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Kritikfähigkeit – eine theoretisch sehr schöne Kunst

Niederlagen sind im Leben unvermeidbar.

Jeder von uns erhält von Zeit zu Zeit negatives Feedback oder muss eine persönliche Niederlage einstecken. Negative Rückmeldungen spuken uns oft wesentlich länger im Kopf herum, als wir zugeben möchten.

Denn selbst wenn es sich um berufliche Dinge handelt, können wir manchmal einfach nicht anders, als es persönlich zu nehmen. Gerade wenn wir an einem Projekt lange gearbeitet haben und wirklich unser Herzblut investiert haben.

Vor allem wenn negatives Feedback von Menschen kommt, die wir besonders schätzen – ob fachlich oder persönlich – kann es insgeheim schmerzen.

Wie wir damit umgehen, ist natürlich individuell verschieden. Es ist leichter gesagt als getan, Feedback neutral anzunehmen und einfach daraus zu lernen. Denn auch die konstruktivste Kritik greift unter Umständen unser natürliches Bedürfnis nach Anerkennung und unser Selbstwertgefühl an.

Ich möchte nicht vorgeben, hier eine Patent-Lösung zu präsentieren, mit deren Hilfe uns negatives Feedback nicht mehr persönlich tangiert. Sondern ich möchte vielmehr meine eigenen Erfahrungen teilen. Dabei geht es vor allem um die Theorie im Konflikt mit der Praxis.

Als Trainer oder Kommunikationsexperte befasst man sich oft auch damit, anderen die Grundätze des Feedback-Gebens zu vermitteln. Doch wie sieht es mit der eigenen Kritikfähigkeit wirklich aus?

Gerade für Selbstständige ist die Akzeptanz von Kritik von außen wohl manchmal schwierig. Denn wenn man für alles allein verantwortlich ist, dann fallen eben nicht nur Erfolge, sondern auch Niederlagen nur auf einen selbst zurück. Der psychologische Luxus, negative Rückmeldungen auf ein Team oder ein Unternehmen abwälzen zu können, entfällt in einer One-Person-Show.

Natürlich bin ich mir auch bewusst, dass der objektive Ansatz ist, Kritik an der Arbeit nicht auf die eigene Person zu beziehen. Da ich mit der praktischen Umsetzung dieser Grundsätze aber häufig an meine Grenzen stoße, möchte ich diese Theorien gemeinsam mit Euch einmal genauer diskutieren.

Wie geht man laut Experten am besten mit Feedback um?

Sprechen wir also erst einmal über die Theorie – die ideale Realität, in der wir berufliches Feedback aller Art ohne jede Wertung für uns akzeptieren und umsetzen. Ich habe einige Grundregeln zusammengetragen, die dabei helfen sollen, den Softskill Kritikfähigkeit besser umzusetzen.

1. „Ruhig bleiben“

Der erste Experten-Tipp klingt beinahe lächerlich offensichtlich.

Doch die erste Reaktion kann entscheidend sein und ist mit den meisten Emotionen behaftet. Und unsere Gefühle sind nicht gerade dafür bekannt, sonderlich konstruktiv zu sein.

In vielen Fällen ist eine natürliche Reaktion auf Kritik eine defensive innere Haltung einzunehmen, um sich davon abzuschirmen. Wir möchten uns rechtfertigen und verwickeln uns so meistens nur in unnötig emotional aufgeladene Diskussionen.

Daher empfiehlt es sich, zunächst einmal tief durchzuatmen und innerlich einen Schritt zurück zu treten.

2. Nachfragen und Nachdenken

Nachdem man kurz etwas Abstand von der geäußerten Kritik genommen hat, sollte man um Konkretisierung bitten – manchmal liegen auch einfach Missverständnisse vor. Zudem gewinnt man auf diese Weise weitere Zeit, um seine Reaktionen emotional zu ordnen.

Außerdem fällt es wesentlich leichter, das Feedback auf bestimmte inhaltliche Aspekte zu beziehen und so den Standpunkt des Feedback-Gebers nachzuvollziehen. Des Weiteren kann man so eventuell konkrete Verbesserungsvorschläge einholen. So kann Feedback auch immer zu einer Chance auf Weiterentwicklung werden.

Es gibt sicherlich auch Fälle, in denen Menschen einfach nur das Haar in der Suppe suchen – oder der Kritik eine weitere persönliche Ebene zu Grunde liegt. Ein solches Feedback hat gar nicht die Intention konstruktiv zu sein. Man kann dieses häufig daran erkennen, dass die Aussagen sehr verallgemeinert und wenig differenziert sind. Daher kann man durch gezielte Nachfragen in Erfahrung bringen, ob das Feedback tatsächlich auf konkreten Aspekten basiert.

Anschließend sollte man sich einen Moment nehmen, um wirklich über die Rückmeldung nachzudenken und mit sich selbst ehrlich ins Gericht zu gehen. Unter Umständen muss man sich eigene Fehler eingestehen – das ist kein Zeichen von Schwäche, sondern ein Zeichen eines persönlichen Lernerfolgs.

3. Respekt – nicht zwingend Zustimmung

Grundsätzlich sollte man jede Kritik ernst nehmen und auch tatsächlich über die Rückmeldung nachdenken – und sie nicht einfach abtun, da sie von einer Person ausgeht, deren Meinung wir vielleicht nicht sonderlich schätzen. Jeder Standpunkt von außen bietet eine einzigartige Perspektive, die prinzipiell wertvoll sein kann.

Es kann hilfreich sein, grundsätzlich Kooperationsbereitschaft zu signalisieren. Wenn man zunächst ausdrückt, dass man die Meinung des Gegenübers respektiert, kann sich die Situation direkt entspannen.

Es ist möglich, die andere Seite zu respektieren und nachzuvollziehen, ohne zwangsläufig allen Aussagen zuzustimmen. Es kann Gelassenheit bringen, die Meinung anderer Menschen als genau das anzusehen – als eine Seite der Geschichte von mindestens zweien. Es kann also auch eine Option sein, kritisches Feedback wahrzunehmen, aber es als Meinung einer Einzelperson zu verstehen.

4. Selbstbild überprüfen

Es gibt viele Menschen, die mit Unsicherheit und mangelndem Selbstwertgefühl kämpfen. Dann wirkt jede kritische Äußerung besonders schnell verletzend.

Verletzt und gekränkt reagieren wir meist dann, wenn unser innerer Kritiker uns schon vorher unbewusst verurteilt hat.

Business-Coach Anja Gerber-Oehlmann

Um Kritik gelassener und souveräner zu begegnen, muss man eventuell sein generelles Selbstbild reflektieren und festigen. Wenn negativ gefärbtes Feedback das eigene Selbstwertgefühl über ein gesundes Maß hinaus ankratzt, kann es nötig werden, die Ansichten und Einstellungen zu überdenken.

Denn grundsätzlich ist es keine schlechte Eigenschaft, selbstkritisch zu sein. Aber auch hier ist das richtige Maß ausschlaggebend.

5. Feedback aktiv einfordern

Da konstruktive Kritik unsere persönliche Entwicklung befördern kann, sollten wir uns daran gewöhnen, regelmäßig Feedback einzufordern.

In einem Arbeitsumfeld können Kollegen und Vorgesetzte sich durch einen kontinuierlichen Austausch gegenseitig fördern.

Daher kann es auch förderlich sein, Feedback bewusst in (Online-)Seminare einzubinden. Indem man auch die Teilnehmer*innen an Feedback-Runden gewöhnt, fördert man das Äußern und Annehmen von Rückmeldungen zu Leistungen. So kann auf Dauer die Barriere der Angst vor Kritik abgebaut werden.

Was tun, wenn die Theorie versagt?

Die gute Nachricht scheint zu sein, dass man Kritikfähigkeit lernen kann.

Der erste Schritt ist wie in vielen Fällen, in denen wir eigenes Verhalten anpassen möchten, sich des Problembereichs bewusst zu werden.

Der zweite Schritt ist die Erkenntnis, dass unsere Person und unser Verhalten tatsächlich zwei verschiedene Paar Schuhe sind. Verhalten lässt sich stets erlernen und anpassen. Wenn wir unsere Persönlichkeit und unsere Arbeit als zwei verschiedene Einheiten begreifen, fällt es leichter, Feedback anzunehmen. Grundsätzlich geht es darum, eine gewisse emotionale Distanz zu beruflichen Leistungen einzunehmen.

Kritikfähigkeit scheint eine Kunst zu sein, die am besten funktioniert, wenn man Selbst- und Fremdbild in einen Ausgleich bringt.

Ich neige – wie vermutlich viele Menschen – dazu, selbst mein größter Kritiker zu sein. Wenn man selbst zu Perfektionismus neigt, findet man immer Kritikpunkte an der eigenen Arbeit, bevor jemals ein anderer Mensch Feedback geübt hat. Wenn dann kritisches Feedback kommt, bestätigt das im Grunde nur die innere Stimme.

Eine wichtige Erkenntnis ist für mich auch, dass man kritische Meinungen nicht unbedingt teilen muss. Jeder Mensch verfügt über ein individuelles Empfinden und manchmal sind Menschen einfach verschiedener Meinung. Das heißt nicht, dass man sofort das Gesamtkonstrukt seines Selbstbilds in Frage stellen muss.

Die eigene Intuition kann schlussendlich doch der beste Wegweiser sein und man sollte sich durch kritische Einzelstimmen nicht unbedingt von diesem Weg abbringen lassen. Der Mensch an sich hat ein natürliches Bedürfnis gemocht und gelobt zu werden – daher gehen uns negative Rückmeldungen auch oft so an die Nieren.

Auch wenn die Grundsätze der Kritikfähigkeit wohl inhaltlich kaum jemanden überraschen werden, so kann sich eine bewusste Auseinandersetzung damit lohnen. Für mich ganz persönlich manifestiere ich diese Tipps daher in Form dieses Artikels, mit dem Ziel diese in Zukunft besser umzusetzen.

Was ist eigentlich lernen

Was ist eigentlich Lernen?

Jemand, der, anderen etwas beibringen, also lehren möchte, sollte sich auf alle Fälle auch mit dem Lernen beschäftigen; denn erst, wenn er weiß, was Lernen ist, wie Lernen funktioniert, dann kann er hoffen, dass die Lernenden auch wirklich lernen. Im besten Fall lernen sie dann sogar gerne.

Lernen kann Spaß machen

Erst einmal gilt es, mit einem verbreiteten Missverständnis aufzuräumen: Unter „Lernen“ wird von vielen Menschen „Aufnehmen und Behalten von Wissen“ verstanden. Das ist das eben jenes Lernen, mit dem wir es in der Schule hauptsächlich zu tun hatten, und bei den meisten Menschen hat diese Erfahrung das Bild vom Lernen nachhaltig beeinflusst. Lernen bedeutet allerdings viel, viel mehr, und genau genommen muss der Mensch praktisch alles Lernen, was er benötigt, um in seiner Umgebung leben und handeln zu können: Das Allerwenigste kann er von Geburt aus, das Meiste – Gehen, Sprechen, Autofahren, Nahrung zubereiten, Konflikte behandeln, sich anziehen, Lesen und Schreiben, Flirten, zuverlässig sein, sich ausdrücken, ein Handy bedienen, sein eigenes Leben in den Griff bekommen und unendlich viel mehr – muss er sich im Laufe seines Lebens erst aneignen, d.h. eben: lernen.

​Bewusster oder gewollter Lernvorgang

​Lernen ist somit die Selbstentwicklung des Menschen. Hinter jeder Veränderung der Person (ohne die körperliche Veränderung) steckt ein – bewusster oder unbewusster, gewollter oder auch nicht gewollter – Lernvorgang, mit dem sich der Mensch an die Bedingungen seiner Umwelt anpasst und dadurch prägt, formt und bringt er sich selbst hervor. Man unterscheidet verschiedenen Lernebenen, die deutlich machen, was alles erlernt und gekonnt werden soll:

​Wissen

Fertigkeiten

Fähigkeiten

Kompetenzen

Selbstbild

​Insofern kann man Lernen als eine Art menschlichen Grundprozess ansehen, der genau so zum menschlichen Leben gehört wie etwa das Atmen oder Verdauen. Lernen ist permanente Verarbeitung von Erfahrungen mit der Umgebung und ihre Umsetzung in „persönliche Ausstattung“ (also in Wissen, Fähigkeiten, Einsichten, Gefühlsstrukturen, innere Haltungen usw.). Lernen ist somit Teil der menschlichen Grundausstattung.

​Lernen liegt in unserer Natur

​Lernen ist etwas, was gesunder Mensch nicht erst lernen muss, sondern ganz selbstverständlich als eine zunächst ganz unbewusste Energie mitbringt. Davon kann man sich leicht überzeugen, wenn man kleine Kinder beobachtet, die gar nicht anders können, als Lernen – und denen das offenbar auch Spaß macht.

Lernen ist geradezu die ursprüngliche Lebensform, und es gehört zu den irritierenden Erfahrungen, wenn man erlebt, wie diese Lernenergie später dann möglicherweise erlahmt, Lernen verweigert, vermieden, abgewehrt wird und nur noch schrecklich viel Mühe zu machen scheint.

Lernlust oder Lernlast – Lernprozesse wieder in Gang bringen

​Dann lautet die Frage nicht: Wie kann jemand lernen, sondern sie lautet: Was ist passiert, dass diese ursprüngliche Energie des Lernens versiegt ist, und welche Barrieren müssen über weggeräumt werden, damit sich diese Lernlust wieder entfalten kann?

​Im Kontext des lebenslangen Lernens geht es also darum, nicht nur Lernprozesse in Gang zu bringen, sondern eben sehr oft, Lernhindernisse zu beseitigen. Die entscheidende Frage lautet also: Was hindert Dich eigentlich am Lernen?  Es ist selbstverständlich auch ein Lernvorgang, wenn wir Eigenschaften und Gewohnheitenbilden oder ablegen, wenn wir unser Verhalten oder unsere Überzeugungen ändern.

​Für berufliches Lernen ist dieses weite, über bloße Wissensaufnahme hinausgehende Lernverständnis außerordentlich wichtig, denn hier reicht es ja niemals aus, die Dinge zu wissen – man muss sie auch tun können, d.h., man muss lernen, zu handeln undsich selbst, seine Bewegungen, Gefühle, Absichten, Erwartungen, Vorgehensweisen usw. entsprechend zu steuern.

Formelles und informelles Lernen

Wenn man Lernen so weit fasst, dann fällt gleich noch wichtiges Merkmal des Lernens auf: Das wenigste, was der Mensch lernt, lernt er mit Lehrer und innerhalb von organisierten Lerninstitutionen wie Schulen u. ä. Lernen ist also offenbar überhaupt nicht daran gebunden, dass einer da ist, der lehrt. Das hat in der Lernforschung zu der begrifflichen Unterscheidung von formellem und informellem Lernen geführt. Formelles Lernen bezeichnet geplante Lernwege die meist dann in Umgebungen stattfinden, die ausdrücklich zum Lernen geschaffen worden sind.

​Das informelle Lernen dagegen ist das Lernen, welches sich praktisch überall abspielt, ohne dass es geplant oder organisiert wird. Es findet ganz selbstverständlich und spontan statt. Beim informellen Lernen handelt es sich häufig um sogenanntes „implizites“, d.h. unbewusstes Lernen, das sich beinahe als ein Nebenprodukt anderer Tätigkeiten ergibt.

Man schätzt, dass auf diese informelle Weise etwa 70% allen menschlichen Lernens zustande kommt! Das heißt: Weitaus das Meiste, das wir lernen, lernen wir außerhalb von speziell dafür vorgesehenen „Lernanstalten“ und vollkommen unabhängig davon, dass da einer ist, der uns etwas beibringen will oder uns zum Lernen anleitet.

Wer kennt das nicht, dass man gar nicht merkt, dass und was man gelernt hat. Es gibt keine Lebens- und Handlungssituation in der nicht gelernt wird, unabhängig davon, ob sie in einem institutionellen Rahmen stattfindet, der bewusst dem Lernen dient – also in Schulen, Kursen, Seminaren, etc., vorausgesetzt, es sei denn, diese Situation wird bereits vollständig beherrscht.

Informell zu lernen, ist die primäre, ursprüngliche Entwicklung. Formelles Lernen tritt dann auf, wenn etwas zu komplex ist, um informell, d.h. ohne Hilfe gelernt werden zu können, oder wenn etwas gelernt werden soll, dass der Lernende von sich aus nicht lernen möchte, z.B., weil es ihn gerade nicht interessiert bzw. weil er es ausseiner aktuellen Situation heraus nicht braucht (oder nicht zu brauchen meint).

​Fremdbestimmtes Lernen

​Bei diesem letzten Fall handelt es sich um eben jenes fremdbestimmte Lernen, d.h. um ein Lernen, von dem andere sagen, dass es wichtig und notwendig ist. In diesem Fall werden Lernziele durch irgendwelche Instanzen definiert und vorgegeben. Das Lernen wird also nicht durch den Wunsch oder die Notwendigkeit ausgelöst, eigene Erfahrungen zu verarbeiten, sondern durch eine Forderung außenstehender.

​Da dies die vorrangige Erfahrung in der Schule ist, identifizieren Lernende häufig formelles Lernen vor allem mit Fremdbestimmung, Zwang und fremden Forderungen. Auf diese Weise ist Lernen bei sehr vielen Menschen negativ besetzt und löst nicht gerade Lust und Bereitschaft aus (zweifellos einer der Gründe, weshalb die Kraft zum Lernen im späteren Leben bei vielen Menschen blockiert ist).

​Allerdings darf nun auch klar sein, dass dieses fremdbestimmte formelle Lernen nur einensehr geringen Teil des Lernens überhaupt ausmacht und keineswegs allgemein für Lernenstehen kann. Coen van Houten unterscheidet z.B. drei verschiedene Arten des Lernens:

Das Lerndreieck


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