5 schwierige Online-Situationen und wie Du sie meisterst

Online-Formate sind mittlerweile sehr verbreitet und weitgehend sowohl von Trainer:innen als auch Teilnehmer:innen akzeptiert.

Und trotzdem gibt es nach wie vor besondere Situationen, offene Fragen und Etikette-Unsicherheiten. Denn digitale Räume haben ihre eigene Kultur, an die wir uns gewöhnen müssen, wenn wir noch nicht damit vertraut sind.

Auch nach einigen Jahren, in denen die meisten von uns nun verstärkt Berührungspunkte mit digitalen Formaten hatten, tauchen nämlich in meinen Veranstaltungen immer noch dieselben Fragen auf.

Denn so 100% natürlich fühlt es sich einfach niemals an und als Menschen reagieren wir darauf auf verschiedene Weisen.

Daher schauen wir uns heute einmal 5 klassische Online-Seminar Problemstellen an und vor allem auch, wie Du diese Klippen umschiffen kannst:

Audio & Co.

Bevor wir zum Audio-Thema im Speziellen kommen, direkt einmal ein allgemeiner Ratschlag:

Mache Dich immer mit Deiner entsprechenden Video-Plattform vertraut. Denn Zoom, Microsoft Teams etc. verfügen über viele Features und Einstellungen, die Dir weiterhelfen können.

Das gilt gerade und vor allem hier auch für das Thema Audio. Einsteiger:innen kämpfen häufig damit, dass ständig aus allen Richtungen Geräuschquellen zu kommen scheinen.

Daher würden wir Dir gleich zu Beginn ans Herz legen, Dich mit den Einstellungen vertraut zu machen. Denn sowohl Zoom als auch Teams haben beispielsweise die Möglichkeit, alle Teilnehmenden bei Eintritt automatisch stummzuschalten.

Zoom verfügt darüber hinaus zum Beispiel auch über die Option, den Befehl „Alle stummschalten“ über eine Tastenkombination auszuführen.

Grundsätzlich gilt in Online-Meetings die Etikette, dass Teilnehmende, die gerade nicht sprechen, sich stummschalten und nur den Ton aktivieren, wenn sie sich zu Wort melden. Das verhindert, dass ständig störende Nebengeräusche über die Mikrofone übertragen werden und sich alle konzentrieren können.

Allgemein können hier – gerade zum Einstieg – auch Co-Moderator:innen hilfreich sein. Das kann Dir Sicherheit geben und Du kannst Dich auf Deine Präsentation konzentrieren.

Digitale Motivationsprobleme?

Viele Lernbegleiter:innen berichten, dass sie ihre Teilnehmenden Online wesentlich stiller und gefühlt demotivierter erleben.

Einerseits müssen wir hier darauf hinweisen, dass >>digitale Ermüdung leider tatsächlich existiert und wir hier ein gutes Auge auf die Motivationskurve haben müssen. Online brauchen wir mehr Pausen und es kann auch nie schaden, sich während dieser Pausen vom Bildschirm zu entfernen.

Andererseits können Online aber bei diesem Thema auch starke Verzerrungseffekte auftreten. Wir nehmen Körpersprache über digitale Kanäle einfach reduzierter wahr als in Präsenz. Das kann Dich auf die falsche Fährte führen und Du meinst, es liegt an Dir oder den Inhalten.

Es kann auch sein, dass Deine Lernenden selbst noch digital unsicher sind und sich daher allgemein zurückhalten.

In beiden Fällen hilft nur eins: Dialog!

Kommuniziere direkt und regelmäßig mit den Lernenden, sprich sie einzeln an und hole Dir Feedback zur aktuellen Gemütslage. Es kann Online immer sein, dass Du dann flexibler reagieren musst, wenn tatsächlich ein Motivationstief entsteht.

Zeitmanagement

Die Grundregel ist: Alles dauert länger, als Du denkst.

Das gilt ja eigentlich auch in der Präsenz, vor allem wenn Gruppenarbeiten geplant sind. Auf diese solltest Du im Übrigen auch Online keinesfalls verzichten – sonst droht schnell das Webinar-Koma.

Ähnlich wie Teilnehmende nehmen wir manchmal an, dass digitale Methoden durch kürzere oder nicht vorhandene Wege schneller gehen. Dabei wird dieser Faktor spätestens dadurch ausgeglichen, dass technische Unsicherheiten bei der Bearbeitung aufkommen.

Mache Dich immer vor Seminaren mit den Funktionsweisen der Gruppenräume vertraut. Gib Deinen Lernenden im Zweifel immer etwas mehr Zeit in den Räumen, denn hier können sie auch ein wenig informelle Kommunikation untereinander einbauen, die Online ansonsten gerne einmal zu kurz kommt.

Auch die grundsätzliche Zeitplanung ist Online anders zu gestalten. Kürzere, knackigere Blöcke von maximal 30 Minuten pro Einheit scheinen am besten zu funktionieren. Falls es Dir möglich ist, verteile traditionelle „Tagesseminare“ lieber auf mehrere Tage.

Digitale Pünktlichkeit

Ein Meeting ist für 09:00 Uhr angesetzt und die Teilnehmenden tröpfeln so langsam bis 09:15 ein.

Ja, das Thema Pünktlichkeit nehmen viele Menschen Online nicht ganz so genau. Denn sie glauben, dass sie schließlich die Anfahrtszeit abziehen können und keine große Vorbereitungszeit brauchen.

Dabei vergessen sie aber gerne, dass der Computer oder das Programm dann gerne nochmal Updates machen will, nicht die richtige Kamera angeschlossen ist und so weiter.

Außerdem glauben immer noch einige Teilnehmende, dass digitale Formate weniger „formell“ sind und Pünktlichkeit daher nicht ganz so streng genommen werden muss. Schließlich fällt es weniger auf, als wenn sie verspätet in einen Präsenz-Raum kommen.

Da Unpünktlichkeit aber auch im Online-Raum genauso störend ist, solltest Du auf die Wichtigkeit eines zeitigen Anfangs vor dem Start immer hinweisen. Es kann auch sehr helfen, wenn Du etwa eine halbe Stunde vor Beginn eine Erinnerungs-Mail schickst, auch mit dem erneuten Hinweis sich rechtzeitig einzuwählen.

Du solltest auch einen Warteraum einrichten. Hier kannst Du ebenfalls in Video- oder Textform noch einmal auf den Technik-Check hinweisen.

Schwierige Teilnehmende?

Auch in digitalen Lernräumen menschelt es.

Deshalb solltest Du immer auch zumindest ein halbes Auge auf den Chat haben – hier offenbaren sich offene Fragen schneller. Auch für solche Zwecke können übrigens Co-Moderator:innen sehr helfen, als auch ein zweiter Monitor speziell für den Chat.

Wenn Dich eine zweite Person unterstützt, kann diese auch in 1:1 Chats individuelle Fragen oder technische Probleme klären, ohne den Fluss der gesamten Veranstaltung zu unterbrechen.

Denn allgemein ist die Richtlinie:

Fragen und generell kritische Anmerkungen sollten zeitnah geklärt werden. Nutze die tolle Chat-Funktion, denn sie kann Lernenden mehr Kommunikationsraum als in Präsenz-Formaten geben und sollte nicht ungenutzt verpuffen.

Wenn einzelne Lernende aber zu bestimmten Themen nicht locker lassen, oder die Gruppe viel zu weit vom Thema abkommt, sollten sanfte Grenzen gesetzt werden.

Wenn Einzelne sich sogar tatsächlich als Störer:innen entpuppen, solltest Du dies immer zunächst in einem Einzelgespräch versuchen zu entschärfen. Oftmals liegen auch Missverständnisse vor oder Teilnehmende fühlen sich einfach zu wenig gehört.

Wenn jetzt noch etwas schiefgeht?

Nun ja, das wird es immer.

Auch mit vielen Jahren Online-Erfahrung auf dem Buckel ist man nicht vor Pannen gefeit. Die Verbindung ist schlecht, Tools wollen nicht funktionieren, das Mikrofon spinnt.

Wir müssen uns vornehmen, auch selbst immer lernbereit zu sein und diese Momente einfach als Lernsituationen anzunehmen.

Gute und gründliche Vorbereitung empfiehlt sich natürlich immer. Aber wir müssen auch ab einem gewissen Punkt den Prozess akzeptieren.

Hast Du noch eine konkrete Frage oder eine Problemstelle in digitalen Formaten, die Dir häufig begegnet?

Störer*innen im Online-Seminar – Wie geht man mit ihnen um?

Jede*r Trainer*in kennt die klassischen technischen Störfaktoren eines Online-Seminars: Audio-Probleme, instabile Verbindungen und fehlende Links.

Aber die zweitgrößte Störungsquelle ist wohl menschengemacht. Unter Trainer*innen hört man häufig von „schwierigen Teilnehmer*innen“ und wie sie einen Lernprozess unterminieren können.

Viele Pädagog*innen sind zwar mit engelsgleicher Geduld ausgestattet, aber an einem gewissen Punkt werden einzelne Teilnehmer*innen zum Lernhindernis für die gesamte Lerngruppe.

Denn das ist leider oft das größere Problem: Störer*innen beeinträchtigen unter Umständen das Lernerlebnis aller Teilnehmer*innen und weiten sich eventuell sogar noch aus, wenn man sie zu ignorieren versucht.

Was kannst Du also tun, um die Gruppenharmonie zu wahren und den betroffenen Teilnehmer*innen wieder in die richtige Spur zu helfen?

Wie werden Lernende zu Störer*innen?

Die gute Nachricht ist: Auf viele der Faktoren, die Störungen hervorrufen, hast Du als Trainer*in aktiven Einfluss.

Natürlich gibt es auch Ursachen für Störungen, die aus der Persönlichkeit einzelner Teilnehmer*innen entspringen, aber in vielen Fällen entsteht das Verhalten aus verschiedenen Seminarsituationen.

Denn es kann uns manchmal leicht fallen, die Schuld für suboptimale Situationen auf die Lernenden zurückzuführen anstatt unsere Seminargestaltung zu hinterfragen.

Die häufigsten Ursachen für Störungen umfassen unter anderem:

  • Missverständnisse durch mangelnde Informationen
  • Unsicherheit durch unklare Ziele und Aufgabenstellungen
  • Frustration durch Mangel an Erfolgserlebnissen und Anerkennung
  • Unter- oder Überforderung (eventuell durch methodische Mängel)
  • Gefühl der Isolation durch fehlenden Austausch und Interaktion
  • Konzentrationsprobleme

Wie Du siehst, beruhen viele potentielle Störungen auf Missverständnissen oder fehlenden Informationen.

Als Trainer*in konzipierst Du Deine Seminare inklusive aller Inhalte und Methoden und hast den vollen Überblick über Deine Struktur.

Dabei vergisst man schon mal schnell, dass die meisten Dinge aus der Sicht Deiner Teilnehmer*innen neu sind.

Daher neigen wir als Trainer*innen vielleicht manchmal dazu, den Lernenden nicht genügend Informationen an die Hand zu geben. Indem Du alle Deine Arbeitsanweisungen und Materialien so klar und eindeutig wie möglich formulierst, kannst Du vielen Missverständnissen vorbeugen.

Auch indem Du immer wieder genug Raum für Nachfragen einräumst, kannst Du für maximale Klarheit sorgen und verhindern dass sich Blockaden verfestigen.

Digital unkonzentriert?

Eine der häufigsten Ursachen für Störungen sind Konzentrationsprobleme. Wir vergessen manchmal, wie anstrengend langanhaltende Konzentration ist und unterschätzen, wie schnell sie abnimmt.

Fehlende Konzentration verwandelt sich schnell in Demotivation und führt im nächsten Schritt oft zu störendem Verhalten.

Da Konzentrationsschwächen in digitalen Lernräumen sogar noch schneller und ausgeprägter auftreten, solltest Du Deinen Ablauf daran anpassen können.

Manche Teilnehmer*innen sind sicher individuell anfälliger für mentale Schwächephasen, aber insgesamt solltest Du allen Lernenden zuliebe die Einheiten kurz und knackig mit viel Beteiligung gestalten.

Auch die Pausenstruktur kannst Du frei an die aktuelle Lage anpassen – wenn Du eine erhöhte Unruhe oder zu große thematische Abschweifung bemerkst, wird es Zeit für eine Pause. Idealerweise umfasst diese Pause auch den Abbau von etwas angestauter Energie in Form von Bewegung oder kleinen Lockerungsübungen.

Lernschwierigkeiten bei Erwachsenen

In der Erwachsenenbildung hast Du es häufig mit Menschen zu tun, deren formale Bildung Jahrzehnte zurückliegt. Das systematische Lernen erfordert für viele Menschen mehr Anstrengung als wir uns vorstellen können.

Wenn Menschen sich unsicher und inkompetent fühlen, reagieren sie häufig defensiv oder resignieren. Gerade ältere Menschen haben Befürchtungen, dass sie sich in digitalen Kontexten blamieren. Dadurch verhalten sie sich vielleicht sehr passiv und beteiligen sich weniger aktiv am Lernprozess.

Die Furcht vor Misserfolg führt auch dazu, dass diese Lernenden bei Unklarheiten nicht nachfragen und sich in die Gruppenanonymität flüchten.

Was für Dich also wie Arbeitsverweigerung aussehen kann, hat seine Wurzeln eventuell in großer Unsicherheit.

Was kannst Du tun, um in solchen Lerngruppen das Arbeitsklima aufzulockern?

  • Befürchtungen offen ansprechen und Erfolgsdruck nehmen
  • So viele kleine Lernerfolge wie möglich schaffen
  • Viel positive Bestärkung und einen anerkennenden Umgang
  • Erfahrungsaustausch ermöglichen, das hilft auch älteren Teilnehmer*innen sich einzubringen
  • So langsam und kleinschrittig wie nötig vorgehen, gerade am Anfang nicht überfordern

Keine Motivation?

Die Motivation in der Lerngruppe aufrecht zu erhalten ist eine dauerhafte Aufgabe für Dich als Trainer*in, die nicht immer einfach ist.

Leider werden Teilnehmer*innen in Unternehmen oft zu Fortbildungen „verdonnert“ und haben so manchmal von Beginn an eine ablehnende innere Haltung.

Hier hilft am besten eine ganz offene und proaktive Herangehensweise. Eröffne ruhig einen Raum, in dem Deine Teilnehmer*innen über ihre Ablehnung des Lerninhalts sprechen können. Oftmals bauen Lernende auf diese Weise etwas von ihrer Abwehrhaltung ab und Du bekommst mehr Informationen über die Hintergründe.

Denn manchmal äußern Teilnehmer*innen sich oberflächlich eher negativ – oft stecken aber lösbare Blockaden dahinter.

„Das interessiert mich nicht“ ➔ Die Inhaltsschwerpunkte entsprechen nicht den Vorstellungen

„Das hilft mir nicht“ ➔ Der Lernertrag wird als zu gering eingeschätzt

„Das ist zu theoretisch“ ➔ Der Praxisbezug ist nicht erkennbar

In vielen Fällen hilft Dir Deine Flexibilität. Du kannst versuchen mehr interaktive Methodik, einen höheren Praxisbezug oder andere thematische Schwerpunkte einzubeziehen. Natürlich musst Du oft an Deinem grundlegenden Seminarplan festhalten, aber Deinen Teilnehmer*innen ein Stück entgegenzukommen, bewirkt manchmal Wunder.

Gleichzeitig kannst Du direkt am Anfang ein inhaltliches Segment einfügen, indem Du die Bedeutsamkeit Deines Themas anhand von konkreten Beispielen erläuterst. So können die Lernenden einen realen Nutzen für die Lerninhalte erkennen.

In beruflichen Fortbildungen ist die Praxisnähe ohnehin besonders wichtig, um einen hohen Wissenstransfer zu gewährleisten.

Was, wenn Einzelne wirklich “schwierig” sind?

Natürlich gibt es auch Einzelfälle, in denen Teilnehmer*innen durch private Faktoren abgelenkt oder missgelaunt sind. Du kannst hier immer ein Einzelgespräch anbieten, um zu versuchen diesen Lernenden zu helfen, soweit möglich.

In einigen seltenen Fällen kann es natürlich trotzdem vorkommen, dass einzelne Teilnehmer*innen sich bewusst destruktiv verhalten.

Wenn diese Menschen sich trotz Deiner besten Bemühungen und offener Kommunikation nicht zum Lernen motivieren lassen wollen, brauchst Du es auch nicht persönlich zu nehmen.

Diese Fälle kannst Du in der Erwachsenenbildung häufig zum Glück umgehen, da die meisten Deiner Teilnehmer*innen hoffentlich freiwillig und gerne mit Dir arbeiten.

Wenn Du aber bei unterschiedlichen Aufträgen mit immer wechselnden Lerngruppen arbeitest, kannst Du ab und zu auf Widerstand stoßen.

Wir sagen immer, es kann niemand gelernt werden. Außerdem haben manche Menschen auch tatsächlich eine ganze Menge andere Probleme, die sie leider in diesem Moment auf Dich projizieren.

Online hast Du aber sogar noch mehr Kontrolle über Deinen Lernraum. In Präsenz würdest Du Dich vielleicht vor einem „Rausschmiss“ oder der Konfrontation mehr scheuen.

In größeren Live Veranstaltungen kommt es nämlich leider manchmal sogar dazu, dass sich anonyme Störer*innen einklinken. Diese einzelnen Menschen sind auch gar nicht wirklich Deine Teilnehmer*innen, da sie von Beginn an nur die Intention des Störens hatten.

Aber in einer Online-Veranstaltung kannst Du Dich wirklich problematischer Einzelpersonen mit einem Klick entledigen und auch für die Zukunft dafür sorgen, dass sie das Lernklima nicht mehr stören können.

Störungen können meist behoben werden

Die positive Quintessenz ist, dass die Mehrheit der Störfaktoren behoben werden kann. Auch viele individuelle Störer*innen können rehabilitiert werden und meinen es meistens auch gar nicht böse.

Aber natürlich nehmen wir unsere Störer*innen manchmal persönlicher als nötig oder lassen uns zu sehr durch sie ablenken.

Außerdem – wenn wir mal ehrlich sind – schieben wir alle die Verantwortung für schlechte Abläufe gerne von uns weg. Daher suchen wir die Ursachen manchmal lieber auf der anderen Seite.

Aber indem Du die Kontrolle über einen positiven und strukturierten Ablauf übernimmst, kannst Du Missverständnisse vermeiden.

Du kannst viele Störungen besser einordnen, wenn Du Dich immer nach dem Warum fragst und versuchst die Gründe für das störende Verhalten zu verstehen.

Je offener Du auch scheinbar sehr ablehnenden Reaktionen begegnest, desto näher kommst Du einer Auflösung. Denn hinter negativen Aussagen verstecken sich häufig Verbesserungsvorschläge – sie sind leider nur nicht sehr konstruktiv verpackt.

Wie verhält man sich in einer Zoom-Konferenz am gruppendienlichsten? – 10 Tipps

Wir kennen sie alle und vermutlich haben wir sie auch schon ungewollt selbst verursacht: Die Störungen im Zoom Call.

Dabei ist dies natürlich selten böse Absicht, sondern eher auf mangelnde Vertrautheit mit dem Medium zurückzuführen.

Gewisse Grundregeln lassen sich schon aus der Präsenz ableiten, müssen aber in einem Online-Kontext teilweise noch genauer beachtet werden, um den strukturierten Ablauf einer Veranstaltung zu gewährleisten.

Als Basis für alle Live Calls gilt natürlich: Die Technik sollte funktionieren. Doch selbst wenn die Technik keine Probleme macht, können Kommunikationshürden die Online-Arbeit erschweren.

Daher hier nun 10 Tipps, wie man sich als regelmäßige Teilnehmer*in von Live Calls am gruppendienlichsten verhält:

1. Pünktlichkeit

Die erste Grundregel versteht sich natürlich eigentlich von selbst und gilt für Host und Teilnehmer*innen gleichermaßen.

Unpünktlichkeit ist so unhöflich, weil man damit gewissermaßen ohne es zu wollen aussagt: Meine Zeit ist wichtiger als die aller anderen.

2. Falls man verspätet ist, kein Aufsehen erregen

Sollte man die goldene Regel der Pünktlichkeit einmal aus einem unerfindlichen Grund brechen müssen, empfiehlt es sich auf lange Erklärungen zu verzichten. Denn das interessiert die anderen Teilnehmer*innen im Prinzip auch nicht wirklich und unterbricht nur den Flow der Veranstaltung.

Falls man sich wirklich dringend erklären möchte, reicht ein kurzes Statement im Chat.

3. Stummschalten ist Gold

Egal ob der Schuldige der Hund, die Partner*in oder eine Mitbewohner*in ist: Laute Nebengeräusche stören die Konzentration aller Lernenden.

In der Regel empfiehlt es sich sowieso, wenn man gerade nicht spricht, das Mikrofon stumm zu schalten – das schafft insbesondere bei großen Veranstaltungen mehr Ruhe und erlaubt den Fokus auf die Redenden.

Man kann übrigens auch ganz viele einfache Fragen sehr gut nonverbal beantworten. Ein Nicken können die anderen schnell als Zustimmung interpretieren und sorgt nicht für unnötiges Audio-Chaos.

Das Stummschalten verhindert gleichzeitig auch unschöne akustische Phänomene wie Rückkopplungen, die durch die Interferenz von verschiedenen technischen Geräten entstehen.

4. Chat nutzen

Der Chat ist eine gute Allround-Lösung für viele Zwischenfragen und Bemerkungen. Hier kannst Du auch gut Rückfragen an einzelne Teilnehmer*innen stellen, auch wenn die Veranstaltung bereits thematisch zum nächsten Punkt übergegangen ist.

Dabei gilt natürlich: Der Chat ist nicht die Hauptattraktion und sollte eher unterstützend zur eigentlichen Unterhaltung genutzt werden. Es ist genauso unhöflich, ständig in privaten Chats die murmelnden Nebengespräche der Präsenz zu simulieren.

Man kann dem Host einen Gefallen tun, wenn man aktuelle Fragen mit einem Hashtag – wie etwa #Frage – versieht, denn so sind sie wesentlich leichter zu finden. Zudem kann der Host dann entscheiden, auf welche Dinge er nochmal im Plenum eingehen möchte.

5. Still und leise vorzeitig verabschieden

Den Chat kann man durchaus auch für eine kurze Verabschiedung nutzen, wenn man den Call einmal vorzeitig verlassen muss. Auch zu diesem Zweck ist es nicht immer nötig, den Fluss der Veranstaltung für alle zu unterbrechen.

Eine freundliche Verabschiedung im Chat reicht vor allem bei größeren Teilnehmerfeldern völlig aus.

6. Nicht jede Störung kommentieren

Technische Probleme kommen vor, das wissen wir alle. Einfach eine Sekunde Geduld haben, die Dinge auf der eigenen Seite zuerst überprüfen.

Oftmals hat man schließlich einfach selbst aus Versehen eine Einstellung geändert. Falls sich nichts ändert, neu einwählen oder Browser wechseln. Im Zweifelsfall den vorhandenen Co-Moderator kontaktieren und die Störung im 1:1-Chat beheben.

7. Sprecherdisziplin

Auch wenn wir alle schon längst aus der Schule raus sind: Melden ist wieder im Trend.

Die Nutzung der Funktion „Hand heben“ wird meistens gerne gesehen. Dann kann man warten, bis man vom Host zum Sprechen aufgefordert wird. Das erfordert unter Umständen ein wenig Training, erhöht aber die Struktur und Ordnung einer Veranstaltung enorm.

So verhindert man auch den Wortsalat, der häufig durch die leichte Audio-Verzögerung entsteht.

8. Werbelinks sind tabu

Die Veranstaltung anderer ist der falsche Raum, um sich selbst zu promoten.

Im Zweifelsfall immer kurz privat beim Host nachfragen, bevor man externes Material teilt.

9. Homeoffice ist nicht Zuhause

Auch wenn viele von uns aktuell von Zuhause arbeiten: Wenn es um Meetings oder Seminare geht, sollte man sich genauso kleiden, wie man es in Präsenz machen würde. Es mag manchmal verlockend sein, im Homeoffice die üblichen Regeln schleifen zu lassen, aber das kommt nicht bei allen Gesprächspartner*innen gut an.

Je nach Anlass sind hier natürlich unterschiedliche Rahmenbedingungen gegeben, aber es kann unter Umständen peinlich werden, wenn die anderen Teilnehmer*innen feststellen, dass man sich nur von der Taille aufwärts angemessen gekleidet hat.

Und grundsätzlich gilt auch: Das Video sollte anbleiben. Nichts ist schlimmer für einen Host, als wenn er versuchen muss eine Verbindung zu schwarzen Kacheln herzustellen. Auch auf die Mimik sollte man achten – Gähnen und schweifende Augen fallen online sogar noch unangenehmer auf.

Auch den Hintergrund sollte man immer berücksichtigen – aufgeräumt sollte es mindestens sein. Falls dazu mal die Zeit fehlt, oder man allgemein den anderen Teilnehmer*innen keinen Einblick in die privaten Räume gewähren möchte, empfiehlt sich ein virtueller Hintergrund.

In diesem Artikel findest Du alle Infos und viele Tipps, was es bei virtuellen Hintergründen zu beachten gibt:

Virtuelle Hintergründe

10. Vorbereitet sein

Am besten ist es, wenn man trotz kürzerer Wege Zuhause ideal vorbereitet ist und alle benötigten Materialien griffbereit hat, sodass keine unnötigen Unterbrechungen entstehen.

Fragen oder Programmpunkte, die man ansprechen möchte, sollte man sich notiert haben – man tut dem Host auch immer einen Gefallen, wenn man diese im Vorfeld beispielsweise per Mail ankündigt.

Auch für Teilnehmer*innen kann ein zweiter Bildschirm übrigens die Arbeit sehr erleichtern, um verschiedene Programme gleichzeitig im Blick halten zu können und das Kramen in digitalen Unterlagen zu minimieren.

Ein zweiter Bildschirm eignet sich gleichzeitig auch für Notizen. Alternativ tut es natürlich auch die analoge Variante von Stift und Zettel.

Man sollte auch immer auf das Teilen des eigenen Bildschirms vorbereitet sein. Desktop-Messies sollten daher unter Umständen vorher Ordnung auf dem Desktop und in den Browser-Tabs schaffen.

Diese 10 Regeln sind sicherlich nur ein grundsätzliches Gerüst. Es gibt einige klare Dos und Don’ts bei Online Sessions, aber manche Dinge sind vielleicht auch situationsabhängig.

Da Online-Seminare generell anstrengender sein können, profitieren alle Teilnehmer*innen von der Einhaltung gewisser Regeln, um den Austausch effektiver zu gestalten.

Grundsätzlich gilt: Je größer das Teilnehmerfeld, desto wichtiger ist die Einhaltung eines geordneten Ablaufs. Wenn es nicht die eigene Veranstaltung ist, sollte man versuchen der vorgegebenen Struktur des Host zu folgen.

Falls Du 10 Grundregeln für Hosts benötigst, kannst Du sie im Artikel der letzten Woche finden:

Host bedeutet Gastgeber*in – 10 goldene Regeln