formen aufnehmen und verarbeiten, sind wir an Microlearning eigentlich schon gewöhnt.

Hier ein Video, da ein kurzer Beitrag und wir finden so unseren eigenen Lernweg durch die Inhalte.

Im Rahmen eines Trainings oder Seminars möchtest Du diesen diffusen Prozess aber natürlich genauer steuern und auf ein Lernziel ausrichten. Denn wenn wir so durchs Internet scrollen, nehmen wir gleichzeitig auch viel irrelevante Information auf und werden schnell abgelenkt.

Grundsätzlich lehnt sich das Konzept des Microlearning aber an das informelle und eher beiläufige Lernen an, das uns ohnehin jeden Tag begleitet.

Wie funktioniert Microlearning in der Praxis?

Micro-Content kann individuell auf Deine Lernthemen und Zielgruppen zugeschnitten werden. Dabei gibt es einige grundlegende Rahmenbedingungen, die für die optimale Aufnahme und kognitive Verwertung sorgen:

  • geringer zeitlicher Aufwand pro Einheit (zwischen 30 Sekunden und maximal 20 Minuten)
  • in sich thematisch geschlossene Einheiten
  • handlungsorientiert und praxisbezogen
  • auf Bedarf erneut abrufbereit
  • lässt Rückmeldungen durch Lernbegleiter*in oder die Lerngruppe zu

Wie Du siehst, soll Microlearning vor allem das Anwendungswissen unterstützen, das insbesondere in der Erwachsenenbildung von großer Bedeutung ist.

Ein Beispiel aus der Praxis ist beispielsweise das Lernen über YouTube-Videos. Diese erfüllen alle Bedingungen eines Micro-Contents. Einzelne kurze Videos sind in sich abgeschlossen und lassen in Form der Kommentare auch weiterführende Interaktion zu.

Wenn Du mehr über YouTube als Lernplattform lernen möchtest, kannst Du hier unseren Artikel zum Thema lesen.

Micro-Content zusammenfügen

Der Nachteil an etwa einzelnen YouTube-Videos ist, dass sie zunächst in keinem übergeordneten Kontext stehen.

Daher ist das Deine Aufgabe im Rahmen eines Trainings: Einzelne Micro-Einheiten zu einem stimmigen Microlearning-Konzept zu vereinen.

Du baust aus den einzelnen Impulsen einen Lernpfad, der am Ende zu einem Bild zusammenkommt.

Dabei kann auch die Kombination aus Online-Einheiten und Präsenz-Lernen sehr effektiv sein. So kannst Du beispielsweise theoretisches Basiswissen in einzelne Video-Inhalte aufteilen und die Präsenz zur aktiven Anwendung nutzen.

Ein großer Vorteil von Micro-Content, den Du etwa über eine Lernplattform bereitstellst, ist auch die größere Autonomie Deiner Teilnehmer*innen im Lernprozess.

Da die Lernenden in der Erwachsenenbildung häufig zu sehr heterogenen Lerngruppen zusammenkommen, können sie von einer thematischen Aufteilung sehr profitieren.

Ein Beispiel für thematische Aufteilung
aus unserem begleitenden Videokurs zum
Coaching-Programm Train The Online Trainer

Ist ein*e Teilnehmer*in beispielsweise bereits sehr erfahren auf einem bestimmten Teilgebiet, kann er/sie die entsprechenden Videos überspringen.

So kannst Du Deinen Lernenden die Möglichkeit geben, sich genau die Lerneinheiten anzuschauen, die für sie relevant sind. Auf diese Weise bleiben sie länger motiviert und können einen subjektiv höheren Mehrwert aus dem jeweiligen Training ziehen.

Ein weiterer Aspekt ist so abgedeckt: Micro-Content sollte wieder abrufbar sein. Indem Du also Videos oder andere Lernmedien zur Verfügung stellst, können die Teilnehmer*innen den Lernprozess an ihr persönliches Lerntempo anpassen.

So erstellst Du eigenen Micro-Content

1.

Zunächst einmal musst Du Dir wie immer Dein konkretes Trainings- oder Lernziel vergegenwärtigen. Dabei solltest Du Dein Lernziel so simpel und spezifisch wie möglich beschreiben können – denn wenn Du es selbst nicht konkretisieren kannst, wird es auch für Deine Teilnehmer*innen nicht greifbar sein.

2.

Im zweiten Schritt konzipierst Du die praktischen Übungen, die Du im Seminar mit Deinem Micro-Content verknüpfen willst. Wenn Du also ein kurzes Video als den eigentlichen Lernimpuls einsetzt, brauchst Du noch die passende Übung zur Anwendung oder Abspeicherung des Wissens.

3.

Anschließend wählst Du das Format für Deine Inhalte. Es gibt viele Möglichkeiten, wie Du Deine Lerninhalte an die Teilnehmer*innen heranführen kannst: Unter anderem als Quiz, Text, Video, Weblink oder als Foliensatz.

Bei Texten solltest Du besonders auf die Kürze achten, damit die Lernenden nicht mit Informationen zugeschüttet werden.

Zusätzlich bieten sich auch Audio- oder Videoinhalte sehr an, da die Information so über visuelle oder verbale Reize angereichert wird. Zudem können mit Hilfe dieser Formate komplexere Abläufe anschaulicher dargestellt werden.

Insgesamt solltest Du auf einen guten Mix setzen, denn eine variationsreiche Mischung bietet den Lernenden viele verschiedene Ansatzpunkte.

4.

Jetzt kannst Du einen groben Ablauf Deines Konzepts planen. Überprüfe noch einmal, ob alle Deine Inhalte wirklich relevant für das jeweilige Lernziel sind und in die oben genannten Rahmenbedingungen passen.

Plane die vorläufige Reihenfolge und sortiere die Inhalte nach Ähnlichkeit, Schwierigkeit und Produktionsaufwand. Überlege, welche Inhalte unbedingt im Kurs vorkommen sollten und welche eventuell aussortiert werden können.

Wenn Du glaubst, dass einige Einheiten noch zu viel Informationsdichte enthalten, teile sie auf kleinere Lerneinheiten auf.

5.

Nun geht es an die Erstellung der Inhalte. Orientiere Dich hier immer an Deiner konkreten Zielgruppe und dem Lernziel.

Erzähle eine Geschichte mit Deinen Inhalten, gebe praxisbezogene Beispiele und schlage auch immer einen Bogen zum Alltag Deiner Teilnehmer*innen. Achte auch auf klare Handlungsanweisungen.

Falls Du immer noch das Gefühl hast, dass Dein Inhalt nicht in einen Micro-Content passt, bereite weiterführende Materialien vor. Diese können interessierte Lernende dann bei Bedarf zur Vertiefung nutzen – so wird Dein Training noch effektiver!

Ein Konzept für moderne Bedingungen

Microlearning kann so effektiv sein, da es sich gut in die Bedingungen der modernen Arbeitswelt einfügt.

Idealerweise sollten alle Deine Micro-Contents nämlich auch auf mobilen Endgeräten problemlos nutzbar sein. So passen sie ebenfalls leichter in den Alltagsplan von beschäftigten Erwachsenen.

Die höhere Selbstbestimmtheit im Lernprozess erhöht ebenfalls die allgemeine Lernmotivation und sorgt dafür, dass in heterogenen Gruppen dynamisch auf die Unterschiede eingegangen werden kann.

Gleichzeitig sorgt die hohe Praxisorientierung für anwendbare Lernerfolge. Denn reines Faktenwissen kann immer einfach nachgeschlagen werden – das Handlungswissen vermittelst Du als Trainer*in.

Zurück in die Präsenz – Was ist jetzt anders?

Viele Trainer*innen und Dozent*innen sind aktuell wieder mehr oder weniger in Präsenz-Veranstaltungen unterwegs.

Für Einige konnte diese Rückkehr gar nicht schnell genug kommen und so werden auch gerne noch Kompromisse in Kauf genommen – Hauptsache wieder Präsenz!

Doch was hat sich verändert?

Abgesehen von den wechselnden Hygiene-Maßnahmen, über deren Einfluss wir hier gar nicht sprechen wollen. Die letzte Zeit war in vielerlei Hinsicht lehrreich und wir haben alle ungewohnte und neue Erfahrungen gemacht.

Was hat sich in den Köpfen verändert durch die Erfahrungen seit dem letzten Jahr?

Sehen wir Online-Lernen jetzt anders? Oder wollen wir das digitale Lernen so schnell wie möglich wieder hinter uns lassen?

Endlich wieder im Seminarraum!

Es ist verständlich, dass die Wiederaufnahme von Präsenz-Veranstaltungen für viele Trainer*innen eine riesige Erleichterung ist. Das Gefühl von Normalität und die Rückkehr zu gewohnten Abläufen ist eine willkommene Abwechslung nach vielen Monaten des „Distanz-Lernens“.

Wie sehen das eigentlich die Teilnehmer*innen?

Sicherlich freuen sich viele Schüler*innen oder Student*innen, dass sie durch Präsenz-Veranstaltungen wieder mehr sozialen Kontakt zu ihren Freundeskreisen haben können.

Auch wenn sich noch nicht alles wieder ganz „normal“ anfühlt, kann das Online-Lernen diese Komponente einfach oft nicht vollwertig ersetzen.

Und auch für die Familien bietet die Rückkehr zur Präsenz sicherlich ein wenig Entspannung. Denn das Homeschooling hat in vielen Familien durchaus an den Nerven gezehrt.

Doch in der Erwachsenenbildung haben sicherlich auch einige Teilnehmer*innen gemischte Gefühle.

Da Erwachsene häufig neben dem Beruf lernen, bietet ihnen das Online-Lernen größere Unabhängigkeit und Selbstbestimmtheit im Lernprozess.

Fixierte Präsenz-Termine können berufstätige Erwachsene oft schwieriger in ihren vollen Terminkalender integrieren. Auch bietet das flexible Selbstlernen etwa Menschen mit Kindern größeren Freiraum beim Lernen.

Insgesamt haben also viele Trainer*innen und Teilnehmer*innen die räumliche und oft auch zeitliche Unabhängigkeit des Online-Lernens sehr genossen und möchten auch in Zukunft auf diese Weise lernen.

Einige Trainer*innen haben jedoch Online-Seminare sicherlich nur als notgedrungene Übergangslösung toleriert, aber nie wirklich voll hinter dem Konzept gestanden.

Und es ist verständlich, dass Lehrende den echten Kontakt zu ihren Teilnehmergruppen vermisst haben. Daher haben einige Trainer*innen vielleicht auch nur eher halbherzig versucht, sich in digitalen Lernprozessen weiterzubilden.

Präsenz 2.0

Die meisten Lehrenden haben sich jedoch große Mühe gegeben, sich in digitale Lernprozesse einzuarbeiten und ihre Konzepte umzuarbeiten.

Die Rückkehr zur Präsenz mag sich daher erstmal wieder ungewohnt anfühlen. Präsenz muss erst wieder gelernt werden und es müssen sich alle an die jeweiligen Bedingungen gewöhnen.

Denn vor allem die ständig wechselnden Voraussetzungen haben bei Trainer*innen und Teilnehmer*innen große Unsicherheit ausgelöst.

Welche Erkenntnisse der letzten Zeit können wir für die Präsenz mitnehmen?

Viele Lehrende berichten beispielsweise, dass sie sich innerhalb eines Kollegiums wesentlich mehr intern ausgetauscht haben als zuvor. Die erhöhte Kommunikation durch den anfangs größeren Planungsaufwand ist sicherlich ein Element, das auch weiterhin wertvoll sein kann.

Außerdem haben viele Pädagog*innen durch den Online-Unterricht gemerkt, wie wertvoll das Feedback der Teilnehmer*innen für den Lernprozess ist. Die meisten Trainer*innen waren Neulinge im Online-Lehren und haben so verstärkt die Rückmeldungen ihrer Lernenden eingefordert.

Denn normalerweise sind Präsenz-Profis sehr gefestigt in ihren Konzepten und dabei vergessen wir vielleicht manchmal, unsere Methoden regelmäßig zu hinterfragen. Denn Potential für Verbesserung gibt es natürlich immer und indem wir mehr Feedback integrieren, findet auch eine stetigere Weiterentwicklung statt.

Das erhöhte Bewusstsein für digitale Medien hat auch dafür gesorgt, dass sowohl Bildungsträger als auch Teilnehmer*innen wichtige digitale Kompetenzen erworben haben. Die Sensibilisierung für Themen wie den Datenschutz und den sicheren Umgang mit digitalen Inhalten wird auch weiterhin relevant sein.

Ebenso kann die verstärkte Integration digitaler Lernmedien auch weiterhin dem Präsenz-Lernen dienlich sein. Indem die Lernmaterialien differenziert werden, können die Teilnehmer*innen im Lernprozess so vielfältig wie möglich unterstützt werden.

In Zukunft trotzdem mehr digital?

Auch wenn die Vorzüge der Präsenz unbestreitbar sind, haben viele Trainer*innen mittlerweile nämlich auch die besten Teile der digitalen Welt schätzen gelernt.

Dazu zählt unter anderem die größere Vernetzung über lokale Grenzen hinaus. Auch wenn ein großer Teil von Trainer*innen innerhalb ganzer (Bundes)Länder unterwegs ist, waren wohl viele nicht so weitläufig vernetzt wie sie es jetzt sind.

Doch wie sieht die Zukunft überhaupt aus? Es ist unwahrscheinlich, dass die Welt und der Bildungsbereich jemals wieder zu exakt demselben Status wie vor der Pandemie zurückkehren.

Institutionen und Bildungsträger haben neue Systeme implementiert, auf die sie sicherlich in Zukunft nicht mehr verzichten wollen.

Denn seien wir mal ehrlich: Eine Dosis mehr Digitalität hat vielen Bildungsangeboten durchaus gut getan und war wohl ohnehin überfällig. Beispielsweise der Einsatz eines Lernmanagement-Systems kann auch in einer Präsenz-geprägten Zukunft den Lernprozess effektiv unterstützen.

Die Bedenken gegenüber digitalen Elementen wurden in vielen Köpfen abgebaut und die Offenheit für beispielsweise Blended Learning Konzepte erhöht.

Wenn Du zukünftig an einem integrierten Lernkonzept interessiert bist, kannst Du in unserem Artikel zu Blended Learning wertvolle Tipps bekommen.

Durch die besondere Situation haben viele Trainer*innen erkannt, dass man mit Hilfe digitaler Angebote auf unerwartete Dinge besser vorbereitet sein und Ausfälle kompensieren kann.

Es muss also für Dich als Trainer*in kein Entweder-Oder sein. Du kannst in Zukunft weiterhin Deine gewohnten Präsenz-Veranstaltungen abhalten und gleichzeitig einige gute Online-Konzepte auf Lager haben.

Diese Flexibilität kommt nicht nur Deinem Business zu Gute, sondern bietet auch Deinen Auftraggeber*innen eine größere Auswahl. Auf diese Weise kannst Du Deine Angebote diversifizieren und Dich auf neue und breitere Zielgruppen einstellen.

Denn auch wenn die aktuelle Situation Präsenz zumindest teilweise möglich macht, kann sich die Lage schließlich immer wieder unvorhergesehen entwickeln. Indem Du dann sowohl Online- als auch Präsenz-Konzepte parat hast, wirst Du nicht mehr kalt erwischt.

Was wir gelernt haben

Präsenz-Lernen wird seine Bedeutung und seine Vorzüge nicht so schnell verlieren.

Doch es ist unbestreitbar, dass die Digitalisierung des Bildungsbereichs einen weiteren ordentlichen Push bekommen hat.

Sich vollkommen den Vorteilen digitaler Elemente zu verschließen, könnte in Zukunft sogar zum Nachteil werden. Indem wir weiterhin Präsenz-Formate als das Nonplusultra betrachten, stehen wir uns oft mental selbst im Weg.

Denn nur, wenn wir wirklich hinter unserem Konzept stehen, können wir auch die Teilnehmer*innen begeistern.

Selbst klassische Präsenz-Bereiche haben sich seit dem letzten Jahr mit Online-Lösungen angefreundet. Viele Trainer*innen hätten vorher wohl niemals gedacht, dass ihre Fachbereiche jemals online umsetzbar sein könnten.

Und vermutlich hätten sie es auch niemals versucht, wenn sie nicht gemusst hätten.

Homöopath*innen, Therapeut*innen, Sozialarbeiter*innen – alle haben stetig nach neuen Lösungen gesucht. Und das oftmals auch gemeinsam.

Denn es haben sich viele neue Online-Communities für Pädagog*innen entwickelt. Facebook-Gruppen und Foren haben sich als Treffpunkt für lernwillige Lehrende etabliert und engere fachliche Beziehungen geschaffen.

Daher war das Jahr 2020 wahrscheinlich auch für alle Trainer*innen, Lehrer*innen und Dozent*innen das lehrreichste Jahr überhaupt. Es war für viele notwendig, sich weit außerhalb der eigenen Komfort-Zone aufzuhalten und selbst viele neue Kenntnisse zu erwerben.

So destruktiv die Pandemie also in vielen Bereichen des Lebens gewesen ist, so hat die Situation auch Innovation und Kreativität in uns allen befördert.

Und vielleicht wird diese Erfahrung nachwirken und uns daran erinnern, dass die Dinge gerne aus dem Nichts kommen und wir dann breiter aufgestellt sind.

Blended Learning – Das Beste aus beiden Welten?

Wir thematisieren hier an dieser Stelle häufig die reinen Online-Seminare. Aber auch der Cousin des Online-Seminars hat in letzter Zeit einen großen Schub erhalten.

Das integrierte Lernen oder auch Blended Learning soll die besten Eigenschaften beider Welten verbinden.

Insbesondere in der Übergangsphase wieder hin zu mehr möglichen Präsenzoptionen, wird Blended Learning immer beliebter.

Denn auch wenn viele Trainer*innen ein wenig unfreiwillig in die Online-Welt eingetaucht sind, haben sie doch einige Vorzüge des digitalen Lernens schätzen gelernt.

Was ist Blended Learning also genau und wie integrierst Du Präsenz- und Online-Elemente erfolgreich in ein stimmiges Konzept?

Was ist Blended Learning?

Der Begriff Blended Learning bezeichnet grundsätzlich die Vermischung verschiedener Lernformen. In der Praxis bedeutet das meistens die Kombination von klassischem Präsenzunterricht mit Online-Lernplattformen.

Theoretisch sollen so also die besten Aspekte beider Lernformen kombiniert werden. Einerseits der direkte persönliche Kontakt der Präsenz und die digitale Unabhängigkeit und ständige Verfügbarkeit von Lerninhalten.

Diese Verzahnung von strukturiertem Präsenzlernen und selbstgesteuertem Online-Lernen soll Vorzüge beider Lernformen unterstützen und gleichzeitig die jeweiligen potentiellen Nachteile kompensieren.

Das Konzept Blended Learning ist prinzipiell in allen Feldern der Lehre und des Lernens einsetzbar.

In Fort- und Weiterbildung bietet sich ein integriertes Lernsystem zum Beispiel sehr an, da das Element des zusätzlichen Selbstlernens berufstätigen Menschen mehr Freiheit in ihren Zeitplänen einräumt.

Hochschulen und Universitäten nutzen Blended Learning schon relativ lange und unterstützen ihre Student*innen über Online-Plattformen wie ILIAS oder Moodle. Dennoch ist der deutschsprachige Raum im Vergleich zu etwa amerikanischen Universitäten noch nicht ganz so nahtlos verzahnt.

Vorteile für alle Seiten

Der große Vorteil von integriertem Lernen für die Teilnehmer*innen ist, dass sie ihre präferierte Lernmethode stärker ausprägen können. Die Lernenden, die beispielsweise längeren Vorträgen schlechter folgen, können die Informationen im selbstgesteuerten Lernprozess verinnerlichen.

Die große Selbstbestimmung bietet den Lernenden auch die Kontrolle über ihr Lernszenario und beispielsweise die zeitliche Einteilung. Insbesondere die räumliche und zeitliche Unabhängigkeit von fixen Präsenzterminen erlaubt Lernenden die freie Gestaltung dieses Teils des Lernprozesses.

Zudem lassen sich etwa durch vorgeschaltete Online-Phasen eventuelle Ungleichheiten im Wissensstand der Lernenden ausgleichen. Auf diese Weise kannst Du Unter- bzw. Überforderung entgegenwirken und die Motivation hoch halten.

Digitale Vorzüge nutzen

Die großen Vorteile der Integration von digitalen Lernmaterialien liegen auf der Hand:

Ein wichtiger Vorzug von Online-Lernplattformen ist die dauerhafte Verfügbarkeit von Lernmaterialien. Dadurch wird die Zettelwirtschaft minimiert und Lernende können Unterlagen zu jeder Zeit erneut einsehen oder herunterladen.

Das ist auch von Trainer*innen-Seite ein großer Vorteil: Die Verantwortung für die Unterlagen kann somit nach einem einmaligen Upload mehr in die Hand der Teilnehmer*innen gegeben werden.

Denn auf einer Lernplattform kannst Du wichtige Informationen und Materialien einmal zur Verfügung stellen und dort speichern.

Gleichzeitig hat man durch Präsenz-Einheiten die Vorteile des persönlichen Kontakts, der besonders vielen Trainer*innen sehr wichtig ist. Außerdem profitieren viele Lernende von einem deutlich angeleiteten Lernprozess durch eine*n Expert*in des jeweiligen Faches.

Die persönliche, individuelle Betreuung während der Präsenz-Einheiten stärkt außerdem die Verbindung zwischen Lernenden und Trainer*in und erlaubt mehr gruppendynamische Prozesse.

Zudem kannst Du Dich als Trainer*in auch einzelnen Lernenden stärker widmen und bei Bedarf mehr unterstützen. Insbesondere lernschwächere Teilnehmer*innen leiden oft unter der fehlenden persönlichen Betreuung in reinen Online-Phasen und fallen so nicht von der Gruppe ab.

Gute Integration ist alles

Blended Learning kann toll funktionieren, wenn die Lernformen gut ineinander verzahnt sind. Das Erfolgsrezept soll in der Kombination aus fremd- und selbstgeleiteten Lernprozessen liegen.

Dabei ist der Präsenz-Teil eher fremdgesteuert und der Online-Teil eher eigenverantwortlich gesteuert.

Innerhalb dieser Rahmenbedingungen sind verschiedene Modelle denkbar. Dies sind die drei bekanntesten:

Natürlich sind auch zahlreiche Variationen dieser Modelle möglich, aber diese Ausformungen scheinen in der Praxis des Blended Learning besonders bewährt.

Dabei bilden die Präsenz-Einheiten oft den Kern eines Blended Learning Modells.

Es sei erwähnt, dass hierbei „Präsenz“ manchmal auch als Live Webinar oder ähnliches definiert sein kann. Die Grundlage für die Präsenz-Phasen zeichnet sich durch Synchronität aus, das heißt Trainer*in und Teilnehmer*innen sind zur selben Zeit am selben Ort – auch wenn dieser Ort virtuell ist.

Um die Vorzüge der Präsenz optimal auszunutzen, sollte in diesen Phasen ein großer Fokus auf Austausch in der Gruppe gelegt werden. Je mehr Gruppenarbeiten Du einbaust, desto besser werden die potentiellen Nachteile des Selbstlernens kompensiert.

Wenn die Teilnehmer*innen hier viel offenen Raum bekommen, kannst Du in Blended Learning Konzepten auch anspruchsvollere Themen behandeln. Denn idealerweise haben die Lernenden sich in einer vorgeschalteten Selbstlernphase bereits Grundlagen angeeignet.

Software & Didaktik

Das zweite wichtige Puzzleteil beim Blended Learning ist natürlich die Software der Online-Plattform. Die Anforderungen können je nach Fall variieren, aber insgesamt solltest Du auf drei Faktoren besonders achten:

  • Integrationsfreundlichkeit: für alle gängigen Betriebssysteme, Geräte und Browser geeignet
  • Nutzerfreundlichkeit: auch für digitale Einsteiger*innen einfach nutzbar
  • Datenfreundlichkeit: ein transparenter Umgang mit Nutzerdatzen und ein vertrauensvoller Anbieter

Es gibt noch viele weitere Faktoren bei der Auswahl der geeigneten Plattform, wie etwa einen guten Support und die allgemeinen Funktionen. Wenn Du Dir unsicher bist, suche nach einer Plattform, die eine kostenlose Testversion anbietet. So kannst Du die Features ausprobieren, bevor Du Dich festlegst.

Ein didaktisches Konzept für ein Blended Learning Modell ist natürlich sehr individuell. Grundsätzlich solltest Du aber auf besonders nahtlose Integration von Medien achten. Je anschaulicher Du präsentierst, desto effektiver.

Des Weiteren sollte ein solches Konzept an allen Stellen besonders klare Handlungsaufforderungen enthalten. Die gestellten Aufgaben sollten auch vor allem für die Selbstlernphasen deutlich formuliert sein. Dadurch wird verhindert, dass die Lernenden sich während dieser Phasen verwirrt und „allein gelassen“ fühlen.

Auch das Konzept des Microlearning kommt in integrierten Lernkonzepten besonders gut zur Geltung. Kurze 10-Minuten Selbstlernimpulse lassen sich sehr gut auch in einen enger getakteten Alltag einbinden. Dadurch sinkt die Lernhemmschwelle das Gefühl des Lernerfolgs kann sich mit weniger Anstrengung einstellen.

Blended Learning hat keine Nachteile?

Das Ziel von Blended Learning Konzepten ist also prinzipiell die Eliminierung von Nachteilen sowohl der Präsenz- als auch der Online-Seite.

Ein gut umgesetztes Blended Learning Konzept hat sicherlich auch sehr große Erfolgsquoten und ist bei Trainer*innen und Lernenden gleichermaßen beliebt.

Dennoch gibt es auch einige Hindernisse, die der erfolgreichen Umsetzung eines solchen Modells im Weg stehen können.

Beispielsweise wird hier oftmals der sehr hohe didaktische Anspruch eines Blended Learning Konzepts an die Trainer*innen angeführt. Daher seien solche Modelle vor allem für pädagogische Einsteiger*innen sehr anspruchsvoll und schwierig umzusetzen.

Denn im Grunde musst Du, um die Vorzüge beider Welten nutzen zu können, auch direkt zwei verschiedene Welten mit sehr unterschiedlichen Voraussetzungen meistern.

Die zusätzliche Einbindung einer technischen Plattform wird ebenfalls manchmal als Nachteil diskutiert. Dieser Faktor kann sowohl für digital unerfahrene Trainer*innen als auch Teilnehmer*innen eine Hürde darstellen.

Hinzu kommt, dass die Integration von Online-Elementen immer die Möglichkeit bietet, dass technische Probleme auftreten. Wenn wir mal ehrlich sind, treten diese Probleme aber auch bereits in den meisten Präsenzveranstaltungen auf.

Idealerweise solltest Du natürlich aber darauf achten, dass Deine ausgewählte Plattform den Lernenden nur ein Minimum an digitaler Kompetenz abverlangt und strukturiert aufgebaut ist.

Es mag auch einige Themengebiete geben, die sich mit dem Konzept des Selbstlernens weniger vereinbaren lassen. So lassen sich wahrscheinlich Lernerfolge in Sprachkursen ohne Gruppen- oder Trainer-Feedback nur schwierig überprüfen.

Hier kannst Du aber immer die Gewichtung und Taktung von Präsenz und Online zu Deinen individuellen Zwecken verschieben.

Am Ende des Tages kannst nur Du als Trainer*in entscheiden, ob ein Blended Learning Konzept für Deine Themen und Teilnehmergruppen geeignet ist. Bei guter Umsetzung kann es aber sicherlich Lernerfolge befördern und positive Aspekte beider Welten integrieren.

Störer*innen im Online-Seminar – Wie geht man mit ihnen um?

Jede*r Trainer*in kennt die klassischen technischen Störfaktoren eines Online-Seminars: Audio-Probleme, instabile Verbindungen und fehlende Links.

Aber die zweitgrößte Störungsquelle ist wohl menschengemacht. Unter Trainer*innen hört man häufig von „schwierigen Teilnehmer*innen“ und wie sie einen Lernprozess unterminieren können.

Viele Pädagog*innen sind zwar mit engelsgleicher Geduld ausgestattet, aber an einem gewissen Punkt werden einzelne Teilnehmer*innen zum Lernhindernis für die gesamte Lerngruppe.

Denn das ist leider oft das größere Problem: Störer*innen beeinträchtigen unter Umständen das Lernerlebnis aller Teilnehmer*innen und weiten sich eventuell sogar noch aus, wenn man sie zu ignorieren versucht.

Was kannst Du also tun, um die Gruppenharmonie zu wahren und den betroffenen Teilnehmer*innen wieder in die richtige Spur zu helfen?

Wie werden Lernende zu Störer*innen?

Die gute Nachricht ist: Auf viele der Faktoren, die Störungen hervorrufen, hast Du als Trainer*in aktiven Einfluss.

Natürlich gibt es auch Ursachen für Störungen, die aus der Persönlichkeit einzelner Teilnehmer*innen entspringen, aber in vielen Fällen entsteht das Verhalten aus verschiedenen Seminarsituationen.

Denn es kann uns manchmal leicht fallen, die Schuld für suboptimale Situationen auf die Lernenden zurückzuführen anstatt unsere Seminargestaltung zu hinterfragen.

Die häufigsten Ursachen für Störungen umfassen unter anderem:

  • Missverständnisse durch mangelnde Informationen
  • Unsicherheit durch unklare Ziele und Aufgabenstellungen
  • Frustration durch Mangel an Erfolgserlebnissen und Anerkennung
  • Unter- oder Überforderung (eventuell durch methodische Mängel)
  • Gefühl der Isolation durch fehlenden Austausch und Interaktion
  • Konzentrationsprobleme

Wie Du siehst, beruhen viele potentielle Störungen auf Missverständnissen oder fehlenden Informationen.

Als Trainer*in konzipierst Du Deine Seminare inklusive aller Inhalte und Methoden und hast den vollen Überblick über Deine Struktur.

Dabei vergisst man schon mal schnell, dass die meisten Dinge aus der Sicht Deiner Teilnehmer*innen neu sind.

Daher neigen wir als Trainer*innen vielleicht manchmal dazu, den Lernenden nicht genügend Informationen an die Hand zu geben. Indem Du alle Deine Arbeitsanweisungen und Materialien so klar und eindeutig wie möglich formulierst, kannst Du vielen Missverständnissen vorbeugen.

Auch indem Du immer wieder genug Raum für Nachfragen einräumst, kannst Du für maximale Klarheit sorgen und verhindern dass sich Blockaden verfestigen.

Digital unkonzentriert?

Eine der häufigsten Ursachen für Störungen sind Konzentrationsprobleme. Wir vergessen manchmal, wie anstrengend langanhaltende Konzentration ist und unterschätzen, wie schnell sie abnimmt.

Fehlende Konzentration verwandelt sich schnell in Demotivation und führt im nächsten Schritt oft zu störendem Verhalten.

Da Konzentrationsschwächen in digitalen Lernräumen sogar noch schneller und ausgeprägter auftreten, solltest Du Deinen Ablauf daran anpassen können.

Manche Teilnehmer*innen sind sicher individuell anfälliger für mentale Schwächephasen, aber insgesamt solltest Du allen Lernenden zuliebe die Einheiten kurz und knackig mit viel Beteiligung gestalten.

Auch die Pausenstruktur kannst Du frei an die aktuelle Lage anpassen – wenn Du eine erhöhte Unruhe oder zu große thematische Abschweifung bemerkst, wird es Zeit für eine Pause. Idealerweise umfasst diese Pause auch den Abbau von etwas angestauter Energie in Form von Bewegung oder kleinen Lockerungsübungen.

Lernschwierigkeiten bei Erwachsenen

In der Erwachsenenbildung hast Du es häufig mit Menschen zu tun, deren formale Bildung Jahrzehnte zurückliegt. Das systematische Lernen erfordert für viele Menschen mehr Anstrengung als wir uns vorstellen können.

Wenn Menschen sich unsicher und inkompetent fühlen, reagieren sie häufig defensiv oder resignieren. Gerade ältere Menschen haben Befürchtungen, dass sie sich in digitalen Kontexten blamieren. Dadurch verhalten sie sich vielleicht sehr passiv und beteiligen sich weniger aktiv am Lernprozess.

Die Furcht vor Misserfolg führt auch dazu, dass diese Lernenden bei Unklarheiten nicht nachfragen und sich in die Gruppenanonymität flüchten.

Was für Dich also wie Arbeitsverweigerung aussehen kann, hat seine Wurzeln eventuell in großer Unsicherheit.

Was kannst Du tun, um in solchen Lerngruppen das Arbeitsklima aufzulockern?

  • Befürchtungen offen ansprechen und Erfolgsdruck nehmen
  • So viele kleine Lernerfolge wie möglich schaffen
  • Viel positive Bestärkung und einen anerkennenden Umgang
  • Erfahrungsaustausch ermöglichen, das hilft auch älteren Teilnehmer*innen sich einzubringen
  • So langsam und kleinschrittig wie nötig vorgehen, gerade am Anfang nicht überfordern

Keine Motivation?

Die Motivation in der Lerngruppe aufrecht zu erhalten ist eine dauerhafte Aufgabe für Dich als Trainer*in, die nicht immer einfach ist.

Leider werden Teilnehmer*innen in Unternehmen oft zu Fortbildungen „verdonnert“ und haben so manchmal von Beginn an eine ablehnende innere Haltung.

Hier hilft am besten eine ganz offene und proaktive Herangehensweise. Eröffne ruhig einen Raum, in dem Deine Teilnehmer*innen über ihre Ablehnung des Lerninhalts sprechen können. Oftmals bauen Lernende auf diese Weise etwas von ihrer Abwehrhaltung ab und Du bekommst mehr Informationen über die Hintergründe.

Denn manchmal äußern Teilnehmer*innen sich oberflächlich eher negativ – oft stecken aber lösbare Blockaden dahinter.

„Das interessiert mich nicht“ ➔ Die Inhaltsschwerpunkte entsprechen nicht den Vorstellungen

„Das hilft mir nicht“ ➔ Der Lernertrag wird als zu gering eingeschätzt

„Das ist zu theoretisch“ ➔ Der Praxisbezug ist nicht erkennbar

In vielen Fällen hilft Dir Deine Flexibilität. Du kannst versuchen mehr interaktive Methodik, einen höheren Praxisbezug oder andere thematische Schwerpunkte einzubeziehen. Natürlich musst Du oft an Deinem grundlegenden Seminarplan festhalten, aber Deinen Teilnehmer*innen ein Stück entgegenzukommen, bewirkt manchmal Wunder.

Gleichzeitig kannst Du direkt am Anfang ein inhaltliches Segment einfügen, indem Du die Bedeutsamkeit Deines Themas anhand von konkreten Beispielen erläuterst. So können die Lernenden einen realen Nutzen für die Lerninhalte erkennen.

In beruflichen Fortbildungen ist die Praxisnähe ohnehin besonders wichtig, um einen hohen Wissenstransfer zu gewährleisten.

Was, wenn Einzelne wirklich „schwierig“ sind?

Natürlich gibt es auch Einzelfälle, in denen Teilnehmer*innen durch private Faktoren abgelenkt oder missgelaunt sind. Du kannst hier immer ein Einzelgespräch anbieten, um zu versuchen diesen Lernenden zu helfen, soweit möglich.

In einigen seltenen Fällen kann es natürlich trotzdem vorkommen, dass einzelne Teilnehmer*innen sich bewusst destruktiv verhalten.

Wenn diese Menschen sich trotz Deiner besten Bemühungen und offener Kommunikation nicht zum Lernen motivieren lassen wollen, brauchst Du es auch nicht persönlich zu nehmen.

Diese Fälle kannst Du in der Erwachsenenbildung häufig zum Glück umgehen, da die meisten Deiner Teilnehmer*innen hoffentlich freiwillig und gerne mit Dir arbeiten.

Wenn Du aber bei unterschiedlichen Aufträgen mit immer wechselnden Lerngruppen arbeitest, kannst Du ab und zu auf Widerstand stoßen.

Wir sagen immer, es kann niemand gelernt werden. Außerdem haben manche Menschen auch tatsächlich eine ganze Menge andere Probleme, die sie leider in diesem Moment auf Dich projizieren.

Online hast Du aber sogar noch mehr Kontrolle über Deinen Lernraum. In Präsenz würdest Du Dich vielleicht vor einem „Rausschmiss“ oder der Konfrontation mehr scheuen.

In größeren Live Veranstaltungen kommt es nämlich leider manchmal sogar dazu, dass sich anonyme Störer*innen einklinken. Diese einzelnen Menschen sind auch gar nicht wirklich Deine Teilnehmer*innen, da sie von Beginn an nur die Intention des Störens hatten.

Aber in einer Online-Veranstaltung kannst Du Dich wirklich problematischer Einzelpersonen mit einem Klick entledigen und auch für die Zukunft dafür sorgen, dass sie das Lernklima nicht mehr stören können.

Störungen können meist behoben werden

Die positive Quintessenz ist, dass die Mehrheit der Störfaktoren behoben werden kann. Auch viele individuelle Störer*innen können rehabilitiert werden und meinen es meistens auch gar nicht böse.

Aber natürlich nehmen wir unsere Störer*innen manchmal persönlicher als nötig oder lassen uns zu sehr durch sie ablenken.

Außerdem – wenn wir mal ehrlich sind – schieben wir alle die Verantwortung für schlechte Abläufe gerne von uns weg. Daher suchen wir die Ursachen manchmal lieber auf der anderen Seite.

Aber indem Du die Kontrolle über einen positiven und strukturierten Ablauf übernimmst, kannst Du Missverständnisse vermeiden.

Du kannst viele Störungen besser einordnen, wenn Du Dich immer nach dem Warum fragst und versuchst die Gründe für das störende Verhalten zu verstehen.

Je offener Du auch scheinbar sehr ablehnenden Reaktionen begegnest, desto näher kommst Du einer Auflösung. Denn hinter negativen Aussagen verstecken sich häufig Verbesserungsvorschläge – sie sind leider nur nicht sehr konstruktiv verpackt.